Montag, 23. Februar 2015

Beuteltiere im Gipfelfieber

Auch wenn morgens noch die Straßen und Wege hier bei uns mit einer leichten Frostschicht bedeckt sind, so scheint der Winter sich nun doch seinem Ende zu nähern. Zeit für uns einen kleinen Blick zurück zu werfen...

Aussicht genießen

Zur Jahreswende hatten wir unser "Basislager" in einer kleinen Ferienwohnung mit Blick auf die Zugspitze aufgeschlagen. Wenigstens einmal im Jahr wollen wir Rheinländer auch mal richtigen Schnee und richtige Berge sehen! Die letzten Jahre waren "weiße Weihnachten" allerdings auch im Süden von Deutschland eher die Ausnahme als die Regel. Dieses Jahr kam es dann ganz anders wie gedacht. Aber vielleicht sollte ich sogar noch etwas früher anfangen...

Schon im Jahr zuvor hatten wir uns wiedermal in der Zugspitzregion herumgetrieben. So richtiges Winterfeeling wollte bei dem nass-braunen Schneematsch nicht wirklich aufkommen. Wenn überhaupt irgendwo noch etwas Schnee lag. Selbst bis in gewisse Höhenlagen zeigte sich mehr grün und braun wie weiße Pulverpracht. Zeitweise hatte ich es sogar bereut meine Luna-Sandalen nicht im Gepäck zu haben. Lediglich die Gipfel waren weiß betupft. Die Wege dort hoch erinnerten in ihrer Stimmung eher an eine Frühlingswanderung. Nicht, dass es nicht schön gewesen währe, aber wenn man auf Schnee hofft, dann will man auch Schnee und keine Blümchen!

Mit dieser Erinnerung im Kopf und einem eher unaussagekräftigen Wetterbericht als Grundlage planten wir dann unseren Aufenthalt in den Bergen. Wir würden auch ohne Schnee unsere Zeit dort unten genießen und stattdessen einige knackige Wanderungen und Gipfel angehen. Hauptsache Berge! Der Schlitten kann dann gleich im Keller bleiben...
Aber schon beim Passieren des Weißwurstäquators begleitete uns zunehmend dichter werdender Schneefall. Je näher wir den Alpen kamen um so heftiger schneite es. Als wir schließlich unser Ziel erreichten war alles unter einer dichten Schneedecke eingehüllt. Selbst über Nacht hielt der Schneefall an und bis zum Morgen reichte es knapp bis ans Fensterbrett unseres Zimmers. Aber statt das Glück nun auf der Piste zu suchen blieben wir bei unserem Plan und zielten auf die Gipfel der umliegenden Berge ab.

hop, hop! Immer schön den Berg hoch!

Eine unserer ersten Touren, deren Route wir bereits vom Vorjahr kannten, hatte es in sich. Der Pfad war seit dem Schneefall nicht mehr begangen worden, und wird auch bei besseren Bedingungen nur von wenigen in seiner vollen Länge bestiegen. Er führt mit zunnehmender Steigung an der Westflanke eines Berges durch den Wald und wechselt dann im oberen Teil nach Verlassen der Baumgrenze auf die Nordseite. Der Pfad bis dahin ist oft nur spärlich markiert und teils recht ausgesetzt. Auch das man sich fast ständig auf der Wetterseite aufhält lässt der Wind einen deutlich spüren. Erreicht man schließlich den Gipfel ist der Abstieg auf der Südseite dann deutlich komfortabler. Nur ein relativ kurzes Stück, bis man eine weite Alm erreicht wo eine Hütte mit Gaststube zu einem Zwischenstopp einlädt. Der weitere Abstieg ließe sich dann über eine breite Forststraße bewältigen oder über einen kurzen, gut zu folgenden Wanderweg.

