Sonntag, 12. September 2010

Der Lauf der Zeit


Viele werden das Reisen in der freien Natur wohl auch gerade deswegen schätzen, weil man dem Stress und dem Zeitdruck des heutigen Alltags entfliehen kann. Wer genießt es nicht ganz seinen eigenen Rhythmus zu leben, allenfalls bestimmt vom Auf- und Untergang der Sonne und dem Wechselspiel des Wetters. Niemand der einem vorschreibt, wann man aus dem Bett muss, bis wann welche Arbeit erledigt sein muss und wann man seine Pausen einschieben darf.
Aber auch im Outdoorbereich gibt es mehr als nur einen guten Grund eine Uhr mit sich zu führen. Und sei es nur um einen daran zu erinnern, wann man seinen Flieger oder Zug erwischen muss, der einen wieder zurück in die Heimat bringt.
Wirft man einen Blick in einen der mittlerweile zahlreichen Outdoorkataloge wird man vom Angebot der sogenannten Multifunktionsuhren schlicht überwältigt. Neben Höhenmesser, Barometer, Kompass, GPS, Logbuch etc. findet sich zum Glück immer noch die Möglichkeit auch einfach nur die Uhrzeit abzulesen (obwohl man auch hier oft zwischen verschiedenen Zeitzonen hin und her wechseln kann). In sofern gleichen die heutigen als outdoortauglich betitelten Uhren fast schon mehr einem Schweitzer Messer.

Doch wie viel Funktion braucht man wirklich?
Das hängt natürlich in erster Linie davon ab, was man vorhat und wozu die Uhr einem dienen soll.

Grundsätzlich sollte eine Uhr die aktuelle Uhrzeit anzeigen. Das klingt auf den ersten Blick etwas sehr simpel, wer aber schonmal eine Uhr besaß, die ständig nach ging oder gar stehen blieb, weiß wovon ich rede. Eine korrekte Zeitmessung kann draußen für vieles hilfreich sein. Neben dem sog. dead reckoning zur Bestimmung einer zurück gelegten Strecke kann sie einen auch an die verbleibende Zeit bis zur Dämmerung erinnern und damit einer Wanderung und Lagerplatzsuche in der Nacht vorbeugen. Das sollen aber nur ein paar kurze Beispiele sein, die verdeutlichen dass auch schon eine einfachste Uhr mehr vermag als einem nur die Uhrzeit zu zeigen.

Wer sich oft im Gebirge aufhält, wird mit Sicherheit einen Höhenmesser bzw. ein Barometer zu schätzen wissen. So ein Instrument ist in einer Gegend in der Höhenmeter mehr zählen wie die auf einer Karte zurückgelegte Strecke wichtiger für die Orientierung wie ein Kompass. Zudem lassen sich mit seiner Hilfe auch leichter Wetteränderungen voraussehen und man kann rechtzeitig entsprechend reagieren.

Gerade wenn man aufs Gewicht achtet und keine navigatorischen Höchstleistungen vollbringen muss ersetzt ein in die Uhr integrierter Kompass ein zusätzliches Gerät. Auch wenn es hier qualitativ große Unterschiede gibt können sie doch in der Regel zumindest recht zuverlässig Nord von Süd unterscheiden und einem damit die meist ausreichend Genaue Richtung angeben.

Wer es dann noch etwas genauer mit seiner Position nimmt kann sich mittlerweile sogar über in Uhren integrierte GPS-Empfänger freuen. Allerdings muss ich der Euphorie hier gleich mal einen Riegel vorschieben. Ein GPS-Empfänger ist in der Regel ein richtiger Stromfresser und die Akkus die in solchen Uhren verbaut sind haben für einen solchen Einsatz nur eine geringe Kapazität. Für das ständige Aufzeichnen einer Joggingrunde reicht es dann zwar doch. Wer aber versucht schon seinen Tagesausflug komplett aufzeichnen zu lassen stößt schnell an die Grenzen. In der Regel lassen sich bei einer Wochenendtour einige wenige Messungen zwischendurch aber durchaus verkraften.
Neben der Akkuleistung ist auch die Empfangsleistung nicht mit ausgewachsenen Geräten zu vergleichen. Und wer denkt, mit einer solchen Uhr mal zwischendurch ein paar Geocaches zu suchen wird in der Regel bitter enttäuscht. Dafür ist die Positionsbestimmung zur Zeit noch zu träge, nicht exakt genug und auch nicht so störunanfällig wie bei Geräten mit größerer Antenne.
Nicht desto trotz kann so ein Empfänger als backup einem schonmal in der entsprechenden Situation den richtigen Weg zeigen.

Und was für eine Uhr trag ich selber?

Ein Klassiker unter den Funktionsuhren und nicht nur einer meiner Lieblinge sondern auch der treue Begleiter vieler anderer Outdoorenthusiasten ist die Vector von Suunto (55 Gramm).

Meine begleitet mich nun seit über 10 Jahren. Neben der Uhrzeit verfügt sie über ein recht zuverlässiges Barometer/ Höhenmesser, und einen Kompass. Einige wundern sich über diese komische Blase auf dem Display der Uhr. Dies ist eine Libelle wie bei einer Wasserwaage und dient dazu den Kompass in der Waage zu halten.
Die Uhr ist nicht nur für ihre Größe und Ausstattung angenehm leicht, sondern vor allem zuverlässig und auch bei schlechten Bedingungen gut ablesbar. Das sich diese Uhr so bewährt hat merkt man auch schon an der Tatsache, dass dieses Modell seit Jahren  nahezu unverändert in der Produktpalette von Suunto zu finden ist.

