Montag, 29. März 2010

Intermezzo mit GPS

Eigentlich waren unsere Rucksäcke schon gepackt. Durch den Sonnenschein der letzten Tage beflügelt, wollten wir nach diesem doch recht langen Winter zu einer kurzen Tour in den Frühling aufbrechen. Daher hatten wir uns im Vorfeld ein paar Routen rausgesucht, die uns überwiegend über offenes Gelände führen sollten, damit wir auch ausreichend Gelegenheit haben würden um die ersten Sonnenstrahlen zu kosten.
Doch irgendwie kam dann (fast) alles anders als geplant. Der Wetterbericht machte uns einen Strich durch die Rechnung. Das soll jetzt nicht heißen, daß wir den Regen scheuen. Wozu gibt es immerhin Regenkleidung? Wenn man sich aber schon gänzlich auf eine sonnige Tour eingestellt hat um dann die ganze Zeit im Dauerregen unterwegs zu sein, macht es nicht mehr ganz so viel Spaß.
Aber darum gleich ganz zuhause bleiben?
Es muss ja nicht immer gleich eine ganzes Wochenende sein, daß man durchweg unterwegs ist. Auch für Kurzweilige gibt es da draußen genug zu entdecken. Und sei es auch nur ein Geocache...

Die GPS-unterstützte Schatzsuche ist ja mittlerweile zum regelrechten Volkssport mutiert. Kaum eine Ecke der Welt an der sich keine dieser Dosen befindet. Selbst auf dem Mount Everest und am Südpol wurden schon Geocachies gesichtet. Was es damit auf sich hat?
Ganz einfach. Irgendwann entschloss sich die US-Regierung die bis dato für den zivilen Gebrauch mit einer künstlichen Mißweisung versehenen GPS-Signale komplett "frei" zu geben. Das bedeutet, dass die Signale die von verschiedensten militärischen Satelliten ausgesendet wurden und der Positionsbestimmung dienten, bis dahin immer absichtlich ungenau gehalten wurden. Lediglich die alliierten Armeen waren mit Geräten ausgestattet um diese Ungenauigkeit herauszufiltern und so das System uneingeschränkt zu nutzen. Aufgrund der wachsenden Bedeutung der Satelitennavigation im Schiffs und Flugverkehr wurde nun diese künstliche Mißweisung ausgeschaltet was für den zivilen Anwender eine bis dato ungeahnte Genauigkeit beim Bestimmen der eigenen Position per GPS bedeutete.
Von dieser Möglichkeit beeindruckt entschloß sich jemand das Ganze mal praktisch zu testen. Er versteckte einen "Schatz" (Ein wasserdichtes Behältnis mit einigen Gegenständen von eher symbolischem Wert) und stellte die Koordinaten ins Internet. Es dauerte nicht lange und schon hatten die ersten "Schatzjäger" das Versteck mittels ihrer GPS-Geräte lokalisiert und die Beute gehoben.
Mehr und mehr Nachahmer fanden sich und so ist nun fast der gesamte Erdball mit den verschiedensten Arten solcher Verstecke versehen.
Je nach ihrem Charakter fordern diese Geocaches ihren Suchern dabei einiges ab. So gibt es neben Kinderwagen freundlichen Verstecken, die man auch mal zwischendurch oder beim Sonntagnachmittagsspaziergang "abhaken" kann auch deutlich schwierigere Caches, die spezielle Ausrüstung wie z.B.  UV-Lampen oder auch Kletterausrüstung mit den entsprechenden Kenntnissen erfordern.
Damit das Risiko beim Heben eines solchen Caches berechenbar bleibt und die Enttäuschung nicht zu groß ist, wenn man falsch ausgerüstet vor einem daher unüberwindbaren Hindernis steht, geben die einschlägigen Seiten im Internet nicht nur die Koordinaten, sondern auch die groben Rahmenbedingungen für das jeweilige Cache in Form einer Beschreibung wieder.
Wer sich mehr über diese moderne Art der Schatzsuche informieren möchte kann dies unter der deutschen Seite Geocaching.de oder unter der amerikanischen Seite Geocaching.com tun. Während die deutsche Seite Informationen zum Geocaching an sich und auch einige Caches innerhalb von Deutschland aufführt, deckt die amerikanische Seite als "Hauptseite" des Geocachings die gesamte Welt ab und liefert damit auch die meisten Geocachies.

