Dienstag, 5. Juli 2016

Planlos nach Irland

Ohne Titel

Im letzten Jahr haben wir lange hin- und herüberlegt, wo wir uns
Als nächstes rumtreiben wollten. Schließlich entschlossen wir uns dann recht
spontan dazu unser Wanderglück erneut auf der grünen Insel zu suchen.
So spontan wie wir uns dazu entschlossen hatten, so kurz viel dann auch
unsere konkrete Planung aus. Das Packen unserer Ausrüstung ging dann
auch nahtlos dazu über, zur Bahn zu hetzen um unseren Flieger nicht zu
verpassen. Ich finde, so fängt ein Urlaub gleich viel spannender an…

Ohne Titel
inmitten typischer Bewohner


Nach einem Zwischenstopp in der Hauptstadt Dublin ging es dann per Bus für uns weiter nach Kerry. Gerade wenn die Reiseplanung sozusagen eigentlich nicht vorhanden war, lernt man es zu schätzen, dass es mittlerweile eigentlich überall etablierte Wanderwege und passende Literatur dazu gibt. Die nächsten Tage wollten wir uns daher zunächst an den bekannten Kerry-Way halten und unterwegs Anregungen für unseren weiteren Aufenthalt auf der Insel suchen.



Ohne Titel
Blick über den Kerry Way


In Killarney verbrachten wir die Nacht im Railway Hostel um nach einem einfachen Frühstück am nächsten Tag aufzubrechen. Der erste Abschnitt dieser Etappe zog sich zunächst an der Strasse entlang. Ab und an konnten wir dabei einige Pferdekutchen beobachten, die Touristen den Weg zum Mackross House erleichterten. Mit dem Betreten des Nationalparks änderte sich dann aber zugleich auch der Charakter des Kerry Way komplett. Auf einmal spazierten wir auf kleinen, wilden, sich windenden Wegen unter verwachsenen Bäumen entlang. In der Ferne konnten wir schon die Berge sehen. Wir verzichteten darauf, das Mackross House, das mit seiner Parkanlage zugleich Touristenmagnet und Wegpunkt entlang des Kerry Way ist, zu besichtigen und zogen es vor weiter zu ziehen. Schließlich gelangten wir an einen ersten Anstieg, der auch dafür sorgte, dass die meisten Tageswanderer und Touristen lieber im flacheren Umland des Mackross House blieben. Uns führte der Kerry Way aber hinauf bis auf eine Art Hochebene mit Blick über den Upper Lake und bis hin zum Black Valley. Über breitere Forstwege und einige schmale Stiege verlief der Weg. Am Westende des Upper Lake gönnten wir uns an einem Fähranleger gelegenen Imbiss eine kleine Zwischenmahlzeit. In der nahe gelegenen Ruine blökten derweil zwei Esel. Und plötzlich sprang ein Reh dicht an unserem Platz vorbei.
Wir brachen wieder auf und gelangten kurz darauf ans Ende des Nationalparks. Eine ganze Weile suchten wir dann auf unserem weiteren Weg eine Möglichkeit zum Übernachten. Einfach war das nicht, da die Weidezäune bis auf eine Handbreit nah an die schmale Straße reichten. Irgendwann fanden wir dann schließlich in einem kleinen Wald abseits vom Hauptweg einen netten kleinen Platz für unser ShangriLa 2. Schnell das Abendessen bereitet. Vorher noch eine vegane Wurst und ein Schlückchen Wein aus der Einmal-Packung als Vorspeise. Und wir konnten den ersten Tag unserer Wanderung nochmal im Traum an uns vorüber ziehen lassen.


Ohne Titel

Der Kerry Way zeigte sich von seiner abwechslungsreichen Seite, sowohl was die Landschaft als auch was das Wetter betraf. Mal ging es für uns entlang einfacher Landstrassen. Dann wieder über matschige Wiesen und Steine die Hänge hoch auf einen Pass um von dort ins nächste Tal hinabzusteigen. Neben den Leckereien aus unseren eigenen Rucksäcken waren es auch vor allem so angenehme Zwischenstopps wie im gemütlichen Cookie Monster Cafe, die uns mit dem nötigen "Treibstoff" versorgten.
Im Climbers Inn in Glencar konnten wir dann neben leckerem Guiness auch noch eine Versammlung der örtlichen Schafzüchter genießen, die gerade auf ihre Erfolge bei einer Schönheitsshow für Schafe tranken, während die eigentlichen Preisträger bunt geschmückt, draußen vor der Tür, auf ihren Hängern warteten.
Im weiteren Verlauf des Weges hatten wir nähere Begegnungen mit Kühen (die partou keinen Platz machen wollten und uns zu ein paar Klettereinlagen verleiteten), einer ganzen Gruppe wilder Ziegen (die man bereits aus einiger Entfernung riechen konnte) und natürlich den obligatorischen Schafen.
Mit Erreichen des Passes "Windy Gap" (von dem es auf dem Kerry Way gleich mehrere mit dem selben Namen gibt) öffnete sich vor uns dann endlich das Meer. In einiger Entfernung konnten wir die Ausläufer der Dingle Halbinsel sehen.
In Glenbeigh gönnten wir uns eine Übernachtung im Sleepy Camel. Am Ende der Saison brauchten wir uns das riesige Hostel nur mit einem anderen Pärchen teilen.
Mit frisch gewaschenen Klamotten und aufgefüllten Vorräten führte uns der Kerry Way tags darauf an der Küste entlang. In der Ferne konnten wir die Insel Skellig Michael mit ihren berühmten Klosterruinen sehen. Eine Besichtigung sollten wir während dieses Urlaubs leider nicht machen können. Schließlich wurde hier grade die Schlußszene des neuen Starwars Films gedreht. Und da können die es schlecht gebrauchen, wenn hinter dem Einsiedler Luke Skywalker plötzlich ein paar Beuteltiere durch die Ruinen des Jedi Tempels stolpern.