Neben der Vector besitze ich noch eine X6HR M von Suunto (100 Gramm) die neben den Funktionen der Vector noch mit einem Herzfrequenzmesser aufwarten kann, der mittels eines separaten Brustgurtes den Puls an die Uhr überträgt.

Das edle Metallgehäuse verschafft ihr zwar ein wertigeres Aussehen, dafür aber auch deutlich mehr Gewicht. Für Touren greife ich daher gerne auf die Vector zurück. Einen Pulsgurt hab ich beim Wandern eh nie vermisst.

Ein besonderes Schmuckstück ist die Suunto X9i (77 Gramm).

Grundsätzlich verfügt auch die X9i neben der Uhr und Datumsanzeige über Kompass und Barometer. Neben einem deutlich komfortableren Menü wie bei den beiden anderen Uhren ist der wesentliche Unterschied aber der integrierte GPS-Empfänger. Wie oben aber bereits erwähnt ist dieser kein vollwertiger Ersatz für ein richtiges Gerät. Hilfreich war er aber doch schon ab und zu. Interessant bei dieser Uhr ist die Tatsache, dass man keinen Batteriewechsel vornehmen kann, sondern sie stattdessen per USB aufladen muss. Dies ermöglich (wie auch bei der X6HR M) einen Abgleich der Daten mit dem PC. Auf dem Uhrendisplay kann man an einem Balken den Ladestand der Uhr wie bei einem Handy ablesen, was besonders praktisch ist um eine Übersicht über den Verbrauch im GPS-Modus zu behalten. Ohne GPS-Nutzung hält eine Ladung für knapp 2 Monate. Mit gelegentlichen GPS-Messungen reduziert sich die Laufzeit auf wenige Stunden.

Von Hightech zur Lowtech könnte man meinen wenn ich die letzte Uhr in meiner Sammlung (Hersteller Traser, Modell unbekannt, Gewicht ink. Kompass 52 Gramm) vorstelle.

Auf den ersten Blick handelt es sich um eine (wenn auch robuste) klassische Analoguhr. Praktisch ist dabei die Datumsanzeige, die einem bei längeren Touren schonmal hilft die Wochentage nicht durcheinanderzubringen und Sonntags auf einen geöffneten Laden zu hoffen. Damit man auch im Dunkeln noch die Zeit ablesen kann verfügt dieses Modell über sog. Traser-Elemente. Das sind kleine Glasröhrchen, die innen mit einer fluoreszierenden Masse beschichtet sind und in die eine winzige Menge radioaktives Tritium eingebracht ist. Im Gegensatz zu gewöhnlicher nachleuchtender Farbe hat dies den Vorteil, dass man die Uhr nicht erst mit einer anderen Lichtquelle "anleuchten" muss. Diese Traser-Elemente leuchten einige Jahre auch bei völliger Dunkelheit zuverlässig weiter.
Auch wenn man mittels der Uhrenzeiger und dem Sonnenstand die Himmelsrichtung grob bestimmen kann habe ich die Uhr mit einem einfachen Knopfkompass erweitert. Damit lässt sich schnell und einfach zumindest die grobe Himmelsrichtung bestimmen, was in den allermeisten Fällen und Gegenden vollkommen ausreicht.


Aber welche ist nun mein Favorit?

Wie man sieht hat sich bei mir über die Jahre einiges an solchen Zeitmessern angesammelt. Wenn ich mich aber für eine Uhr entscheiden müsste, viele meine Wahl wohl immer auf die Vector. Sowohl im Alltag als auch auf den meisten meiner Touren greife ich auf diesen Senior in meiner Sammlung zurück. Bisher hat sie mich noch nie im Stich gelassen und mir immer treue Dienste geleistet, weshalb ich ihr diese Jahr nun auch endlich mal ein neues Armband spendiert habe. (Das Ducttape am alten wurde mit der Zeit doch etwas unansehnlich).


Jetzt bleibt nur noch die Frage zu klären:

Wieviel Funktion braucht Eure Uhr?

Kommentare:

  1. Prima Basti!
    Eine alte Suunto X6 (61g)ist seit Jahren meine Begleitung. Leider spinnt sie in letzter Zeit herum. Kann mich aber nicht für eine Neue entscheiden...
    Ich brauche Zeit/Datum - Höhenmesser Barometer - Kompass kann, muss aber nicht. Die Vector ist mir ein bisschen groß. Hmmm, vllt doch wieder die X6...
    Danke für den guten Überblick!

    Gruß, Rio

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  2. Hallo,

    toller Bericht für mich als alter Uhrensammler! Alle Uhren die du vorschlägst hatte ich auch mal im Blickfeld. Letztendlich habe ich mich für die Suunto Core entschieden, denn ich brauche ein Barometer (mit Sturmalarm und Wettertrend), Zeiten für den Sonnenuntergang, Datumsanzeige, Kompass und alternativ ein Höhenmesser. Genial wäre natürlich auch ein integrierter GPS Empfänger, aber wie du schon gesagt hast: der Stromverbrauch ist enorm!

    Gruß
    Jaddar

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