Donnerstag, 26. August 2010

Wie Hannibal über die Alpen (unsere Ausrüstung)

Nachdem ich Eure Geduld mit einem dreiteiligen Bericht unserer diesjährigen Sommertour hoffentlich nicht allzu sehr strapaziert habe will ich Euch zum Abschluss noch einen Einblick in unsere Ausrüstung geben.

Die Tour ist ja leider nicht wie geplant verlaufen und somit hätten wir wohl vieles anders gemacht, wenn wir uns die tatsächlich gelaufene Route schon vorher so zurecht gelegt hätten.

Der E5 ist grundsätzlich als Hüttentour ausgelegt und die Mitnahme eines Zeltes damit schlichtweg überflüssig. Allenfalls ein Biwaksack als notwendiges Backup in den Bergen währe angemessen.
Für die Hütten reicht dann in der Regel auch ein einfacher Hüttenschlafsack bzw. Schlafsackinlett. Das sollte man (wenn man mit Hüttenübernachtungen rechnet) auch möglichst dabei haben, erhält man in den Alpenhütten in der Regel nur eine Matratze und eine normale Wolldecke.
Muss man damit rechnen keinen regulären Schlafplatz mehr zu bekommen (Hauptsaison!) bietet es sich an zusätzlich einen leichten Schlafsack oder Quilt sowie eine Isomatte mitzunehmen. Dann kann man zur Not auch in der Gaststube der Hütten bequem schlafen.


Auch wenn es nicht gleich eine Umhängetasche sein muss, tut man doch gut daran, einen kleinen und leichten Rucksack zu wählen. Währen Rike und ich von vorne herein den E5 als Hüttentour angegangen, hätte uns wohl ein huckePack für beide gereicht.


Da man auf den Hütten auch immer günstig und reichhaltig verköstigt wird währe auch ein Kocher und zusätzliche Verpflegung überflüssig. Zudem kommt man oft genug durch kleine Dörfer wo man sich zusätzlich mit Knabberkram und Müsliriegeln eindecken kann.

Soviel zu dem "was währe wenn". Tatsächlich hatten wir nun ja aber doch ein paar Gramm mehr mit. Und neben der Tour in den Alpen hat es uns anschließend noch in die Dolomiten verschlagen. Was ist also mit den Sachen, die wir dabei hatten?

Da währen zuerst mal unsere Rucksäcke


Während ich auf mein Vorserienmodell eines Laufbursche huckePacks aus X-Pac setzte, durfte Rike sich über einen nagelneuen, auf Maß geschneiderten huckePack aus lindgrünem SilNylon freuen. Dafür nochmal herrzlichen Dank nach Köln. Wie nicht anders zu erwarten haben beide Packs die Tour klaglos und ohne Mängel überstanden.
Die Rucksäcke trugen sich während der Tour sehr bequem und das trotz gesamter Ausrüstung inkl. Vollverpflegung für eine Woche (3500 Gramm) und zwei Litern Wasser.
Auch der einfache Zugang zu den Seitentaschen für Wasser, Riegel, Fotoapparat etc. war mehr als praktisch. Das ist ein UL-Rucksack wie er sein sollte und für die meisten Touren wohl unsere erste Wahl.
Wird Zeit, dass der Laufbursche in den offiziellen Verkauf geht! (Das war ein Wink mit dem Zaun.)

Als Behausung hatten wir auf das GoLite ShangriLa 2 gesetzt.


Dies hatte mehrere Gründe. Zum einen wollten wir für die Berge eine etwas geschlossenere und geschütztere Behausung haben wie ein offenes Tarp (obwohl dieses leichter gewesen währe). Aber vor allem haben wir das ShangriLa schon etwas länger in unserem Fundus, ist aber bisher nie richtig zum Einsatz gekommen.
Für die Berge haben wir lediglich das ShangriLa ohne den optionalen Mückenschutz mitgenommen. Als Boden haben wir in den Bergen auf eine Plane aus Tyvek gesetzt.

Der Aufbau des ShangriLa 2 geht erstaunlich schnell und einfach. In alle vier Ecken einen Hering. Mit Trekkingstöcke das Ganze aufrichten, an den Seiten mit je einem weiteren Hering abspannen und die Abspannpunkte kurz nachziehen. Fertig.