Winterwunderland
Schon von Beginn an mussten wir Spuren. Der frische Pulverschnee machte es uns zugleich leicht und schwer. Obwohl er teils bis übers Knie ging war er doch so leicht und locker, dass es kaum eine zusätzliche Mühe bedeutete seine Schritte zu setzen. Jedoch war der eh schon schmale und nur selten gekennzeichnete Weg nun umso schwerer zu folgen. Auch Wurzeln, Steine, Trittstufen und andere Hindernisse musste man vorsichtig erspüren, wollte man nicht bei jedem Schritt straucheln. Dennoch kamen wir erstaunlich zügig voran und blieben sogar in der Zeit, die unser Routenbuch für den Sommer veranschlagt hatte. Etwa auf halber Höhe des Anstiegs erreichten wir eine recht urige und eher improvisiert wirkende Schutzhütte in der wir uns eine kleine Pause gönnten. Heißer Tee und einige aufgesparte Weihnachtsleckereien aus unseren Rucksäcken kamen da gerade recht. Nach und nach hielt aber der Schnefall nicht nur an, sondern wurde sogar noch stärker. Von unserem bisherigen Erfolg durch unseren raschen Aufstieg bestätigt machten wir uns wieder auf um noch rechtzeitig den Gipfel zu erreichen bevor das Wetter gänzlich umschlägt. Der Abstieg auf der anderen Seite würde sich ja ungleich leichter gestalten und geschützter verlaufen.

...und weiter geht's den Berg hoch!

Jedoch nahm ab hier der Bewuchs zunehmend ab und die Schneedecke noch zu. Teils hüfttief eingesunken versuchten wir uns den Hang hochzuarbeiten. Trotz Spikes an den Schuhen wurde es schwer immer guten Halt zu finden. An ausgesetzten Stellen mussten wir darauf achten auf keine Wächte zu treten um nicht mit den Füßen in der Luft zu enden. Kurz gesagt, der weitere Anstieg wurde zunehmend fordernder und riskanter. Mit dem weiteren Verlauf der Route im Kopf die noch die ein oder andere knifflige Stelle bereit hielt, dem immer kleiner werdenden Zeitfenster und dem zunehmenden Schneefall beschlossen wir schließlich kurz vor dem Gipfel umzukehren. Insbesodere ein breites Schneefeld an der Norseite, das den letzten Teil des Weges bis zum Gipfel darstellte war aufgrund der deutlich gestiegenen Lawinengefahr aus unseren Augen das Risiko nicht wert.
Natürlich etwas unzufrieden unsere geplante Tour nicht wie vorgesehen beenden zu können stiegen wir wieder ab. Unseren Spuren zu folgen war dabei schon wieder unmöglich geworden, da Schnee und Wind jeden Hinweis auf sie hatte verschwinden lassen. Im Dunkeln und im Licht der Stirnlampen erreichten wir schließlich wieder unseren Ausgangspunkt.

bei so viel Schnee, da lacht auch die Sonne

Die nächsten Tage hielt der Schneefall beständig an. Und so suchten wir uns Touren in weniger technisch anspruchsvollem Gelände heraus um dem Schnee Zeit zu geben sich zu setzen und um kein unnötiges Risiko einzugehen.
Bei einem unserer nächsten Gipfelversuche dann, mit dessen Routenverlauf wir schon seit einigen Jahren vertraut waren, hatten wir leider erneut nicht so viel Glück. Der größte Teil der Strecke stellte keine wirkliche Herausforderung da. Stark durch Skitourengeher und einige entgegenkommende Rodler (die den Lift auf der anderen Seite des Berges nutzten) frequentiert, war der Weg gut gangbar. Bei schönstem Sonnenschein konnten wir den Auftieg richtig genießen. Unser Plan sah jedoch vor den Berg nicht gleich parallel zur Piste auf der Nordseite zu besteigen, sondern weiter um ihn herum bis zur Süd-Ostseite zu gelangen um dort über einen Kamm und einen kleineren Nebengipfel bis zum Hauptgipfel vorzustoßen. So wollten wir den Touristenrummel und die wenig attraktive, wenn auch direktere Route vermeiden.
Der Weg führte durch ein eher flaches Waldstück und war offenbar bisher nur von ein paar Skitourengehern begangen worden. Im Gegensatz zu unserer ersten Tour war der Schnee nun auch nicht mehr leicht und fluffig sondern hatte sich gesetzt. Er war jetzt recht fest und zäh, aber nicht so fest, dass man darauf stehen konnte. Mit jedem Schritt sanken wir bis zu den Oberschenkeln ein und nur in der Spur der Skitourengeher sanken wir mit etwas Balance und Glück etwas weniger stark ein. Als dann auch die Skispuren endeten, da der weitere Weg scheinbar selbst für die Skitourer zu müßig wurde, mussten auch wir umkehren. Selbst mit Schneeschuhen (die wir natürlich NICHT dabei hatten...)  währe ein Fortwährtskommen auf diesem Weg zur Plakerei geraten. Langsam baute sich ein Frustgefühl auf. Jetzt hatten wir endlich den Schnee, den wir uns die letzten Jahre gewünscht hatten, nun machte er uns unsere Pläne fast alle zunichte. Gediegene Winterwanderungen sind zwar auch schön. Aber wenn das Gipfelfieber brennt, dann sind sie auch nur ein spärlicher Ersatz.

