Mittwoch, 2. Juni 2010

Von der Waldeifel ins Ahrtal

Eigentlich hatten wir für das verlängerte Wochenende vom 22. bis zum 24. eine Tour durch die Eifel geplant.
Und eigentlich war die Route, die wir uns rausgesucht haben auch für 3 volle Tage angesetzt gewesen. Eigentlich hatten wir auch schon die Rucksäcke gepackt.
Und eigentlich waren wir auch schon so gut wie auf dem Weg nach Nettersheim, wo unsere Tour beginnen sollte.
Und eigentlich währen wir auch dort rechtzeitig angekommen, wenn...
Ja, wenn nicht mal wieder die Bahn uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

So trafen wir dann "leicht" verspätet gegen 17:00 Uhr im beschaulichen Ort Nettersheim in der Eifel ein. Zwar hätten wir uns eine alternative, kürzere Route raussuchen können, jedoch hatten wir uns einerseits schon fest vorgenommen die rund 80 Kilometer an diesem Wochenende zu laufen, andererseits gab es auf unserer geplanten Route auch ein paar Sehenswürdigkeiten, die wir nicht auslassen wollten. Also schulterten wir flugs unsere Rucksäcke und machten uns auf.

Es geht los

Freundlicherweise durfte Rike sich für diese Tour einen Rucksack von Laufbursche ausleihen, so dass sie auch mal in den Genuß kam einen huckePack zu testen.
Unser Weg führte uns dann alsbald am "grünen Pütz" vorbei, dem Beginn der Römischen Wasserleitung  mittels der die ehemalige Römerstadt Köln vor gut 2000 Jahren mit frischem Eifelwasser versorgt wurde.
Der Anfang dieses Meisterwerks römischer Architektur bestand aus einem gut 80 Meter langen Frischwasserfilter, der auch noch heutzutage anstandslos seine Arbeit verrichtet. Leider wird heutzutage dieses Wasser schon nach wenigen Metern mittels einer "modernen", rostig wirkenden Rohrleitung in den nahen Bach "entsorgt".
Der Ausschilderung folgend hielten wir uns zunächst weiter am unterirdischen Verlauf der Wasserleitung...

...um schon bald unseren eigenen Weg im Wald zu suchen. 

Das gesamte Wochenende sollte sich durch die unterschiedlichsten Tierbegegnungen auszeichnen. Nachdem Rike zuerst auf ein heruntergefallenes und verlassenes Vogelnest aufmerksam geworden war...
 ...wurden wir auch schon des öfteren von typischen Bewohnern dieser Eifelregion skeptisch beäugt.
Unser weiterer Weg führte uns an der Kakushöhle vorbei, die zwar schon in der Steinzeit Zufluchtstätte und Heimstatt für viele Menschen war, wo aber heutzutage das Übernachten dort nicht mehr so gern gesehen wird. So suchten wir uns dann nach knapp 15 Kilometer Wegstrecke, die wir dann doch noch trotz des verspäteten Starts geschafft hatten einen Platz für unsere Unterkunft. Großzügigerweise hatte Laufbursche nicht nur einen Rucksack für Rike zur Verfügung gestellt, sondern uns auch noch einen Tanzpalast an die Hand gegeben. Dieser Tarp-/ Shelter-Hybrid aus grünem! Cuben war schon nach kurzer Zeit aufgebaut und heimelig eingerichtet. Insbesondere sei hier die unter dem Gibel verlaufende Wäscheleine erwähnt, auf der nicht nur kunstvoll arrangiert unsere Socken lüfteten, sondern auch unsere kleine Photon Microlight als Leselampe baumelte.
Nach einem leckeren Abendessen aus dem Freezerbag, das Rike mit wenigen Handgriffen und unserem treuen Bushbuddy zubereitet hatte hieß es dann auch für uns schlafen.
Im Schutz der Dunkelheit konnten wir unter dem Tarp heraus noch ein Reh und einen Hasen beobachten, die sich scheinbar ein Wettrennen lieferten. Sachen gibts...

