Montag, 20. Mai 2013

Press [RESET] to continue...




Unser letzter Reisebericht liegt schon eine Weile zurück.
Nicht jeder Ausflug lohnt darüber berichtet zu werden.
Und nicht jede Tour lässt sich in Worte fassen.
Aber dennoch ist es immer wert die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und raus in die Natur zu gehen.


Seit letztem Jahr waren wir nicht untätig gewesen.
Wir hatten kleinere Wochenendtouren unternommen, sind Ski gefahren, sind durch den Schnee gestapft, haben unterm Tarp übernachtet, neue Ecken erkundet und alte wiederentdeckt.
Nicht mal Fotos haben wir von jeder dieser Unternehmungen mitgebracht. Dafür aber Eindrücke und Momente die uns hoffentlich lange erhalten bleiben.


Wir haben nie lange planen müssen. Die Erfahrung und die Kürze unserer Ausflüge hat es uns leicht gemacht.
Was braucht man schon wirklich für eine Nacht im Freien?
Ein Schlafsack, eine Isomatte, evtl. ein Dach über dem Kopf, was zu Futtern, was zu trinken. Und wenn man ganz sicher gehen will, packt man noch eine Zahnbürste mit ein....
Das hält den Rucksack leicht. Das erhöht die Flexibilität. Das macht spontane Touren zum Greifen nah.

Die Idee dahinter ist nicht neu. "Overnighter", "24h trips", "Microadventure".... Egal wie man es nennen möchte, ein Gedanke schwingt immer mit. Wie Alastair Humphrey es so passend ausdrückt "Ein Resetbutton für den Alltag".

Tarp-Fertigkeiten kreativ anwenden
Einfach mal raus vor die Tür gehen. Den Kopf frei machen. Der Fantasie und der Abenteuerlust freien Lauf lassen.
Es muss keine Expedition sein. Keine neue Heldentat. Kein Rekord.
Was zählt ist der Moment.

Es ist dafür egal ob man einen Berg besteigt. Es ist egal ob man einen Fluß lang rudert. Es ist egal wie tief man in den Wald vordringt.
Wichtig ist das Erlebnis an sich.
Und wenn dazu ein paar Freunde und eine gute Flasche Wein gehören umso besser... ;-)


Mittwoch, 24. April 2013

Patagonia Ultralight Down Hoody


Der Winter hat uns dieses Jahr spürbar in seinem Bann gehalten. Und wer bei so einem Wetter draußen unterwegs ist, möglicherweise sogar mehrere Tage am Stück, der weiß warme Kleidung zu schätzen!
Für gewöhnlich bedeutet Wärme aber auch Gewicht. Ich erinnere mich nur zu gut an die vielen Schichten aus Wolle bzw. später Fleece in die man als Kind gesteckt wurde und die einen doch merklich in seinem Bewegungsdrang einschränkten. Seitdem hat sich ja aber einiges getan. Aber auch wenn diverse Kunstfaserprodukte beständig aufholen gibt es im Bereich Wärme-Gewichts-Verhältnis bislang nur einen Sieger. Und das ist nach wie vor das Naturprodukt Daune! (Mit der aktuellen Einführung der Encapsile Down von Patagonia wurde gerade erst ein neuer Rekord in diesem Bereich gebrochen!)
Wer diesen Blog verfolgt weiß, dass ich letztes Jahr bereits eine Daunenjacke auf dem Prüfstand hatte. Den Klassiker "Down Jacket" von Patagonia. Gerade im tiefen Winter immer noch einer meiner Lieblinge, wenn auch vielleicht nicht 100% perfekt, aber doch nahe dran.

Dieses mal waren die Bergfreunde so freundlich und haben mir von Patagonia den "Ultralight Down Hoody" zur Verfügung gestellt. Ich muss gestehen, dass ich diese Jacke bereits seit langem im Auge hatte, mich der reguläre Preis aber immer etwas abgeschreckt hat. Und dennoch hab ich mich immer wieder dabei ertappt wie mein Finger über dem Bestell-Button kreiste oder wie ich mir diverse Reviews dieser Jacke im Internet durchgelesen habe. Was aber macht diese Jacke so besonders? Patagonia verspricht nicht nur ein sehr gutes Wärme-Gewichtsverhältnis dank 800er-Füllkraft Daune (nach Europäischer Norm) sondern betont insbesondere die Qualität des verwendeten Stoffes.