Rastplatz mit Aussicht

Und so starteten wir unsere nächste Gipfeltour etwas missmutig. Wir hatten uns diesmal bewusst für eine bekanntere Route an der Südseite eines Berges entschieden. Neben der guten Ausschilderung sollte auch der nahe Liftverkehr dafür sorgen, dass der Weg stärker begangen war. Unsere Rechnung ging etwa so:

Südseite = mehr Sonne = weniger Schnee
weniger Schnee + häufiger begangen = besser gespurt
besser gespurt = Gipfel in Aussicht

Unsere Rechnung ging dann auch auf. Die Wege waren zwar noch schneebedeckt, aber häufig frequentiert. An einer Stelle kam uns sogar ein Trailrunner entgegen, der plötzlich wendete und zurückkam. Wie sich herausstellte hatten wir uns am Anfang des Jahres auf den Traildays in Garmisch kennen gelernt. Er war nun wie wir zu Besuch in der Gegend um die Strecken auch mal im Winter zu erkunden. Nach einem kleinen Plausch ging es dann in entgegengesetze Richtungen weiter. Dank unserer Mikrospikes an den Schuhen war auch der vereiste und verschneite Anstieg kein Probem für uns. Der Blick auf den Höhenmesser an meiner Uhr verwunderte uns dann aber doch. Das wir diesmal zügig voran kamen, konnten wir immer mit Blick auf den Verlauf der Seilbahn und die umliegenden Berge erahnen. Das wir jedoch zeitlich auch deutlich unter dem lagen, was wir nach Kartenstudium und Routenführer auch ohne Schnee veranschlagt hätten, wollten wir als Flachlandbewohner nicht so recht glauben. Als wir den Gipfel dann sogar gut eine Stunde früher erreichten war das frustrierende Gefühl der letzten Tage verschwunden. Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns an den Abstieg.


Schon nach wenigen Minuten hielten wir jedoch erschrocken inne. Der Weg vor uns war regelrecht in Blut getaucht. Bei näherem Hinsehen war wohl ein Wanderer beim Abstieg auf einem gefrorenen Stück ausgerutscht und scheinbar mit dem Kopf auf einem Stein aufgeschlagen. Die Wunde hatte scheinbar stark geblutet und der Schnee das Blut dann großflächig aufgesogen. Wir beeilten uns weiter zu kommen, da wir nicht absehen konnten, wann dieses Unglück geschehen war (da es die selbe Route war die wir aufgestiegen waren, war das mögliche Zeitfenster jedoch nicht so groß), wie ernst es tatsächlich um die verletzte Perosn stand und ob sie sich in Begleitung befand. Dank unserer Mikrospikes hatten wir zum Glück auch auf den vereisten Abschnitten stets festen Halt und konnten zügig weiter.
Den Weg vor uns zog sich nun eine deutliche rote Spur hin. Je weiter wir jedoch abstiegen, umso weniger wurde es, bzw. umso seltener fand sich Blut. Auf Höhe und in Sichtweite der Mittelstation der nahen Bergbahn knickte dann die Blutspur von unserem Weg ab, so dass wir sicher gehen konnten, dass der verletzte Wanderer wohl das Personal an der Bergbahn aus eigener Kraft erreicht hatte. Erleichtert machten wir uns auf den weiteren Rückweg. Dieses Erlebnis beschäftigte uns aber dennoch noch eine ganze Weile.