Ohne Titel

An diesem Tag entschlossen wir uns dazu die vorgeschlagenen Etappen unseres Wanderführers zu ignorieren und statt zum nächsten Dorf abzubiegen, gleich weiter auf dem Kerry Way zu wandern. Der immer stärker werdende Regen und das doch sehr sumpfige Gelände was wir im Folgenden durchquerten war da eigentlich unnötig. Auch die unzähligen Treppchen und Leitern, die alle paar Meter über die dicht an dicht gebauten Weidezäune führten, wahren auch nicht unbedingt die Art angenehme Abwechslung die wir uns für unsere doch langsam müde werdenden Beine erhofften. Ein geeigneter Zeltplatz war in diesem stark knubbeligen Morast auch nicht zu finden. Also stapften wir weiter um schließlich an einem weiteren Hostel eine Bleibe für die Nacht zu finden. Eine Dusche und die Möglichkeit die doch recht nassen Klamotten zu trocknen, waren nach diesem langen, verregneten Tag nur zu willkommen.
Der verbleibende Weg nach Waterville war für uns am nächsten Tag dann auch umso kürzer und wir konnten den Tag in aller Ruhe genießen.


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Die Orte die direkt an der bekannten Strasse "Ring of Kerry" liegen waren dann auch stärker vom Reisebus-Tourismus geprägt wie die kleinen Siedlungen die wir bisher passiert hatten. Am Ende der Saison waren auch nur noch eine Handvoll anderer Wanderer unterwegs, so das wir überall kuriose Blicke auf uns zogen.
Zumindest Abends, wenn die Reisebusse ihre Tour auf der Ringstraße beendet hatten, waren die Orte dann auch wieder ruhig und in den örtlichen Pubs fanden sich fast nur Einheimische wieder. Und auch wenn diese Orte mit ihren B&Bs, Cafes und anderen Annehmlichkeitenausgestatteten Orte stark auf den Tourismus ausgerichtet waren, so konnte man ihnen dennoch nicht einen gewissen Charme absprechen. Die Route des Kerry Way verlief zunehmend auf befestigten Wegen. An manchen Stellen hatte man einige merkwürdige "Umleitungen" eingebaut, damit der Wanderer nicht die ganze Zeit neben der Strasse her stapfen musste. Das auch diese Wege über Asphalt oder zumindest geschotterte Strassen führten, machte unseren Füßen nicht unbedingt eine Freude. Gerade mit meinen ungedämpften Luna-Sandalen, die ansonsten für die irischen Wiesen und Weiden perfekt waren, fühlten sich auf diesem harten Untergrund eher unwohl.


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Noch nichts in Sicht.


Im etwas größeren Ort Kenmare legten wir dann einen etwas ausgedehnteren Pausentag ein. Nicht nur Gelegenheit uns um unsere Ausrüstung, unsere Füße und auch unsere Bäuche zu kümmern, sondern auch um die nähere Umgebung zu erkunden. Highlight für uns war dann eine Seafari mit dem "singenden Captain" Raymon Ross, der uns nicht nur die heimische Flora und Fauna bei diesem Bootsausflug näher brachte, sondern auch noch in einen brummenden Dialog mit dem Seehund Killroy und seinen Artgenossen trat.


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Ausgeruht ging es dann auf den letzten Abschnitt des Kerry Way, der den Bogen nach Killarney wieder schloss. Das heißt irgendwann gelangten wir an den Abzweig wo wir am ersten Tag den Nationalpark verlassen hatten und konnten diesen landschaftlich schönen Abschnitt ein weiteres mal genießen.
Von Killarney zog es uns dann weiter zur Halbinsel Dingle. Deutlich weniger touristisch erschlossen und weniger dicht besiedelt wirkte Dingle noch ursprünglicher. Auch, dass hier vielerorts Gälisch noch vor Englisch gesprochen wurde verstärkte diesen Eindruck.
Wir orientierten uns grob am Verlauf des etwas weniger bekannten Dingle Way, besuchten unterwegs aber noch die ein oder andere historische Städte oder ein Museum. Auch wenn das manchen Schlenker  im eigentlichen Verlauf des Dingle Way bedeutete, waren diese kleinen Umwege in aller Regel immer sehr bereichernd.
Im Gegensatz zu Kerry wurde es hier auch deutlich leichter geeignete Plätze für die Nacht zu finden. Und wer möchte nicht gerne direkt am Atlantik schlafen um beim Frühstück einer Schule Delphine in unmittelbarer Nähe zuzugucken?

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Aufgrund der wenigen uns verbleibenden Tage verzichteten wir auf eine komplette Umrundung Dingles und schlugen stattdessen einen Bogen durch das Zentrum der Halbinsel. So konnten wir uns zum Abschluss unserer Tour auch noch ein paar schöne Ausblicke auf beide Küsten Dingles werfen.


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Blick auf den Atlantik


Irland hat sich uns während unserer Reise wiedermal von seinen schönsten Seiten gezeigt. Auch wenn der strömende Regen uns abschnittsweise doch arg zugesetzt hatte, waren die übrigen Tage von einem sonnigen Atlantik-Klima geprägt. Die Landschaften Kerrys und Dingles haben ihren ganz eigenen Charme. Teils dominiert von wilder Natur wird die Gegend immer wieder durch ländliche Elemente, wie kleinere Ansiedlungen und die typischen, irischen Landstrassen durchbrochen. Die Küsten zeigen teil ihre schroffen, ausgesetzten Klippen während sich in manch kleiner Bucht so mancher idyllischer Platz verbirgt. In Dingle spürten wir  den Einfluss des Atlantik um so stärker, wehte uns doch selbst auf den Bergen immer eine salzgeschwängerte Luft um die Nase.
Nicht zuletzt sind es aber die Menschen die Irland zu einem Erlebnis werden lassen. Ich habe bewusst in diesem Bericht darauf verzichtet all die vielen, freundlichen Begegnungen zu schildern, weil es schlichtweg zu viele gewesen wären. Und nur ein paar rauszupicken würde der Sache nicht gerecht, weil eigentlich jede Begegnung eine ganz besondere war.

