Donnerstag, 14. Oktober 2010

K.I.S.S.

Was sich hinter diesem Kürzel verbirgt, verrät uns Wikipedia:


Keep It Strictly Simple!


Das erste mal bin ich über diese Abkürzung gestolpert als ich mir ein Messer von CRKT zugelegt habe. Das besondere an diesem Messerdesign war seine durchdachte Beschränkung aufs Wesentliche. In diesem Fall konnte sogar auf die Griffschalen verzichtet werden, die sonst im zusammengeklappten Zustand vor der scharfen Klinge schützen. 


Wer jetzt denk, hier käme ein Messerreview, der hat sich "geschnitten".


Die Idee der Vereinfachung, die hinter diesem Messerdesign steckte hat es mir angetan.
Immer wieder stolper ich im Internet und diversen Büchern über das Thema. 
So hat z.B. Ryan Jordan vor kurzem einen lesenswerten Artikel dazu geschrieben. 
Als überzeugter Ultraleichtwanderer strebe ich natürlich auch danach, meine Ausrüstung so einfach und so zweckmäßig wie möglich zu halten.

Aber macht es damit auch das ganze Outdoor-Leben immer gleich einfacher? Gerade wenn man sich länger intensiv mit diesem Hobby  beschäftigt, hat man bald einen unüberschaubaren Ausrüstungsfundus, damit man bei jeder Tour sein Equipment optimal zusammenstellen kann.
Das bedeutet aber auch, vor jeder Tour seine Ausrüstung neu zusammenstellen. Welchen Kocher nehme ich mit? Schlaf ich unterm Tarp oder im Zelt? Brauch ich einen Biwaksack oder ein Mückennetz? 
Wo sind die Zeiten hin, in denen man sich einfach seinen Rucksack geschnappt und das Wochenende spontan draußen verbracht hat?
Mittlerweile nehmen selbst einfachste Touren in der Vorbereitung fast soviel Zeit in Anspruch wie die eigentliche Wanderung.

Und da hört es nicht auf. Auch im Alltag schleicht sich diese Verkomplizierung unbemerkt ein.
Nicht klar was ich meine? Dann werft doch mal einen Blick auf diesen Beitrag und fragt, ob ihr Euch wieder erkennt! 
Hat man sich früher noch per Brief und Telefon ausgetauscht, verbringt man heutzutage Stunden damit, zu gucken was es neues in den unzähligen Foren und Blogs gibt und ob nicht gerade eine neue E-mail eingetroffen ist. Dazu kommen noch Dienste wie Twitter, die einem zusätzlich das Leben erleichtern sollen. Wer dann noch  in dem einen oder anderen "sozialen Netzwerk" mehr oder weniger aktiv ist, kommt gar nicht mehr von dieser modernen, einfachen Welt los. Und die neuen Medien und Informationswege beanspruchen am Ende mehr Zeit als sie einsparen sollen.

Sicherlich hat alles dabei auch seine Vorteile. Nur sollte man überlegen, ob es manchmal nicht besser für einen wäre, die Dinge einfacher zu halten.

Muss man auch unterwegs unbedingt mit IPhone und Co. auf dem Laufenden bleiben? Oder reicht es einmal am Tag seine E-Mails vom Schreibtisch aus zu checken?

Und wie sieht es auf Tour aus?

Braucht man gleich einen aufwändigen (und teuren) Geodäten, wenn ein simples Tarp für die sommerlichen Touren vollkommen reicht?
Muss es gleich der schwere Multifuelkocher sein, wenn man eh nur einen Brennstoff nutzt?
Warum nimmt man überhaupt ein komplettes Topf- und Kochset mit, wenn man eh nur heißes Wasser braucht?
Braucht man unterwegs wirklich ein GPS, wenn man in der Gegend aufgewachsen ist und jeden Busch wie seine Westentasche kennt. 

Muss man jede Tour minutiös durchplanen um das Meiste davon rauszuholen?
Kann man draußen nicht auch mal auf sein mit unzähligen "Outdoor-Apps" überladenes Smartphone verzichten und stattdessen einfach wieder die Natur genießen?
Und muss man draußen überhaupt für jedermann erreichbar sein?


Hendrik hat auf seiner Russlandtour gezwungenermaßen damit Erfahrungen gesammelt:


"Finally, on the subject of being off grid and not having a phone signal. I wanted to send my girlfriend a message every night to let her know that I am OK, and maybe send the occasional tweet. However, in the complete area - even on top of the fjell Pyainur - I had No Service, thus making it impossible to communicate with the outside world. I honestly can say that I didn't miss anything, it was relaxing to follow the daily routine and not worry about emails, news, work, and so on. I just could be, and that's what the outdoors are for." - Hendrik M. www.hikinginfinland.com



Worauf will ich damit hinaus?


Keep it simple!

Ich für meinen Teil hab beschlossen, dass es auch einfacher gehen muss. Sowohl "Outdoors" als auch im Alltag.
Ich will in Zukunft meine Zeit sinnvoller nutzen. Und auch bei meiner Ausrüstung heißt es "back to the roots". Je einfacher und funktionaler die Ausrüstung ist umso mehr Möglichkeiten lässt sie mir, mich tatsächlich draußen zu bewegen. Und umso mehr Freiräume lässt sie mir meine Zeit draußen zu genießen.

Und wie sieht es bei Euch aus?

Kommentare:

  1. Sehr schöner Beitrag, Basti!!!
    Ich bin auch gerade dabei, meine Ausrüstung zu dezimieren. Vielleicht, weil ich auch aus Platzgründen dazu gezwungen bin, in meiner Studentenbude.
    Desweiteren nervt es mich täglich wieder auf´s neue, wenn ich wieder (wie gerade ;-) ) vor dem Klapptop hänge und neue Blogbeiträge durchstöber und zum X-ten mal mein Postfach ansehe.
    Wenn ich auf Tour bin, habe ich mein einfaches Handy bewusst aus. Immer. Kein Internet oder sonstiges. Deswegen ist man doch auf einer Tour, oder?