Touren in den Bergen haben immer ihren eigenen Charakter. Neben der richtigen Ausrüstung ist es vor allem Umsicht und Erfahrung die man nie vernachlässigen sollte. Weder das eine kann das andere ersetzen oder kompensieren, noch umgekehrt. Nicht immer geht alles so wie geplant. Man sollte stets  flexibel sein und über die notwenigen Reserven verfügen um auch bei Unerwartetem sicher wieder zurück zu kommen. Berücksichtigt man das, dann stellen die Berge ein lohnendes Ziel für viele Touren da die nicht nur uns für viele Jahre in ihren Bann schlagen.



Dienstag, 2. Dezember 2014

Ich packe meinen Rucksack - ein kurzer Ausrüstungsguide

Für die meisten ist der Winter die Jahreszeit wo man von ausgedehnteren Touren absieht und lieber in der warmen Stube Pläne für die nächste Saison schmiedet. Und mit dem Weihnachtsfest kommt dann auch häufig die Frage auf, was man denn evtl. noch für die nächste große Tour gebrauchen könnte.
Ich möchte im Folgenden keine Geschenke für den “Outdoorer, der schon alles hat” präsentieren, auch keine Neuheiten oder must-haves für das Leben im Freien.
Vielmehr möchte ich einen kurzen Überblick liefern, was meiner Meinung nach auf einer Tour für Ausrüstung Sinn macht und bei welchen Teilen es sich lohnt zu investieren und wo man problemlos ein paar Groschen sparen kann.

Schön, wenn man sich auf seine Kleidung verlassen kann.

Kleidung
Fangen wir mal bei den absoluten Basics an, der Kleidung.
Sie soll uns in erster Linie helfen unseren Körper besser an das herrschende Klima anzupassen. Also warm im Winter, luftig im Sommer…
Ich bevorzuge möglichst schnelltrocknende Stoffe und Klamotten ohne unnötige Taschen und Verstärkungen. Moderne Materialien sind in der Regel mehr als ausreichend robust und mehr Material bedeutet nicht nur mehr Gewicht und größeres Packmaß, sondern vor allem auch längere Trockenzeit.
Vielseitigkeit ist ein Plus! Hosenbeine die sich hochkrempeln lassen oder Ärmel die sich leicht hochschieben lassen machen die Sachen flexibler.
Outdoorkleidung ist einerseits sehr langlebig, andererseits auch ein Verschleißprodukt. Hier lohnt immer der Blick auf den Gebrauchtmarkt! Investitionen in hochpreisige Artikel sind in der Regel nicht gerechtfertigt. Nach meiner Erfahrung decken auch die einfacheren Modelle alle notwendigen Eigenschaften ab, verzichten dabei aber auf häufig überbewertete Features und Gimmicks die nicht nur den Preis, sondern auch das Gewicht in die Höhe drücken.

Schuhe machen so einiges durch

Schuhe
Schuhe sind dabei jedoch eine sehr individuelle Angelegenheit. Nicht nur weil jeder einen anderen Fuß hat. Ich bin persönlich von Trailrunnern, Minimalschuhen und Huaraches überzeugt. Allerdings sind Schuhe wie kein anderer Ausrüstungsgegenstand dem Verschleiß ausgesetzt, verbringen wir doch die meiste Zeit auf den Füßen. Gebraucht würde ich hier nur in den seltensten Fällen kaufen, da man in der Regel nur schwer absehen kann, wie Schuhe eingelaufen wurden. Aber besonders bei Schuhen gibt es oft Schnäppchen, wenn man nach den Vorjahresmodellen guckt. Mit ein paar Tropfen Seamgrip lassen sich zudem exponierte Nähte vorsorglich verstärken und damit das Schuhleben verlängern. Mein absoluter Favourit und Tip: Wer sich drauf einlässt, der wird mit Luna-Sandalen (Partnerlink) extrem glücklich werden! Die überzeugen mich persönlich nicht nur durch ihre Performance und den Komfort, sondern durch ihre fast schon geschäftsschädigende Langlebigkeit!