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Unsere Planung war ja mehr oder weniger eine recht kurzfristige Sache. Und so war es auch kein Wunder, dass wir auch beim Packen nicht ganz so systematisch vorgegangen sind wie sonst. So hatte ich zum Beispiel leider die falschen Karten auf meinen eReader gezogen. Aber zum Glück kann man sich ja auch vor Ort Wanderkarten besorgen. Hätten wir im Vorfeld die Routen detailliert herausgearbeitet, hätten wir deutlich leichtere und kompaktere Rucksäcke gehabt. Vor allem hatten wir viel zu viel Verpflegung dabei, wenn man bedenkt, dass wir regelmäßig an kleinen Geschäften, Pubs oder Cafes vorbeigelaufen sind. Und beim Übernachten in B&Bs oder Hostels braucht man sich dort auch keine Gedanken ums Frühstück zu machen. Satt wird man in jedem Fall.
In Kerry hätten wir eigentlich komplett auf unser Zelt verzichten können. Die Mühe manchmal einen geeigneten Platz zu finden (und wir haben in unserem Wander-Leben schon an allen möglichen und unmöglichen Orten geschlafen) hätten wir uns sparen können, währen wir direkt mit der Einstellung losgezogen ausschließlich in Hostels oder B&Bs zu übernachten. Natürlich kostet das mehr wie Zelten, ist aber in dieser Region auch nie übertrieben teuer. Und man kommt zudem noch mehr mit Leuten ins Gespräch und erfährt das ein oder andere Interessante. In Dingle war es, wohl auch wegen der geringeren Besiedlungsdichte, deutlich einfacher geeignete Plätze zu finden und wir hätten unser Zelt hier auch nicht missen wollen.
Irland hat uns auch mal wieder gezeigt, wie viel wert doch gute, wasserdichte Kleidung ist. Und auch wenn wir uns sonst eigentlich über jedes gesparte Gramm freuen, hätte ich mir an meiner Jacke doch mehr als einmal eine bessere Kapuze gewünscht.
Die Kombination aus morastigem Boden mit Staunässe, feuchtem Gras, geschotterten Wegen und Asphalt hatte ganz eigene Anforderungen an unsere Schuhe und Füße gestellt.
Irgendwie waren die Füße immer beständig feucht oder nass. Dabei machte es kaum einen Unterschied ob unser Schuhwerk nun eine wasserdichte Membran hatte, nur schnelltrocknendes Mesh oder gänzlich offen war, wie unsere Luna Sandalen. Mit offenen Sandalen waren die Füße zwar am schnellsten wieder trocken, aufgrund der stark von Schafen frequentierten und "markierten" Wegen wünschte ich mir aber dafür auch umso öfter die Füße wieder nass machen zu können...

Die kurze Planung erforderte natürlich mehr Flexibilität wie eine minutiös durchgestylte Tour. Gleichzeitig war es für uns dadurch aber auch entspannter, weil wir keinem Plan hinterherlaufen mussten. Und auch wenn das bedeutete, dass wir uns erst vor Ort Busverbindungen und Unterkünfte suchen mussten, konnten wir so auch viel spontaner entscheiden.

Und weil ihr so brav bis zum Schluß gelesen habt gibt's hier zur Belohnung noch ein paar "wichtige" Irische Hinweisschilder:


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Vorsicht! Springende Autos!


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Eines der wichtigsten Schilder!


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Eine klare Ausschilderung für den verwirrten Wanderer

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:-) ???

Montag, 9. November 2015

die Kunst trocken zu bleiben



Wie ihr sicher schon vermutet, geht es um Regenbekleidung bzw. wie man verhindert, dass Niederschlag einen bis auf die Haut durchnässt. In der Theorie erscheint das nämlich zunächst leichter wie gedacht.
Fängt es an zu schütten, einfach Regenjacke und eventuell auch Regenhose anziehen und gut ist.

Wer aber schonmal bei verschiedensten Witterungsbedingungen für längere Zeit draußen unterwegs war, der weiss, dass das gar nicht so einfach ist. Es gibt nämlich mehr als einen Weg seine schöne Kleidung nass zu machen. Wenn man sich noch an die guten alten Regenjacken der 80er Jahre erinnert dann wird einem klar, dass auch der Körper selber dazu in der Lage ist eine ganze Menge an Feuchtigkeit auszustoßen. Und wenn man dann eine 100% dichte Jacke trägt, bleibt diese Feuchtigkeit nunmal auf der Innenseite. Resultat: Nasse Kleidung.

Schön, wenn man ein Feuer hat um sich zu trocknen!


Step aside, Friesennerz. It's time for Mr Membrane!

Mit der Erfindung „atmungsaktiver“ Regenjacken wollte man das Problem mit dem Schweiß lösen. Und wer kennt nicht das Versprechen der Firma GoreTex "Guaranteed to keep you dry"? Den Titel dieses Artikels habe ich nicht von ungefähr an diesen Slogan angelehnt. Aber eigentlich müsste der Titel dieses Artikels anders lauten:

"Die Kunst nicht zu schwitzen"

GoreTex-Membranen und auch die Membranen anderer Hersteller egal ob aus ePTFE oder PU gefertigt versuchen im Prinzip das selbe zu erreichen. Sie wollen verhindern, dass Wasser in flüssiger Form von der einen Seite der Jacke auf die andere Seite gelangt während zeitgleich Schweiss von der Innenseite zur Außenseite abgeleitet wird. Das dies je nach Technologie, Hersteller und Klimabedingungen unterschiedlich gut funktioniert zeigen unzählige Testberichte in einschlägigen Magazinen, Onlineforen und Blogs.

