Dienstag, 2. Dezember 2014

Ich packe meinen Rucksack - ein kurzer Ausrüstungsguide

Für die meisten ist der Winter die Jahreszeit wo man von ausgedehnteren Touren absieht und lieber in der warmen Stube Pläne für die nächste Saison schmiedet. Und mit dem Weihnachtsfest kommt dann auch häufig die Frage auf, was man denn evtl. noch für die nächste große Tour gebrauchen könnte.
Ich möchte im Folgenden keine Geschenke für den “Outdoorer, der schon alles hat” präsentieren, auch keine Neuheiten oder must-haves für das Leben im Freien.
Vielmehr möchte ich einen kurzen Überblick liefern, was meiner Meinung nach auf einer Tour für Ausrüstung Sinn macht und bei welchen Teilen es sich lohnt zu investieren und wo man problemlos ein paar Groschen sparen kann.

Schön, wenn man sich auf seine Kleidung verlassen kann.

Kleidung
Fangen wir mal bei den absoluten Basics an, der Kleidung.
Sie soll uns in erster Linie helfen unseren Körper besser an das herrschende Klima anzupassen. Also warm im Winter, luftig im Sommer…
Ich bevorzuge möglichst schnelltrocknende Stoffe und Klamotten ohne unnötige Taschen und Verstärkungen. Moderne Materialien sind in der Regel mehr als ausreichend robust und mehr Material bedeutet nicht nur mehr Gewicht und größeres Packmaß, sondern vor allem auch längere Trockenzeit.
Vielseitigkeit ist ein Plus! Hosenbeine die sich hochkrempeln lassen oder Ärmel die sich leicht hochschieben lassen machen die Sachen flexibler.
Outdoorkleidung ist einerseits sehr langlebig, andererseits auch ein Verschleißprodukt. Hier lohnt immer der Blick auf den Gebrauchtmarkt! Investitionen in hochpreisige Artikel sind in der Regel nicht gerechtfertigt. Nach meiner Erfahrung decken auch die einfacheren Modelle alle notwendigen Eigenschaften ab, verzichten dabei aber auf häufig überbewertete Features und Gimmicks die nicht nur den Preis, sondern auch das Gewicht in die Höhe drücken.

Schuhe machen so einiges durch

Schuhe
Schuhe sind dabei jedoch eine sehr individuelle Angelegenheit. Nicht nur weil jeder einen anderen Fuß hat. Ich bin persönlich von Trailrunnern, Minimalschuhen und Huaraches überzeugt. Allerdings sind Schuhe wie kein anderer Ausrüstungsgegenstand dem Verschleiß ausgesetzt, verbringen wir doch die meiste Zeit auf den Füßen. Gebraucht würde ich hier nur in den seltensten Fällen kaufen, da man in der Regel nur schwer absehen kann, wie Schuhe eingelaufen wurden. Aber besonders bei Schuhen gibt es oft Schnäppchen, wenn man nach den Vorjahresmodellen guckt. Mit ein paar Tropfen Seamgrip lassen sich zudem exponierte Nähte vorsorglich verstärken und damit das Schuhleben verlängern. Mein absoluter Favourit und Tip: Wer sich drauf einlässt, der wird mit Luna-Sandalen (Partnerlink) extrem glücklich werden! Die überzeugen mich persönlich nicht nur durch ihre Performance und den Komfort, sondern durch ihre fast schon geschäftsschädigende Langlebigkeit!

Schlafsack/ Quilt
Ein Gegenstand bei dem es sich meiner Meinung nach lohnt zu investieren ist der Schlafsack oder Quilt! Bei einer Lebenszeit von mehreren Jahren rentiert sich eine einmalige Investition allemal. Zudem sichert ein Schlafsack die wichtige Erholung in der Nacht! Da will ich wirklich keine Einbußen in Kauf nehmen. In der Regel sind qualitativ hochwertige Schlafsäcke oder Quilts nicht nur wärmer, sondern auch deutlich leichter. Lieber vor einer Anschaffung wirklich intensiv recherchieren und vergleichen und nicht gleich bei einem vermeidlichen Angebot zuschlagen. Wer sich nicht vor Nadel und Faden scheut kann sich auch an den Selbstbau einer Penntüte wagen. Das ist zumindest bei einem Quilt in der Praxis leichter wie es sich anfangs evtl. anhört.

