Nach langer Planungs- und Vorbereitungszeit stand unsere Route schließlich fest. Das Kartenmaterial war besorgt. Die Ausrüstung zusammengestellt. Das Essen als Freezerbagfood vorbereitet. Und zu guter letzt ist am Vorabend unserer Abreise auch noch unser neuer Daunen-Quilt fertig geworden.
Einer erfolgreichen Tour stand somit also nichts mehr im Wege. Oder etwa doch?
Wie jeder mit ein bisschen Outdoorerfahrung weiß lässt sich fast alles planen, bis auf das Wetter.
Und wer schon mal in den Bergen unterwegs war weiß, dass eine dort geplante Tour wie nirgend sonst vom Wetter abhängig ist. Das Wetter sollte dann schlussendlich auch zum Abbruch unserer Tour führen.
Wie es aber überhaupt erst soweit kam und wie wir dann schließlich doch noch die Berge unsicher machten, davon will ich im Folgenden berichten.
Wie schon gesagt. Unsere Sachen waren gepackt und im Auto verstaut. Wie sich später zeigen sollte war es in mehrerer Hinsicht eine gute Idee gewesen, das Auto zur Anreise zu nutzen. Aber eins nach dem Anderen.
Der Startpunkt unserer ursprünglich geplanten Route sollte in Bregenz liegen. Von dort wollten wir uns parallel zum bekannten E5 durch die Bergwelt Richtung Bozen bewegen. Auf unserer Fahrt Richtung Süden verkündete der Wetterbericht jedoch eine Unwetterwarnung für das Gebiet Bodensee. Als wir schließlich die ersten Ausläufer dieses Unwetters am eigenen Leib erfahren durften (bei denen unser Auto recht unsanft hin und her geschoben wurde) beschlossen wir kurzerhand den Startpunkt nach Oberstdorf zu verlegen, das wir ursprünglich umwandern wollten. Dies brachte uns zwar auf den populären und gut besuchten E5, jedoch konnten wir somit auch das Gewitter umgehen. In Oberstdorf also schnell einen Parkplatz gesucht, Rucksäcke geschultert und los ging es.
Am frühen Nachmittag begannen wir unseren Aufstieg Richtung Kemptener Hütte. Zwar sahen wir unterwegs auch noch einige andere Wanderer, jedoch war der Hauptschwall der E5 Begeisterten zu unserem Glück schon deutlich früher aufgebrochen.
Nach einem etwas verspäteten Mittagessen auf der Spielmannsau ließen wir den anfänglich noch asphaltierten Weg bald hinter uns und wanderten im dicht bewachsenen Hang stetig bergauf.
Wie wir bald merkten, hatten wir das Unwetter doch nicht gänzlich hinter uns gelassen und schon bald wurden wir genötigt zu unseren Schirmen zu greifen.
So ausstaffiert arbeiteten wir uns weiter bergan wobei der Regen stetig zunahm. Lediglich die Molche, die unseren Weg kreuzten, blieben davon annähernd unbeeindruckt.
Wir hingegen waren schon bald gezwungen die kleinen Rinnsale, die sonst idyllisch die Felswand runter plätschern, sich nun aber zu waren Sturzbächen entwickelt hatten zu kreuzen, während uns die Wolken um uns herum die Sicht nahmen.
Schließlich riß für einen kurzen Moment vor uns die Wolkendecke auf und wir erblickten die Kemptener Hütte. Zwar hatten wir auch unser Zelt im Gepäck, aber angesichts den Verlockungen eines warmen und trockenen! Bettes beschlossen wir auf den Komfort der Hütte zurückzugreifen.
Dort bekamen wir auch zum ersten mal einen Eindruck davon, was uns die nächsten Tage erwarten würde. Die Hütte war von Wanderern überlaufen. Neben mehreren Bergschulen, bzw. geführten Wandergruppen war die Gaststube bis oben hin mit Bergbegeisterten aller Art angefüllt. Was das für unseren weiteren Weg bedeuten würde, konnten wir uns hier jedoch noch nicht gänzlich ausmalen.
Nach einer mehr oder weniger geruhsamen Nacht im Bettenlager brachen wir am nächsten Morgen früh auf, um den großen Massen zu entgehen. Nicht lange und wir passierten die deutsch-österreichische Grenze.
Das Wetter hatte sich über nacht nicht wirklich gebessert und auch der Wetterbericht stellte fürs erste keine Besserung in Aussicht. Aber ausgestattet mit Windhemd und dem treuen Schirm konnte uns auch so ein bisschen Regen die Laune nicht verderben.
