Samstag, 3. Oktober 2009

die Unterkunft

Wenn man ans Übernachten im Freien denkt, hat man für gewöhnlich ein Zelt vor Augen.Aber dass es da einige Unterschiede gibt und es noch deutlich leichter geht, will ich im Folgenden zeigen.

Was soll eine Unterkunft alles gewährleisten?
Eine Unterkunft soll einen in erster Linie am Lagerplatz vor den Auswirkungen des Wetters schützen. Diese können abhängig von der Region, dem Lagerplatz und der Jahreszeit unterschiedlich ausfallen. Darunter zu nennen währen:

- Regen (evtl. auch Schnee o.ä.)
- Wind
- evtl. Sonne/ Schnee

Je nachdem wo man sich aufhält, sollte eine Unterkunft auch vor Mücken und andere Insekten schützen.

Das währen zumindest die grundlegenden Eigenschaften.

Guckt man sich ein klassisches Zelt an (egal ob Iglu, Tunnel, Geodät, etc. ) sind diese meist als Doppelwandzelt ausgelegt. D.h. eine wasserdichte Außenhülle und ein Innenzelt aus mückendichtem Gewebe und einem wasserdichten Boden. Die ganze Konstruktion wir durch eine oder mehrere Gestängebögen in Form gebracht und mittels Abspannschnüren und Heringen fixiert. Oftmals verfügt so ein Zelt über einen Vorraum, Apside genannt.
Bei so einem Doppelwandzelt schützt das Außenzelt vor dem direkten Regen, während das Innenzelt neben Mücken auch Kondenswasser abhält, dass sich an der Innenseite des Außenzeltes sammelt.
Solche Zelte liegen meist bei 1,5 Kilo pro Person und mehr.

Leichter sind so genannte Einwandzelte. Alle Einwandzelte haben im Gegensatz zum Doppelwandzelt die Gemeinsamkeit, dass sie komplett auf ein Innenzelt verzichten. Dadurch sparen sie nicht nur Gewicht und Stauvolumen, sondern sind auch meist einfacher aufzubauen.
Es gibt dabei verschiedene Arten von Einwandzelten, die mehr oder weniger effektiv funktionieren. Darunter fallen Einwandzelte mit „atmungsaktiver“ Außenhaut, Tarptents und Shelter.

Einwandzelte mit „atmungsaktiver“ Außenhaut machen sich Materialien wie z.B. Gore-Tex zu nutze um eine übermäßige Kondesbildung zu verhindern. Dieses Material macht diese Zelte jedoch nicht nur sehr teuer in der Herstellung. Das Material ist bei weitem nicht so flexibel und leicht wie normaler Zeltstoff, so dass das eingesparte Gewicht relativ gering ist. Zudem funktionieren solche Membranen als Zeltmaterial nur bedingt, da bestimmte Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsunterschiede zwischen Innen- und Außenseite des Stoffes vorliegen müssen, um die Atmungsaktivität zu gewährleisten. Diese Idealbedingungen trifft man draußen jedoch nur selten.

Tarptents nutzen daher normale Zeltstoffe. Um die Kondensbildung so gering wie möglich zu halten setzen sie dabei auf eine gute Belüftung. Zudem ist der Zeltboden bei diesen Zelten mittels eines Mückennetzes direkt am Zeltdach befestigt. So hat man trotz Verzicht auf ein separates Innenzelt einen Mückenschutz. Einige wenige Tarptents verzichten sogar auf den Boden, so dass nur eine Zeltplane mit umlaufenden Mückenschutz übrig bleibt. Tarptents sind die idealen 3-Jahreszeitenzelte, obwohl es auch Leute gibt, die sie im Winter erfolgreich nutzen.
Tarptens wiegen meist weniger als 1 Kg


Tarptent - Squall Classic .

Shelter wiederum lassen sogar den Mückenschutz weg. Sie sind in der Regel nicht viel mehr als einfache Zeltplanen. Jedoch verfügen sie nicht nur über viele Abspannmöglichkeiten, sondern sind auch meist sehr windschnittig geschnitten. Diese Konstruktionen sind wie der Name schon vermuten lässt äußerst Wind und Sturmresistent. Selbst Wintereinsätze machen ihnen nichts aus.
Das Gewicht eines solchen Shelters liegt meist zwischen 400 bis 600 Gramm.