Leicht, steckt aber so einiges weg
mehr Platzangebot bei weniger Gewicht geht eigentlich nicht

Zelt/ Tarp
In meiner Outdoorlaufbahn habe ich viel Geld für Zelte ausgegeben. Dass das nicht unbedingt nötig war hab ich erst mit der Zeit gelernt. Zumindest würde ich heutzutage die Unterkunft zweitrangig nach einem guten Schlafsack einordnen. Auf zuverlässigen Wetterschutz würde ich dennoch natürlich nicht verzichten wollen. Ein durchdachtes Tarp ist leichter, flexibler und verglichen mit Zelten auch günstiger. Für wirklich herausforderndes Wetter würde ich auf ein leichtes Shelter im Pyramidendesign (z.B. ShangriLa, Duomid, Trailstar, etc. ) zurückgreifen. Ab und an kann man insbesondere in einschlägigen Online-Foren günstige Angebote finden.
Das ebenso leistungsstarke wie hochpreisige Cubenfibre Material hat zwar durchaus seine Vorteile kann seine Stärken allerdings nicht bei allen Unterkunftsformen voll ausspielen und erfordert einen Hersteller, der Erfahrung mit diesem Material hat. Ich bin nach wie vor mit Tarps und Sheltern aus Silnylon zufrieden. Minimal schwerer lassen diese sich oft einfacher/ kleiner verpacken, sind deutlich günstiger und lassen z.B. beim Aufenthalt auf einem Zeltplatz auch keinen Blick ins Innere zu.

Selbstgebauter Spirituskocher und Bushbuddy-Holzkocher
Holzkocher machen sich vor allem durch den eingesparten Brennstoff bezahlt den man zudem nicht extra schleppen muss! 

Küche
Die Outdoorküche ist nicht umsonst für Selbtbauprojekte beliebt. Es gibt unzählige Anleitungen für Kocher, Windschutz und Topfständer im Netz. Die leichtesten und zuverlässigsten Kocher fallen genau in diese Selbstbaukategorie. Mit ein oder zwei alten Getränkedosen, einem Taschenmesser und nicht ganz einer halben Stunde Arbeitsaufwand baut man sich einen treuen Begleiter für zahlreiche Touren! Wenn man nicht auch in einer alten Getränkedose sein Wasser erhitzen möchte (wovon ich mit wenigen Ausnahmen eher abrate, da die meisten Dosen auf der Innenseite eine fast unsichtbare Kunststoffbeschichtung aufweisen, die beim Erhitzen nach und nach ins Wasser ausdünstet) bleibt nur noch ein formschöner Topf. Ich persönlich stehe dabei auf unbeschichtetes Titan, das zwar etwas mehr kostet, aber pflegeleicht ist, auch mal ein Lagerfeuer verträgt und nicht zuletzt leichtere Töpfe ermöglicht. Zudem wird ein guter Topf zwar mit der Zeit Gebrauchsspuren davon tragen, aber in der Regel ein Begleiter für ein ganzes Wanderleben sein.

simpel, aber funktional

Rucksack
Bliebe noch der Rucksack, das Aushängeschild jedes Wanderers (und nicht ohne Grund heißt unser Blog auch die BEUTELtiere). Ein Rucksack soll und muss vor allem gut sitzen! Aber auch der best designte Rucksack trägt die Last nicht alleine (ich hab das Gefühl, ich wiederhole mich).
Als Ultraleichtwanderer heißt das nicht zuletzt, dass ich auch beim Rucksack auf das Eigengewicht achte, aber nicht auf Kosten des Tragekomforts. Dieser hängt insbesondere bei Rucksäcken ohne festes Tragesystem vom richtigen Packen ab. Leider kann man die wenigsten Ultraleichtrucksäcke irgendwo im Laden anprobieren. Aber evtl. findet sich im Bekanntenkreis oder in einem Forum die Möglichkeit sich vor einem Kauf mal einen solchen Rucksack näher anzuschauen.
Gerade in Foren hat man bei Zeiten Glück und findet den ein oder anderen gebrauchten Rucksack von jemandem, der diesen Rat nicht berücksichtigt hat. ;)
Gebrauchsspuren sind dabei fast immer nur optisch und tun der Funktion keinen Abbruch.
Persönlich komme ich dank reduziertem Ausrüstungsgewicht bei 90% meiner Touren ohne Hüftgurt aus. Worauf ich aber nicht verzichten möchte sind zwei Seitentaschen für Trinkflasche, Snacks, o.ä. und eine zentrale, große Netztasche wo man das nasse Zelt, die Regenkleidung oder andere Dinge verstauen kann, die man schnell zur Hand haben möchte. Um den Rucksackinhalt wasserdicht zu verpacken langt mir ein großer Müllsack. Teure und aufwendige Packbeutel oder wasserdichte Stausäcke sind oft viel zu schwer und können auch nicht mehr wie so eine Mülltüte, die sich zudem leichter ersetzen lässt.