Dabei muss man zwei Dinge betrachten. Einmal, wie gut Wasser draußen gehalten wird und dann wie gut Feuchtigkeit nach außen abgeleitet werden kann. Nach meiner Erfahrung, sowohl mit diversen GoreTex-Membranen, eVent oder PU-Beschichtungen verschiedenster Hersteller, gelingt es zunächst einmal unter normalen Bedingungen immer, dass Nässe draußen bleibt. Je nach Stärke des Niederschlags und der verwendeten Technologie dann halt mal mehr oder weniger gut. Die Sache mit dem Schweiß nach außen ableiten ist dann wieder eine ganz andere Sache. Viele Leute denken oft, dass ihre Jacke undicht ist während es jedoch meistens eher der Fall ist, dass sich auf der Innenseite einfach zu viel Schweiß aufgestaut hat. Aber wie kann das sein? Immerhin ist die Jacke doch "atmungsaktiv" oder nicht?

Stellen wir uns einfach mal vor eine Membrane währe nichts anderes wie eine Folie mit lauter kleinen Poren bzw. Löchern. (Auch wenn PU-Membranen im Gegensatz zu ePTFE Membranen technisch betrachtet etwas anders funktionieren, also eben nicht mikroporös sind, funktioniert das Beispiel zur Veranschaulichung trotzdem)  Durch eben diese Löcher soll der Schweiß nach außen gelangen.
Angenommen, ihr habt einen Topf über den ihr eine Folie gespannt habt in die ihr vorher ein paar Löcher reingestochen habt. Wenn ihr nun etwas Wasser darüber träufelt, läuft dieses durch die Löcher in den Topf. Also vom Prinzip wie der Schweiß, der durch die Membranporen nach außen transportiert wird.
Wenn ihr jetzt aber eine größere Menge Wasser auf diese Folie gießt, dauert es länger, bis all das Wasser durch die Löcher in den Topf geflossen ist. Das beobachtet man auch bei einer Membrane. Schwitzt man stärker, wird es für die Membrane schwieriger den ganzen Schweiß nach außen zu leiten. Irgendwann ist sozusagen die maximale Durchlassmenge erreicht die eine Membrane in einer gewissen Zeit bewerkstelligen kann und auf der Innenseite der Jacke sammelt sich der überzählige Schweiß. Je nach Membrane-Technologie, Klimabedingungen und Schweißmenge passiert das mal früher oder später. Aber es passiert. Außer... (Spannungsbogen und dramatische Musik)

...man lernt die Kunst nicht zu schwitzen!

Es gibt Wetter, da hält einen nichts mehr trocken.

Leider muss ich Euch an dieser Stelle gleich mal entäuschen. Solltet ihr körperlich gesund sein und der selben Spezies angehören wie ich, wird Euch das nicht gelingen. Einer der tollen Gimmicks mit denen wir von der Evolution ausgestattet worden sind, sind Schweißdrüsen am ganzen Körper die auch dann fleißig arbeiten wenn wir schlafen, uns also nicht anstrengen. Das Marketing der großen Membranhersteller und verschiedenster Outdoormarken hat es geschafft uns das so zu verkaufen, als währe das eine schlimme Sache. Und zugegeben, auf Tour nach einer Woche in den selben Klamotten und ohne richtige Möglichkeit sich zu waschen, würde man das sofort unterschreiben, wenn auch aus anderem Grund....

Aber grundsätzlich ist am Schwitzen zunächst einmal nichts auszusetzen. Es ist mit die effizienteste Möglichkeit die Körpertemperatur zu regulieren. Ohne zu schwitzen, würde unser Körper schnell seine Idealtemperatur gefährlich überschreiten. Das Problem taucht dann auf, wenn wir Kleidung tragen und diese vollschwitzen. Dann nützt es dem Körper nichts, wenn er das Schwitzen drosselt wenn er wieder seine Idealtemperatur erreicht hat. Die feuchte Kleidung sorgt durch Verdunstungskälte weiterhin für Kühlung. Wer schonmal bei kühlerem Wetter mit feuchter Kleidung unterwegs war, weiss wie unangenehm das sein kann. Ich möchte jetzt gar nicht soweit gehen und Horrorszenarien aufmalen bei denen eine Unterkühlung zu einer ernsten Gesundheitsgefärdung werden kann.
Vielmehr möchte ich hiermit zeigen, dass es nahezu unmöglich ist, draußen immer 100% trocken unterwegs zu sein.



Wenn man es sowieso nur eingeschränkt schafft trocken zu bleiben, sollte man dann nicht vielleicht die Lösung wo anders suchen? Bei meinen Schuhen verfolge ich schon seit Jahren recht erfolgreich den Ansatz: "Nass aber warm".
Statt immer wieder auf die neueste Technologie zu hoffen um trocken zu bleiben, habe ich erkannt, dass das nicht uneingeschränkt funktioniert. Statt auf wasserdichte Materialien zu setzen, greife ich daher auf schnellsttrocknende Konstruktionen zurück. Statt auf Schuhe mit Membrane setze ich auf Schuhe ohne Membrane, dafür mit offenem, luftigem Meshgewebe. Natürlich werden meine Füße nass wenn es regnet oder ich durch eine Pfütze oder einen Bach gehe. Aber die Füße können so auch bedeutend schneller trocknen wie in Schuhen ohne Membrane. Das heißt, Schweiß und andere Feuchtigkeit kann viel schneller austreten.
Das meine Füße auf Dauer dabei nicht zu stark auskühlen, verhindere ich durch die Wahl der Socken. So isolieren z.B. Wollsocken auch in feuchtem Zustand noch recht gut. Die gute Durchblutung meiner Füße produziert dabei zusätzlich Wärme, die meine Socken schon in recht kurzer Zeit wieder trocknet.



