Dienstag, 10. Oktober 2017

OMM Alps 2017


Es regnet bereits in Strömen, als ich den kleinen Kunststoffstift, der an einem Band an meinem Handgelenk baumelt in die Box stecke und diese das mit einem „Pieps“ kommentiert. Auch bei meinem Teampartner ertönt das Signal aus der Box, das Zeichen, dass die Zeit für uns angefangen hat zu laufen. Mit den Worten „Take care“ drückt man jedem von uns eine topographische Karte in die Hand. Kein „Viel Erfolg“ oder wenigstens „viel Spaß“, sondern ein „Passt auf Euch auf“. Und so hat der OMM Alps 2017 für uns begonnen.



Vom OMM, dem Original Mountain Marathon, habe ich das erste mal vor einigen Jahren gehört, als ich in Schottland unterwegs war. Seitdem habe ich dieses besondere Rennen im Auge behalten. Hierzulande ist er kaum bekannt, obwohl er bereits seit 1968 jährlich ausgetragen wird und zu einem der anspruchsvollsten Laufevents zählt. Der OMM wurde als besondere Herausforderung an Läufer und Alpinisten gleichermaßen geschaffen. Dafür verbindet er drei Elemente, die es jedes für sich schon in sich haben. Statt einer festen, ausgeschilderten Route erhält man lediglich wie beim Orientierungslauf eine Karte mit Koordinaten mit der man sich unter Zuhilfenahme eines Kompasses selber orientieren muss. GPS? Nicht erlaubt.
Wie beim Crosslauf liegen die Punkte, die man Anlaufen muss dabei nicht unbedingt auf dem nächstbesten Trail sondern befinden sich auch gerne mal auf einer Bergspitze oder auf der anderen Seite eines Flusses. Feste Wege? Fehlanzeige.
Zudem ist der OMM ein Etappenlauf ohne Verpflegungsstationen oder Checkpoints. Man muss für die gesamte Dauer des OMM autark unterwegs sein können. Das heisst nicht nur die Verpflegung für die zwei Tage mit sich führen, sondern auch das Übernachtungsgepäck wie Zelt, Schlafsack, Kocher und Wechselkleidung. Dropbags? Gibts nicht. Grammfuchser haben hier einen klaren Vorteil!

Und es währe kein Britisches Event, wenn nicht auch das Wetter eine vierte Herausvorderung liefern würde. In der Regel findet der OMM Ende Oktober statt, wenn auf der Insel die Berge im Nebel verschwinden und die Teilnehmer sich gegen Wind und Regen wappnen müssen. Dieses Jahr feiert der OMM sein Jubiläum und in den 50 Jahren die es ihn schon gibt, hat es kein Rennen ohne Regen gegeben!

Als ich dann Anfang des Jahres erfuhr, dass zum 50sten Jubiläum nicht nur ein großes Event auf der Heimatinsel dieses Laufs geplant war, sondern auch das erste mal in seiner Geschichte ein Rennen in den Alpen stattfinden würde, stand für mich fest: Da bin ich dabei! Und das es für mich quasi ein Geburtstagslauf werden würde war ein schöner Bonus.
Meinen Laufpartner davon zu überzeugen bei so einer verrückten Veranstaltung mitzumachen war dann verständlicherweise etwas schwieriger. Aber der OMM ist ein Teamevent, schon allein aus Sicherheitsgründen, weil es wie gesagt keine Streckenposten gibt. Und wie schon Yoda festgestellt hat:
„Immer zu zweit sie sind. Keiner mehr, keiner weniger.“

Und so standen wir nun irgendwo in Tirol im Regen an einer Startlinie mit zwei Karten in der Hand und versuchten schnellstmöglich eine sinnvolle Route zu erarbeiten.


