Mittwoch, 24. April 2013

Patagonia Ultralight Down Hoody


Der Winter hat uns dieses Jahr spürbar in seinem Bann gehalten. Und wer bei so einem Wetter draußen unterwegs ist, möglicherweise sogar mehrere Tage am Stück, der weiß warme Kleidung zu schätzen!
Für gewöhnlich bedeutet Wärme aber auch Gewicht. Ich erinnere mich nur zu gut an die vielen Schichten aus Wolle bzw. später Fleece in die man als Kind gesteckt wurde und die einen doch merklich in seinem Bewegungsdrang einschränkten. Seitdem hat sich ja aber einiges getan. Aber auch wenn diverse Kunstfaserprodukte beständig aufholen gibt es im Bereich Wärme-Gewichts-Verhältnis bislang nur einen Sieger. Und das ist nach wie vor das Naturprodukt Daune! (Mit der aktuellen Einführung der Encapsile Down von Patagonia wurde gerade erst ein neuer Rekord in diesem Bereich gebrochen!)
Wer diesen Blog verfolgt weiß, dass ich letztes Jahr bereits eine Daunenjacke auf dem Prüfstand hatte. Den Klassiker "Down Jacket" von Patagonia. Gerade im tiefen Winter immer noch einer meiner Lieblinge, wenn auch vielleicht nicht 100% perfekt, aber doch nahe dran.

Dieses mal waren die Bergfreunde so freundlich und haben mir von Patagonia den "Ultralight Down Hoody" zur Verfügung gestellt. Ich muss gestehen, dass ich diese Jacke bereits seit langem im Auge hatte, mich der reguläre Preis aber immer etwas abgeschreckt hat. Und dennoch hab ich mich immer wieder dabei ertappt wie mein Finger über dem Bestell-Button kreiste oder wie ich mir diverse Reviews dieser Jacke im Internet durchgelesen habe. Was aber macht diese Jacke so besonders? Patagonia verspricht nicht nur ein sehr gutes Wärme-Gewichtsverhältnis dank 800er-Füllkraft Daune (nach Europäischer Norm) sondern betont insbesondere die Qualität des verwendeten Stoffes.


Laut Patagonia handelt es sich um das leichteste und robusteste Material (Gerade mal 27 Gramm pro Quadratmeter bei einer Fadenstärke von 10 Denier) das sie je für Daunenkleidung entwickelt haben; ausgestattet mit einer Deluge DWR (Durable Water Repellent) Imprägnierung, die nicht nur deutlich länger als andere Imprägnierungen auf dem Markt hält, sondern deren Wasserabstoßung selbst nach Jahren intensiven Tragens noch so gut wie bei einem neuen Kleidungsstück funktionieren soll.
Das sind durchaus mal hohe Versprechungen, war es doch vor allem die Imprägnierung die ich an meiner Down Jacket bemängelt hatte. Daune gilt nicht umsonst als nässeempfindlich und eine einmal nass gewordene Daunenisolierung ist auf Tour nur schwer wieder flott zu kriegen. Gerade aber bei einem so wichtigen Ausrüstungsteil wie der Wärmereserve sollte man viel Wert auf Zuverlässigkeit legen und das bedeutet bei einer Daunenjacke eben ein guter Nässeschutz!
Mittlerweile wurde bei mehreren großen Herstellern auch wasserabweisende bzw. imprägnierte Daune eingeführt die die Daune an sich wasserunempfindlich ausstattet. Mit Ausnahme der Encapsil Down von Patagonia die eine aufwendigere Technik nutzt führt diese Imprägnierung aber zur Zeit noch dazu, dass die behandelte Daune einen Teil ihrer Leistung einbüßt bzw. an Loft verliert. D.h. sie erreicht nicht die Wärmeleistung von unbehandelter Daune. Wer also das Maximum an Wärme-Gewicht rausholen möchte ist zur Zeit noch auf konventionelle Daune angewiesen. Oder investiert mal kurz schlappe 750€ für die bisher einzigartige und auf lediglich 1000 Exemplare limitierte High-End-Jacke von Patagonia.
Der Normalsterbliche freut sich wohl weiterhin wenn schon die DWR seiner Daunenjacke zuverlässig funktioniert... ;-)

Erster Eindruck

Zurück zum Ultralight Down Hoody!
Als der Postbote dann endlich bei mir klingelte, konnte ich es daher auch kaum erwarten das Packet auszupacken und die Jacke zu inspizieren. Also Jacke befingert, anprobiert, Probe getragen, erneut befingert...
Ich muss ehrlich gestehen, der erste Eindruck hat mich so überzeugt, dass ich für meine Frau gleich auch noch eine bestellt habe. Währe ja auch unfair und wenig Gentleman like wenn ich im Winter kuschelig warm in Daune gehüllt bin und Rike weiterhin frieren müsste...

Um es aber mal auf den Punkt zu bringen. Die Jacke sitzt bei mir wie angegossen. Die Verarbeitung ist wie zu erwarten sehr hochwertig und ohne sichtbare Fehler. Sie ist wunderbar leicht, die Daunenfüllung ist gleichmäßig prall und stabil. Die Reißverschlüsse lassen sich problemlos bedienen. Und der Stoff macht trotz seiner filigranen Ausführung (man kann bei Rikes Jacke die Daunen durch den Stoff sehen!) einen wirklich hochwertigen und robusten Eindruck.