Merkwürdigerweise habe ich bei meiner sonstigen Regenbekleidung nie wirklich über diesen Ansatz nachgedacht.
Mir war bewusst, dass meine Regenkleidung mich nie 100% trocken halten würde. Also habe ich entsprechend wenig darunter getragen und mein Tempo meist gedrosselt um nicht unnötig zu überhitzen und ins Schwitzen zu geraten. Das gelingt natürlich nie so gut wie man möchte. Wenn möglich habe ich über Reißverschlüsse dann versucht den überflüssigen Wasserdampf entweichen zu lassen. Das hat auch meistens bis zu einem gewissen Grad funktioniert. Irgendwann ist aber selbst bei der besten Jacke der Punkt erreicht, wo das nicht mehr funktioniert und wo man Gefahr läuft zu frieren, wenn man sich nicht entsprechend warm halten kann. Warum also nicht direkt darauf setzen, seine Körpertemperatur gezielt zu kontrollieren, statt lange zu versuchen sich nur trocken zu halten?

Auftritt: Paramo

Schon vor einigen Jahren bin ich über die britische Firma Paramo gestolpert, deren Lösungsansatz sich von dem anderer Regenbekleidung unterscheidet.
Bei einem Aufenthalt in Schottland hatte ich auch mal die Gelegenheit mir deren Produkte anzugucken, die sich doch grundsätzlich von üblicher Regenbekleidung unterscheiden. Nicht nur die doch eher ungewöhnlich auffälligen Schnitte und Designs, sondern auch das relativ hohe Gewicht und die Preise haben mich damals abgeschreckt um mich näher damit zu befassen. Dennoch war mein Interesse geweckt und ich hab das Thema Paramo immer mit einem Auge verfolgt.
Vor kurzem hat Greenpeace nun mit seiner Detox-Kampagne auf die Problematik von PFCs, wie sie bei den meisten Membranjacken Verwendung finden, hingewiesen. Schon vor längerem war ich bemüht bei Neuanschaffungen auf Jacken ohne PTFE zu setzen. Allerdings sind selbst die meisten Jacken mit PU-Membran mit einer Imprägnierung ausgestattet die besagte PFC enthalten. Paramo hingegen verzichtete von Anfang an auf diese gefährlichen Stoffe und dank seiner Schwester-Firma Nikwax gibt es auch Pflege- und Imprägniermittel die darauf verzichten.

Was macht Paramo eigentlich anders?

Das besondere an Paramo ist vor allem das völlige Fehlen einer Membran oder einer andersweitig wasserdichten Schicht. Paramo nennt seine Technologie daher auch "analogy waterproof", also sinngemäß übersetzt "mit wasserdicht vergleichbar". Nach deutscher din-Norm gilt Paramo dabei in der Tat nicht als wasserdicht! Erstaunlicherweise ist es aber genau das, was viele von diesem Material berichten. Nämlich, dass es sie bei nahezu jedem Wetter trocken gehalten hat. Wie geht das zusammen?
Der Trick hinter Paramo ist eine zweilagige Konstruktion aus einer Außenhülle und einem Futter. Die Außenhülle ist dabei ein hauchdünnes, eng gewebtes Material wie man es auch von vielen Windhemden her kennt. Das Futter ähnelt auf den ersten Blick einem dünnen, festem Fleecestoff. Aber genau dieses Fleece macht den Unterschied zu traditionellen wasserdichten Jacken. Auf der einen Seite dieses Stoffes findet man dabei eine Fleeceähnliche Struktur während es auf der anderen Seite nahezu glatt ist. Dabei zeigt die Fleece-Seite nach außen und die glatte Seite zur Haut. Man liest oft, dass Paramo mit diesem sogenannten Pumpliner versucht das Fell von Tieren nachzuempfinden. Und in der Theorie funktioniert es auch vergleichbar. Die Idee dabei ist, dass Feuchtigkeit durch die unterschiedliche Struktur der Fasern immer von der glatten Seite zur Fleeceseite transportiert wird. Paramo nennt das "directional". Dabei greifen verschiedenste Effekte wie Kapilarwirkung, mechanische Bewegung der Fasern etc. ineinander. Im Idealfall leitet das Material dabei Feuchtigkeit schneller nach außen, wie Feuchtigkeit von außen nach innen eindringen kann. Das Resultat währe, dass die Innenseite quasi trocken bleibt. Damit dieser Pumpliner nicht durch zu starken Regen oder hohen Wind überfordert wird, hat Paramo eben auf der Außenseite dieses winddichte Material, was zumindest einen Teil des Wassers gleich draußen hält, ohne aber selber ganz dicht zu sein.

Dieser Aufbau bringt aber ein paar Probleme mit sich. Zum einen muss man sich auf die Imprägnierung verlassen können. Je stärker diese nachlässt, umso schwieriger wird es für das Material Feuchtigkeit nach außen zu leiten und nicht aufzusaugen. Ein wesentlicher Faktor des Pumpliners und auch des Außengewebes ist eben seine hydrophobe, sprich wasserabweisende, Eigenschaft. Auch Tiere müssen ja ihr Fell entsprechend pflegen, damit es in seiner Funktion nicht beeinträchtigt wird. Regelmäßige Pflege ist also ein Muss. Das gilt jedoch auch für Stoffe mit Membranen. Diese behalten zwar grundsätzlich ihre Wasserdichtigkeit bei, büßen aber in der Regel ihre Atmungsaktivität mehr oder weniger ein wenn sie ihre Imprägnierung verlieren. Also kein wirkliches Argument dafür oder dagegen.

Das nächste Problem ist die Isolierung der Jacke durch den Pumpliner. Da es sich im Prinzip um ein Fleece handelt, sind Paramojacken auch verhältnismäßig warm. Die meisten Leute lehnen sie daher für die wärmere Jahreszeit ab und holen sie nur im Winter aus dem Schrank. Zwar behilft sich Paramo damit die Jacken mit unzähligen Reißverschlüssen und Lüftungsmöglichkeiten auszustatten um die Temperatur zu regulieren, aber für den Hochsommer währen sie damit wohl trotzdem zu warm.