Der Abstieg nach Holzgau ging dann auch trotz rutschigem und schlammigem Untergrund recht zügig vonstatten.
Und Dank unserer leichten Ausrüstung erreichten wir das Tal auch weit von den anderen Wanderern, die obwohl sie im Gegensatz zu uns weder Zelt noch Schlafsack noch Kocher noch Verpflegung mit sich führten, trotzdem gut das doppelten an Gewicht auf ihren Rücken durch die Gegend schleppten. So ließen wir uns unterwegs auch ausgiebig Zeit um die Natur zu bewundern und mit unserem SticPic zu "spielen", der uns freundlicherweise vom Trekking-Lite-Store zur Verfügung gestellt worden war.
Im Tal erfuhren wir dann eine andere
Wie wir später erfuhren, sind die meisten Streckenabschnitte des E5, die zu den Zeiten von Hans Schmidt, dem Gründer des E5, durch die Täler führten mittlerweile asphaltiert bzw. gänzlich dem Pendelverkehr diverser Bus- und Taxiunternehmen gewichen. Ganz im Sinne des modernen Wandertourismus werden nur noch die Sahnestücke, d.h. die eigentlichen Gipfelüberquerungen angegangen. Der Rest wird "erfahren". Und wenn man sich anschaut, wie diese geführten Gruppen zusammengesetzt sind kann man sich ernsthaft fragen, warum diese Bergtouristen für die anderen Abschnitte nicht auch noch Sherpas angemietet haben.
(Warum die Bergrettung so viel zu tun hat versteht man schnell angesichts der Tatsache, wie ungeübte und unbedachte Wanderer die Auf- und Abstiege mehr stolpernd und rutschend bewältigen und dabei mehr als eine Steinlawine loslösen. Dabei aber natürlich immer stilecht in die neueste Ausrüstung aus dem Outdoor-Katalog gekleidet.)
Unserem Verständnis von Wandern entspricht das jedoch nicht.
Wie auch immer. Irgendwann kam dann auch die Memminger Hütte in Sicht.
Und zum Abschluß unseres heutigen Tages gaben dann auch noch ein paar Murmeltiere ihr Stelldichein.
Die Memminger Hütte war sogar noch überfüllter als die Kemptener Hütte tags zuvor. Das lag einerseits an der geringeren Kapazität (ca. 150 statt 300 Personen), andererseits aber auch am Wetter, das über Tag erneut angezogen hatte. Da die Nachttemperaturen unter den Gefrierpunkt fallen sollten (und es dann auch schließlich taten) beschlossen wir trotzdem unser Glück in der Hütte zu wagen. Zumal uns der Duft aus der Küche und die Aussicht auf ein leckeres Radler mehr als nur lockte.
Die Nacht, die wir getrennt verbracht hatten (Rike auf einer Sanitätstrage, die ihr als Bett zur Verfügung gestellt wurde und ich auf 2 Matratzen, die ich mit 4 weiteren Männern teilen durfte) ging dann auch recht schnell rum. Noch vor dem ersten Sonnenstrahl ließen wir die Hütte hinter uns und machten uns auf den weiteren Aufstieg. Hatte doch der Wetterbericht für heute gutes Wetter angekündigt. Und das galt es auszunutzen.
Außer einer Hand voll anderer Frühaufsteher waren lediglich schon die Steinböcke auf ihren Beinen.
Langsam stieg auch die Sonne immer höher. Und als wir schließlich die Seescharte überschritten war die vor uns liegende Alpenlandschaft in warmen Sonnenschein getaucht.
Zeit unser Frühstück nachzuholen. Also schnell den Caldera Keg angefeuert, den wir zu Testzwecken freundlicherweise vom Trekking-Lite-Store zur Verfügung gestellt bekommen hatten.
Vorbei an einsamen Alpenblümchen
stiegen wir rasch ab
und ließen schon bald die Wanderermassen hinter uns.
Und so erreichten wir auch schon gegen Mittag Zams, das für gewöhnlich das Etappenziel für diesen Abschnitt des E5 darstellt. Zwar waren wir nicht ganz so leicht bepackt wie Carsten, der den E5 lediglich mit einer Umhängetasche gelaufen war, aber auch wir waren leicht genug unterwegs um auch noch den nächsten Etappenabschnitt anzugehen und um damit den Bergschulen endgültig einen Schritt voraus zu sein. So führte uns unser Weg schließlich noch bis zur Galflunalm, wo wir uns über eine heiße Dusche und nicht zuletzt über großartige Käsespätzle und selbst gebackenen Kuchen freuen konnten.
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