In Hinblick auf den Wetterbericht und unseren aktuellen Trainingsstand (Wir waren beide erst kurz vorher aus dem Urlaub zurückgekommen und da stand Laufen nicht auf Platz 1 der Tagesordnung) versuchten wir auf Nummer sicher zu gehen und wählten eine Strecke, die zwar die größten Anstiege auslassen würde bei denen wir ein paar Punkte mehr sammeln könnten. Dafür könnten wir schneller unterwegs sein, Energie für den zweiten Tag sparen und eventuell einen Zeitvorteil herauslaufen. Und so spurteten wir eingepackt in kompletter Regenmontur den Berg hoch und suchten uns schon wenig später einen Pfad durchs Unterholz. Es dauerte nicht lange und wir fanden den ersten Marker, checkten mit unseren Transpondern an der kleinen Box ein und liefen weiter. Anfangs trafen wir unterwegs noch andere Teams. Da die Routenwahl aber frei war löste sich das Feld schnell auf und wir waren die nächsten Stunden alleine unterwegs. Wir kamen gut voran und auch die Marker waren gut zu finden. Teils griffen wir auf flotte Wege zurück, teils ging es querfeldein durch dichten Wald, steil die Berge hoch.






Das Etappenziel mit dem gemeinsamen Übernachtungsplatz aller Teams erreichten wir als eines der ersten Teams. Wir spielten wie gesagt lieber auf Nummer sicher und gaben uns mit weniger Punkten zufrieden, als eine Zeitstrafe zu riskieren oder unser geringes Trainingspensum schon am ersten Tag auszureizen.


Es dauerte nicht lange und das mittlerweile mehr als bewährte ShangriLa stand und der Esbitkocher heizte dem Wasser ein. Leider hatte der Topf, eine umfunktionierte Foster-Bierdose, durch den etwas unsanften Lauf im Gelände etwas Schaden genommen. Ein Adventure-Race ist halt keine entspannte Ultraleichtwanderung. Die Löcher wurden kurzerhand mit Griptape aus dem Verbandmaterial geflickt, was dem Geschmack des heißen Kakaos keinen Abbruch tat. Mit warmem  Bauch wurde dann erstmal ein Nickerchen gehalten, nachdem wir vorher noch rasch in unsere trockenen Reserveklamotten geschlüpft waren. Abends tauschten wir uns dann mit den anderen Teams aus. Gefühlt 2/3 der Teilnehmer war extra aus Großbritannien angereist, während auch ein paar erfahrene Orientierungsläufer aus Dänemark und Polen unter den Teilnehmern waren. Deutsche und Österreicher waren kaum vertreten. Die erfahrenen Teilnehmer erkannte man an den Plastiktüten die Sie sich zum Schutz ihrer trockenen Socken im Camp über ihre Füße gezogen hatten. Solche Tricks wurden schnell von allen anderen übernommen was dann am Ende des Tages für ein interessantes Bild der Teilnehmer sorge. Als das letzte Team eintraf versammelten sich alle noch kurz zu einem Briefing bevor es zur Nachtruhe ging.

Die erste Hälfte der Nacht verlief zunächst etwas schlaflos. Mein Teampartner musste zunächst im Schein unserer Stirnlampen eine nächtliche Fuß-OP durchführen um den Druck von einer Blutblase zu nehmen, die sich irgendwie unter seinen Fußnagel verirrt hatte und ihn durch ihr Pochen vom Schlafen abhielt. Dann kollabierte mein Daunenquilt aufgrund der enorm hohen Luftfeuchtigkeit komplett, so dass ich mich in die Rettungsdecke einrollte um eine halbwegs warme Nacht zu verbringen. Irgendwie waren wir aber dann doch recht schnell und tief eingeschlafen.

Am Morgen wurden wir durch die Melodie eines Trompetenspielers geweckt. Nach einem Kaffee vom notdürftig reparierten Esbitkocher und einem Frühstück in Form von Porridge aus dem Beutel, packten wir unsere Sachen und bereiteten uns auf den zweiten Tag des Rennens vor.


Am Start das übliche Prozedere. Transponder in die Box stecken, „Piep“, Karte entgegennehmen und los.


Der Weg zum ersten Checkpoint war deutlich trailiger und führte bereits stetig aufwärts. In der Nähe einer Almhütte, auf offenem Feld wurden wir dann aber schnell fündig, während über uns eine Drohne kreiste um den ersten OMM Alps auch mit Bildern zu dokumentieren. Den nächsten Checkpoint dachten wir schon sicher zu haben. Von einer Weggabelung peilten wir mit dem Kompass seine Koordinaten an und machten uns auf ins Unterholz. 