Vom Schnitt her ist der Down Hoody dabei eher körperbetont und eng geschnitten. Dies ermöglicht es nicht nur ihn problemlos unter einer anderen Jacke wie etwa einer Hardshell (wie man ja mittlerweile auf neudeutsch zur Regenjacke sagt) zu tragen. Der körpernahe Schnitt verringert unnötigen Raum unter der Jacke der vom Körper erwärmt werden müsste und bringt die Isolierung bündig an den Träger. Die Ausnutzung der Daunenisolierung wird somit optimiert und es wird Gewicht gespart. Ein dünnes! Fleece passt aber schon noch drunter.
Obwohl die Jacke an sich eher dünn ist (für eine Daunenjacke) fühlen sich die einzelnen Kammern schön gleichmäßig und prall gefüllt an. Die einzelnen Kammern sind durchgesteppt was bei einer so dünnen Jacke normalerweise zu merklichen Kältebrücken führen würde. Der Futterstoff der Taschen wurde auf der Innenseite aber fast über die gesamte Front hochgezogen. Das bedeutet nicht nur enorm große Taschen (1 Liter Platybus? Kein Problem!) sondern eine weitere Lage winddichter Stoff, die einen ungewollten Luftaustausch deutlich reduzieren dürfte. Auch auf der Innenseite der Kapuze wurde eine weitere Lage Stoff eingesetzt. Die Kapuze ist auf der Rückseite mit einer Einhandbedienung zur Größenanpassung versehen.
Auf der Front befindet sich noch eine kleine Brusttasche die auch mal ein Smartphone schluckt. Statt einem einem intergrierten Packbeutel, wie es mittlerweile fast Standart bei solchen Jacken geworden ist, hat man dem Down Hoody einen kleinen Packbeutel dazugelegt. Unnötig zu sagen, dass ich den in der Regel zu Hause lasse und die Jacke unkomprimiert im Rucksack landert. Spart nicht nur Gewicht, sondern schont auch die Daune!

Praxiserfahrung

Unsere beiden Ultralight Down Hoodys haben wir jetzt etwa 4 Monate im Dauereinsatz. Und geschont wurden sie dabei nun wirklich nicht! Egal ob beim Skifahren, bei Winterwanderungen, auf dem Fahrrad, bei Schneeballschlachten, beim Rodeln oder auch bei mehreren Kurztouren mit Übernachtung im Freien bei deutlichen Minusgraden und Schnee. Der Ultralight Down Hoody war immer dabei.
Aber auch im Alltag hat er uns ständig begleitet. Sei es beim täglichen Pendeln und warten auf den Zug an windigen und ungeschützten Bahnhaltestellen. Sei es beim Bummel durch die Stadt (mit anschließend mit Einkäufen vollbeladenem Rucksack auf den Schultern). Als warme Jacke nach dem Sport. Oder als Reserve in den Tiefen des Rucksacks, wenn das Wetter mal wieder nicht so vorhersehbar ist wie man sich das manchmal wünscht.

Insgesamt hat sich der erste Eindruck eines sehr hochwertigen Oberstoffes und einer insgesamt qualitativ hochwertigen Verarbeitung mehr als bestätigt. Selbst den ein oder anderen heftigeren Sturz im Schnee hat die Jacke spurlos überstanden.

Von der Isolierfähigkeit her leistet der Down Hoody Erstaunliches. Bei wenig, bzw. gemäßigtem Wind hält er mich selbst bei leichten Minusgraden und nur in Verbindung mit einem 200er Merino-Zipneck plus T-Shirt zuverlässig warm. Wenn's mal so richtig bläst und stürmt bzw. die Temperaturen tiefer sinken freut sich mein Körper aber schon darüber, wenn entweder noch eine windabweisende Hardshell drüber kommt oder das Merino durch ein etwas wärmeres Fleece ersetzt wird.
An den Grenzbereich habe ich mich bei winterlichen Kurztouren herangetastet. Zusammen mit meinem Revelation Quilt (hält mich solo bis etwa 5C warm) ging es nachts bis auf rund -9C runter. Ich hab zwar recht gut geschlafen, aber der Komfortbereich war es spürbar nicht mehr... (ein zusätzliches,  leichtes Fleece hätte mir bestimmt nicht geschadet)

Kältebrücken habe ich bei der Jacke nie gespürt. Wie gesagt ist die Daune optimal verteilt und dadurch erstaunlich warm. Und auch die gute Qualität der Daune ist spürbar. Bei schweißtreibenden Aktivitäten wie z.B. beim Skifahren bleibt die Daune stabil und fällt nicht gleich in sich zusammen. Und selbst durch die Schulterträger eines beladenen Rucksacks scheint die Isolierung nicht wirklich zu leiden. (Auch wenn ich das grundsätzlich nicht auf Dauer empfehlen würde)

Was mich aber nach wie vor begeistert ist die DWR-Imprägnierung! Selbst nach recht intensiver Nutzung perlt Wasser ab wie am ersten Tag und selbst leichte Schauer machen mich nicht gleich nervös. Hier hat Patagonia wirklich mal eine Durable Water Reppellency (Haltbare-Wasser-Abstoßung) verarbeitet die ihren Namen auch wirklich verdient!

Leider gibt es dann doch einen Abzug in der B-Note. Die Kapuze braucht in meinen Augen eine Überarbeitung. Zumindest für meinen Kopf fällt sie zu klein aus. Selbst ohne Mütze drunter endet sie bei mir am Haaransatz und lässt sich im Gesichtsbereich nicht wesentlich schließen. Das heißt das gesamte Gesicht und die Stirn liegt immer frei. Zudem wurde zu wenig Material verarbeitet, als dass die Kapuze meinen Kopfbewegungen folgen könnte. Es wird also noch mehr vom Kopf freigelegt.
Rike hat das Problem allerdings nicht. Sie kann sich richtig in ihrer Kapuze einmummeln. Entweder hat Patagonia für alle Jackengrößen den selben Kapuzenschnitt genommen (so dass er bei meiner Frau einfach proportional größer ausfällt) oder ich hab einfach einen riesigen Schädel der jede Norm sprengt...
Ich rate daher bei einem evtl. Kauf einfach mal auf die Größe und die Passform der Kapuze zu achten. Ist schon ärgerlich, wenn der Wind pfeift und man sie sich nicht so richtig schön weit über den Kopf ziehen kann.
Insbesondere wenn man bedenkt, dass dieses Modell als leichte Belayjacke beim Klettern konzipiert wurde.
Aber wie gesagt, bei Rike besteht diese Problem nicht und auch in anderen Reviews konnte ich nichts darüber lesen.