Ich hoffe ich konnte mit dieser kleinen Zusammenstellung mal eine andere Perspektive auf ein viel diskutiertes Thema werfen. Wenn ihr noch Fragen habt oder persönliche Tips sucht, steht Euch natürlich wie immer die Kommentarfunktion zur Verfügung.



Freitag, 7. November 2014

Der perfekte Rucksack

Ich wurde schon oft gefragt, welchen Rucksack ich empfehlen würde. In der Regel kommt dann von mir eine Rückfrage bezüglich des Einsatzzwecks, dem Volumen, Gewicht des Inhalts, Rückenlänge, Tourendauer, etc. Man kennt sowas ja auch aus diversen Foren oder aus den Verkaufs... Ähh, Beratungs-Gesprächen im Outdoorladen seines Vertrauens.

Aller Anfang ist schwer

Wenn man auf die reine Summe an Rucksäcken guckt, die ich in meinem Leben schon besessen, genutzt und verschlissen hab, oder auch nur auf die (eigentlich viel zu vielen) Rucksäcke, die sich zur Zeit in meinem Ausrüstungs-Fundus befinden, müsste man meinen, ich hätte Ahnung davon und könnte sagen, was der perfekte Rucksack währe. Oder zumindest wie der perfekte Rucksack aussehen müsste.
Andererseits zeigt die Unsumme an Rucksäcken mit ihrer Vielzahl an Features, Gimmicks und Designs die sich bei mir im Verlauf der Jahre angesammelt haben allerdings auch etwa anderes. Nämlich, dass ich scheinbar selbst noch nicht DEN perfekten Pack gefunden habe! Das klingt jetzt aber doch schon etwas merkwürdig, oder nicht?

Rucksäcke im Partnerlook

Ich muss zugeben, dass ich selber oft darüber nachdenke wie der perfekte Rucksack für mich beschaffen währe. Grundsätzlich hat ja jeder andere Erwartungen an seinen Rucksack und damit währe es schwer alle unter den selben Nenner zu bringen. Der eine möchte nunmal nicht auf einen Hüftgurt und ein integriertes Tragesystem verzichten, der andere empfindet das als überflüssig oder sogar störend. Um also festzustellen, welcher Rucksack am besten zu einem passt, währe es zunächst einmal wichtig, zu wissen was die eigenen Erwartungen sind. Das man sich da mal von gewissen Wunschvorstellungen befreit und da eher realistisch an die Sache dran geht kann da nur hilfreich sein.

Auch wenn die Industrie und deren Werbung es uns immer wieder versucht einzureden:

"ES GIBT KEINEN RUCKSACK, BEI DEM DER INHALT LEICHTER WIRD!"

Natürlich kann ein guter und bequemer Sitz dazu führen, dass sich ein Rucksack angenehmer trägt, wie ein anderes Modell. Leichter wird das Gepäck in seinem Inneren dadurch aber nicht! Bevor man sich also auf die Jagd nach einem Rucksack macht, sollte man sich um dessen Inhalt kümmern. Je weniger Teile und je leichter und kompakter diese ausfallen, umso leichter kann damit auch der Rucksack am Ende sein. Klar würden manche jetzt argumentieren, dass es doch auch bei Rucksäcken Gewichtsunterschiede gibt. Und da haben sie auch Recht. Aber, je minimalistischer der Inhalt des Rucksacks ausfällt, umso minimalistischer und umso leichter kann auch der Rucksack an sich gestaltet sein.