Nix. Einige andere Teams irrten ebenso erfolglos umher auf der Suche nach der Fahne mit der kleinen Box. Irgendwann beschlossen wir die Suche aufgrund der drängenden Zeit aufzugeben. Auf dem Rückweg stolperten wir dann jedoch wie durch Zufall über eben genau den vermissten Checkpoint. Erst nach dem Rennen, wieder zuhause in der warmen Stube, konnte ich mir unseren Fehler erklären. Wir (und offensichtlich auch die anderen Teams) hatten schlicht die Missweisung zwischen magnetischem Nordpol und Kartennord nicht berücksichtigt. Normalerweise in unseren Breitengraden kein großes Problem. In dem dichten Wald hat das aber dazu geführt, dass wir alle gut 20 Meter neben der richtigen Stelle gesucht hatten.

Die weiteren Checkpoints sammelten sich im Vergleich dazu dann mehr oder weniger im „Vorbeilaufen“ ein. Zumindest was die Orientierung anging. Etwas kraxeln mussten wir dann schon noch. Wir waren recht flott unterwegs und begegneten an diesem Tag auch öfters mal dem ein oder anderen Team, die nun alle eher auf schnelle Strecken als auf hohe Punkte setzten.


Zum Abschluss unserer Route wählten wir einen Checkpoint auf einer bewaldeten Bergkuppe. Zeitgleich trafen wir dort mit einem anderen Team ein und mussten leider feststellen, dass irgend jemand die elektronische Box zerstört hatte. Es fanden sich nur noch einzelne Bruchstücke und das Stahlseil, mit dem diese ursprünglich am Baum gesichert war. 

Später stellte sich heraus, dass offensichtlich jemand hier gezielt Vandalismus betrieb, da auch noch andere Checkpoints im nahen Umfeld mutwillig zerstört worden waren. Das war nun schon das zweite mal in diesem Jahr, dass ich an einer Veranstaltung teilgenommen hatte, bei der es jemand offenbar ok fand, das Event maßgeblich zu sabotieren und den Teilnehmern damit auch unnötig die Orientierung im Gelände zu erschweren. Mal ganz von der offensichtlichen Sachbeschädigung abgesehen ist sowas für mich in keinster Weise nachvollziehbar, da solche Personen die Gefährdung der Teilnehmer offenbar gleichgültig in Kauf nehmen. (Bei der anderen Veranstaltung mussten mehrere Teilnehmer aufgrund eines solchen „Scherzes“ frühzeitig das Rennen beenden)

Das andere Team machte sich nun in Richtung eines Pfades auf, der sie im Bogen von dem Berg runter führen sollte. Wir hatten einen anderen Plan. Auf der Karte war ein Lift eingezeichnet und in unmittelbarer Nähe daneben eine Waldschneise die in direkter Linie zum Ziel lag. Das konnte nur eins bedeuten: Skiabfahrt!

Nach ein paar Metern durch das Unterholz erblickten wir auch schon den obersten Pfeiler des Skiliftes und wenig später stürzten wir uns in einen der geilsten Downhills der mir bis jetzt unter die Füße gekommen war.
Mit einem ordentlichen Zeitpuffer im Gepäck steuerten wir das Ziel an wo wir mit Kuhglockengeläut vom Raceteam empfangen wurden.



Endlich Zeit die Reserven wieder aufzufüllen. Und nachdem wir uns in trockene Klamotten gepackt hatten, unsere Laufsachen geruchsicher gaaaanz weit unten in den Taschen verstaut hatten, warteten wir bei heißer Suppe auf die anderen Teams und die obligatorische Siegerehrung.


Ja, und dann wurden wir noch überrascht, als sich zeigte, dass man weder das schnellste noch das Team mit den meisten Punkten sein muss um auf dem Treppchen zu landen, solange die Gesamtstrategie aufgeht und man als Team ins Ziel läuft.