Einen weiteren Punkt für Verbesserungen ist die Schnürung der Kapuze. Der eingearbeitete Schnürzug, der eine Einhandbedienung ermöglichen soll entspricht dem, wie er von Patagonia auch bei anderen Jacken genutzt wird.
Der Schnürzug ist so konzipiert, dass er zeitgleich den Umfang der Kapuzenöffnung reduzieren soll wie auch die Kapuze im Hinterkopfbereich enger an den Kopf des Trägers bringt. Das verhindert, dass bei der Reduzierung der Kapuzenöffnung die Kapuze über die Augen gezogen wird.
Bei mir funktioniert das zumindest beim Ultralight Down Hoody nur beschränkt. Er schließ die Kapuze nicht etwa enger um das Gesicht, sondern zieht sie vielmehr nur nach hinten. D.h. vom Kopf runter. Eine Möglichkeit zur Verbesserung währe zum Beispiel ein zweigeteilter Schnürzug.
Der in die Kapuze integrierte Cordlockverschluss des Schnürzugs ist auch für einen anderen Fall etwas ungünstig positioniert. Trägt man die Jacke beim Schlafen um die Leistung seines Schlafsystems zu steigern und liegt dabei auf dem Rücken, drückt dieser in den Hinterkopf. Etwas tiefer im Nacken oder weiter oben, währe der Schnürzug besser aufgehoben.
Bei anderen Jacken mit ähnlichem zentralem Schnürzug hab ich das Problem nicht! Seiten- oder Bauchschläfer sind hier natürlich auch außen vor.

Fazit

Nach rund 4 Monaten stehe ich der Jacke immer noch mit leicht gemischten Gefühlen gegenüber. Ich bin sehr zufrieden mit ihrer fürs Gewicht sehr guten Wärmeleistung.
Die hochwertige Verarbeitung und die insgesamte Unempfindlichkeit der Jacke macht sie zu einem ständigen Begleiter. Wenn ich sie als Teil meines Schlafsystems integriere leistet sie gute Arbeit und auch mit dem "Knubbel" am Hinterkopf hab ich mich arrangiert. Meist rolle ich mich eh komplett ein und dreh mich auf die Seite...
Lediglich wenn ich Touren unternehme, wo ich damit rechne öfter mal den Kopf in die Kapuze stecken zu müssen, wünschte ich mir einen etwas besseren bzw. großzügigeren Schnitt.
Rike ist mit ihrer Jacke durchweg zufrieden da sie die angesprochenen Probleme bei ihrer Damenvariante nicht hat. (Bzw. keinen so dicken Kopf wie ich hat, obwohl ich viel weniger Haare habe...)


Ihren Haupteinsatzzweck findet die Patagonia Ultralight Down Hoody in Zukunft bei uns als warme Jacke in Pausen, im Camp oder als Ergänzung des Schlafsystems während Touren im Frühjahr bis Herbst. Gerade bei Bergwanderungen dürfte sie ihre Stärken ausspielen. Nämlich wenn man eine warme Schicht mit sich führen sollte, das Gepäck aber so leicht wie möglich bleiben soll.
Im nächsten Winter wird sie weiterhin regelmäßiger Begleiter sein, sei es auf Tagestouren oder im täglichen EDC-Einsatz!



Montag, 4. Februar 2013

Auf Krallen ins neue Jahr


...so oder so ähnlich könnte der Titel diese Artikels lauten. Manchmal ist es gar nicht so einfach die passende Überschrift zu finden. Und das wenn es in einem Text doch um etwas auf den ersten Blick so einfaches gehen soll wie ein Ausrüstungsteil respektive ein paar "Schneeketten" für die Füße. Aber gerade einfache Ideen können bei guter Umsetzung ein erstaunliches Aha-Erlebnis hervorrufen.
"Gut, dass wir die Dinger haben" hörte man uns zumindest mehr als einmal sagen als wir uns zwischen den Tagen in den mehr oder weniger stark verschneiten Alpen herumtrieben.

Die Rede ist hier von den Snowline Spikes Chainsen Light und den Snowline Spikes Chainsen Pro von Kochalpin. Um ehrlich zu sein spielte ich schon länger mit dem Gedanken uns für die kalte Jahreszeit mit mehr Grip an den Füßen zu versorgen. Grade wenn nicht die Schneemassen Ski oder Schneeschuhe erforderlich machen sind insbesondere in unseren eher nass-kalten Regionen die Wege mit einer dicken Eisschicht oder stark verharschtem Schnee bedeckt. Resultat? Auf jeden zweiten Schritt vorwärts folgt einer zurück oder zur Seite, was man auf den ersten Blick wohl für einen Salsa-Anfägerkurs halten könnte. Nicht gerade das was man im Sinn hat, wenn man eigentlich eine Wanderung plant. Noch weniger, wenn es zum winterlichen Trailrun vor die Tür gehen soll. Hier kommt jetzt Werner Koch ins Spiel der sich pünktlich zu meinem Geburtstag bei mir gemeldet hatte und uns die Möglichkeit gab die von ihm vertriebenen "Ultraleicht-Steigeisen" bzw. Grödel mal ausgiebiger zu testen.
links die Spike Chainsen Light, rechts die Spike Chainsen Pro