Shelter - MSR Twin Peaks .
Viele Tarptents und fast jeder Shelter verfügen nicht über eigenes Gestänge, so dass man zum Aufbau Trekkingstöcke o.ä. benötigt. Dies spart aber nicht nur Gewicht. Es gibt auch keine Zeltgestänge die brechen können. Dies erfordert jedoch ein gründliches Abspannen mit Schnüren und Heringen.

Ein Tarp ist kaum mehr als eine einfache, wasserdichte Plane, die mittels verschiedener Befestigungspunkte so abgespannt werden kann, dass sie die darunter befindliche Person vor dem Wetter schützt. Zwar erfordert der Aufbau eines Tarps etwas an Erfahrung. Die Flexibilität beim Aufbau und das geringe Gewicht machen sie jedoch gerade bei UL-Wanderen so beliebt. Gewichte zwischen 200 und 500 Gramm sind dabei keine Kunst.
Und mit etwas Erfahrung und Improvisationstalent kann man eine Unterkunft bauen, die einen ebenso zuverlässig vor dem Wetter schützt wie ein geschlossenes Zelt.





GoLite Cave2 als Tarp aufgebaut.



GoLite Cave2 als Shelter aufgebaut.

Sowohl Tarps als auch Shelter lassen sich bei Bedarf mit verschiedenen Mückenschutzkonstruktionen nachrüsten. Das kann beim einfachen Mückenschutznetz für den Kopf anfangen, geht über einen Biwaksack mit integriertem Mückenschutz bis hin zu einem vollwertigen Innenzelt.

Einen Sonderposten nehmen Ponchotarps ein. Dienen sie einerseits als Regenschutz (Pocho) beim Wandern und schützen so Träger und Rucksack, lassen sie sich jedoch auch ähnlich wie ein normales Tarp aufbauen um so auch eine Unterkunft zu errichten. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Abmessungen so eines Ponchotarps aber für größere Schläfer zu klein und man sollte sie möglichst mit einem Biwaksack kombinieren, der einen vor Spritzwasser von der Seite schützt. Der zweifache Nutzen als Regenbekleidung und als Tarp machen sie im Vergleich zu Regenjacke und Zelt unschlagbar leicht. Jedoch muß man hier auch einige Einschränkungen in Kauf nehmen.



das Gatewood Cape als Tarp.

Auf unseren Touren nutzen wir ein Tarptent von Six-Moon-Design. Das so genannte LunarDuo.
Es bietet genug Liegefläche für zwei Personen und mit seinen 1,30 Meter Innenhöhe kann man sich auch zu viert ohne große Probleme reinsetzen um z.B. Karten zu spielen.
Bei windigem Wetter lässt sich die Zelthöhe variieren, so dass es deutlich windstabiler wird.
Es verfügt zu dem für Tarptents recht ungewöhnlich über zwei separate Eingänge.
Zum Aufbau werden zwei Trekkingstöcke (teleskopierbar) benötigt.
Das Gewicht liegt bei 1200 Gramm. Das währen gerade mal 600 Gramm pro Person!!!
Das ist bei weitem weniger als bei einem klassischen 2-Personen-Zelt.


Bilder dazu finden sich bei unserer Sardinientour

Bei kürzeren Touren greifen wir auch auf Tarps zurück. Jedoch ziehen wir für längere Reisen das Tarptent vor, da wir so nicht nur einen Mückenschutz haben, sondern auch mehr Privatsphäre bei evtl. Aufenthalten auf Campingplätzen genießen.













Kommentare:

  1. Hi,

    Guter Bericht der alle leichteren Möglichkeiten beschreibt!
    Jetzt wollt ich mal fragen, ihr sagt ihr nehmt auf eure längeren Touren meist das Lunar Duo mit. Wie viel Wind und Sturm haltet das aus? Weil in Island hattet ihr es ja nicht mit. Warum, wenn ich fragen darf?