Laut Patagonia handelt es sich um das leichteste und robusteste Material (Gerade mal 27 Gramm pro Quadratmeter bei einer Fadenstärke von 10 Denier) das sie je für Daunenkleidung entwickelt haben; ausgestattet mit einer Deluge DWR (Durable Water Repellent) Imprägnierung, die nicht nur deutlich länger als andere Imprägnierungen auf dem Markt hält, sondern deren Wasserabstoßung selbst nach Jahren intensiven Tragens noch so gut wie bei einem neuen Kleidungsstück funktionieren soll.
Das sind durchaus mal hohe Versprechungen, war es doch vor allem die Imprägnierung die ich an meiner Down Jacket bemängelt hatte. Daune gilt nicht umsonst als nässeempfindlich und eine einmal nass gewordene Daunenisolierung ist auf Tour nur schwer wieder flott zu kriegen. Gerade aber bei einem so wichtigen Ausrüstungsteil wie der Wärmereserve sollte man viel Wert auf Zuverlässigkeit legen und das bedeutet bei einer Daunenjacke eben ein guter Nässeschutz!
Mittlerweile wurde bei mehreren großen Herstellern auch wasserabweisende bzw. imprägnierte Daune eingeführt die die Daune an sich wasserunempfindlich ausstattet. Mit Ausnahme der Encapsil Down von Patagonia die eine aufwendigere Technik nutzt führt diese Imprägnierung aber zur Zeit noch dazu, dass die behandelte Daune einen Teil ihrer Leistung einbüßt bzw. an Loft verliert. D.h. sie erreicht nicht die Wärmeleistung von unbehandelter Daune. Wer also das Maximum an Wärme-Gewicht rausholen möchte ist zur Zeit noch auf konventionelle Daune angewiesen. Oder investiert mal kurz schlappe 750€ für die bisher einzigartige und auf lediglich 1000 Exemplare limitierte High-End-Jacke von Patagonia.
Der Normalsterbliche freut sich wohl weiterhin wenn schon die DWR seiner Daunenjacke zuverlässig funktioniert... ;-)

Erster Eindruck

Zurück zum Ultralight Down Hoody!
Als der Postbote dann endlich bei mir klingelte, konnte ich es daher auch kaum erwarten das Packet auszupacken und die Jacke zu inspizieren. Also Jacke befingert, anprobiert, Probe getragen, erneut befingert...
Ich muss ehrlich gestehen, der erste Eindruck hat mich so überzeugt, dass ich für meine Frau gleich auch noch eine bestellt habe. Währe ja auch unfair und wenig Gentleman like wenn ich im Winter kuschelig warm in Daune gehüllt bin und Rike weiterhin frieren müsste...

Um es aber mal auf den Punkt zu bringen. Die Jacke sitzt bei mir wie angegossen. Die Verarbeitung ist wie zu erwarten sehr hochwertig und ohne sichtbare Fehler. Sie ist wunderbar leicht, die Daunenfüllung ist gleichmäßig prall und stabil. Die Reißverschlüsse lassen sich problemlos bedienen. Und der Stoff macht trotz seiner filigranen Ausführung (man kann bei Rikes Jacke die Daunen durch den Stoff sehen!) einen wirklich hochwertigen und robusten Eindruck.

Vom Schnitt her ist der Down Hoody dabei eher körperbetont und eng geschnitten. Dies ermöglicht es nicht nur ihn problemlos unter einer anderen Jacke wie etwa einer Hardshell (wie man ja mittlerweile auf neudeutsch zur Regenjacke sagt) zu tragen. Der körpernahe Schnitt verringert unnötigen Raum unter der Jacke der vom Körper erwärmt werden müsste und bringt die Isolierung bündig an den Träger. Die Ausnutzung der Daunenisolierung wird somit optimiert und es wird Gewicht gespart. Ein dünnes! Fleece passt aber schon noch drunter.
Obwohl die Jacke an sich eher dünn ist (für eine Daunenjacke) fühlen sich die einzelnen Kammern schön gleichmäßig und prall gefüllt an. Die einzelnen Kammern sind durchgesteppt was bei einer so dünnen Jacke normalerweise zu merklichen Kältebrücken führen würde. Der Futterstoff der Taschen wurde auf der Innenseite aber fast über die gesamte Front hochgezogen. Das bedeutet nicht nur enorm große Taschen (1 Liter Platybus? Kein Problem!) sondern eine weitere Lage winddichter Stoff, die einen ungewollten Luftaustausch deutlich reduzieren dürfte. Auch auf der Innenseite der Kapuze wurde eine weitere Lage Stoff eingesetzt. Die Kapuze ist auf der Rückseite mit einer Einhandbedienung zur Größenanpassung versehen.
Auf der Front befindet sich noch eine kleine Brusttasche die auch mal ein Smartphone schluckt. Statt einem einem intergrierten Packbeutel, wie es mittlerweile fast Standart bei solchen Jacken geworden ist, hat man dem Down Hoody einen kleinen Packbeutel dazugelegt. Unnötig zu sagen, dass ich den in der Regel zu Hause lasse und die Jacke unkomprimiert im Rucksack landert. Spart nicht nur Gewicht, sondern schont auch die Daune!