Vielen Dank an die Veranstalter des OMM die hier wirklich etwas Großartiges auf die Beine gestellt haben. Danke auch an die freiwilligen Helfer aus Steinberg die uns so gut bewirtet haben und vielen Dank an die zuständigen Stellen die einen solchen Geländelauf überhaupt genemigt haben. Vielen Dank für das mehr als faire Miteinander unter den Teams. Und nicht zu letzt: Danke, Björn, dass Du so 'nen Quatsch mitgemacht hast! Nächstes Jahr laufen die den A-Course! ;-)

OMM Alps 2018? Behalte ich mal im Auge... ;-)


Anmerkung:
Alle Kosten des OMM Alps 2017 habe ich selber getragen und ich bin in keinster Weise geschäftlich mit den Veranstaltern verbunden. Die Bilder die ich hier in diesem Beitrag verwendet habe wurden zum Teil von den Veranstaltern des OMM den Teilnehmern zur freien Verfügung und Nutzung bereitgestellt. Das Urheberrecht bleibt davon unberührt.



Mittwoch, 27. September 2017

Warum ich nicht Jogge und warum Begrifflichkeit wichtig sind


Früher war ich öfters Joggen. Heute nicht mehr. Wenn ich heutzutage draußen unterwegs bin, dann laufe ich, unabhängig ob es nun 5, 10, 40 oder mehr km sind. Laufen ist nicht gleich Joggen. Und die Unterscheidung ist wichtig. Wenn man eine Fertiglasagne in den Ofen schiebt hat das genauso wenig was mit Kochen zu tun, wie Joggen mit Laufen. Ja, auch beim Fertiggericht hab ich hinterher was zu beißen und werde irgendwie satt. Und genauso habe ich mich beim Joggen irgendwie sportlich bewegt und Kalorien verbrannt. Aber fragt einmal einen gelernten Koch, was er von so einer Mahlzeit hält…



Wer auf ein Fertiggericht setzt, der überlässt einen Teil der Arbeit jemand anderem, der dafür auf moderne Technik und teils fragwürdige Inhaltsstoffe zurückgreift. Und das Ergebnis ist meist auch nur wenig überzeugend. Kein ernsthafter Koch würde so in seiner eigenen Küche kochen. Kurzfristig mag das mal ok sein, aber auf lange Sicht gibt es mit Sicherheit was Gesünderes und was besser schmeckt.

Beim Joggen ist das genauso. Man überlässt einen Teil der Arbeit jemand anderem, in dem Fall dem Schuh, bzw. dem Schuhhersteller. Das sind in dem Fall verschiedenste Dämpfungselemente, künstliche Stützen und andere Laufschutechniken. Die scheinen auf den ersten Blick ein brauchbares Ergebnis zu liefern, sind aber auf lange Sicht, ähnlich wie der ausschließliche Verzehr von Fertignahrung, kaum zu empfehlen.

Betrachtet man sich den Menschen aus evolutionsbiologischer Sicht, dann ist der menschliche Bewegungsapperat grundsätzlich auf drei Gangarten hin optimiert. Das sind Gehen, Laufen und Sprinten. Mehr nicht. Punkt. Unter Gehen fallen dann z.B. auch so Tätigkeiten, wie Spazieren, Wandern, etc. die sich von dem Bewegungsmuster an sich aber nicht unterscheiden.
Beim Gehen berühren wir bei jedem Schritt mindestens mit einem Fuß den Boden. Um uns Fortzubewegen rollen wir dafür den Fuß von der Ferse an beginnend nach vorne ab, bevor wir ihn anheben und vor uns wieder mit der Ferse auf den Boden bringen. 

Beim Laufen gibt es dagegen eine sogenannte Flugphase. Das heißt, das während der Laufbewegung zwischenzeitlich beide Füße in der Luft sind. Die Landung des Fußes erfolgt dabei abhängig von verschiedenen Faktoren im Mittelfuß oder Vorfußbereich. 
Damit gibt es zwei deutliche Unterscheidungsmerkmale zum Gehen. (Man hat irgendwann beide Füße in der Luft und man setzt mit dem vorderen Teil des Fußes auf.)

Beim Sprinten wird die Flugphase, wo beide Füße in der Luft sind, nochmal deutlich verlängert und die Landung des Fußes erfolgt nur noch ausschließlich auf dem Vorfuß. Man gibt quasi nur noch kleine explosionsartige Impulse mit dem Fuß an den Boden ab.