"brauch ich das wirklich alles?"

Wenn man sich also darüber im Klaren ist und seine Ausrüstung nun quasi nackt (d.h. ohne den verhüllenden Rucksack) vor sich liegen hat, schwingt man sich sogleich vor den PC und stürzt sich in die Recherche...

Die Ramenbedingungen sind ja meist soweit geklärt. Das Volumen und das Gewicht der Ausrüstung ist festgehalten (möglichst kleinschrittig in bunten Exel-Tabellen) und die Eckdaten der vorausliegenden Tour hat man auch parat. Was also nun? Man klickt auf den erstbesten Online-Shop und öffnet die Kategorie, die der eigenen Tour am ehesten entspricht. Alpinrucksack für eine Bergtour? Oder doch eher ein Trekkingrucksack für mehrwöchige Zelttouren?
Mhh... manchmal gar nicht so leicht. Und was, wenn ich mal in die Berge und mal im Flachland unterwegs bin? Brauch ich dann zwei Rucksäcke? Und fürs Fahrradfahren? Und in der Stadt? Langsam wird wohl klar, woher die ganzen Rucksäcke stammen, die bei mir rumfliegen...

für's Trailrunning ein Trailrunning-Rucksack

Aber braucht es das wirklich? Diese ganzen verschiedenen Spezialisten? Oder gibt es eine Art Eier legende Wollmilchsau? Das ist die Frage, die ich mir schon geraume Zeit stelle und die mich schließlich zu diesem Artikel geführt hat. Wenn ich einen Rucksack selber entwerfen würde, würde ich die Details übernehmen, die ich schon bei anderen Rucksäcken zu schätzen gelernt hab.  Am Ende stünde mein Idealbild eines Rucksacks.

der Großvater der Ultraleichtrucksäcke

Erstaunlicherweise habe ich bereits ähnliche Rucksäcke. Und es sind oft nur wenige Details die sie von diesem Idealbild trennen. Rückblickend entsprachen diese Rucksäcke als ich sie bekommen habe meinem Idealbild bzw. waren "genau das, was ich mir gewünscht habe". Warum entsprechen sie dieser Vorstellung eines idealen Rucksacks jetzt nicht mehr und warum suche ich weiterhin nach dem perfekten Pack?

Die Rucksäcke haben sich nicht verändert. Ich habe es! Ok. Ich bin immer noch ungefähr gleich groß, hab immer noch zwei Arme und auch mein Rücken ist noch da wo er hingehört. Die Veränderung hat im Kopf stattgefunden. Was sich geändert hat waren die Erwartungen die ich an einen Rucksack stelle. Das war zunächst einmal das größere Volumen als die Touren länger wurden. Dann haben Tests und Berichte in verschiedenen Magazinen mich vom Vorteil neuer Features "überzeugt". Als ich mit Ultraleicht angefangen habe, war es die Versprechung von geringerem Gewicht. Aber immer waren es Einflüsse von Außen, die meine Erwartungen und meine Ansprüche an einen Rucksack verändert haben. Wenn ich zurückdenke, war das nicht immer so. Zugegeben, in meiner Jugend war man froh, wenn man einen gut sitzenden Rucksack hatte, der nicht alle Nase lang in den Schultern einschnitt. Aber unterm Strich waren die Details des Rucksacks nachrangig. Outdoorstores gab es noch nicht an jeder Ecke, der Briefkasten wurde nicht mit Werbung diverser Ausrüster überflutet und vom Internet hatte damals auch noch keiner gehört.

den Kuchen lass ich lieber gleich draußen...

Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr werde ich mir klar darüber, dass es den perfekten Rucksack bereits gibt. Und, dass ich ihn bereits besitze! Er befindet sich in meinem Kopf. Nicht als Idee, als Schnittmuster oder als Liste von Features und must-haves. Nein. Vielmehr sind es die Erwartungen an einen Rucksack die diesen formen. Und wenn ich diese Erwartungen ändere, sie umgestalte und überdenke, dann passen sie auf den Rucksack, der da bereits seit Jahr und Tag in meinem Schrank hängt. Das klingt jetzt mit Sicherheit wie die wirren Reden eines Einsiedlers auf irgend einem nicht näher genannten Sumpfplaneten...

Hüftgurt? Nein, danke!