Praxiserfahrung

Unsere beiden Ultralight Down Hoodys haben wir jetzt etwa 4 Monate im Dauereinsatz. Und geschont wurden sie dabei nun wirklich nicht! Egal ob beim Skifahren, bei Winterwanderungen, auf dem Fahrrad, bei Schneeballschlachten, beim Rodeln oder auch bei mehreren Kurztouren mit Übernachtung im Freien bei deutlichen Minusgraden und Schnee. Der Ultralight Down Hoody war immer dabei.
Aber auch im Alltag hat er uns ständig begleitet. Sei es beim täglichen Pendeln und warten auf den Zug an windigen und ungeschützten Bahnhaltestellen. Sei es beim Bummel durch die Stadt (mit anschließend mit Einkäufen vollbeladenem Rucksack auf den Schultern). Als warme Jacke nach dem Sport. Oder als Reserve in den Tiefen des Rucksacks, wenn das Wetter mal wieder nicht so vorhersehbar ist wie man sich das manchmal wünscht.

Insgesamt hat sich der erste Eindruck eines sehr hochwertigen Oberstoffes und einer insgesamt qualitativ hochwertigen Verarbeitung mehr als bestätigt. Selbst den ein oder anderen heftigeren Sturz im Schnee hat die Jacke spurlos überstanden.

Von der Isolierfähigkeit her leistet der Down Hoody Erstaunliches. Bei wenig, bzw. gemäßigtem Wind hält er mich selbst bei leichten Minusgraden und nur in Verbindung mit einem 200er Merino-Zipneck plus T-Shirt zuverlässig warm. Wenn's mal so richtig bläst und stürmt bzw. die Temperaturen tiefer sinken freut sich mein Körper aber schon darüber, wenn entweder noch eine windabweisende Hardshell drüber kommt oder das Merino durch ein etwas wärmeres Fleece ersetzt wird.
An den Grenzbereich habe ich mich bei winterlichen Kurztouren herangetastet. Zusammen mit meinem Revelation Quilt (hält mich solo bis etwa 5C warm) ging es nachts bis auf rund -9C runter. Ich hab zwar recht gut geschlafen, aber der Komfortbereich war es spürbar nicht mehr... (ein zusätzliches,  leichtes Fleece hätte mir bestimmt nicht geschadet)

Kältebrücken habe ich bei der Jacke nie gespürt. Wie gesagt ist die Daune optimal verteilt und dadurch erstaunlich warm. Und auch die gute Qualität der Daune ist spürbar. Bei schweißtreibenden Aktivitäten wie z.B. beim Skifahren bleibt die Daune stabil und fällt nicht gleich in sich zusammen. Und selbst durch die Schulterträger eines beladenen Rucksacks scheint die Isolierung nicht wirklich zu leiden. (Auch wenn ich das grundsätzlich nicht auf Dauer empfehlen würde)

Was mich aber nach wie vor begeistert ist die DWR-Imprägnierung! Selbst nach recht intensiver Nutzung perlt Wasser ab wie am ersten Tag und selbst leichte Schauer machen mich nicht gleich nervös. Hier hat Patagonia wirklich mal eine Durable Water Reppellency (Haltbare-Wasser-Abstoßung) verarbeitet die ihren Namen auch wirklich verdient!

