Dienstag, 23. Februar 2010

mit Schirm, Charme und Melone...




Keine Sorge. Mit dieser kleinen Hommage an eine britische Serie aus den 60'er Jahren will ich keine neue Outdoor-Kopfbedeckung vorstellen. Das Augenmerk soll vielmehr einem treuen Begleiter gelten, auf den ich mich schon auf einigen Touren verlassen konnte. Gemeint ist damit mein Swing Liteflex von der Firma EUROSCHIRM der Familie Eberhard Göbel.
Viel werden sich jetzt wohl Wundern, was ein Schirm auf einer Trekkingtour zu suchen hat. Insbesondere wenn der Träger des Schirms eigentlich ein Grammzähler ist.
Nun, auf die Idee mit dem Schirm bin ich über die Lektüre eines der Bücher von Ray Jardine gekommen. Dieser Vorreiter der Ultraleichtszene führt als eines seiner bevorzugten Ausrüstungsteile einen Schirm mit sich.

Was steckt aber dahinter?
Ein Schirm hat viele Vorteile. Zuallererst ist er ein hervorragender Regenschutz. Dabei ist er weitaus "atmungsaktiver" als jede Regenjacke mit x-Tex Membrane. Somit also gerade bei schwülem Wetter oder bei größerer, körperlicher Aktivität ein deutlicher Pluspunkt.
Dabei schützt der Schirm aber nicht nur den Wanderer an sich, sondern deckt auch einen Großteil des Rucksacks ab.
Ein weiterer Vorteil gegenüber einer Regenjacke liegt dadrin, dass man keine Kapuze benötigt, die Sicht und Gehör einschränkt.
Zudem ist so ein Schirm schneller ein und auszupacken als man eine Regenjacke an- bzw. ausgezogen hat.


Aber nicht nur als Regenschutz leistet so ein Schirm gute Dienste. Gerade bei Wüstenwanderern sieht man immer mehr Leute, die einen Schirm als Sonnenschutz mit sich führen. Den Swing Liteflex gibt es dazu sogar mit einer speziellen Silber-Metallic-Beschichtung. Aber auch schon mein dezenter Schwarzer hat mir unter der sardischen Sonne einen guten Dienst erwiesen.

Ein Kritikpunkt den viele Leute gegen Schirme vorbringen, ist ihre Windanfälligkeit. Grundsätzlich stimmt das auch. Ein Schirm ist deutlich anfälliger als eine körpernah getragene Regenjacke.
Darum hatte ich den Schirm auch zum testen das erste mal in Schottland dabei. Wenn der Schirm mich in den windigen und regnerischen Highlands nicht im Stich lassen würde, dann würde er wohl auch bei weniger anspruchsvollem Wetter gute Dienste leisten.
Was soll ich sagen? Ich war begeistert.
Liefen andere Wanderer bei strömendem, schottischen Regen komplett gehüllt in teure Funktionsjacken herum, und kehrten dann abends trotzdem nass bis auf die Knochen in den Hostels und Pubs ein, blieb ich mit meinem Schirm herrlich trocken. Und das obwohl ich oben rum nur meinen Montane Featherlight Smock trug.



Bei Wind, wo der Regen ja regelrecht von der Seite ran geblasen wurde, hielt ich den Schirm fast wagerecht, wie ein Schutzschild in Windrichtung. So blieb ich trocken, obwohl ich nun ja kein Dach mehr über dem Kopf hatte. Der Regen kam aber eh von der Seite, da hätte mir ein Dach auch nichts gebracht. Damit der Schirm nicht zusammenklappte fasste ich ihn "kurz", d.h. ich packte ihn direkt unterhalb des Aufspannmechanismus an. So hielt er auch stärkeren Böen stand.

Doch so ein Schirm ist nicht nur ein guter Wetterschutz "on trail". In Pausen dient er mir auch als praktischer Windschutz, so dass ich nicht gezwungen bin lange nach einer windgeschützten Ecke zu suchen. Auch beim Kochen schirm er zusätzlich gegen Wind ab, obwohl ich immer auch einen regulären Windschutz aus Alu-Blech nutze.
Zählt man zu den Tarp-Nutzern, kann der Schirm auch die Funktion einer Tür übernehmen, oder als Aufstellstange z.B. am Fußende dienen.

Wer jetzt noch meint, dass so ein Schirm zwar überflüssig schwer sei, dem kann ich auch hier widersprechen. Aufgrund der sorgfältig ausgewählten Materials (High-density-Glasfaserschienen, EVA-Hartschaumgriff, Polyestergewebe mit Teflon-Beschichtung) kommt mein Swing Liteflex gerade mal auf 206 Gramm. Dieses Mehrgewicht ist mir der Komfortgewinn durch den Schirm allemal wert.

Und da ich aufgrund meines mittlerweile reduzierten Rucksackgewichtes auch meistens meine Wanderstöcke zu hause lasse habe ich immer eine Hand für den Schirm frei. Bei Windstille ist es sogar möglich, das Griffende hinter den Brustgurt des Rucksack zu klemmen und so beide Hände (z.B. für ein Photo aus dem Trockenen heraus) frei zu haben.