Aber wenn man sich darüber klar wird, wie sehr unser Denken und damit auch unser Handeln von Werbung, Berichten und Kommentaren im Netz und unserem gesamten Umfeld beeinflusst wird, dann erscheint das vielleicht weniger abstruß. Brauche ich wirklich einen neuen Rucksack, weil er 20 Gramm weniger wiegt wie mein alter Rucksack? Machen die neuen Schultergurte wirklich so einen Unterschied im Tragekomfort, dass ich bereit dafür bin, einiges an Geld auszugeben, obwohl ich in den letzten Jahren auch mit den alten Schultergurten immer gut zurecht gekommen bin? Es liegt schlußendlich an uns und unserem Kopf, was wir wollen und was wir wirklich brauchen. Und was soll ein Rucksack unterm Strich können? Er soll groß genug sein um unseren Krempel zu fassen und sich dabei ausreichend bequem tragen lassen.
Wenn ich diese Idee weiter spinne, dann währe der perfekte Rucksack kaum mehr wie die simple Tasche eines traditionellen Pilgers oder Wander-Mönches. Ein einfacher, schlichter Beutel, der die notwendigen Dinge aufnehmen kann, auf die man unterwegs angewiesen ist.
Und da man diese grundlegende Idee der Einfachheit auch auf den Rest seiner  Ausrüstung anwenden könnte, müsste dieser Beutel gar nicht mal so groß sein...

kein Vergleich zu früher ;-)

Heißt das nun, dass man mich demnächst mit einem Jutebeutel über der Schulter durch den Wald huschen sieht? Wohl dann doch eher nicht. Ich gebe zu, dass es mir selber nicht immer leicht fällt, mich den diversen Verlockungen die ein neues Produkt liefert zu entziehen. Und doch ist es für mich ein besonderer Reiz und eine Herausforderung das zu nutzen was man bereits hat und dabei zugleich damit zufrieden zu sein.

Die Kunst besteht nicht darin, den Ausrüstungsgegenstand mit den passenden Features auszuwählen, sondern das was man zur Verfügung hat auch in unerwarteten Situationen überlegt einzusetzen.



Donnerstag, 30. Oktober 2014

Geteert und Gefedert - in der ethisch-ökologischen Zwickmühle

Was war es damals alles einfach. Begriffe wie Klimawandel und ökologischer Fußabdruck waren im allgemeinen Sprachgebrauch noch unbekannt. Vegetarismus hielten manche eher für eine Sekte und bestimmt nicht für eine gesunde Ernährungsform. Und um nicht zu frieren ging man einfach ins Geschäft an der Ecke und kaufte sich eine x-beliebige Jacke. Hautsache die Größe und die Farbe stimmte.

Daune oder Kunstfaser?

Heutzutage haben sich die Zeiten geändert. Man hat jetzt eigentlich nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder man ignoriert vehement jegliche Studie die vor dem ökologischen Kollaps warnt oder man setzt sich mit seinem Konsumverhalten reflektiert auseinander.
Zugegeben, ich hab in meinem Leben schon mehr als eine Jacke, Rucksack, Schlafsack oder Zelt verschlissen und gekauft. Und gerade wenn es um warme Klamotten geht, kann man beim Stadtbummel schwach werden, wenn man erst kurz vorher auf Tour mehr als nur kalte Füße hatte. Und wenn es um Isolierung geht kommt immer noch kein Material an den unangefochtenen Spitzenreiter Daune heran. Zumindest verfügt kein anderes Material über so ein gutes Wärme-Gewichtsverhältnis wie Daune. Auch der Tragekomfort ist unübertroffen. Und spätestens seit der Einführung wasserabweisend behandelter Daune haben Skeptiker die bei dem Gedanken von nasser Isolierung zusammenzucken kein Argument mehr in der Hand. Naja, fast...
Wir sind schon länger Vegetarier und seit einer ganzen Weile ernähren wir uns mittlerweile überwiegend vegan. Das hatte neben gesundheitlichen und ökologischen auch nicht zu letzt ethische Gründe. Aber wie hält man es neben der Ernährung mit seinem sonstigen Konsum? Das war und ist eine Frage, die wir uns zunehmend stellen. Wenn man mit den Methoden der Lebensmittelindustrie und insbesondere der Massentierhaltung bzw. Intensivtierhaltung nicht einverstanden ist, bleibt einem wohl nichts anderes übrig als auch bei seiner Bekleidung auf tierische Produkte zu verzichten.
Das scheint erstmal einfacher als es dann tatsächlich ist. Wenn man neben dem Tierleid aber auch ökologische Faktoren mit in die Rechnung mit einbezieht, fängt das Grübeln an...