Leider gibt es dann doch einen Abzug in der B-Note. Die Kapuze braucht in meinen Augen eine Überarbeitung. Zumindest für meinen Kopf fällt sie zu klein aus. Selbst ohne Mütze drunter endet sie bei mir am Haaransatz und lässt sich im Gesichtsbereich nicht wesentlich schließen. Das heißt das gesamte Gesicht und die Stirn liegt immer frei. Zudem wurde zu wenig Material verarbeitet, als dass die Kapuze meinen Kopfbewegungen folgen könnte. Es wird also noch mehr vom Kopf freigelegt.
Rike hat das Problem allerdings nicht. Sie kann sich richtig in ihrer Kapuze einmummeln. Entweder hat Patagonia für alle Jackengrößen den selben Kapuzenschnitt genommen (so dass er bei meiner Frau einfach proportional größer ausfällt) oder ich hab einfach einen riesigen Schädel der jede Norm sprengt...
Ich rate daher bei einem evtl. Kauf einfach mal auf die Größe und die Passform der Kapuze zu achten. Ist schon ärgerlich, wenn der Wind pfeift und man sie sich nicht so richtig schön weit über den Kopf ziehen kann.
Insbesondere wenn man bedenkt, dass dieses Modell als leichte Belayjacke beim Klettern konzipiert wurde.
Aber wie gesagt, bei Rike besteht diese Problem nicht und auch in anderen Reviews konnte ich nichts darüber lesen.

Einen weiteren Punkt für Verbesserungen ist die Schnürung der Kapuze. Der eingearbeitete Schnürzug, der eine Einhandbedienung ermöglichen soll entspricht dem, wie er von Patagonia auch bei anderen Jacken genutzt wird.
Der Schnürzug ist so konzipiert, dass er zeitgleich den Umfang der Kapuzenöffnung reduzieren soll wie auch die Kapuze im Hinterkopfbereich enger an den Kopf des Trägers bringt. Das verhindert, dass bei der Reduzierung der Kapuzenöffnung die Kapuze über die Augen gezogen wird.
Bei mir funktioniert das zumindest beim Ultralight Down Hoody nur beschränkt. Er schließ die Kapuze nicht etwa enger um das Gesicht, sondern zieht sie vielmehr nur nach hinten. D.h. vom Kopf runter. Eine Möglichkeit zur Verbesserung währe zum Beispiel ein zweigeteilter Schnürzug.
Der in die Kapuze integrierte Cordlockverschluss des Schnürzugs ist auch für einen anderen Fall etwas ungünstig positioniert. Trägt man die Jacke beim Schlafen um die Leistung seines Schlafsystems zu steigern und liegt dabei auf dem Rücken, drückt dieser in den Hinterkopf. Etwas tiefer im Nacken oder weiter oben, währe der Schnürzug besser aufgehoben.
Bei anderen Jacken mit ähnlichem zentralem Schnürzug hab ich das Problem nicht! Seiten- oder Bauchschläfer sind hier natürlich auch außen vor.

Fazit

Nach rund 4 Monaten stehe ich der Jacke immer noch mit leicht gemischten Gefühlen gegenüber. Ich bin sehr zufrieden mit ihrer fürs Gewicht sehr guten Wärmeleistung.
Die hochwertige Verarbeitung und die insgesamte Unempfindlichkeit der Jacke macht sie zu einem ständigen Begleiter. Wenn ich sie als Teil meines Schlafsystems integriere leistet sie gute Arbeit und auch mit dem "Knubbel" am Hinterkopf hab ich mich arrangiert. Meist rolle ich mich eh komplett ein und dreh mich auf die Seite...
Lediglich wenn ich Touren unternehme, wo ich damit rechne öfter mal den Kopf in die Kapuze stecken zu müssen, wünschte ich mir einen etwas besseren bzw. großzügigeren Schnitt.
Rike ist mit ihrer Jacke durchweg zufrieden da sie die angesprochenen Probleme bei ihrer Damenvariante nicht hat. (Bzw. keinen so dicken Kopf wie ich hat, obwohl ich viel weniger Haare habe...)


Ihren Haupteinsatzzweck findet die Patagonia Ultralight Down Hoody in Zukunft bei uns als warme Jacke in Pausen, im Camp oder als Ergänzung des Schlafsystems während Touren im Frühjahr bis Herbst. Gerade bei Bergwanderungen dürfte sie ihre Stärken ausspielen. Nämlich wenn man eine warme Schicht mit sich führen sollte, das Gepäck aber so leicht wie möglich bleiben soll.
Im nächsten Winter wird sie weiterhin regelmäßiger Begleiter sein, sei es auf Tagestouren oder im täglichen EDC-Einsatz!