Bei den Snowline Spikes handelt es sich um mehrere kleine Edelstahlplatten mit hochgebogenen Metallkrallen, die untereinander durch kurze Ketten aus der selben Legierung miteinander verbunden sind. Am Schuh werden sie durch ein robustes, fest sitzendes Gummiband fixiert. Natürlich nicht so ein Hnadelsüblicher Einmachglasgummi, sondern  ein Hi-Tech Elatomer das bis -60°C getestet wurde. Um für einen optimalen Sitz zu sorgen gibt es sie passend zu den verschiedenen Schuhgrößen ebenfalls in verschiedenen Größen wobei das Gummiband dann zur besseren Unterscheidung eine andere Farbe hat.
links die Spike Chainsen Pro, rechts die Spike Chainsen Light

Darüberhinaus gibt es diese Traktionshilfen in zwei verschiedenen Ausführungen. Die etwas robustere Standard Version für Sportschuhe und leichte Wanderschuhe bzw. -stiefel und die Ultraleichtversion die durch schlankere Kettenglieder, kleinere Spikes und einen schmäleren Gummi mit ihrem reduzierten Gewicht ganz klar die Trailrunner unter uns im Auge hat.
Snowline Spike Chainsen Proin in Größe L - 361 Gramm

Snowline Spikes Chainsen Light in Größe L - 236 Gramm

Seit September haben wir jetzt beide Modelle so ausgiebig wie es die Witterungsbedingungen ermöglicht haben getestet. Sowohl bei kleineren Touren in Gebirge mit entsprechender Steigung, bei Wanderungen im Wald oder auch auf simplen überforenen Straßen haben sie uns seitdem begleitet. Abwechselnd haben wir dabei beide Modelle in Verbindung mit verschiedenen Schuhen ausprobiert.
auf Krallen durch den Schnee

Und bei beiden Modellen waren wir jedesmal aufs neue verblüfft wie viel so ein paar kleine Extras unter den Füßen doch ausmachen. Die Metallspikes aus gehärtetem Edelstahl beißen sich regelrecht in verharschten Schnee oder Eis. Die Ketten erhöhen die Traktion bei eher lockerem Schnee spürbar. Selbst bei Anstiegen, bei denen man für gewöhnlich Stufen in den Untergrund treten würde fanden wir mit den Grödeln immer zuverlässigen Halt.
Bei Eis beißen sie erst so richtig zu!

Wenn der Boden mal nicht so dick mit Eis und Schnee bedeckt ist greifen sie auch noch bei dem darunter liegenden Schlamm und Matsch. Ab und an kann dabei aber auch mal ein Bündel nasses Herbstlaub an den Spikes hängen bleiben. Ähnliches kann passieren, wenn man es mit sehr nasskaltem, pappigen Schnee zu tun hat. Dann sammeln sich gern mal einzelne Klumpen an den Kettengliedern. Dies passiert aber eher wenn man mal innehält und dem Schnee Gelegenheit gibt an dem Metall anzufrieren. Ebenso schnell hat man die Klumpen aber auch wieder losgetreten. Bei stetiger Bewegung hat man damit nach meiner erfahrung keine Probleme.
andere Größe, andere Farbe, selber Grip

Der Unterschied der beiden Varianten scheint auf den ersten Blick eher eine reine Gewichtssache zu sein. Auf den zweiten Blick fallen einem die minimalen Unterschiede in der Konstruktion auf um dies zu erreichen. Es wurde bei der Leichtversion ein schmäleres Elastomer-Gummi genutzt. Ebenso wurden dünner Kettenglieder eingesetzt und auch die Spikes an sich haben eine auf etwa 2/3 reduzierte Wandstärke. Bei der Leichtversion wurde zudem im Fersenbereich statt auf drei nur auf zwei Spikes gesetzt. Wenn man beim Laufen stärker die Hacke belastet (ich bin meist Vorderfuß/ Mittelfußläufer) mag hier der zusätzliche Spike einen Unterschied in der Traktion liefern. Vermisst habe ich ihn aber nicht. Je harschiger der Schnee, bzw. je eisiger der Untergrund umso besser der Grip der Spikes.
Beide Versionen sind in meinen Augen voll Trail tauglich.
Damit der Trailrun nicht zum Stillstand kommt.

Die Reduzierung in der Materialstärke könnte sich natürlich auf die Haltbarkeit auswirken. Selber habe ich bei beiden Modellen keinen Unterschied bemerkt. Dazu muss ich aber anmerken, dass ich in der Regel sehr auf meine Ausrüstung achte, was im Falle der Spikes bedeutet, dass ich lange Fels/ Asphaltetappen gemieden habe. Grundsätzlich können sie aber auch auf Fels einen etwas besseren Halt liefern. Ryan Jordan erwähnte mir gegenüber, dass er bei der Light-Version eine etwas schnellere Abnutzung, insbesondere bei häufig wechselndem Untergrund (Schnee, Fels) festgestellt hat. Also explizit bei solchen Passagen wo man darauf verzichtet jedesmal die Spikes ab zulegen nur um sie wenig später wieder anzuziehen. Welche Variante damit für einen selbst in Frage kommt hängt damit stark vom Nutzerprofil ab.
Auch im Alltag machen die Spikes eine gute Figur

Der durchschnittliche Trailrunner wird in jedem Fall wohl mit den Snowline Spikes Chainsen Light seine helle Freude haben.
Bei Wanderern hängt es davon ab, ob man nur Tagestouren anstrebt, mit Ultraleichtgepäck unterwegs ist, oder mit zünftigen Wanderstiefeln und normalem Gepäck durch die Gegend stapft. Auch die Route bzw. der Untergrund spielt natürlich eine Rolle.
Ich denke die Masse dürfte mit den Snowline Spikes Chainsen Pro sehr zufrieden sein.
Wer auch bei Touren auf das letzte Gewicht achtet und sorgsam mit seiner Ausrüstung umgeht dürfte bei den Snowline Spikes Chainsen Light richtig liegen. (und nicht umsonst haben sie grade erst auf der ISPO 2013 einen Preis abgeräumt!)