Und wo passt jetzt das Joggen da rein? Ehrlich gesagt nirgendwo! Und da liegt auch das Problem.
Beim Joggen gibt es zwar eine Flugphase (die je nach Intensität mal kürzer oder länger ausfallen kann) jedoch landet der Jogger nicht wie beim Laufen auf dem Vorderfuß, sondern auf der Ferse. Hier beginnen die Schwierigkeiten. Der gesamte Fußaufbau, vom Fußgewölbe über die Sehnen bis hin zu den Zehen funktioniert wie eine Federung und damit wie eine natürliche Dämpfung. Die besitzt unsere Ferse nicht! Wer das nicht glaubt, kann gerne mal auf eigenes Risiko mit nackten Füßen auf der Stelle hochspringen und versuchen ausschließlich auf der Ferse zu landen. Landet man beim Joggen auf der Ferse lässt man die natürliche Federung des Fußes somit ungenutzt. Im Unterschied zum Gehen, wo man ja auch zunächst mit der Ferse aufsetzt, ist aber die Belastung auf den Körper beim Joggen durch die Flugphase und die anschließende Landung deutlich höher.
Die Bewegung des Joggens ist nur (schmerzfrei) möglich durch moderne Joggingschuhe, die über eine entsprechende Dämpfung bzw. Polsterung in der Sohle verfügen. Aber genauso wie Fertiggerichte sind diese Dämpfungselemente nur ein schwacher Ersatz für das Original. In dem Fall für die ausgeklügelte Federung unserer Füße. Bisher konnte KEIN Schuhersteller trotz Millardenbudget in der Entwicklung und Forschung eine einzige wissenschaftliche Studie vorzeigen, in der das Verletzungsrisiko beim Joggen oder Laufen durch seine Schuhe sinkt. Ich möchte an dieser Stelle das Thema nicht in die Länge ziehen und auch kein Coaching zur perfekten Lauftechnik geben. Dafür dürft ihr gerne mal bei der Barefootacademy in Düsseldorf vorbeischauen oder mich auch gerne mal persönlich kontaktieren. Und ich möchte auch nicht, dass ihr umgehend eure Joggingschuhe in die Tonne schmeißt um in Zukunft nur noch barfuß zu laufen. (Auch wenn ich selber ein großer Freund davon bin.)

Ich möchte jedoch kurz darauf eingehen, warum die Unterscheidung von Joggen und Laufen auch im Sprachgebrauch wichtig ist. Ich höre oft folgenden Spruch:
„Ich brauch einen bequemen Schuh, denn ich laufe viel zu Fuß.“
Mal abgesehen von der Frage die mir bei so einer Aussage immer durch den Kopf schießt („Womit laufen Sie denn, wenn sie nicht zu Fuß sind?“) müsste ich durch den verwässerten Sprachgebrauch immer genau nachfragen, was denn in diesem Fall mit „Laufen“ gemeint sei. Gehen, Laufen oder Joggen?
Möchte dieser Mensch jetzt einen Schuh für den Alltag, einen Wanderschuh oder einen Laufschuh?
Wenn ein etwas kompliziertes Beratungsgespräch das einzige Problem währe, dann währe so eine sprachliche Ungenauigkeit nicht so schlimm und würde höchstens ein paar Verkäufer nerven. Wenn man aber diverse Artikel in Zeitungen und anderen Medien über den schönsten Sport der Welt (Hallo??? Hier ist selbstverständlich das Laufen gemeint!!!) liest, dann merkt man, dass eine kleine sprachliche Ungenauigkeit ein oft falsches Bild auf diesen Sport und unsere natürliche Art der Fortbewegung wirft. Da liest man was von „ungesund“, „kaputten Knien“, „Rückenbeschwerden“, „der Mensch sei dafür nicht gemacht“, etc. Und dennoch gibt es Läufer die verletzungsfrei und scheinbar spielerisch immer wieder lange Distanzen in erstaunlichen Zeiten zurücklegen. Da passt doch was nicht zusammen?
Genau! Und was hier nicht zusammen passt ist, dass viele Leute durch die Entwicklung des modernen „Laufschuhs“ vor nicht mal 40 Jahren (eigentlich müsste es „Joggingschuh“ heißen) und dem damit verbundenen, und zugegeben gelungenen Marketing, heutzutage Laufen mit Joggen verwechseln.
Der Mensch ist trotz technischer Hilfsmittel nicht dafür entwickelt dauerhaft längere Strecken zu joggen, ohne dadurch gesundheitliche Schäden zu riskieren. 