Das nächste Problem im Vergleich zu herkömmlichen Jacken ist das relativ hohe Gewicht. In der Regel wiegen die Jacken meist deutlich über einem halben Kilo und sind damit zumindest für Ultraleichtwanderer eigentlich uninteressant. Allerdings sollte man dabei auch berücksichtigen, dass man bei einer Paramojacke ja sozusagen zwei Jacken hat. Nämlich ein Fleece und eine Windjacke. Ist man also bei Wetterbedingungen unterwegs, bei denenen man eh beides tragen würde, relativiert sich damit auch das Gewicht der Paramojacke. Zumal sie ja auch noch die klassische Hardshell ersetzen würde.

Und in der Praxis?

Soviel zu meinen theoretischen Überlegungen. Seit kurzem habe ich nun selber so ein Paramo-Teil. Dank einem Bekannten kann ich mich nun über einen gebrauchten, aber sehr gut gepflegten Paramo Velez Adventure Light Smock freuen, der einen neuen Besitzer suchte. Bisher hatte ich noch keine Gelegenheit ihn auf einer längeren Tour zu testen. Einen ersten Eindruck möchte ich aber dennoch schon abliefern.

Erstmal das Wesentliche, das Gewicht: 605 Gramm (Größe L)!
Verglichen mit meinen bisherigen Regenjacken, die in der Regel immer unter 200 Gramm gewogen haben ist das eigentlich peinlich für einen Grammzähler wie mich. Aber ich hatte ja vorher schon geschildert, das so eine Paramojacke ja anders bewertet werden müsste wie übliche Outdoorbekleidung. Das heißt, ich müsste sie gegen ein Fleece, eine Windjacke und eine Regenjacke aufrechnen. In meinem Fall währe das zur Zeit eine Patagonia Houdini (Windjacke) mit 108 Gramm, eine Patagonia Alpine Houdini (Hardshell) mit 190 Gramm und ein Mammut Aconcagua Pro ML Hoody (Fleece) mit 402 Gramm. Letzteres ist zwar nicht das leichteste Fleece in meinem Schrank, kommt aber mit seiner gefühlten Isolationsleistung am ehesten an den Paramo-Smock heran. Mit meinem üblichen Setup läge ich damit sogar knapp 100 Gramm über dem Gewicht des Paramo-Smocks! Natürlich sind mehrere einzelne Teile viel flexibler einsetzbar. Bei einer Sommertour würde ich wohl ganz auf das Fleece verzichten und mir damit rund 400 Gramm sparen. Aber diese kleine Rechnung zeigt doch, dass man das Gewicht von Paramobekleidung relativ betrachten muss. Ob und wie flexibel sich der Paramo-Smock selber einsetzen lässt werde ich hoffentlich in der nächsten Zeit rausfinden.
Mit Temperaturen um die 10°C und einem einfachen T-Shirt drunter empfand ich ihn jedenfalls nicht als zu warm. Und ein erster "harter" Einsatz unter der Dusche (Ja, ich weiss, was ihr jetzt denkt. Aber wenn das Wetter nicht mitspielt, muss man eben anders seine Erfahrungen sammeln) hat zumindest schonmal gezeigt, dass diese Paramo-Technologie es tatsächlich schafft, das Wasser draußen zu halten.
Nach einem gründlichen Tauchbad im Waschbecken trocknete der Smock dann auch überraschend schnell. Schon nach knapp 30 Minuten fühlte er sich auf der Innenseite höchstens noch leicht feucht an und währe schon wieder tragbar gewesen, wenn auch noch nicht ganz trocken. An der „Pumpwirkung“ des Pumpliners ist also offenbar was dran.

Ein Manko gibt es allerdings. Das Design ist echt eine Sache für sich. Aber für jemanden der beim Wandern auch mal einen Schirm dabei hat und mit Sandalen rumläuft, ist die Optik eines "professionellen Outdoorers" eh zweitrangig... ;-)

Mir ist natürlich klar, dass auch Paramo mit Sicherheit nicht die Eierlegende Wollmilchsau unter den Regenbekleidungen ist. Wie alles hat es irgendwo seine Grenzen. Wo diese liegen, und wie es sich im Vergleich zu sonst üblicher Membran-Bekleidung einsetzen lässt, werde ich einfach mal ausprobieren.





Montag, 23. Februar 2015

Beuteltiere im Gipfelfieber

Auch wenn morgens noch die Straßen und Wege hier bei uns mit einer leichten Frostschicht bedeckt sind, so scheint der Winter sich nun doch seinem Ende zu nähern. Zeit für uns einen kleinen Blick zurück zu werfen...

Aussicht genießen

Zur Jahreswende hatten wir unser "Basislager" in einer kleinen Ferienwohnung mit Blick auf die Zugspitze aufgeschlagen. Wenigstens einmal im Jahr wollen wir Rheinländer auch mal richtigen Schnee und richtige Berge sehen! Die letzten Jahre waren "weiße Weihnachten" allerdings auch im Süden von Deutschland eher die Ausnahme als die Regel. Dieses Jahr kam es dann ganz anders wie gedacht. Aber vielleicht sollte ich sogar noch etwas früher anfangen...

Schon im Jahr zuvor hatten wir uns wiedermal in der Zugspitzregion herumgetrieben. So richtiges Winterfeeling wollte bei dem nass-braunen Schneematsch nicht wirklich aufkommen. Wenn überhaupt irgendwo noch etwas Schnee lag. Selbst bis in gewisse Höhenlagen zeigte sich mehr grün und braun wie weiße Pulverpracht. Zeitweise hatte ich es sogar bereut meine Luna-Sandalen nicht im Gepäck zu haben. Lediglich die Gipfel waren weiß betupft. Die Wege dort hoch erinnerten in ihrer Stimmung eher an eine Frühlingswanderung. Nicht, dass es nicht schön gewesen währe, aber wenn man auf Schnee hofft, dann will man auch Schnee und keine Blümchen!