So oder so sind die Snowline Spikes von Koch Alpin eine großartige Sache. Nicht nur überzeugen sie durch eine einfache Handhabung sondern auch durch ihre Zuverlässigkeit. Grade in der kalten Jahreszeit erweitern sie das Tourenspektrum merklich und finden bestimmt auch für ausgedehnte Altschneefeldern auf Sommertouren ihren Weg in unsere Rucksäcke.






Dienstag, 18. Dezember 2012

Korsika - GR20 - unsere Ausrüstung


Der erste Schnee ist bereits gefallen da wird es nun wirklich Zeit mal einen Blick auf die Ausrüstung zu werfen mit der wir diesen Sommer unterwegs waren. Immerhin bietet der Winter genug Zeit darüber zu reflektieren und fürs nächste Jahr entsprechende Schlüsse zu ziehen.
Wie immer konzentriere ich mich auf einige wenige, dafür aber entscheidende Teile die entweder für unsere Tour entscheidend waren oder die uns auf die ein oder andere Art und Weise besonders aufgefallen sind.

Fangen wir mal mit den Rucksäcken an die wir auf dem GR20 dabei hatten. Ganz entgegen unserer Gewohnheit sind wir diesmal nicht mit unseren huckePACKs oder huckePÄCKCHEN gestartet. Um nochmal den Blick für die aktuellen Ultraleicht Rucksäcke zu weiten entschloss ich mich mit dem Urvater aller UL-Packs loszuziehen, dessen Design sich auch heute noch in fast allen Packs wiederfindet.  Dem GoLite Breeze!
der Breeze voll beladen

Von der Konstruktion her ein einfacher, großer Sack mit einem das Volumen erweiterbaren Kragen. Als Verschluss ein simples Gurtband mit einer Schnalle. Seitlich zwei geradlinig geschnittene Netzaußentaschen, auf der Frontseite eine großvolumige Netztasche über die gesamte Länge. Als zusätzliches Feature gibt's oberhalb der seitlichen Netztaschen noch zwei fest vernähte Gurte die dazu genutzt werden können lange Ausrüstungsgegenstände (Schirm, Trekkingstöcke, etc. ) zu sichern oder auch als "Sockenhalter" beim Trocknen dienen können. Abgerundet wird der Sack durch zwei üppig gepolsterte, breite Schultergurte.
Kein Hüftgurt, kein Brustgurt, keine Rückenpolsterung, kein Deckel geschweige denn irgend ein Reißverschlussfach.
Als Versteifung und Polsterung des Packs habe ich unterwegs wieder unsere Isomatten als Ramen benutzt.
Losgezogen bin ich mit rund 12 Kilo (Baseweight plus Verpflegung für 2 Leute). Ich will hier jetzt nichts verschönen. Ich hab mir Anfangs wirklich einen Hüftgurt gewünscht! Insbesondere bei dem ständigen Auf- und Ab während der ersten Nordpassagen auf dem GR20 war das spürbar. Aber mit zunehmender Strecke schrumpften auch unsere Vorräte und der Pack ließ sich recht bequem tragen, was nicht zuletzt an den von mir vorher oft unterschätzten Schultergurten lag.
Die extra Polsterung und die Breite verteilten die Last recht gut auf den Schultern ohne dass es zu punktuellen Druck oder Scheuerstellen kam. Nach ein paar Tagen war auch der fehlende Hüftgurt kein Problem mehr. Vielmehr erlaubte dies, dass meine Hüfte nicht in ihrem natürlichen Bewegungsmechanismus gehemmt wurde. Unterm Strich sorgte dies für weniger Ermüdung als wenn der Bewegungsapparat durch einen Hüftgurt eingeschränkt gewesen währe. Insbesondere bei dem teils fordernden Gelände war dies spürbar.
Die zwar hoch geschnittenen Seitentaschen boten genug verlustsicheren Stauraum für alles mögliche, jedoch machte der Schnitt der Taschen es mir nicht ohne weiteres möglich auf den Inhalt zuzugreifen ohne den Pack abzusetzten. Das war jetzt nicht so tragisch, da wir zu zweit unterwegs waren und jeweils die eigenen Sachen (Sonnenbrille, Snacks, etc.) beim anderen auf dem Rücken untergebracht wurden. Alleine hätte ich mir aber ein paar besser zugängliche Taschen wie etwa beim huckePACK gewünscht.
Der Rollverschluss des Breeze war nicht nur sehr simpel und störungsfrei, sondern erlaubte es auch problemlos das Volumen des Packs an den Inhalt anzupassen. Dauerte der Zugriff doch gefühlt etwas länger wie beim huckePACK war der Zugang an den Inhalt bei geöffnetem Verschluss aber leicht angenehmer, da der Kragen des Breeze sich leichter "zur Seite" räumen ließ wie der Deckelförmige Verschluss meines Laufbursche Modells.
Etwas negativ beim Breeze ist mir der stark tonnenförmige Schnitt des Breeze beim Trageverhalten aufgefallen. Zwar kann man je nach Packart den Rucksack auch etwas in Form bringen, aber insgesamt währe ein etwas schlankerer Schnitt sinniger um den Schwerpunkt näher an den Körper zu bringen. Gerade beim Kraxeln hab ich gemerkt, dass der Pack recht weit vom Rücken abstand und dazu neigte hin- und herzuschwanken.
Die Form ist damit wohl gut für lange, eher gemäßigte Strecken geeignet, im alpinen Bereich ist aber eine schlankere Form vorzuziehen.