Meine Frau ist mittlerweile auch überzeugte Schirm-Trägerin geworden. Nachdem ich während unserer Flitterwochen auf Sardinien "gezwungen" war ihr meinen Schirm zu überlassen, hat sie nun ihren eigenen in einem freundlichen hellgrün.

Wer mehr über den Swing Liteflex erfahren möchte, dem empfehle ich einen guten Artikel auf der Internetseite des Trekking-Ultraleicht-Forums: Produkte im Test: Trekkingschirm Swing Liteflex
oder einen Besuch auf der Seite des Herstellers: www.euroschirm.com

Zum Abschluss gibts noch ein paar Impressionen:

Dienstag, 9. Februar 2010

Mich brennt's in meinen Reiseschuhn...

...Fort mit der Zeit zu schreiten
Was sollen wir agieren nun
Vor soviel klugen Leuten



Da hebt das Dach sich von dem Haus
Und die Kulissen rühren
Und strecken sich zum Himmel aus
Strom Wälder musizieren



So heißt es wohl in einem alten Volkslied. 
Schon seit einigen Wochen spüre ich eine gewisse Unruhe in mir und ich merke das es mal wieder Zeit für mich wird auf Tour zu gehen. Doch momentan stehen bei mir noch einige Klausuren ins Haus.
Wenn man den ganzen Tag über den Büchern hockt kann man gut nachvollziehen, was die damalige Jugendbewegung dazu gebracht hat als Wandervögel auf Fahrt zu gehen und einen Ausgleich zu ihrem Alltag zu suchen. 
Was liegt da also näher, als mir mal wenigstens für ein paar Stunden etwas frische Luft um die Nase wehen zu lassen?
Kurzerhand habe ich ein paar Sachen zusammengekramt, mir meine Juja übergezogen, den Affen geschultert und raus ging es in den nahen Wald....


Dienstag, 2. Februar 2010

RayWay Duo Quilt

Nachdem ich ja gerade erst über den RayWay berichtet habe, wird es jetzt auch mal Zeit Euch eines seiner RayWay-Produkte vorzustellen.
Wenn man sich mit dem Ultraleichtgedanken vertraut macht, hört man meist von "den großen Drei".
Gemeint sind damit die typischerweise schwersten Ausrüstungsgegenstände eines Wanderers. Als da währen Zelt, Rucksack und Schlafsack. Gerade diese drei liefern auch das meiste Einsparpotential.
Deutlich leichtere Zeltalternative gibt es einige. Anstelle eines klassischen Innengestellrucksacks greift man zu einem Ultraleichtmodell wie etwa einem Laufbursche-Pack.
Was aber gibt es für Schlafsackalternativen?

Ray Jardine's Lösung ist der Quilt. 
Im Prinzip eine konturgeschnittene Decke mit einer "Tasche" für die Füße. Andere würden den Quilt eher als "Schlafsack ohne Rückenteil" beschreiben.
Was aber hat es damit auf sich?
Ganz einfach. Ein Schlafsack soll den Schläfer gegen die kalte Umgebung abschirmen, indem er isoliert, d.h. eine warme, stehende Luftschicht um den Schläfer hält. Die Dicke dieser Luftschicht ist abhängig vom Loft des Schlafsacks, d.h. von seiner Dicke.
Was jetzt etwas wissenschaftlich klingt ist näher betrachtet ganz einleuchtend:
Je dicker ein Schlafsack ist, umso wärmer ist er.

Was hat das jetzt mit einem Quilt zu tun?
Nun, wenn man im Schlafsack liegt, drückt man die Füllung des Schlafsacks im Rückenbereich platt. Damit ist dort auch die Isolierung nahezu hinfällig. Das Einzige was dann dort noch isoliert, ist die Isomatte.
Als Konsequenz daraus hat Ray Jardine also einfach den somit überflüssigen Bereich der Rückenisolierung weggelassen und ein Schlafsystem entworfen, das lediglich die Seiten und die Oberseite isoliert. Für die Bodenisolierung sorgt die Isomatte. Damit bleibt also ein Schläfer trotz der Einsparung weiterhin rundum geschützt.
Für unruhige Schläfer lassen sich so genannte "Draftstopper" anbringen. Ein winddichter Streifen Stoff, der um den Rand des Quilts herum angebracht ist und so verhindert, daß man beim Drehen im Schlaf kalte Luft unter die Decke läßt.

Unseren Quilt haben wir aus einem RayWay-Set genäht. Ungewöhnlich bei unserem Quilt ist, dass es sich bei ihm um einen Duo-Quilt handelt. D.h. er ist für zwei Schläfer ausgelegt.

Für den leichteren Transport läßt sich der Quilt mittels eines quer verlaufenen Reißverschlusses in eine obere Hälfte...
 ...und eine Fußbox trennen.

Füllmaterial sind bei beiden Hälften zwei Lagen Kunstfaserflies mit einem gesamten Loft von 5,5cm.
Dabei wiegt die obere Hälfte 820 Gramm, die Fußbox 680 Gramm.
Natürlich gibt es leichtere Daunenlösungen. Aber ein feuchtigkeitsunempfindlicher und winddichter Schlafsack für zwei Personen, der auch noch bis in die Minusgrade hinein wärmt und dabei gerade mal 1500 Gramm wiegt (d.h. 750 Gramm/ Person!) sucht schon seine Konkurrenz.