Mit dieser Erinnerung im Kopf und einem eher unaussagekräftigen Wetterbericht als Grundlage planten wir dann unseren Aufenthalt in den Bergen. Wir würden auch ohne Schnee unsere Zeit dort unten genießen und stattdessen einige knackige Wanderungen und Gipfel angehen. Hauptsache Berge! Der Schlitten kann dann gleich im Keller bleiben...
Aber schon beim Passieren des Weißwurstäquators begleitete uns zunehmend dichter werdender Schneefall. Je näher wir den Alpen kamen um so heftiger schneite es. Als wir schließlich unser Ziel erreichten war alles unter einer dichten Schneedecke eingehüllt. Selbst über Nacht hielt der Schneefall an und bis zum Morgen reichte es knapp bis ans Fensterbrett unseres Zimmers. Aber statt das Glück nun auf der Piste zu suchen blieben wir bei unserem Plan und zielten auf die Gipfel der umliegenden Berge ab.

hop, hop! Immer schön den Berg hoch!

Eine unserer ersten Touren, deren Route wir bereits vom Vorjahr kannten, hatte es in sich. Der Pfad war seit dem Schneefall nicht mehr begangen worden, und wird auch bei besseren Bedingungen nur von wenigen in seiner vollen Länge bestiegen. Er führt mit zunnehmender Steigung an der Westflanke eines Berges durch den Wald und wechselt dann im oberen Teil nach Verlassen der Baumgrenze auf die Nordseite. Der Pfad bis dahin ist oft nur spärlich markiert und teils recht ausgesetzt. Auch das man sich fast ständig auf der Wetterseite aufhält lässt der Wind einen deutlich spüren. Erreicht man schließlich den Gipfel ist der Abstieg auf der Südseite dann deutlich komfortabler. Nur ein relativ kurzes Stück, bis man eine weite Alm erreicht wo eine Hütte mit Gaststube zu einem Zwischenstopp einlädt. Der weitere Abstieg ließe sich dann über eine breite Forststraße bewältigen oder über einen kurzen, gut zu folgenden Wanderweg.

Winterwunderland
Schon von Beginn an mussten wir Spuren. Der frische Pulverschnee machte es uns zugleich leicht und schwer. Obwohl er teils bis übers Knie ging war er doch so leicht und locker, dass es kaum eine zusätzliche Mühe bedeutete seine Schritte zu setzen. Jedoch war der eh schon schmale und nur selten gekennzeichnete Weg nun umso schwerer zu folgen. Auch Wurzeln, Steine, Trittstufen und andere Hindernisse musste man vorsichtig erspüren, wollte man nicht bei jedem Schritt straucheln. Dennoch kamen wir erstaunlich zügig voran und blieben sogar in der Zeit, die unser Routenbuch für den Sommer veranschlagt hatte. Etwa auf halber Höhe des Anstiegs erreichten wir eine recht urige und eher improvisiert wirkende Schutzhütte in der wir uns eine kleine Pause gönnten. Heißer Tee und einige aufgesparte Weihnachtsleckereien aus unseren Rucksäcken kamen da gerade recht. Nach und nach hielt aber der Schnefall nicht nur an, sondern wurde sogar noch stärker. Von unserem bisherigen Erfolg durch unseren raschen Aufstieg bestätigt machten wir uns wieder auf um noch rechtzeitig den Gipfel zu erreichen bevor das Wetter gänzlich umschlägt. Der Abstieg auf der anderen Seite würde sich ja ungleich leichter gestalten und geschützter verlaufen.

...und weiter geht's den Berg hoch!

Jedoch nahm ab hier der Bewuchs zunehmend ab und die Schneedecke noch zu. Teils hüfttief eingesunken versuchten wir uns den Hang hochzuarbeiten. Trotz Spikes an den Schuhen wurde es schwer immer guten Halt zu finden. An ausgesetzten Stellen mussten wir darauf achten auf keine Wächte zu treten um nicht mit den Füßen in der Luft zu enden. Kurz gesagt, der weitere Anstieg wurde zunehmend fordernder und riskanter. Mit dem weiteren Verlauf der Route im Kopf die noch die ein oder andere knifflige Stelle bereit hielt, dem immer kleiner werdenden Zeitfenster und dem zunehmenden Schneefall beschlossen wir schließlich kurz vor dem Gipfel umzukehren. Insbesodere ein breites Schneefeld an der Norseite, das den letzten Teil des Weges bis zum Gipfel darstellte war aufgrund der deutlich gestiegenen Lawinengefahr aus unseren Augen das Risiko nicht wert.
Natürlich etwas unzufrieden unsere geplante Tour nicht wie vorgesehen beenden zu können stiegen wir wieder ab. Unseren Spuren zu folgen war dabei schon wieder unmöglich geworden, da Schnee und Wind jeden Hinweis auf sie hatte verschwinden lassen. Im Dunkeln und im Licht der Stirnlampen erreichten wir schließlich wieder unseren Ausgangspunkt.