Montag, 4. Februar 2013

Auf Krallen ins neue Jahr


...so oder so ähnlich könnte der Titel diese Artikels lauten. Manchmal ist es gar nicht so einfach die passende Überschrift zu finden. Und das wenn es in einem Text doch um etwas auf den ersten Blick so einfaches gehen soll wie ein Ausrüstungsteil respektive ein paar "Schneeketten" für die Füße. Aber gerade einfache Ideen können bei guter Umsetzung ein erstaunliches Aha-Erlebnis hervorrufen.
"Gut, dass wir die Dinger haben" hörte man uns zumindest mehr als einmal sagen als wir uns zwischen den Tagen in den mehr oder weniger stark verschneiten Alpen herumtrieben.

Die Rede ist hier von den Snowline Spikes Chainsen Light und den Snowline Spikes Chainsen Pro von Kochalpin. Um ehrlich zu sein spielte ich schon länger mit dem Gedanken uns für die kalte Jahreszeit mit mehr Grip an den Füßen zu versorgen. Grade wenn nicht die Schneemassen Ski oder Schneeschuhe erforderlich machen sind insbesondere in unseren eher nass-kalten Regionen die Wege mit einer dicken Eisschicht oder stark verharschtem Schnee bedeckt. Resultat? Auf jeden zweiten Schritt vorwärts folgt einer zurück oder zur Seite, was man auf den ersten Blick wohl für einen Salsa-Anfägerkurs halten könnte. Nicht gerade das was man im Sinn hat, wenn man eigentlich eine Wanderung plant. Noch weniger, wenn es zum winterlichen Trailrun vor die Tür gehen soll. Hier kommt jetzt Werner Koch ins Spiel der sich pünktlich zu meinem Geburtstag bei mir gemeldet hatte und uns die Möglichkeit gab die von ihm vertriebenen "Ultraleicht-Steigeisen" bzw. Grödel mal ausgiebiger zu testen.
links die Spike Chainsen Light, rechts die Spike Chainsen Pro

Bei den Snowline Spikes handelt es sich um mehrere kleine Edelstahlplatten mit hochgebogenen Metallkrallen, die untereinander durch kurze Ketten aus der selben Legierung miteinander verbunden sind. Am Schuh werden sie durch ein robustes, fest sitzendes Gummiband fixiert. Natürlich nicht so ein Hnadelsüblicher Einmachglasgummi, sondern  ein Hi-Tech Elatomer das bis -60°C getestet wurde. Um für einen optimalen Sitz zu sorgen gibt es sie passend zu den verschiedenen Schuhgrößen ebenfalls in verschiedenen Größen wobei das Gummiband dann zur besseren Unterscheidung eine andere Farbe hat.
links die Spike Chainsen Pro, rechts die Spike Chainsen Light

Darüberhinaus gibt es diese Traktionshilfen in zwei verschiedenen Ausführungen. Die etwas robustere Standard Version für Sportschuhe und leichte Wanderschuhe bzw. -stiefel und die Ultraleichtversion die durch schlankere Kettenglieder, kleinere Spikes und einen schmäleren Gummi mit ihrem reduzierten Gewicht ganz klar die Trailrunner unter uns im Auge hat.
Snowline Spike Chainsen Proin in Größe L - 361 Gramm

Snowline Spikes Chainsen Light in Größe L - 236 Gramm

Seit September haben wir jetzt beide Modelle so ausgiebig wie es die Witterungsbedingungen ermöglicht haben getestet. Sowohl bei kleineren Touren in Gebirge mit entsprechender Steigung, bei Wanderungen im Wald oder auch auf simplen überforenen Straßen haben sie uns seitdem begleitet. Abwechselnd haben wir dabei beide Modelle in Verbindung mit verschiedenen Schuhen ausprobiert.
auf Krallen durch den Schnee

Und bei beiden Modellen waren wir jedesmal aufs neue verblüfft wie viel so ein paar kleine Extras unter den Füßen doch ausmachen. Die Metallspikes aus gehärtetem Edelstahl beißen sich regelrecht in verharschten Schnee oder Eis. Die Ketten erhöhen die Traktion bei eher lockerem Schnee spürbar. Selbst bei Anstiegen, bei denen man für gewöhnlich Stufen in den Untergrund treten würde fanden wir mit den Grödeln immer zuverlässigen Halt.
Bei Eis beißen sie erst so richtig zu!