Unterm Strich war ich aber sehr zufrieden mit der Leistung dieses Großvaters. Auch wenn der Breeze mich jetzt nicht gleich auf jeder Tour begleiten wird, so wird er in Zukunft bestimmt wieder öfters zum Einsatz kommen. Zumindest hat mir diese Erfahrung mit ihm geholfen andere Packs und deren Ausstattung und Design für mich nochmal besser einschätzen zu können.

Da diesmal keine großvolumigen Daunensachen benötigt wurden, konnte meine Frau sich mit meinem Raidlight Evolution, einem 20Liter Laufrucksack begnügen.
der Raidlight Evolution mit zusätzlichem Wasservorrat
und den Trailpoles in der dafür vorgesehenen Halterung 

Vermutlich der kleinste Pack auf dem gesammten GR20. Das dieser dann oft noch nicht mal ganz voll war sorgte mehr als einmal für ungläubige Blicke. Zwar war das Volumen des Packs recht klein, dafür hatte Rike das Vergnügen unser Wasser zu tragen. Mitunter bis zu 5 Liter. Jede Netzseitentasche fasste dabei eine 1Liter Platybus Faltflasche. Eine große 2 Liter Platybus verschwand im dafür vorgesehenen, zentralen Frontfach. Eine weitere Flasche wurde bei äußerstem Bedarf unter die obere Fixierung geschnallt.
Viel kann man zu diesem einfachen Rucksack nicht sagen. Der Zugang zum Hauptfach erfolgt über einen weit zu öffnenden Reißverschluss. Die Rückenpolsterung kann entfernt werden und dient damit gleich als minimalistische Isomatte (eher ein kleines Sitzkissen). Der Rucksack an sich ist wie bei Laufrucksäcken üblich für einen hohen Sitz konzipiert. Insgesamt hat er sich auf unserer Tour sehr gut geschlagen. Man konnte gut erkennen, dass er für Ultraläufe wie etwa den Marathon des Sables entwickelt worden war. Ein simpler Rucksack mit gutem Zugang der zuverlässig das macht wofür er konstruiert ist. Insbesondere die gute Komprimierbarkeit durch eine komplett umlaufende Schnürung hat maßgeblich zur Performance und seinem sicheren Sitz beigetragen.
Unterwegs sind uns aber leider die Zipper des Reißverschlüsse des Hauptfachs kaputt gegangen. Nicht die kleinen Schlitten, sondern die daran befestigten Metallanhänger. Diese konnten wir leicht durch etwas Schnur ersetzen. Die Klettstreifen, die dazu dienten die Netzseitentaschen oben zu verschließen haben wir rausgetrennt, da es so einfacher war unsere Wasserflaschen zu verstauen. Normalerweise würden diese Netzseitentaschen Kleinkram wie Riegel oder Energiegels aufnehmen und der Klett diese vor Verlust sichern.
Rike war mit dem Rucksack und seinem kompakten Volumen sehr zufrieden und bei einer ähnlichen Tour, bzw. wenn nicht mehr Gepäck benötigt wird, würde sie ihn wohl wieder gerne nehmen.

das Squall 2 findet auch auf begrenztem Fleck noch ausreichend Platz

Die nächste Neuerung in unserem Fundus war das Squall 2 Tarptent von Henry Shires das wir aus zweiter (oder dritter?) Hand bekommen hatten. Für die Klimazone in der wir uns bewegten einfach ideal. Ein großer, gut belüfteter Innenraum mit ausreichend Schutz gegen evtl. fallenden Regen. Mehr als genug Platz für uns und unser gesamtes Gepäck. Mit seiner recht kompakten Grundfläche und der möglichen Minimalabspannung von nur 4 Heringen auch für das Terrain entlang des GR20 ideal. Sehr zu schätzen wussten wir auch den raschen Aufbau. Ein paar Mankos gibt's dann aber doch. Durch das benötigte Gestänge für das Fußende und den forderen Firstpunkt steigt das Packmaß etwas an. Entweder lässt man die kurze Stange am Firstpunkt fest im Zelt und verstaut das gesamte Packet dann senkrecht im Rucksack. Oder man fummelt die Stange jedes mal aufs neue rein und raus und kann dann Gestänge und Zelt getrennt verstauen. Klingt jetzt vielleicht wie Leiden auf hohem Niveau. Aber ein einfacher Firstpunkt wie beim ShangriLa 2 oder auch bei der Ein-Personen-Variante des Squall, dem Contrail währe hier deutlich anwenderfreundlicher und weniger anfällig (und sei es nur gegen Verlust der zusätzlichen Stange). Ich denke nur daran, dass man das Zelt im Regen aufbauen muss und dafür zuerst die Frontabdeckung öffnen muss um an die  Tasche für die Querstange zu gelangen. Der Eingang läge dann entweder offen im Regen oder man muss "blind" die Stange in den engen Schlauch fummeln. Der Ehrlichkeit halber muss ich aber auch sagen, dass wir während unserer Tour keine wirklichen Probleme damit hatten.
Eine Sache hatten wir vor Beginn der Tour jedoch falsch eingeschätzt. Bei einem Probeaufbau und einer kurzen Testtour funktionierten unsere 130cm langen, nicht teleskopierbaren Black Diamont Stöcke recht gut als Frontstangen für das Squall. Der Hersteller gibt aber eine deutlich kürzere Stocklänge für das Tarptent an. Wir beholfen uns einfach in dem wir die Stöcke unten etwas weiter auseinander stellten, so das sie eher wie ein oben abgeflachten A zueinander standen. Bei einigen Windböen auf einem erhöhten und nicht sehr geschützten Platz führte das dann dazu, dass die seitlich auftreffenden Böen das Kopfende des Zeltes seitlich eindrückten und in Folge dessen die Stockspitzen aus den Ösen am Zelt rutschten. Resultat: Stöcke fielen um, Zelt klappte zusammen. Dies passierte aber nur als die Böen in rechtem Winkel auf die Front auftrafen! Aus anderen Richtungen verhielt sich das Tarptent immer tadellos, wodurch uns dieser Schwachpunkt vorher nicht aufgefallen war. Hätten wir Stöcke in der vorgegebenen Länge genutzt, hätte die vordere Firststange rechtwinklig auf den Stockspitzen aufgesetzt. Nicht wie in unserem Fall in einem recht flachen Winkel. Seitlich auftreffende Winde hätten es so viel schwerer gehabt hier Kraft drauf auszuüben. Erfahrung macht einen schlauer...
Hier kann man recht gut den ungünstigen Winkel der Stöcke erkennen.
Diese sollten im Idealfall senkrecht stehen.