Schlafsack/ Quilt
Ein Gegenstand bei dem es sich meiner Meinung nach lohnt zu investieren ist der Schlafsack oder Quilt! Bei einer Lebenszeit von mehreren Jahren rentiert sich eine einmalige Investition allemal. Zudem sichert ein Schlafsack die wichtige Erholung in der Nacht! Da will ich wirklich keine Einbußen in Kauf nehmen. In der Regel sind qualitativ hochwertige Schlafsäcke oder Quilts nicht nur wärmer, sondern auch deutlich leichter. Lieber vor einer Anschaffung wirklich intensiv recherchieren und vergleichen und nicht gleich bei einem vermeidlichen Angebot zuschlagen. Wer sich nicht vor Nadel und Faden scheut kann sich auch an den Selbstbau einer Penntüte wagen. Das ist zumindest bei einem Quilt in der Praxis leichter wie es sich anfangs evtl. anhört.

Leicht, steckt aber so einiges weg
mehr Platzangebot bei weniger Gewicht geht eigentlich nicht

Zelt/ Tarp
In meiner Outdoorlaufbahn habe ich viel Geld für Zelte ausgegeben. Dass das nicht unbedingt nötig war hab ich erst mit der Zeit gelernt. Zumindest würde ich heutzutage die Unterkunft zweitrangig nach einem guten Schlafsack einordnen. Auf zuverlässigen Wetterschutz würde ich dennoch natürlich nicht verzichten wollen. Ein durchdachtes Tarp ist leichter, flexibler und verglichen mit Zelten auch günstiger. Für wirklich herausforderndes Wetter würde ich auf ein leichtes Shelter im Pyramidendesign (z.B. ShangriLa, Duomid, Trailstar, etc. ) zurückgreifen. Ab und an kann man insbesondere in einschlägigen Online-Foren günstige Angebote finden.
Das ebenso leistungsstarke wie hochpreisige Cubenfibre Material hat zwar durchaus seine Vorteile kann seine Stärken allerdings nicht bei allen Unterkunftsformen voll ausspielen und erfordert einen Hersteller, der Erfahrung mit diesem Material hat. Ich bin nach wie vor mit Tarps und Sheltern aus Silnylon zufrieden. Minimal schwerer lassen diese sich oft einfacher/ kleiner verpacken, sind deutlich günstiger und lassen z.B. beim Aufenthalt auf einem Zeltplatz auch keinen Blick ins Innere zu.

Selbstgebauter Spirituskocher und Bushbuddy-Holzkocher
Holzkocher machen sich vor allem durch den eingesparten Brennstoff bezahlt den man zudem nicht extra schleppen muss! 

Küche
Die Outdoorküche ist nicht umsonst für Selbtbauprojekte beliebt. Es gibt unzählige Anleitungen für Kocher, Windschutz und Topfständer im Netz. Die leichtesten und zuverlässigsten Kocher fallen genau in diese Selbstbaukategorie. Mit ein oder zwei alten Getränkedosen, einem Taschenmesser und nicht ganz einer halben Stunde Arbeitsaufwand baut man sich einen treuen Begleiter für zahlreiche Touren! Wenn man nicht auch in einer alten Getränkedose sein Wasser erhitzen möchte (wovon ich mit wenigen Ausnahmen eher abrate, da die meisten Dosen auf der Innenseite eine fast unsichtbare Kunststoffbeschichtung aufweisen, die beim Erhitzen nach und nach ins Wasser ausdünstet) bleibt nur noch ein formschöner Topf. Ich persönlich stehe dabei auf unbeschichtetes Titan, das zwar etwas mehr kostet, aber pflegeleicht ist, auch mal ein Lagerfeuer verträgt und nicht zuletzt leichtere Töpfe ermöglicht. Zudem wird ein guter Topf zwar mit der Zeit Gebrauchsspuren davon tragen, aber in der Regel ein Begleiter für ein ganzes Wanderleben sein.