und weiter gehts

Der nächste Tag begrüßte uns mit sanften Sonnenstrahlen. Nach einem raschen Frühstück schulterten wir unsere Rucksäcke um heute noch etwas "Strecke zu machen". Das Wetter meinte es dabei etwas zu gut mit uns und schon bald heizte die Sonne uns ordentlich ein. Wir waren über jeden Luftzug und jeden Schatten dankbar der sich uns unterwegs bot.
   Das alte römische Matronen-Heiligtum war da eine willkommene (und schattige) Abwechslung, und so nutzten wir diesen Ort für eine kurze Pause.
Nicht nur in den verschiedensten Eifelkrimis spielen diese alten römischen Fundstädten noch eine Rolle. Diese alte Tempelanlage wird auch heutzutage noch von vielen Leuten besucht, die sich dem Zauber dieses Ortes nicht entziehen können. Und so ist es auch kein Wunder, daß man die alten Weihesteine auch noch in unserer modernen Zeit mit Blumen und anderen kleinen Gaben geschmückt vorfindet.
Aber schon bald setzten wir unseren Weg fort. Hatten wir uns doch für den heutigen Tag noch einiges vorgenommen. Ganz im Gegensatz zu dieser erlauchten Gesellschaft, die es sichtlich genoß den Tag im Schatten liegend zu verbringen und nur ab und zu sich mal für etwas Freßbares zu bewegen.
 Pünktlich zur Mittagszeit erreichten wir dann Bad Münstereifel. Trotz den ganzen Rudeln an Touristen wagten wir den Schritt in diese Wahlheimat von Heino um uns für den bisherigen Weg mit einem leckeren Mittagessen zu belohnen.
 Nach einem kurzen Intermezzo bei Pizza und anschließendem Espresso schnappten wir uns noch rasch ein kleines Eis für auf die Hand und spazierten weiter.
Unmittelbar oberhalb von Bad Münstereifel befindet sich ein kleines Freigehege das für die Öffentlichkeit frei zugänglich ist. Die Bewohner dieser Einrichtung ließen sich auch durch unsere Nähe  nicht aus der Ruhe bringen. Vermutlich hatte man ihnen geflüstert, dass wir grade schon gegessen hatten...
Weiter ging es  durch den Wald der sich nicht nur durch einen alten Eichenbestand schmückte...
...uns mit einer wunderbaren Aussicht belohnte (wofür eigentlich???)...
...sondern sich auch vor allem durch aufdringliche Einwohner auszeichnete. Während Rike Bekanntschaft mit einer kleinen Raupe machte, die ihr grünes Oberteil wohl fälschlicherweise mit einem Blatt verwechselt hatte...
...fühlte sich eine Zecke, die sich dreisterweise in meinen Arm gebohrt hatte, sichtlich wohl. Zumindest solange, biss ich ihr mit einer Zeckenkarte den Spaß gründlich verdorben habe. Blödes Viech!

Doch das sollte nicht die letzte Tierbegegnung für den heutigen Tag gewesen sein. Nur wenige Schritte später entdeckten wir eine Blindschleiche...
... oder besser gesagt den größten Teil davon. Denn den Kopf hatte sich wohl schon ein anderer Bewohner des Waldes gesichert.
Also setzten wir rasch unseren Weg fort. Man weiß ja nie...
Unsere Route führte uns durch ein schmales Tal in dem wir nach einer Weile ein merkwürdiges Geräusch vernahmen. Und schon hinter der nächsten Biegung tauchte der Verursacher dieser hier fremd wirkenden Klänge auf.
Über den Talgrund ragte wie ein Besucher aus einer fremden Welt das Effelsberger Radioteleskop.
Mit rund 100 Meter Durchmesser gehört das Radioteleskop zu den größten, voll beweglichen Radioteleskopen weltweit. Der gewählte Platz innerhalb dieses Talkessels unterstützt dabei noch zusätzlich die Leistung dieses Monstrums. Zwar schon in den 70er Jahren erbaut, zählt es doch auch noch heutzutage zu den modernsten Einrichtungen weltweit. Und genau unter diesem Konstrukt aus Stahl führte uns unserer weiterer Weg durch.
 Nach einem kurzen Blick auf die Karte fanden wir dann auch den Weg, der uns aus diesem Tal wieder heraus und zurück in die Sonne führte.
Über offene, weite Felder ging es für uns weiter...
...um nur wenig später auf einen schmalen Pfad hinab ins nächste Tal zu führen.
Unterwegs wurden wir mal wieder kritisch von einem Einheimischen beäugt, der uns aber noch den Gefallen erwies sich von uns fotografieren zu lassen.
Ob er es wohl auf unsere nächste Begegnung abgesehen hatte? Zumindest entdeckten wir nicht allzu weit von diesem pelzigen Zeitgenossen das Schlupfloch von ein paar gefiederten Leckerbissen. Geschickt hatten sie sich eine Höhle in einen Baum geschnäbelt aus dem man auch die kleinen, piepsigen Stimmen des Nachwuchses vernehmen konnte.
Stetig führte uns der Weg nun wieder bergauf. Man merkte, dass man die Waldeifel schon hinter sich gelassen hatte und sich nun beständig dem Ahrtal näherte. So wechselte auch der lichte Birkenwald langsam zu einem dunklen Tannenforst.
Oben präsentierte sich uns noch einmal vor Einbruch der Dämmerung ein fabelhafter Weitblick.
 Und ein Kurzbesuch im schönen Dörfchen Plittersdorf blieb auch nicht aus.
 Von der hereinbrechenden Dunkelheit beflügelt...
...hielten wir auch schon beständig Ausschau nach einem geeigneten Lagerplatz. Die Hindernisse, die man uns dabei in den Weg legte hielten uns jedoch nicht auf...
...und schon bald konnten wir die letzten Strahlen der Sonne beobachten, wie sie langsam hinter den Bäumen verschwanden, während wir uns bereits gemütlich unter dem Tarp eingerollt hatten.