Durch diese Ungenauigkeit, die sich mittlerweile bei vielen im Sprachgebrauch eingebürgert hat wird Laufen häufig mit den negativen, gesundheitlichen Folgen des Joggens in Verbindung gebracht. Das macht auch vor wissenschaftlichen Studien nicht unbedingt halt! Und auch beim Arzt wird bei Beschwerden dann häufig empfohlen „weniger zu laufen“ obwohl der Patient vorher nur gejoggt ist und nie richtig gelaufen. 

Die Folgen:
-Weniger Leute laufen regelmäßig oder haben es vollkommen verlernt aus Angst vor den Risiken.
-Unsere natürliche Art der Fortbewegung wird als Extrem angesehen obwohl sie eigentlich jedem Menschen zugänglich währe.
-Man vertraut sich immer mehr technischen Spielereien an die uns immer mehr von ihrer künstlichen Unterstützung abhängig machen und uns damit in einen Teufelskreis befördern.

Ich könnte hier fortsetzen, aber ich denke für den Anfang reicht das.
Ja, ich bin früher gejoggt und hatte auch die üblichen Probleme eines „Läufers“. Spaß hat es auch nur bedingt gemacht.
Aber genau so, wie ich kochen gelernt und Fertiggerichte aus dem Kühlfach verbannt habe, habe ich auch das richtige Laufen wieder gelernt. Und seitdem gibt es für mich keine schönere Art der Fortbewegung. 


Wenn ihr euch jetzt beim Lesen ertappt habt und auch bisher nur gejoggt seid und/ oder mal ausprobieren wollt, wie das mit dem richtig Laufen so geht, dann meldet euch gerne bei mir. Ich freu mich immer über etwas Gesellschaft auf den Trails!



Anmerkung des Autors (29.09.17):
Mein Beitrag sollte damit nicht negativ sein und körperliche bzw. sportliche Bewegung irgendwie schlecht machen. Im Gegenteil. Mir ging es vielmehr darum, dass den Leuten bewusst wird, dass es eben nicht egal ist, wie man läuft, sondern dass es neben Kondition und Schnelligkeit auch auf eine gute Lauftechnik ankommt. In jedem Fitnessstudio wird man korrigiert damit man sich keine Verletzungen zuzieht. Radler arbeiten am runden Tritt und an ihrer aerodynamischen Haltung. Bevor man als Schwimmer überhaupt an längere Strecken denkt wird man noch in der Schule auf die richtige Technik getrimmt. Aber welcher Läufer kennt und betreibt denn heute noch ein Lauf-ABC? Selbst wenn man nicht im Geheimen den Wunsch hegt, die 2 Stunden Marke im Marathon zu knacken, schadet das Erlernen einer sauberen Lauftechnik nicht. Im Gegenteil! Man wird feststellen, dass man entspannter und verletzungsärmer unterwegs ist. Und wer doch irgendwelche Bestzeitambitionen hegt, kann durch eine effizientere Technik auch schneller und ausdauernder werden.

Ich habe in diesem Artikel bewusst auf eine längere, ausführliche Herleitung der verschiedenen Begriffe verzichtet. Ich beziehe mich hier wie gesagt nicht auf die heutige Verwendung des Begriffes "Joggen", der ja selbst in Läuferkreisen nicht eindeutig festgelegt ist (z.B. was bedeutet "gemütliches" oder langsames Laufen? Ab wann läuft man schnell?), sondern auf die wissenschaftlich eindeutig definierten Gangarten sowie den, auf die sportliche Aktivität bezogenen, sprachlichen Ursprung der 60/70 Jahre (Lydiard) der Anfang der 80er durch Bowermann und Nike Verbreitung gefunden hat. Dabei wird sowohl bei Lydiard wie Bowermann grundsätzlich Joggen als langsame/ aerobe Grundlage bzw. alternative Trainingsmethode für Läufer bezeichnet. Von daher stimmt natürlich auch die Aussage, dass Joggen quasi gemütliches Laufen ist. Jedoch haben beide Autoren auch die Technik des Joggens beschrieben! Diese unterscheidet sich deutlich von der des Laufens. Insbesondere wird hier das Abrollen über die Ferse, was angeblich die Belastung auf die Gelenke reduzieren soll, betont. Diese Belastungsreduktion auf die Ferse gilt mittlerweile allerdings als widerlegt und in diversen Studien konnte nachgewiesen werden, dass besagte Joggingtechnik sogar den Belastungsstoß erhöht.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Packliste für Trekking in Ladakh und Zanskar #HimalaYak2017