    Danke für eine Antwort und liebe Grüße aus Österreich
    Philipp

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  2. Hi Philipp,

    Warum wir das LunaDuo nicht mit in Island hatten? Ganz einfach! Das hatten wir schon vor längerer Zeit verkauft und sind dafür auf das ShangriLa 2 umgestiegen. ;-)
    Das LunaDuo ist grundsätzlich ein sehr großzügig geschnittenes Tarptent. Für Gegenden wie Island würde ich es aber wegen der großen Flächen und der dazu verhältnismäßig wenigen Abspannpunkten nicht empfehlen.
    Das ShangriLa hat einfach für unsere geplanten Touren besser "gepasst", da wir eher mal mit extremerem Wind und Wetter rechnen müssen. (Alpen, Schottland, Island, etc.)
    Für Touren in eher wärmeren Klimazonen hat aber das LunaDuo durch eine bessere Belüftung die Nase vorn. Vorrausgesetz man ist nicht auf eine große Stellfläche angewiesen, denn das LunaDuo ist schon echt riesig verglichen mit anderen Ultraleichtbehausungen!

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  3.  Hallo Basti,
    Danke für deine schnelle Antwort! Ich löcher dich jetzt einfach mit noch mehr Antworten, weil von dir bekomm ich eine informative Antwort! ;)
    Und zwar: Habt ihr auch mal ein Tarptent von Henry Shires ausprobiert? Und wie meinst du Shangri La 2 hat nicht so eine gute Belüftung? Habt ihr oft Kondenswasser innen, oder ist das nur im Mittelmeergebieten und noch wärmer so?
    Und als letztes, habt ihr nur den Shelter oder auch noch Groundsheet oder Nest? Wie ist das denn mit Insekten? (Weil ich werd im August mit meinem zukünftigen Zelt in Finnland 4 Tage draußen sein)

    Nochmals Danke fürs Beantworten meiner unzähligen Fragen!

    Liebe Grüße Philipp

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  4. Kein Problem. Frag nur! ;-)

    Kondens haben wir im ShangriLa eigentlich noch nie gehabt. So gesehen "lüftet" es schon gut. Im Sommer kann es da drin allerdings auch recht warm werden. Bei den meisten Tarptents ist es einfach deutlich luftiger und damit kühler.
    Beim ShangriLa haben wir sowohl den einzelnen Boden als auch das Innenzelt. Die sind allerdings beide nicht zu empfehlen. Weder Boden noch Innenzelt passt richtig in das ShangriLa, so dass z.B. das Innenzelt regelrecht durchhängt. (zu lang ist es auch) Haben das mit Nadel und Faden etwas korriegieren können. Es funktioniert, aber so wirklich toll ist es nicht. Zudem ist das ShangriLa mit Innenzelt auch zusammen wieder recht schwer.

    Wir haben daher seit kurzem noch ein Squall2 von Henry Shires (Tarptent). Das macht auf uns einen sehr guten Eindruck und wird uns nächsten Monat nach Korsika begleiten. Sehr schnell und einfach aufzubauen. Sehr gute Verarbeitung. Allerdings haben wir noch nicht viel Praxiserfahrung damit sammeln können, so dass ich nichts zur tatsächlichen Windbeständigkeit sagen kann. Nach der Erfahrung anderer sollte es zwar einiges abkönnen. Für Regionen ohne natürlichen Windschutz wie Bäume, Büsche, etc. würde ich eher etwas anderes nehmen.

    Zwei Zeltkonzepte die zur Zeit sehr beliebt in der deutschen Ultraleichtwanderszene sind, sind das Rainbow bzw. das Double Rainbow von Henry Shires sowie das Locus Gear Khufu bzw. das Moutain Laurel Designs DuoMid.
    Ersteres lässt sich fast freistehend aufbauen und hat aufgrund seiner geringen Grundfläche und Konstruktion auch in den Bergen keine Probleme. Der Wetterschutz ist wohl sehr gut.
    Das Khufu bzw. das DuoMid sind einfach sehr schnell und zuverlässig aufzubauen und bieten hervorragenden Wetterschutz. Einen Mückenschutz (Innenzelt) müsste man allerdings zusätzlich besorgen. Das macht es aber auch flexibler wenn man mal auf Mückenschutz verzichten kann.

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  5.  Hallo,

    Habe leider erst jetzt wieder antworten können...
    Also von deinen bisherigen Aussagen (und was ich woanders gelesen habe) sind Tarptents sehr schöne Schönwetterzelte, aber wenns Hart auf Hart kommt halt eher nix. Und das Golite 2 oder eben eine andere Lavuu Konstruktion recht gut.
    Bezügl. Rainbow hab ich bis jetzt gelesen, dass das eigentlich nicht wirklich bis zum Boden abspannbar ist und daher immer viel Luft durchlässt...
    Habe jetzt aber mal wo gelesenen, dass auch schon das Shelter, wenn es mehr oder weniger bis zum Boden abgespannt ist, einen guten Insektenschutz bietet. (also kleine Krabbelviecher machen mir eher nix, aber halt Mücken mag ich eher nicht. ; )
    Meinst du wäre es möglich, sozusagen wie bei einem Tarptent ein Mückennetz ins Golite 2 reinzunähen? Also dass das Zelt normal aufgebaut ist (evt. die Stecken ein bisschen länger aus normal) und dann der Spalt zwischen Netz und Boden durch ein runterhängendes Netz geschützt ist. Das könnte dann ja unten noch einen recht- eckigen Boden eingenäht bekommen.
    Ist jetzt nur mal so eine Idee, aber was haltest du davon? Zu kompliziert, zu schwer, oder mach ich eher das Zelt dadurch kaputt?
    Oder andere Idee wäre ans Squall 2 noch weitere Abspannpunkte anzubringen.

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  6. Den Gedanken das ShangriLa2 zu einem Tarptent umzurüsten hatte ich auch schon. Allerdings ist die Grundfläche nie 100% rechteckig, sondern durch die mittleren Abspannungen eher wie ein langezogenes Sechseck. Da sich die Grundfläche je nach Aufbau auch noch leicht ändern kann bin ich von einem fest eingenähten Boden und Mückennetz abgekommen.
    Grundsätzlich sollte in der Theorie auch ein geschlossener, bodennah aufgebauter Shelter ausreichend vor Mücken schützen. In der Praxis funktioniert das aber nur bedingt. Die Mücken sitzen oft am Boden und fliegen dann auf wenn jemand sie aufstört. Und das ist halt dann wenn das Shelter drüber steht...

    Was die Belüftung des Rainbow angeht hat das natürlich schon Sinn, dass die Plane nicht bis zum Boden geht. Eben das reduziert evtl. anfallende Kondensfeuchte.

    Wegen Finnland würde ich mir da aber nicht so einen Kopf machen. Abgesehen von den paar "Bergen" die die da haben ist es da eher bewaldet und weniger exponiert. Dafür ärgert man sich mehr mit Mücken rum. Tarptents sind da wohl eine gute Wahl. Grundsätzlich können sie alle Wind ab. Auch wenn's evtl. nicht meine eigene Wahl währe waren Bekannte von mir mit ihrem Squall auch in Island...

    Insbesondere die neueren Modelle von Henry Shires (Rainbow, StratoSpire, etc.) sind aber nochmal deutlich windstabiler wie die alten "Schönwetterzelte" ;-)
    Aber auch die sind 3-Jahreszeiten tauglich.
    Ich würde es daher nicht unbedingt nur von den paar Tagen in Finnland abhängig machen. Auch wenn noch nix geplant ist hat man doch meist schon Ideen wo es einen evtl. mal hinziehen wird.

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  7.  Hallo Basti,

    Also ich habe jetzt deinen Rat befolgt und nun steht ein Stratospire 2 in meinem Garten. Überzeugt hat mich ein youtube Video, wo das SS2 irgendwo in den Alpen bei sehr heftigen Wind aufgebaut ist.
    Ich glaube das wird für meine Anforderungen voll reichen! Hab schon alles abgedichtet und morgen gehts nach Finnland. Juche!

    Danke sehr für deine Ratschläge und ich freue mich immer einen neuen Bericht von dir lesen zu können!

    Liebe Grüße,
    Philipp

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  8. Ich denke, diese Art von Unterkunft ist immer gut für die Touristen, weil man auf diese Weise auch leicht retten könnte Ihre Kosten für die Einstellung von Hotels oder ein Gästehaus ..

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