Für Gegenden mit eher nordischem Charakter würden wir aber doch eher zu einem Shelter wie dem ShangriLa2 oder der Laufbursche Lavvu greifen. Für warme, bzw. heiße Regionen gewinnt aber das Squall den Preis.

Abgesehen von der Kompatibilität mit dem Squall habe sich die für uns noch recht neuen Black Diamont Stöcke  auf der Tour ansonsten jedoch mehr als bewährt! Auch wenn sie zumindest in der 130cm Länge nicht optimal für den Aufbau unseres Squalls waren haben sie uns auf dem anspruchsvollen Terrain des GR20 vollends überzeugt. Die Griffschlaufen hatten wir übrigens nicht genutzt und gleich zu hause gelassen. (wieder ein paar Gramm gespart...) Vermisst hatten wir sie jedoch nicht. Da wir diesmal nur ein paar Trailpoles dabei hatten, haben Rike und ich uns die meiste Zeit die beiden Stöcke geteilt und konnten dann in der anderen Hand unsere Schirme nutzen. Die Stöcke lagen immer angenehm leicht in der Hand uns ließen sich in Folge dessen immer sehr präzise und ohne Anstrengung plazieren. Es ist immer wider erstaunlich, wie sehr geringeres Gewicht das Handling von Stöcken verbessert. Die Griffe fühlten sich trotz schwitziger Hände und Dreck und Staub immer angenehm an. Und auch wenn die Stöcke über eine fixe Länge verfügten, was insbesondere bei Rike auffallend war, war dies kein wirklicher Abzugspunkt, erlaubte der verlängerte Griff doch ein problemloses Umgreifen.
Auch wenn die Stöcke durch einigen Felskontakt bestimmt nicht geschont wurden, wie die Kratzer auf der Oberfläche bezeugen, haben sie doch nichts von ihrer Integrität eingebüßt und sich als erstaunlich robust herausgestellt!
Der Verschlussmechanismus war vor allem sehr praktisch, da man vor und nach Kletterstellen nie lange Hantieren musste um die Poles zu verstauen oder wieder griffbereit zu haben. Man sollte nur darauf achten, dass die Arretierung auch wirklich hörbar eingerastet ist, sonst wird der Stock mit jedem Schritt merklich kürzer... ;-)
Von mir gibt's jedenfalls eine ganz klare Empfehlung für diese Trailpoles!

Lustwandeln in baumloser Gegend

Ein besonderes Augenmerk verdienen auf dieser Tour unsere Schirme. Von anderen Wanderern auf den ersten Blick wie immer ratlos gemustert, waren sie für uns sozusagen das Ass im Ärmel. Mit leichtem Gepäck und griffigen Trailrunnern ausgestattet konnten wir diese bis auf wenige Stellen mit wirklich anspruchsvollem Gelände erfolgreich nutzen. Der Einsatz als Regenschirm beschränkte sich dabei auf einige wenige Passagen. Als Sonnenschirm trumpften sie aber dank der silbernen Metallic Beschichtung erst richtig auf. Grade mit steigendem Sonnenstand stiegen die Temperaturen auf den baumlosen Passagen des GR20 rasant. Die Schirme lieferten uns dabei immer zuverlässig Schatten. Den Unterschied konnten wir immer gut beobachten, wenn wir anderen Wanderern begegneten die entweder einen hochroten Kopf hatten oder aus allen Poren am Schwitzen waren. Das Mehrgewicht der Schirme haben wir durch deutlich geringeren Wasserverbrauch haushoch wieder reingeholt. Von Überhitzen oder gar Sonnenstich bei uns keine Spur! Ermüdung aufgrund der Temperaturen trat bei uns gar nicht oder erst sehr viel später ein.

Die zweite Karte die wir bei Sonne ausspielten waren unsere beiden Visor. Also diese Stirnbänder mit Schirm vorne dran, bzw. Kappen ohne Deckel... ;-)
Routenstudium nach dem Cirque de la Solitude
Zwar hatten wir auch Sonnenbrillen dabei die auch oft genug zum Einsatz kamen. Der Vorteil des Visors ergab sich aber aus dem Einfallswinkel der Sonne. Die strahlte in der Regel steil von oben und der Schirm direkt über den Augen half damit diese zuverlässig zu schützen. Gerade wenn es oft durch lichten Wald oder zwischen Felsen durch ging, wo sich Licht und Schatten stark abwechselten, war dieser nicht von einer getönten Linse getrübte Blick viel wert. Das so ein Visor kein "Dach" hat half gegen evtl. Wärmestau. Bei besonders heißen Tagen haben wir den Stoff zusätzlich mit Wasser getränkt was uns durch die Verdunstungskälte half in jeder Situation einen kühlen Kopf zu bewahren.