In der Outdoorindustrie übertrumpft man sich aktuell gegenseitig mit Blue-Label Zertifikaten und Highttech Materialien aus recycleten Rohstoffen. So weit so gut. Setzt man sich jedoch etwas mehr mit der Materie auseinander ist leider nicht alles so grün wie es scheint. Beim Stöbern in diversen Katalogen, Onlineshops und den Seiten namhafter Hersteller sind mir einige Punkte aufgefallen, die mich nachdenken ließen. Lassen wir mal von begründeter Kritik an wasserdichten Membranen und Imprägniermitteln ab, die ja auch bei Daunenprodukten Verwendung finden. (Greenpeace hat wiederholt mit seiner Detox-Kampagne auf grobe Missstände bei den verwendeten Chemikalien hingewiesen) Oder dem Umstand, dass Hersteller die sich selbst als ökologisch vermarkten oft nur einen verschwindend geringen Teil ihrer Kollektion ohne entsprechend fragwürdige Stoffe produzieren bzw. zertifizieren. Gucken wir einfach mal zu den gängigen Alternativen zu Daune. Kunstfaserfließe wie etwa Primaloft, Climashield Apex und co. haben hier ganz klar die Nase vorn. Und wie schön, gibt es viele dieser Produkte auch noch aus recycleten Rohstoffen! Ist doch prima! Oder nicht?
Also mal rasch einen Blick auf die Produktanhänger an den Klamotten geworden...

New Material Only

Ganz selten findet man allerdings mal Informationen zum recycleten Anteil im Produkt und dieser ist dann oft verschwindend gering. Ok. Das ist natürlich immer noch besser wie gar nix. Jeder fängt ja mal klein an. Aber die Werbung der Hersteller vermitteln dem Verbraucher häufig den Eindruck, das Produkt währe fast vollständig aus wiederverwerteten Ressourcen hergestellt. Unterm Strich heißt das bei den gängigen Kunstfaserisolierungen, dass man weiterhin auf petrochemische Produkte aus extra dafür gewonnenem Erdöl setzt. Ob das mit dem Bild zusammen passt, das der naturverbundene Kunde von diesen Produkten hat? Und berücksichtigt man die oft relativ kurze Lebensdauer einer Kunstfaserisolierung bevor diese einen Großteil ihres Loft und damit ihrer Wärmeleistung einbüßt, ist diese Frage umso begründeter. Recyclet wird das Material am Ende seiner Lebensdauer in der Regel auch nur in Ausnahmen. Sei es, weil der Verbraucher mit der richtigen Entsorgung überfordert ist, oder weil der Hersteller die dafür nötigen Informationen nur unzureichen publiziert. Also doch wieder Daune?

Enthält Nicht-Textile Teile Tierischer Herkunft

Es gibt ja immer mehr Hersteller die sich zertifizieren lassen, dass ihre Daune nicht von Lebendrupf stammt und lediglich "Abfallprodukte" der Lebensmittelindustrie sind.
Aber mal abgesehen von den mehr als unwürdigen Lebensbedingungen der Tiere in der Massenaufzucht (wer glaubt, die Daunen seiner Jacke stammten von 3-4 glücklich und frei auf einer grünen Wiese umherlaufenden Gänsen denen man die Federn abstreichelt, sollte mal öfters einen Blick in die Zeitung riskieren) ist auch die Massentierhaltung für ihre rohstoffintensive und wenig nachhaltige Produktion verschrien. Immerhin geht weltweit der überwiegende Anteil der Ernteerträge in die Tierzucht und die Tierindustrie ist für rund 51% aller Treibhausgasemissionen verantwortlich. Zudem bedrohen die dort anfallenden Abfallstoffe Grundwasservorräte und Boden gleichermaßen. Mit dem Kauf von Daunenprodukten werden diese Umstände indirekt unterstützt.
Unter diesen Gesichtspunkten ist mit Sicherheit auch der Artikel "Wolle hat schlechtere Umweltbilanz als viele Kunstfaserprodukte" lesenswert, auch wenn hier nicht Daunenprodukte zum Vergleich herangezogen werden.