Nach rund 46 Kilomter, die wir an diesem Tag zurückgelegt hatten, hatten wir uns etwas Schlummer wohl verdient.

der dritte Tag

Am letzten Tag unserer Tour konnten wir uns nach dem Aufstehen erstmal an dem fabelhaften Ausblick erfreuen, den uns unser Lagerplatz bescherte.

Kurz darauf waren wir auch schon unterwegs. Vorbei an merkwürdigen Hinweisschildern...
...über eher eintönige Wege...

...bis uns unsere Route wieder in den Wald führte.

Auch die Ausblicke, die uns an diesem Tag vergönnt waren, waren mehr als lohnenswert.

Unserer weiterer Weg führte uns nun beständig hinab ins Ahrtal. Wanderten wir noch im einen Moment entlang eines kleinen Baches und auf einem eher ruhigeren Pfad...
...fanden wir uns schon bald in Kreutzbach wieder, einem Ausläufer des Touristenortes Altenahr, wo wir von Schlagermusik aus dem Radio einiger Jugendliche begrüßt wurden.
Diese hatten sich auf dem Geweg mit ein paar Klappstühlen, Bier und Sonnencreme gemütlich gemacht um anscheinend dort den Feiertag zu verbringen. Das Bild was sich uns dort bot, erspar ich Euch an dieser Stelle lieber.
Also rasch noch in Altenahr ein Stück Kuchen gefuttert und flugs wieder den Berg hinauf.

Unserer weiterer Weg, der nun stetig Richtung Heimat ging, führte uns vorbei an Pferden...
...an merkwürdigen Holzkunstwerken im Wald...
...und sogar an einer Rotte von Wildschweinen, die um der Mittagshitze zu entgehen eine ausgiebige Suhle knapp hundert Meter neben unserem Weg aufsuchten.
(Einfach mal anklicken und vergrößern. Dann kann man die Rabauken auch erkennen.)

Unbehelligt konnten wir unseren Heimweg weiter fort setzen und schon bald befanden wir uns in vertrauterem Gelände. Das letzte Stück des Weges führte uns durch den heimischen Rheinbacher Wald.
Und wer denkt, so ein Stadtwald könnte nur mit breiten "Wanderautobahnen" oder asphaltierten Forstwegen glänzen, der kennt unseren geliebten Rheinbacher Wald nicht...
Und zu guter letzt konnten wir noch ein kleines Mäuschen beobachten, das neugierig seinen Kopf aus einem Aststumpf empor reckte. 

Und so kehrten wir nach 86 gewanderten Kilometern schließlich wieder zurück in unser Heimatstädtchen. 

In den 3 Tagen wurden wir mehr als nur vom Wetter begünstigt. Auch die Landschaft präsentierte sich uns von ihrer schönsten Seite und die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Tieren erfreute uns umso mehr. Uns zeigte sich wieder einmal, daß man für schöne Touren nicht um die ganze Welt reisen muss. Und gerade das Wandern mit leichter, bzw. ultraleichter Ausrüstung erlaubt es auch mal spontan einfach loszuziehen und sich je nach Lust und Laune seinen eigenen Weg zu suchen um seine Heimat neu zu entdecken. In diesem Sinne freuen wir uns schon auf unsere nächste Tour. Wohin es uns dann führen wird? Nun wir werden sehen...




Einen großen Dank an dieser Stelle nochmal an Laufbursche, der uns für diese Tour neben einem Rucksack auch eines seiner Cuben-Tarbs zur Verfügung gestellt hat. Zwar hatten wir während dieser drei Tage nur bedingt die Möglichkeit die Sachen ausgiebig zu testen. Aber zumindest der huckePack-Rucksack hat meine Frau durch seinen Tragekomfort, seine Detaillösungen und seine gute Verarbeitung überzeugt. 

Kommentare:

  1. Sieht nach einer schönen und gelungenen Tour aus. Toll.
    Gruß
    Jaddar

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  2. Klingt nach einem wirklich schönem Wochenende! Solche Touren sollten wir auch machen - auch zur Vorbereitung, um über die Alpen zu kommen. Aber ganz traditionell auf dem E5.

    Lieben Gruß!
    Corinna

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