Als Kochsystem haben wir erneut auf unseren bewährten Spirituskocher aus einer alten Getränkedose gesetzt. Der Bushbuddy als Holzkocher ist bei den dort herrschenden Waldbrandbedingungen einfach das Risiko nicht wert. Selbst mit unserem Spiritus-Setup verwendeten wir große Sorgfalt darauf, dass ja kein Mißgeschick geschehen würde. Es gab zwar an nahezu allen Refugees frei zugängliche Kochmöglichkeiten. Nur waren die oft belegt was einen zu langen Wartezeiten gezwungen hätte. Teilweise funktionierten diese aber auch so schlecht, dass ein Liter Wasser selbst nach 15 Minuten noch nicht am Kochen war (verschüttete Essenreste die die Kocherdüsen vestopften sei Dank!).  Zumindest langte uns durch die Kombination von eigenem Spiritiuskocher und lokalen Kochmöglichkeiten für die gesamte Tour eine kleine 250ml Flasche Brennstoff.

Sollten wir den GR20 erneut oder einen vergleichbaren Weg angehen würden wir wohl neben den bereits erwähnten noch folgende Punkte ändern.


Ich würde zusätzlich zu meiner Regenjacke wieder ein Windshirt mitnehmen. Dieses hatte ich aus Gewichtsgründen bei mir wegrationalisiert. Es gab aber oft genug Momente wo wir früh morgends an einem Kamm oder Grat langwanderten wo uns ein eisiger Wind begrüßte. Die Regenjacke hielt zwar den Wind ab, führte aber bei dem Gelände und dem ständigen auf und ab aufgrund ihrer eingeschränkten Atmungsaktivität schnell zur Überhitzung. Ein Windhemd wäre hier die optimale Lösung gewesen und währe seine rund 100 Gramm voll wert mitgenommen zu werden.

Kein seltener Anblick auf dem GR20
Bei den Schuhen musste ich verletzungsbedingt auf ein paar ältere Trailrunner mit stärkerer Dämpfung zurückgreifen. Die Asics Trail Attack WR haben sich zwar insgesamt gut geschlagen konnten aber bei dem Grip bei weitem nicht mit den Inov8 Roclite von Rike mithalten. Hier hat man ganz klar gesehen, dass die Gummimischung denen von Kletterschuhen nachempfunden war! Bei der nächsten Tour freue ich mich schon drauf wieder mit flacheren Schuhen ohne große Sprengung und mit mehr Grip unterwegs zu sein.
Aufstieg mit Trailrunnern

Trailrunner haben sich für uns auch auf dem GR20 wieder mal als die richtige "Wahl der Waffen" herausgestellt. Was schwere Vollederstiefel bei den dort herrschenden Temperaturen mit den Füßen der Wanderer angerichten konnten, haben wir mehr als einmal ungläubig bestaunen dürfen.
Dank reduziertem Gepäck und gutem Sitz und Grip der Schuhe waren wir jederzeit Trittsicher unterwegs. Bedenken wegen Umknicken, Verstauchungen oder ähnlichen Verletzungen mussten wir nie haben. Im Gegenteil. Wir denken, dass wir trotz alpinem Gelände damit deutlich besser gefahren sind wie mit schwererem Schuhwerk!
Aufrechter Gang dank leichtem Gepäck und griffigen Schuhen.


Insgesamt hatten wir zwar alles an Verpflegung aufgebraucht was wir mit uns geführt hatten, hätten dennoch nicht so viel gebraucht. Auch wenn die Preise an den Refugees teils recht hochpreisig waren und wir als Vegetarier in unserer Auswahl auch recht eingeschränkt wurden, hätte es oft genug für uns auch die Möglichkeit gegeben an leckere Mahlzeiten zu fairen Preisen zu kommen. Ich denke da nur an die ganzen Käseplatten und Omelettes... :-)
da könnte auch "Quasinitro" nicht wiederstehen... ;-)
Da die Angaben im Internet jedoch oft recht widersprüchlich waren sind wir halt auf Nummer sicher gegangen was uns jetzt auch nicht geschadet hat. Beim nächten mal würden wir vermutlich mit der Hälfte an Verpflegung auskommen.

Zur Orientierung hat uns übrigens der Rother Wanderführer vollkommen gereicht. Dieser war zudem erst vor kurzem aktualisiert worden und war in allen Sprachen der einzige Wanderführer, der zu diesem Zeitpunkt die letzten Änderungen entlang des GR20 beinhaltete. Andere Wanderführer hatten noch den Wegverlauf vom letzten Jahr aufgeführt, was insbesondere auf den südlichen Etappen für einige der Wanderer zu Komplikationen geführt hat. Neben der "Hauptroute" überflutet der Rother Führer einen regelrecht mit Informationen zu alten Wegverläufen des GR20 und Alternativrouten. Es ist also sinnvoll sich vor Beginn der Tour erstmal ausgiebig damit auseinander zu setzen und sich seine eigene Route seperat zu notieren (mit Querverweisen zu den einzelnen Abschnitten im Rother) wenn man nicht irgendwann durcheinander kommen will. Unterm Strich ist er aber wirklich sehr zu empfehlen.

Das war's erstmal mit dem "kurzen" Abriss unserer Ausrüstung. Wenn noch Fragen zu unserer Tour oder unserer Ausrüstung offen sind steht es Euch natürlich wie immer frei ein Kommentar zu hinterlassen.