simpel, aber funktional

Rucksack
Bliebe noch der Rucksack, das Aushängeschild jedes Wanderers (und nicht ohne Grund heißt unser Blog auch die BEUTELtiere). Ein Rucksack soll und muss vor allem gut sitzen! Aber auch der best designte Rucksack trägt die Last nicht alleine (ich hab das Gefühl, ich wiederhole mich).
Als Ultraleichtwanderer heißt das nicht zuletzt, dass ich auch beim Rucksack auf das Eigengewicht achte, aber nicht auf Kosten des Tragekomforts. Dieser hängt insbesondere bei Rucksäcken ohne festes Tragesystem vom richtigen Packen ab. Leider kann man die wenigsten Ultraleichtrucksäcke irgendwo im Laden anprobieren. Aber evtl. findet sich im Bekanntenkreis oder in einem Forum die Möglichkeit sich vor einem Kauf mal einen solchen Rucksack näher anzuschauen.
Gerade in Foren hat man bei Zeiten Glück und findet den ein oder anderen gebrauchten Rucksack von jemandem, der diesen Rat nicht berücksichtigt hat. ;)
Gebrauchsspuren sind dabei fast immer nur optisch und tun der Funktion keinen Abbruch.
Persönlich komme ich dank reduziertem Ausrüstungsgewicht bei 90% meiner Touren ohne Hüftgurt aus. Worauf ich aber nicht verzichten möchte sind zwei Seitentaschen für Trinkflasche, Snacks, o.ä. und eine zentrale, große Netztasche wo man das nasse Zelt, die Regenkleidung oder andere Dinge verstauen kann, die man schnell zur Hand haben möchte. Um den Rucksackinhalt wasserdicht zu verpacken langt mir ein großer Müllsack. Teure und aufwendige Packbeutel oder wasserdichte Stausäcke sind oft viel zu schwer und können auch nicht mehr wie so eine Mülltüte, die sich zudem leichter ersetzen lässt.


Ich hoffe ich konnte mit dieser kleinen Zusammenstellung mal eine andere Perspektive auf ein viel diskutiertes Thema werfen. Wenn ihr noch Fragen habt oder persönliche Tips sucht, steht Euch natürlich wie immer die Kommentarfunktion zur Verfügung.



Freitag, 7. November 2014

Der perfekte Rucksack

Ich wurde schon oft gefragt, welchen Rucksack ich empfehlen würde. In der Regel kommt dann von mir eine Rückfrage bezüglich des Einsatzzwecks, dem Volumen, Gewicht des Inhalts, Rückenlänge, Tourendauer, etc. Man kennt sowas ja auch aus diversen Foren oder aus den Verkaufs... Ähh, Beratungs-Gesprächen im Outdoorladen seines Vertrauens.

Aller Anfang ist schwer

Wenn man auf die reine Summe an Rucksäcken guckt, die ich in meinem Leben schon besessen, genutzt und verschlissen hab, oder auch nur auf die (eigentlich viel zu vielen) Rucksäcke, die sich zur Zeit in meinem Ausrüstungs-Fundus befinden, müsste man meinen, ich hätte Ahnung davon und könnte sagen, was der perfekte Rucksack währe. Oder zumindest wie der perfekte Rucksack aussehen müsste.
Andererseits zeigt die Unsumme an Rucksäcken mit ihrer Vielzahl an Features, Gimmicks und Designs die sich bei mir im Verlauf der Jahre angesammelt haben allerdings auch etwa anderes. Nämlich, dass ich scheinbar selbst noch nicht DEN perfekten Pack gefunden habe! Das klingt jetzt aber doch schon etwas merkwürdig, oder nicht?