Wenn der Boden mal nicht so dick mit Eis und Schnee bedeckt ist greifen sie auch noch bei dem darunter liegenden Schlamm und Matsch. Ab und an kann dabei aber auch mal ein Bündel nasses Herbstlaub an den Spikes hängen bleiben. Ähnliches kann passieren, wenn man es mit sehr nasskaltem, pappigen Schnee zu tun hat. Dann sammeln sich gern mal einzelne Klumpen an den Kettengliedern. Dies passiert aber eher wenn man mal innehält und dem Schnee Gelegenheit gibt an dem Metall anzufrieren. Ebenso schnell hat man die Klumpen aber auch wieder losgetreten. Bei stetiger Bewegung hat man damit nach meiner erfahrung keine Probleme.
andere Größe, andere Farbe, selber Grip

Der Unterschied der beiden Varianten scheint auf den ersten Blick eher eine reine Gewichtssache zu sein. Auf den zweiten Blick fallen einem die minimalen Unterschiede in der Konstruktion auf um dies zu erreichen. Es wurde bei der Leichtversion ein schmäleres Elastomer-Gummi genutzt. Ebenso wurden dünner Kettenglieder eingesetzt und auch die Spikes an sich haben eine auf etwa 2/3 reduzierte Wandstärke. Bei der Leichtversion wurde zudem im Fersenbereich statt auf drei nur auf zwei Spikes gesetzt. Wenn man beim Laufen stärker die Hacke belastet (ich bin meist Vorderfuß/ Mittelfußläufer) mag hier der zusätzliche Spike einen Unterschied in der Traktion liefern. Vermisst habe ich ihn aber nicht. Je harschiger der Schnee, bzw. je eisiger der Untergrund umso besser der Grip der Spikes.
Beide Versionen sind in meinen Augen voll Trail tauglich.
Damit der Trailrun nicht zum Stillstand kommt.

Die Reduzierung in der Materialstärke könnte sich natürlich auf die Haltbarkeit auswirken. Selber habe ich bei beiden Modellen keinen Unterschied bemerkt. Dazu muss ich aber anmerken, dass ich in der Regel sehr auf meine Ausrüstung achte, was im Falle der Spikes bedeutet, dass ich lange Fels/ Asphaltetappen gemieden habe. Grundsätzlich können sie aber auch auf Fels einen etwas besseren Halt liefern. Ryan Jordan erwähnte mir gegenüber, dass er bei der Light-Version eine etwas schnellere Abnutzung, insbesondere bei häufig wechselndem Untergrund (Schnee, Fels) festgestellt hat. Also explizit bei solchen Passagen wo man darauf verzichtet jedesmal die Spikes ab zulegen nur um sie wenig später wieder anzuziehen. Welche Variante damit für einen selbst in Frage kommt hängt damit stark vom Nutzerprofil ab.
Auch im Alltag machen die Spikes eine gute Figur

Der durchschnittliche Trailrunner wird in jedem Fall wohl mit den Snowline Spikes Chainsen Light seine helle Freude haben.
Bei Wanderern hängt es davon ab, ob man nur Tagestouren anstrebt, mit Ultraleichtgepäck unterwegs ist, oder mit zünftigen Wanderstiefeln und normalem Gepäck durch die Gegend stapft. Auch die Route bzw. der Untergrund spielt natürlich eine Rolle.
Ich denke die Masse dürfte mit den Snowline Spikes Chainsen Pro sehr zufrieden sein.
Wer auch bei Touren auf das letzte Gewicht achtet und sorgsam mit seiner Ausrüstung umgeht dürfte bei den Snowline Spikes Chainsen Light richtig liegen. (und nicht umsonst haben sie grade erst auf der ISPO 2013 einen Preis abgeräumt!)

So oder so sind die Snowline Spikes von Koch Alpin eine großartige Sache. Nicht nur überzeugen sie durch eine einfache Handhabung sondern auch durch ihre Zuverlässigkeit. Grade in der kalten Jahreszeit erweitern sie das Tourenspektrum merklich und finden bestimmt auch für ausgedehnte Altschneefeldern auf Sommertouren ihren Weg in unsere Rucksäcke.