Nur noch wenige Tage, dann geht es für uns los Richtung Indien. Die Visa sind mittlerweile angekommen und unser Impfmarathon ist auch soweit durch. Hier zu hause stapeln sich diverse Packete und Packsäcke mit Verpflegung und Ausrüstung. Damit wir am Ende nichts wichtiges vergessen oder viel zu viel mitschleppen haben wir uns natürlich im Vorfeld ausgiebig Gedanken gemacht und verschiedene Optionen durchgespielt. Herausgekommen ist eine recht praktikable Packliste. Zugegeben, wir waren schon mal deutlich leichter unterwegs. Bis zum eigentlichen Beginn unserer Reise wird sich bestimmt auch noch das ein oder andere Detail ändern. Aber im großen und Ganzen ist das die Ausrüstung die uns ins Himalaya begleiten wird.

Bevor ich jetzt hier sozusagen den Rucksack auspacke, vorab noch ein paar Informationen zu den Rahmenbedingungen. Klimatisch können die Regionen Ladakh und Zanskar als Hochwüsten eingestuft werden. D.h. tagsüber erwarten wir um die 40° C während es nachts bis auf 0° C abkühlt. Dabei ist das Klima in Ladakh trockener wie das in der Sahara. Problematisch sind dabei nicht die Temperaturen an sich, sondern vielmehr die große Temperaturspanne. D.h. die Temperaturen werden sich extremer anfühlen, wenn sie sich innerhalb eines Tages um gut 40°C verändern.

Wir verbringen die ersten Tage in der Stadt Leh auf und seiner Umgebung um uns zu akklimatisieren. Danach werden wir rund 2 Wochen zu Fuß unterwegs sein, wobei die Pässe auf Teils 5500m hoch gehen. Wir haben uns noch einen gewissen zeitlichen Puffer eingeplant um spontan die Tour zu verlängern oder auf eine andere Route auszuweichen. Im Anschluss an unsere Trekkingtour in Ladakh und Zanskar werden wir noch für ein paar Tage in Delhi Zwischenstation machen. Dort ist dann die Hochzeit des Monsun. Nach dem trockenen Klima in den Bergen erwartet uns dann da eine schwül-warme Hitze mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Auf der Tour werden wir unsere Ausrüstung und Verpflegung selber tragen, sind also ohne organisierte Gruppe unterwegs. Die gemeinsam genutzte Ausrüstung (Zelt, Küche, etc.) und auch die Abendverpflegung werde ich dabei transportieren. In Rikes Rucksack wird sie ihre persönliche Ausrüstung tragen, sowie die Dinge auf die wir unterwegs schneller dran kommen wollen, da ihr Rucksack (OMM Classic Marathon 32) einen einfacheren Zugang bietet. Aus kulturellen Gründen werden wir unterwegs nur lange Hosen tragen. Wenn wir vor Ort unsere Informationen ergänzt haben, werden wir versuchen unsere Ausrüstung noch kurzfristig anzupassen und nicht benötigtes irgendwo zwischenzulagern.

Für die Packliste habe ich das übrigens das kostenlose Online-Tool LighterPack genutzt. Fehlende Gewichte werden wir nach und nach noch ergänzen. Auch wenn sich noch etwas an unserer Ausrüstung ändert, werden wir die Packliste entsprechend aktualisieren.




Wenn ihr noch Fragen oder Anregungen zu unserer Liste oder unserer Tour habt, dann immer her damit!
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