Rucksäcke im Partnerlook

Ich muss zugeben, dass ich selber oft darüber nachdenke wie der perfekte Rucksack für mich beschaffen währe. Grundsätzlich hat ja jeder andere Erwartungen an seinen Rucksack und damit währe es schwer alle unter den selben Nenner zu bringen. Der eine möchte nunmal nicht auf einen Hüftgurt und ein integriertes Tragesystem verzichten, der andere empfindet das als überflüssig oder sogar störend. Um also festzustellen, welcher Rucksack am besten zu einem passt, währe es zunächst einmal wichtig, zu wissen was die eigenen Erwartungen sind. Das man sich da mal von gewissen Wunschvorstellungen befreit und da eher realistisch an die Sache dran geht kann da nur hilfreich sein.

Auch wenn die Industrie und deren Werbung es uns immer wieder versucht einzureden:

"ES GIBT KEINEN RUCKSACK, BEI DEM DER INHALT LEICHTER WIRD!"

Natürlich kann ein guter und bequemer Sitz dazu führen, dass sich ein Rucksack angenehmer trägt, wie ein anderes Modell. Leichter wird das Gepäck in seinem Inneren dadurch aber nicht! Bevor man sich also auf die Jagd nach einem Rucksack macht, sollte man sich um dessen Inhalt kümmern. Je weniger Teile und je leichter und kompakter diese ausfallen, umso leichter kann damit auch der Rucksack am Ende sein. Klar würden manche jetzt argumentieren, dass es doch auch bei Rucksäcken Gewichtsunterschiede gibt. Und da haben sie auch Recht. Aber, je minimalistischer der Inhalt des Rucksacks ausfällt, umso minimalistischer und umso leichter kann auch der Rucksack an sich gestaltet sein.

"brauch ich das wirklich alles?"

Wenn man sich also darüber im Klaren ist und seine Ausrüstung nun quasi nackt (d.h. ohne den verhüllenden Rucksack) vor sich liegen hat, schwingt man sich sogleich vor den PC und stürzt sich in die Recherche...

Die Ramenbedingungen sind ja meist soweit geklärt. Das Volumen und das Gewicht der Ausrüstung ist festgehalten (möglichst kleinschrittig in bunten Exel-Tabellen) und die Eckdaten der vorausliegenden Tour hat man auch parat. Was also nun? Man klickt auf den erstbesten Online-Shop und öffnet die Kategorie, die der eigenen Tour am ehesten entspricht. Alpinrucksack für eine Bergtour? Oder doch eher ein Trekkingrucksack für mehrwöchige Zelttouren?
Mhh... manchmal gar nicht so leicht. Und was, wenn ich mal in die Berge und mal im Flachland unterwegs bin? Brauch ich dann zwei Rucksäcke? Und fürs Fahrradfahren? Und in der Stadt? Langsam wird wohl klar, woher die ganzen Rucksäcke stammen, die bei mir rumfliegen...

für's Trailrunning ein Trailrunning-Rucksack

Aber braucht es das wirklich? Diese ganzen verschiedenen Spezialisten? Oder gibt es eine Art Eier legende Wollmilchsau? Das ist die Frage, die ich mir schon geraume Zeit stelle und die mich schließlich zu diesem Artikel geführt hat. Wenn ich einen Rucksack selber entwerfen würde, würde ich die Details übernehmen, die ich schon bei anderen Rucksäcken zu schätzen gelernt hab.  Am Ende stünde mein Idealbild eines Rucksacks.

der Großvater der Ultraleichtrucksäcke

Erstaunlicherweise habe ich bereits ähnliche Rucksäcke. Und es sind oft nur wenige Details die sie von diesem Idealbild trennen. Rückblickend entsprachen diese Rucksäcke als ich sie bekommen habe meinem Idealbild bzw. waren "genau das, was ich mir gewünscht habe". Warum entsprechen sie dieser Vorstellung eines idealen Rucksacks jetzt nicht mehr und warum suche ich weiterhin nach dem perfekten Pack?