Wenn man also weder auf Daune, noch auf Kunstfaser zurückgreifen kann oder sollte, was dann? Nackt auf die nächste Wintertour? Wohl eher nicht.
Eine Lösung um das Problem zu minimieren ist eigentlich ganz simpel. Weniger kaufen!

Auch wenn uns diverse Magazine und Kataloge was anderes erzählen, braucht man nicht für jede Gelegenheit eine andere, hochspezialisierte Jacke. Als Blogger der auch von Zeit zu Zeit Produkte testet und darüber berichtet, muss ich mir hier selber auch den Schwarzen Peter zuschieben. Allerdings bin ich auch immer bemüht offen und ehrlich über meine Erfahrungen zu schreiben, damit andere davon profitieren können. So hoffe ich, dass ihr zumindest den ein oder anderen Fehlkauf vermeiden könnt. Was hab ich also in über 25 Jahren gelernt, die ich mich schon draußen rumtreibe? In der Regel reicht das selbe alte Teil, was man schon seit Jahren nutzt. (Das ist eine Erkenntnis, die auch bei mir lange gebraucht hat) Nur wegen eines kleinen zusätzlichen Features oder um mit der Farbe der Saison zu gehen ist eine Neuanschaffung einfach unverhältnismäßig. Auch wenn es vielleicht gut gemeint ist, bringt es auch nix seine alte Ausrüstung auszusondern um sich mit neuer, "grünerer" Kleidung einzudecken. Wie hat man früher immer so schön gesagt? "Erst das alte im Kühlschrank aufbrauchen, eh Du 'ne neue Packung anbrichst!"
Aber was, wenn die Jacke mal wirklich durch ist? Die richtige Pflege zögert ein vorzeitiges Ende zumindest schonmal hinaus. Auch ein Flicken muss nicht schäbig wirken, sondern verleiht wie ich finde einer Outdoorjacke irgendwie Persönlichkeit. Und wenn dann doch mal das Ende alles Irdischen ansteht? Dann erstmal darum kümmern, dass die alte Jacke einem fachgerechten Recycling zugeführt wird (zumindest die meisten Hersteller, die etwas auf sich halten, bieten mittlerweile ein entsprechendes Rücknahme-Programm an). Bevor man dann in den nächstbesten Laden läuft lohnt sich immer ein Blick auf den Gebrauchtmarkt. Das ist nicht nur Resourcen schonend, sondern schont praktischerweise auch noch das Portemonai. Und manchmal findet sich da noch der ein oder andere unverhoffte Schatz! Wie oft haben Hersteller schon ein eigentlich tolles Teil in einer Neuauflage verschlimmbessert und man wünscht sich, man hätte lieber das ursprüngliche Design? Lösung: Gebrauchtmarkt!

Wie sieht das bei mir selber aus? Ich habe bei unseren Touren seit Jahren auf eine Haglöfs Oz gesetzt die ich mal als Schnäppchen gebraucht erstanden habe. Auch wenn sie schon etwas in die Jahre gekommen ist hat sie anstandslos auf zahlreichen Touren ihren Dienst bei mir geleistet. Bei meiner Lieblingstourenhose musste ich schon x-mal die Nähte ausbessern. Und ich erwische mich immer öfter dabei, dass ich für Touren meinen uralten GoLite Breeze packe.

GoLite Breeze, auch heute noch ein Star!

Natürlich standen auch immer wieder mal Neuanschaffungen an. In der Regel haben aber dafür andere Dinge ihren Weg aus meinem Schrank auf den Gebrauchtmarkt gefunden. (Auch wenn es manchmal wirklich nicht leicht fiel, weil man ja denkt, man könnte es doch irgendwann nochmal gebrauchen) Aber ich freue mich immer wieder, wenn ich höre, dass die Sachen bei ihrem neuen Besitzer fleißig genutzt werden.


Und die Frage ob Öl oder Daune?
Geteert oder Gefedert?

Sie lässt sich wohl nur als Aufruf verstehen, das eigene Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen.