Samstag, 3. Oktober 2009

Rückenpolsterung/ Rucksackbelüftung

Bei einer Rückenbelüftung gibt es ja grundsätzlich zwei verschiedene Systeme.

1. Eine Gestängekonstruktion, die mit einem Netz überspannt ist und so den Schwerpunkt deutlich vom Rücken entfernt, das Rucksackgewicht merklich erhöht und leider sehr oft den nutzbaren Innenraum des Rucksacks drastisch reduziert.
Dieses System findet man daher auch für Gewöhnlich nur bei "normalen" Tagesrucksäcken.
Allerdings liegt auch hier der Rucksack zumindest im Schulter und Lendenwirbelbereich auf. D.h. auch hier schwitzt man.
Die Rückenlänge bei solchen Rucksäcken ist oft sehr knapp bemessen was durch die ungünstige Gewichtsverteilung dann schon bei leichtem Gepäck je nach Modell in die Lendenwirbel drückt.

2. Gibt es das System mit einer Polsterung aus Mesh-Gewebe, oder die mit Meshgewebe überzogen ist. Dadurch sollen "Lüftungskanäle" zwischen Rücken und Rucksack entstehen. Das findet man oft bei klassischen Trekkingrucksäcken, da hier der Schwerpunkt des Rucksack nah am Körper bleibt.
Klingt zwar zuerst mal gut. Beschäftigt man sich jedoch etwas ausgiebiger mit diesem System wird man feststellen, daß genau das Gegenteil bewirkt wird.
Grund dafür: Die Luft kann nur unzureichend zirkulieren und das Meshgewebe wirkt so wie der Loft beim Schlafsack (oder Fleece, oder...) Die Luft wird erwärmt und das Ganze heizt den Rücken zusätzlich auf.
Zudem speichert so eine Polsterung meistens die Feuchtigkeit, was dafür sorgt, daß sobald man den Rucksack wieder anzieht, sofort einen nassen Rücken hat.
Ein solchermaßen ausgestatteter Rucksack vermittelt zumindest anfangs das Gefühl eines trockenen Rückens. Zumindest solange, bis das Polster "voll" ist. Danach bleibt man auch darunter nass.
Das gespeicherte Wasser erhöht zudem das Rucksackgewicht.
(Nach 20 Kilometern die ich einen so "ventilierten" Rucksack mal im Sommer getragen habe, wog das gute Stück glatt 1 Kilo mehr, obwohl ich unterwegs sogar das mitgeführte Wasser fast komplett getrunken hatte )

Bei beiden genannten Systemen kann ein vorhandenes Netz, bzw. Meshgewebe je nach Qualität und Verarbeitung sogar die Kleidung zusätzlich abnutzen, da der Rucksack ständig unmerklich darüber scheuert. Hab so schon einigen teuren Funktionshemden ein ungewolltes Peeling verpasst.

Ein einfacher, bzw. einlagiger Rucksackrücken hat diese Probleme nicht.
Leider ist die Ventilation hier sehr eingeschränkt.
Was sich bei mir jedoch gut bewährt hat, ist es den Rucksack bei einfachen Etappen ab und an "zu lüften", indem ich einfach meine Hände auf Lendenhöhe zwischen Rucksack und Rücken schiebe. Mit leichtem Gepäck überhaupt kein Problem.
Ray Jardine geht sogar so weit und trägt seinen Rucksack abwechseln mal auf der linken, mal auf der rechten Schulter. Ist meiner Meinung aber eher Geschackssache.
Ich hab lieber einen festen Sitz und freu mich, daß meine Sachen dank gut ausgewählter Materialien in Pausen schnell wieder trocken sind und ich trotzdem nicht frieren muß.

Ansonsten kann man auch eine einfache Rückenbelüftung improvisieren, indem man eine strukturierte Isomatte (z.B. die Z-Lite von Therm-a-Rest) wie bei den Gossamer Gear Rucksäcken (Mariposa und co.) als Rückenpolster verwendet.
Allerdings kann es auch hier zu einem Hitzestau führen, wenn man nicht ab und an den Rücken lüftet.

1 Kommentar:

  1. Klasse, sehr informativ geschrieben.
    Kurz und knackig.

    Gruß, Rio

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