    Ich könnte noch ewig weiterschreiben, aber will ja nicht einen zweiten Beitrag hier verfassen :-)

    besten Dank, bis hoffentlich bald- ON TOUR!

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  2. Ich kann mich einfach nie richtig entscheiden ob ich das gut oder schlecht finde.

    Einerseits nehme ich mir in regelmäßigen Abständen (vor allem im Urlaub, aber auch im Alltag) vor "kürzer zu treten" auf Informationsflut oder lange Vorbereitungen zu verzichten, mal zufrieden mit dem zu sein was man hat, einfach loszulegen...ging ja "früher" auch. Egal ob das nun Ausrüstung oder die Medienflut betrifft.
    Andererseits lasse ich mich doch zu gern von neuen Infos, Möglichkeiten, Techniken etc. begeistern.
    Vielleicht ist es eine Sucht, aber es macht doch einfach auch immer wieder Spaß und gibt die tollen kurzen Glücksmomente ;-)

    Vielleicht finde ich irgendwann noch ein ausgelichenes Level, dass richtig zufrieden macht.
    Bis dahin muss ich wohl noch dran arbeiten ;-).

    Letztendlich ist "back to the roots" aber wahrscheinlich auch ein ganz individuelles Ziel, denn die Wurzeln liegen bei jedem bestimmt unterschiedlich tief...

    P.S: Nen Messertest hätte ich aber auch nicht schlecht gefunden ;-D

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  3. Hey Knilch,
    von mir aus darfst Du gerne auch mehr schreiben.
    Andererseits hast Du ja eh schon einen großartigen Beitrag (wie ich finde) auf deinem Blog verfasst, der etwa in die selbe Richtung abzielt:

    http://ultraknilch.blogspot.com/2010/06/ein-paar-gedanken.html

    Hey Marcel,
    Das mit der "Sucht" ist so ziemlich genau das was mich selber nachdenklich gestimmt hat. Sicherlich bin ich jedes mal über "neues Spielzeug" begeistert und kann mich dann kaum davon los reißen.
    Aber brauche ich das deswegen auch alles? Hilft es mir tatsächlich mich draußen besser zu fühlen, oder behindert es mich sogar in meinem Naturerlebnis?
    Wenn man sich allein die Mode in den Städten anguckt wäre ein passender Werbespruch der großen Outdoorfirmen mit Sicherheit:
    "Wir verkaufen keine Kleidung. Wir verkaufen Träume!"
    Die Ausrüstung scheint zum Selbstzweck zu verkommen. Wirklich damit raus gehen und sie bis an ihre Grenzen zu nutzen machen dabei eher doch die wenigsten. Aber die Leute können dafür davon träumen "was man alles tolles mit seiner Ausrüstung anstellen könnte".
    Dann macht es doch einfach!
    Packt Euren Rucksack mit dem was Euch grade vor die Nase kommt und geht raus! Vielleicht plant ihr ja auch eine Übernachtung mit ein?
    Nein, "plant" nicht! Macht es einfach!

    So. jetzt aber genug von mir.

    p.s.: Ich kann Dir das Messerchen gerne mal zukommen lassen dann darfst Du wenn Du magst was drüber schreiben... ;-)

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  4. :-)

    Interessant, dass da ein Link zu Leo Babautas
    Blog Mnmlst.com auftaucht. Auch seine Webseite Zenhabits.net ist eine gute Webseite, um sich bezüglich der Dinge, die man zu brauchen scheint mal wieder zu erden.

    Ich versuche auch seit geraumer Zeit das ein oder andere zu vereinfachen, Indoor wie Outdoor.

    Ein guter Start wäre ja einfach mal der für klassische für das Wochenende schon gepackte Rucksack für 3-Jahreszeiten. Kein Rumoptimieren mehr, sondern einfach ein Sack, der "immer" funktioniert. Einfach am WE noch den Daunenschlafsack mit reingeschmissen und los gehts.

    Ausrüstung ist ja schließlich Mittel zum Zweck und nicht umgekehrt.

    Jedenfalls wollen Katrin und ich jetzt so einen Rucksack in die Ecke stellen, der alles für ein Wochenende oder nen simplen Overnighter umfaßt und dabei noch UL-Komfort bietet, also nicht SUL oder so ist.

    Spannendes Thema und ich hoffe auch noch mehr interessante Meinungen und Kommentare von anderen Bloggern.

    CU

    Carsten

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  5. Dazu fällt mir noch der Werbeslogan der Firma Interlübke (Möbelhersteller) ein: "Perfekt ist, wo man nichts mehr weglassen kann". Ich finde, dass trift es auch sehr gut.

    Ich gebe dir vollkommen recht, was Handy, Technik und soziale Netzwerke angeht.Das können schon ziemliche Zeitfresser sein. Das Handy sollte man unterwegs einfach aus machen und die NAtur genießen.

    Und immer finde ich die Erleichterung durch technik auch nicht gut. Ich nehme z.B. auf Tour immer noch lieber eine Karte und einen Kompass mit, als ein GPS-Gerät. Auf Tour gehört es für mich einfach dazu, dass man nicht immer genau weiß, wo es lang geht. Es kommt ja nicht darauf an, möglichst schnell am Ziel zu sein, sondern, der Weg ist das Ziel.

    Allerdings macht mir die Planung und Vorbereitung einer Tour auch immer sehr viel Spaß. Das gehört für mich dazu.

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