Was hat das nun aber mit unserem Wochenende zu tun?
Naja auch bei uns in der Ecke befinden sich "ein paar" dieser Verstecke. Im gesamten Rheinland und der angrenzenden Eifel wohl weit über 500!
Unser Cacherdasein beschränkt sich dabei aber nicht nur auf die heimischen Gefilde.
Auch in Sardinien oder Schottland wurden wir bereits fündig:
Erfolgreiche Schatzsuche während der Flitterwochen
Die Freude ist groß über eine rote Blechdose am Rand des West-Higland-Ways 


Aber schon seit längerem waren wir jetzt schon nicht mehr als "Schatzsucher" unterwegs und so wurde es nochmal Zeit wieder das GPS auszupacken, frische Batterien einzulegen und das Internet nach neuen Koordinaten abzusuchen.
Wer sich schon etwas länger mit dem  Geocaching beschäftigt wird festgestellt haben, dass es fast unmöglich ist, seine Umgebung von neuen Caches "frei" zu halten. Soll heißen, alle Caches die es in der eigenen Umgebung gibt als "gefunden" abzuhacken. Fast täglich sprießen neue aus der Erde, von fleißigen Geocachern ausgelegt, die so auch mal etwas zu diesem Spiel beisteuern wollen.
Nachdem wir uns nun also entsprechend ausgerüstet hatten ging es auch gleich in den nahe gelegenen Wald. Neben ein paar "kleineren" Caches, die sich genau an den angegebenen Koordinaten verbargen (so genannten "Tradis") führte uns unser GPS auch auf die Spuren eines "Lost-Place".
Ein Lost-Place beschreibt einen ehemals genutzten und in der Regel bebauten Ort, der mittlerweile brach liegt und von dem oft nur wenig mehr erhalten ist wie Ruinen. Dies können ehemalige Fabrikgelände sein, alte Bunkeranlagen oder auch mal ein ganzer Ort, der nun als Wüstung langsam vom Wald zurückerobert wird.
In unserem Fall sollte es sich um ein altes Bootshaus handeln das wohl seinerzeit auch als Ferienhaus gedient haben soll. Was uns vor allem erstaunte war, daß es sich an einem uns recht gut bekannten See befinden sollte, dieses uns aber nie aufgefallen war.
Die Suche begann an einem Wanderparkplatz am Waldrand in der Nähe des besagten Sees. Die Augangskoordinaten führten uns ans Ufer zu einem Überlauf wo wir eine kleine Aufgabe zu erfüllen hatten. Mittels der Lösung konnten wir nun die nächsten Koordinaten errechnen, die uns an einem schmalen Uferweg um den See herumführten. Durch verschiedene kleinere Aufgaben geleitet erreichten wir so nun schließlich die Rückseite des Sees, die durch ein Sumpfgebiet vom restlichen Ufer getrennt war. Und nur wenig später standen wir dort zwischen den Ruinen eines alten Bootshauses. Von der Seeseite kaum zu sehen und vom übrigen Ufer nur schwer zugänglich verbargen sich hier im Wald die Grundmauern eines Hauses, das wohl vor langer Zeit als Feriendomizil gedient haben mag.
Dank des geübten Cacherauges fand sich schon nach kurzer Suche die versteckte Dose, die das eigentliche Geocache darstellte. Nach dem obligatorischen Logbucheintrag ging es dann für uns auf den Rückweg.

Es ist doch immer wieder erstaunlich was sich oft in vertrauter Umgebung finden lässt und ein Hobby wie das Geocaching ist ein schönes Mittel um seine Region neu kennen zu lernen.

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