Die Rucksäcke haben sich nicht verändert. Ich habe es! Ok. Ich bin immer noch ungefähr gleich groß, hab immer noch zwei Arme und auch mein Rücken ist noch da wo er hingehört. Die Veränderung hat im Kopf stattgefunden. Was sich geändert hat waren die Erwartungen die ich an einen Rucksack stelle. Das war zunächst einmal das größere Volumen als die Touren länger wurden. Dann haben Tests und Berichte in verschiedenen Magazinen mich vom Vorteil neuer Features "überzeugt". Als ich mit Ultraleicht angefangen habe, war es die Versprechung von geringerem Gewicht. Aber immer waren es Einflüsse von Außen, die meine Erwartungen und meine Ansprüche an einen Rucksack verändert haben. Wenn ich zurückdenke, war das nicht immer so. Zugegeben, in meiner Jugend war man froh, wenn man einen gut sitzenden Rucksack hatte, der nicht alle Nase lang in den Schultern einschnitt. Aber unterm Strich waren die Details des Rucksacks nachrangig. Outdoorstores gab es noch nicht an jeder Ecke, der Briefkasten wurde nicht mit Werbung diverser Ausrüster überflutet und vom Internet hatte damals auch noch keiner gehört.

den Kuchen lass ich lieber gleich draußen...

Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr werde ich mir klar darüber, dass es den perfekten Rucksack bereits gibt. Und, dass ich ihn bereits besitze! Er befindet sich in meinem Kopf. Nicht als Idee, als Schnittmuster oder als Liste von Features und must-haves. Nein. Vielmehr sind es die Erwartungen an einen Rucksack die diesen formen. Und wenn ich diese Erwartungen ändere, sie umgestalte und überdenke, dann passen sie auf den Rucksack, der da bereits seit Jahr und Tag in meinem Schrank hängt. Das klingt jetzt mit Sicherheit wie die wirren Reden eines Einsiedlers auf irgend einem nicht näher genannten Sumpfplaneten...

Hüftgurt? Nein, danke!

Aber wenn man sich darüber klar wird, wie sehr unser Denken und damit auch unser Handeln von Werbung, Berichten und Kommentaren im Netz und unserem gesamten Umfeld beeinflusst wird, dann erscheint das vielleicht weniger abstruß. Brauche ich wirklich einen neuen Rucksack, weil er 20 Gramm weniger wiegt wie mein alter Rucksack? Machen die neuen Schultergurte wirklich so einen Unterschied im Tragekomfort, dass ich bereit dafür bin, einiges an Geld auszugeben, obwohl ich in den letzten Jahren auch mit den alten Schultergurten immer gut zurecht gekommen bin? Es liegt schlußendlich an uns und unserem Kopf, was wir wollen und was wir wirklich brauchen. Und was soll ein Rucksack unterm Strich können? Er soll groß genug sein um unseren Krempel zu fassen und sich dabei ausreichend bequem tragen lassen.
Wenn ich diese Idee weiter spinne, dann währe der perfekte Rucksack kaum mehr wie die simple Tasche eines traditionellen Pilgers oder Wander-Mönches. Ein einfacher, schlichter Beutel, der die notwendigen Dinge aufnehmen kann, auf die man unterwegs angewiesen ist.
Und da man diese grundlegende Idee der Einfachheit auch auf den Rest seiner  Ausrüstung anwenden könnte, müsste dieser Beutel gar nicht mal so groß sein...

kein Vergleich zu früher ;-)

Heißt das nun, dass man mich demnächst mit einem Jutebeutel über der Schulter durch den Wald huschen sieht? Wohl dann doch eher nicht. Ich gebe zu, dass es mir selber nicht immer leicht fällt, mich den diversen Verlockungen die ein neues Produkt liefert zu entziehen. Und doch ist es für mich ein besonderer Reiz und eine Herausforderung das zu nutzen was man bereits hat und dabei zugleich damit zufrieden zu sein.

Die Kunst besteht nicht darin, den Ausrüstungsgegenstand mit den passenden Features auszuwählen, sondern das was man zur Verfügung hat auch in unerwarteten Situationen überlegt einzusetzen.