bei so viel Schnee, da lacht auch die Sonne

Die nächsten Tage hielt der Schneefall beständig an. Und so suchten wir uns Touren in weniger technisch anspruchsvollem Gelände heraus um dem Schnee Zeit zu geben sich zu setzen und um kein unnötiges Risiko einzugehen.
Bei einem unserer nächsten Gipfelversuche dann, mit dessen Routenverlauf wir schon seit einigen Jahren vertraut waren, hatten wir leider erneut nicht so viel Glück. Der größte Teil der Strecke stellte keine wirkliche Herausforderung da. Stark durch Skitourengeher und einige entgegenkommende Rodler (die den Lift auf der anderen Seite des Berges nutzten) frequentiert, war der Weg gut gangbar. Bei schönstem Sonnenschein konnten wir den Auftieg richtig genießen. Unser Plan sah jedoch vor den Berg nicht gleich parallel zur Piste auf der Nordseite zu besteigen, sondern weiter um ihn herum bis zur Süd-Ostseite zu gelangen um dort über einen Kamm und einen kleineren Nebengipfel bis zum Hauptgipfel vorzustoßen. So wollten wir den Touristenrummel und die wenig attraktive, wenn auch direktere Route vermeiden.
Der Weg führte durch ein eher flaches Waldstück und war offenbar bisher nur von ein paar Skitourengehern begangen worden. Im Gegensatz zu unserer ersten Tour war der Schnee nun auch nicht mehr leicht und fluffig sondern hatte sich gesetzt. Er war jetzt recht fest und zäh, aber nicht so fest, dass man darauf stehen konnte. Mit jedem Schritt sanken wir bis zu den Oberschenkeln ein und nur in der Spur der Skitourengeher sanken wir mit etwas Balance und Glück etwas weniger stark ein. Als dann auch die Skispuren endeten, da der weitere Weg scheinbar selbst für die Skitourer zu müßig wurde, mussten auch wir umkehren. Selbst mit Schneeschuhen (die wir natürlich NICHT dabei hatten...)  währe ein Fortwährtskommen auf diesem Weg zur Plakerei geraten. Langsam baute sich ein Frustgefühl auf. Jetzt hatten wir endlich den Schnee, den wir uns die letzten Jahre gewünscht hatten, nun machte er uns unsere Pläne fast alle zunichte. Gediegene Winterwanderungen sind zwar auch schön. Aber wenn das Gipfelfieber brennt, dann sind sie auch nur ein spärlicher Ersatz.

Rastplatz mit Aussicht

Und so starteten wir unsere nächste Gipfeltour etwas missmutig. Wir hatten uns diesmal bewusst für eine bekanntere Route an der Südseite eines Berges entschieden. Neben der guten Ausschilderung sollte auch der nahe Liftverkehr dafür sorgen, dass der Weg stärker begangen war. Unsere Rechnung ging etwa so:

Südseite = mehr Sonne = weniger Schnee
weniger Schnee + häufiger begangen = besser gespurt
besser gespurt = Gipfel in Aussicht

Unsere Rechnung ging dann auch auf. Die Wege waren zwar noch schneebedeckt, aber häufig frequentiert. An einer Stelle kam uns sogar ein Trailrunner entgegen, der plötzlich wendete und zurückkam. Wie sich herausstellte hatten wir uns am Anfang des Jahres auf den Traildays in Garmisch kennen gelernt. Er war nun wie wir zu Besuch in der Gegend um die Strecken auch mal im Winter zu erkunden. Nach einem kleinen Plausch ging es dann in entgegengesetze Richtungen weiter. Dank unserer Mikrospikes an den Schuhen war auch der vereiste und verschneite Anstieg kein Probem für uns. Der Blick auf den Höhenmesser an meiner Uhr verwunderte uns dann aber doch. Das wir diesmal zügig voran kamen, konnten wir immer mit Blick auf den Verlauf der Seilbahn und die umliegenden Berge erahnen. Das wir jedoch zeitlich auch deutlich unter dem lagen, was wir nach Kartenstudium und Routenführer auch ohne Schnee veranschlagt hätten, wollten wir als Flachlandbewohner nicht so recht glauben. Als wir den Gipfel dann sogar gut eine Stunde früher erreichten war das frustrierende Gefühl der letzten Tage verschwunden. Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns an den Abstieg.


Schon nach wenigen Minuten hielten wir jedoch erschrocken inne. Der Weg vor uns war regelrecht in Blut getaucht. Bei näherem Hinsehen war wohl ein Wanderer beim Abstieg auf einem gefrorenen Stück ausgerutscht und scheinbar mit dem Kopf auf einem Stein aufgeschlagen. Die Wunde hatte scheinbar stark geblutet und der Schnee das Blut dann großflächig aufgesogen. Wir beeilten uns weiter zu kommen, da wir nicht absehen konnten, wann dieses Unglück geschehen war (da es die selbe Route war die wir aufgestiegen waren, war das mögliche Zeitfenster jedoch nicht so groß), wie ernst es tatsächlich um die verletzte Perosn stand und ob sie sich in Begleitung befand. Dank unserer Mikrospikes hatten wir zum Glück auch auf den vereisten Abschnitten stets festen Halt und konnten zügig weiter.
Den Weg vor uns zog sich nun eine deutliche rote Spur hin. Je weiter wir jedoch abstiegen, umso weniger wurde es, bzw. umso seltener fand sich Blut. Auf Höhe und in Sichtweite der Mittelstation der nahen Bergbahn knickte dann die Blutspur von unserem Weg ab, so dass wir sicher gehen konnten, dass der verletzte Wanderer wohl das Personal an der Bergbahn aus eigener Kraft erreicht hatte. Erleichtert machten wir uns auf den weiteren Rückweg. Dieses Erlebnis beschäftigte uns aber dennoch noch eine ganze Weile.


Touren in den Bergen haben immer ihren eigenen Charakter. Neben der richtigen Ausrüstung ist es vor allem Umsicht und Erfahrung die man nie vernachlässigen sollte. Weder das eine kann das andere ersetzen oder kompensieren, noch umgekehrt. Nicht immer geht alles so wie geplant. Man sollte stets  flexibel sein und über die notwenigen Reserven verfügen um auch bei Unerwartetem sicher wieder zurück zu kommen. Berücksichtigt man das, dann stellen die Berge ein lohnendes Ziel für viele Touren da die nicht nur uns für viele Jahre in ihren Bann schlagen.