Das Shelter ist für zwei Personen aufgrund seiner Höhe und Länge sehr geräumig und macht auch durch seine eher klassische Zeltform einfach nur Spaß ist aber über dies ein sehr wetterfestes und erstaunlich windstabilen Zelt.
Auch die Möglichkeit das ShangriLa zur besseren Belüftung in der Höhe zu variieren und damit den Spalt zum Boden hin zu vergrößern ist großartig. Kann man damit doch der Kondeswasserbildung der Einwandkonstruktion entgegenwirken. Zumal diese Verstellung auch von Innen heraus möglich ist und man so den Schutz seines Zeltes nicht verlassen muss.
Für ein solch geräumiges Zelt ist auch das Packmaß sehr handlich gelungen und es ist kaum größer wie die meisten Tarps.
Während unserer späteren Tour haben wir dann auch auf den regulären Boden zurückgegriffen, der aber wohl dringend einer Überarbeitung bedarf. Die Möglichkeit diesen in das ShangriLa einzuhängen ist mehr als Mangelhaft und der eigentlich seitlich hochgezogene Boden liegt in der Regel immer flach auf. Ob es da eine Verbesserung beim 2010er Modell gegeben hat kann ich leider nicht sagen.

Als Schlafsack
hatten wir in den Hütten aus hygienischen Gründen normale Seiden Inletts dabei. Diese kann ich auch jedem Hüttenwanderer nur wärmstens empfehlen. Zumal sie recht leicht (je nach Größe etwa 100 Gramm), hautfreundlich und bei sommerlichen Temperaturen auch als leichter Schlafsack dienen können. Ansonsten aber hat uns diesmal unser frisch gebackener Daunenquilt begleitet. Über diesen werde ich zwar noch einen eigenen kurzen Bericht schreiben (Versprochen!) aber ich will schonmal soviel verraten: Er ist kuschelig warm. Groß genug für zwei. Klein verpackbar und vor allem leicht! Für uns nie mehr was anderes!

Nach den "großen Drei" gibt es noch ein paar andere Dinge über die ich ein paar Worte verlieren möchte.

Zum einen währen da unsere Schirme
die uns erneut da trocken gehalten haben, wo GoreTex kapituliert hätte. Viel will ich dazu jetzt nicht mehr sagen, sollte doch jeder Leser dieses Blogs doch mittlerweile meine Einstellung zu Schirmen kennen. Ich kann nur jedem wärmstens empfehlen selber mal einen Schirm auf Tour auszuprobieren. Die seltsamen Blicke der übrigen Wanderer verschwinden spätestens dann, wenn man als einziger am Abend in trockenen Sachen da steht, ohne vom Regen gebeutelt worden zu sein oder in seiner Regenmontur im eigenen Schweiß gestanden zu haben.

Bei der Bekleidung
muss ich mich bei Henrik vom Trekking-Lite-Store bedanken, der mir nicht nur in dieser Hinsicht geholfen hat, sondern auch beim Zusammenstellen einiger anderer Teile unserer Ausrüstung für unsere Tour.
Zum Testen hatte ich auf ein Montane Bionic T-Shirt aus Spoortwool zurückgegriffen. Dabei handelt es sich um ein Mischgewebe aus Kunstfaser und Merinowolle, das die Vorteile beider Stoffe kombinieren soll. Oft sind solche Kombinationen ja mehr oder weniger immer ein Kompromiss an die Funktionsfähigkeit der einzelnen Komponenten.
Den Eindruck konnte ich bei dem Montane-Shirt aber nicht gewinnen.
Das Montane Shirt hab ich fast durchgängig getragen. Nicht nur, dass es sich trotzdem strickt geweigert hat zu riechen, es hat vor allem unglaublich gut klimatisiert. Selbst im stärksten Regen hab ich oft nicht mehr als das Shirt (oft in Kombination mit dem Schirm) getragen und obwohl es dadurch meist durch und durch nass war hielt es mich warm. Bei Pausen konnte es dann wiederum auch so schnell trocknen, dass mir der Gedanke "etwas Trockenes" anzuziehen schlichtweg gar nicht kam. Auch zum Schlafen hab ich das Shirt gleich anbehalten.
Rein von der Funktionalität her bisher das beste Material das ich als Baselayer kennen gelernt habe. Und das obwohl ich sowohl schon verschiedene Merinostücke als auch diverse Kunstfasern ausprobiert habe. Allerdings fühlt sich das Material beim erstem mal Tragen nicht ganz so glatt/ geschmeidig an wie viele andere Hemden, was wohl dem hohen Wollanteil zuzurechnen ist. Auch die Waffelstruktur auf der Außenseite ist nicht ganz so unempfindlich wie bei anderen Hemden. Sich z.B. mit dem Shirt auf eine grobe Holzbank legen sollte man überlegen, da die feinen Fasern gerne an dem rauen Holz hängen bleiben und man sich so Fäden ziehen kann. Wenn man das aber beachtet hat man ein unvergleichlich gutes und komfortables Ausrüstungsteil.


Als kurze Hose durfte ich die GoLite Mesa Trail 7" Run Short testen
Die GoLite Shorts hat sich auf der Tour als mein wirklicher Favourit herausgestellt. Selbst im stärksten Regen schien die Hose trocken zu bleiben, was meine Frau recht unzufrieden feststellte, da ihre Hose durch das Wasser regelrecht an der Haut klebte. Dementsprechend schnell war es auch fast nie nötig sie zum Trocknen aufzuhängen.
(Nur am Ende vom Urlaub wo ich sie als Badehose genutzt habe waren ein paar Minuten in der Sonne nötig um das breite Bündchen zu trocknen.)
Bei trockenen Wetter war die Hose wiederum angenehm luftig. Als Ergänzung zu der Shorts hat mir dann auch eine Berghaus PacLite Regenhose gereicht, auf die ich aber nur sehr selten (bei niedrigen Temperaturen) zurückgegriffen hatte. Auch der sonstige Tragekomfort hat diese Shorts zu einem meiner Lieblingsteile werden lassen. Und bei all dem ist die Hose noch lang genug und "normal" genug geschnitten, dass man sie auch ohne Probleme in der Stadt anziehen kann.


Ergänzend zu der Oberbekleidung
haben wir auch unsere Montane Featherlight Smocks erneut schätzen gelernt. Zwar gibt es mittlerweile leichtere Windhemden auf dem Markt. Die Montanes sind jedoch nach wie vor robust, federleicht und in allen Wetterlagen mehr als zuverlässig. In Kombination mit einem Schirm kaum noch zu toppen.


Als Schuhwerk für diese Tour
hatten wir uns für terrocs von INOV8 entschieden.




Leider war mein Modell mit Goretex ausgestattet. Das scheint zwar auf den ersten Blick bei Regen das Vernünftigste zu sein stellt sich aber bei genauerer Betrachtung als Problem heraus. Einerseits hält so eine Membrane bei einem Schuh nicht so lange wie gewünscht und zweitens gelangt bei flachen Schuhen das meiste Wasser in der Regel von oben rein. Durch die Membrane hat das erstmal eingedrungene Wasser keine Möglichkeit mehr rauszulaufen. Auch das Futter erschwert eine schnelle Trocknung.
Wie auch immer. Die terrocs hatten sich für diese Tour als die idealen Schuhe herausgestellt. Selbst auf dem nassen Fels boten sie uns immer erstaunlichen Halt und waren trotz Dauerregen und Bachdurchquerungen immer recht schnell trocken (was man von den schweren Stiefeln anderer Wanderer nicht behaupten konnte).
Dank Ultraleichtausrüstung war es für uns auch bei schwierigem Gelände kein Problem uns ganz auf Halbschuhe ohne Knöchelschutz zu verlassen. Und es war das erste mal, das keiner von uns beiden weder mit Blasen noch mit schmerzendem Fußgelenk unterwegs war.
In Kombination mit den Schuhen haben wir auf dünne Merinosocken von Smartwool gesetzt. Auch hier waren wir vollends zufrieden.


Bei unserer Kochausstattung waren wir diesmal etwas experimentell.
Da wir für diese Tour das erste mal komplett auf Freezerbag-Food setzen wollten, reichte es uns Wasser zum Kochen zu bringen. Ein richtiger Topf war damit nicht notwendig. Gegessen wurde auch direkt aus dem Beutel.
Als Kocher wurde uns dann freundlicherweise mit einem Caldera Keg vom Trekking-Lite-Store ausgeholfen, den wir in der Höhe auf Herz und Nieren testen durften.


Der Caldera Keg funktioniert wie erwartet einwandfrei. Im Vergleich zu manchen anderen Spiritusbrennern erscheint er zwar subjektiv aufgrund des verwendeten Brenners nicht als der schnellste (der Brenner arbeitet drucklos), ist dafür aber mit Sicherheit einer der sparsamsten, was bei der Länge unserer Tour zu unerwartet hohen Einsparungen an Spiritus geführt hat. Und das trotz der Höhe in der wir teilweise gekocht haben und dem Tee, den wir ebenfalls im Keg zubereitet haben (wer sagt eigentlich, eine Bierdose sei nur zum Wasser erhitzen gut?).
Der Brenner läßt sich aber auch z.B. durch einen MYOG-Dosenkocher für eine etwas kürzere Kochzeit austauschen. Wobei der Spiritusverbrauch dann vermutlich aber in die Höhe steigen wird. So ist das System sehr gut auf die einzelnen Komponenten abgestimmt.
Vor allem die schmale aber stabile Standfläche für den Einsatz in den Bergen und das praktische Packmaß sind aber echt überzeugend. Auch die Größe der als Topf verwendeten Dose reicht zur Zubereitung von zwei Freezerbag-Mahlzeiten aus. Dank des Gummischutzes am Rand der Dose konnte man auch Tee direkt bequem aus diesem Töpchen trinken.


Für längere Touren werden wir jedoch wieder auf ein anderes System zurückgreifen. Nicht etwa weil uns der Caldera Keg nicht zugesagt hat. Bei kürzeren Touren werden wir ihn wohl auch weiterhin nutzen.
Wir haben lediglich festgestellt, daß für uns eine 100% Freezerbag-Verpflegung einfach nicht das Wahre ist. Einerseits futtern wir auch gerne mal unterwegs ein paar leckere Sachen (z.B. in den Hütten) andererseits wollen wir uns nicht schon vor einer Tour festlegen, was wir in zwei Wochen essen werden. Dafür sind wir diesbezüglich zu spontan. In Zukunft werden wir wohl halbe-halbe machen. Selbstzubereitetes Freezerbagfood als günstige, leichte und schnelle Verpflegung für unterwegs, ergänzt mit frischen Sachen, die vor Ort erworben werden. Das bedeutet dann aber auch wiederum ein etwas schwereres Kochset (mit einem richtigen Topf) zum Zubereiten der frischen Zutaten.
Ich denke aber, dass sich das Gewicht trotzdem relativiert, da wir so ja auch nicht mehr für die gesamte Tour Verpflegung mitschleppen.


Bliebe zuletzt noch der StickPic.
Wer kennt nicht diese komischen Bilder die jemand von sich selber entweder mit Selbstauslöser oder mit dem ausgestreckten Arm von sich selber geschossen hat und wo dann nur die Hälfte des Kopfes zu sehen ist? Mit dem StickPic kann man das geschickt umgehen. Man schraubt dieses kleine Helferlein einfach an das Stativgewinde seinen Fotoapparates (kann dort auch ohne zu stören bei normalen Fotos verbleiben) und steckt das Ganze anschließend auf die Spitze seines Trekkingstocks.
Der Stock sorgt dann bei Selbstportraits für den nötigen Abstand zum Motiv. Somit gelingen Bilder bei denen neben dem Fotographen auch noch der Hintergrund zur Geltung kommt. Und das beste daran: Der StickPic ist gerade mal so groß wie eine Walnuss und mit 11 Gramm auch kaum schwerer. Auch Anhänger der UL-Philosophie können es so verschmerzen ihn in ihrem Gepäck mitzuführen. Wie Knilch und Rio beweisen.


Eigentlich ist der SticPic in erster Linie für den Solo-Wanderer entwickelt worden. Aber auch zu zweit hat man nun endlich eine einfache und funktionierende Möglichkeit sich auf seinen Urlaubsbildern als Paar festzuhalten.


Und neben den eher traditionellen Selbstportraits ermöglicht dieses kleine Teil auch mal eine andere Perspektive auf manche Dinge zu werfen... ;-)








Wie Hannibal über die Alpen (Teil 2)

Teil 1 unseres Tourenberichts findet ihr hier.
Und hier kommt die Fortsetzung:

Doch am nächsten Tag sah die Welt nicht mehr ganz so rosig aus. Zum ersten mal während unserer Tour holten wir die komplette Regenmontur raus.

Der weitere Weg ins Tal führte dann auf einer breiten Forststraße lang, was uns akrobatische Einlagen um diverse Schlammlöcher herum und über rutschige Steine ersparte.

Hätte uns der Wetterbericht nicht schon vorgewarnt, hätten wir vermutlich statt dem Abstieg nach Wenns den Weg über Piller und anschließend über den Kaunergrad gewählt. So aber suchten wir uns rechtzeitig im Tal eine wetterfeste Unterkunft die uns vor der angekündigten Wetterfront schützen sollte. Dies würde zwar leider dazu führen, daß wir den herausgearbeiteten Vorsprung vor den Wandermassen einbüßen würden, jedoch hatten wir auch keine Lust während eines Unwetters irgendwo im Gebirge festzuhängen. Wie sich herausstellen sollte eine mehr als kluge Entscheidung.

Wir befanden uns auf 1800m und über nacht fiel Schnee.

Selbst die Einheimischen waren ob der Menge überrascht und kein Wetterbericht hatte mit so einem Wetterumschwung gerechnet. Auf den vor uns liegenden Berghütten war der Strom ausgefallen und Wanderer wurden wieder zurückgeschickt. Der vor uns liegende Pass, das Pitztaler Jöchl war vorerst gesperrt. Eine Wetterbesserung und damit eine mögliche Begehung des knapp 3000m hohen Passes war nicht vor drei Tagen zu erwarten.
Was also tun? Warten? Eine andere Route wählen? Den Bus nehmen und einfach auf die andere Seite fahren?
Drei Tage zu warten ohne das jemand eine Gewähr dafür übernehmen konnte dass der Pass dann auch wirklich begehbar sei kam für uns nicht in Frage.
Eine wirkliche Alternativroute gab es auch nicht, fehlte uns doch die technische Ausrüstung wie Grödel, Pickel und Klettergurt. Zumal auch die anderen Pässe vom Schnee zugedeckt waren.
Den Bus nehmen um dann erneut vor dem nächsten Pass zu stehen und nicht rüber zu kommen schied für uns auch aus. Immerhin wollten wir die Strecke ja zu Fuß bewältigen und nicht per Ticket.

Nachdem wir uns lange Zeit den Kopf zerbrochen hatten Karten und den Wetterbericht studiert und jede Möglichkeit durchgespielt hatten blieb für uns nur eine Konsequenz.
Wir mussten unsere Alpenüberquerung hier an dieser Stelle abbrechen.

Unsere ursprüngliche Route hatten wir ja schon von Beginn an aufgeben müssen. Das schwierige Wetter hatte es auch nur zugelassen auf dem stärker frequentierten E5 zu bleiben, da hier zumindest die Wege leichter gangbar und besser ausgeschildert waren. Die Menschenlawine, die sich aber hier entlang schob zwang uns aber einen eigenen Rythmus auf, der nicht unserem Wandergefühl entsprach und uns beständig "zur Flucht" vor den Massen animierte.
(Allein um mal ungestört im Gebüsch zu verschwinden war zuerst immer ein halbstündiger Sprint vonnöten um einen entsprechenden Abstand zu gewinnen. Das macht doch keinen Spaß mehr...)
Mal ganz zu schweigen von den Steinschlägen oder anderen Unachtsamkeiten dieser Wandergesellen.

Vor Regen zu kapitulieren ist normalerweise nicht unsere Art. Auch vier Wochen anhaltender Dauerregen in Norwegen hatte uns damals nicht davon abhalten können, das Nordkap zu besuchen. Aber in den Bergen ist das halt was anderes. Zumal wir uns auch eher auf eine ruhige Bergwelt gefreut hatten und die Menschenmassen uns dort regelrecht verschreckt hatten.

So schnürten wir zum letzten mal in den Alpen unsere Rucksäcke und fuhren mit Bus und Bahn zurück nach Oberstdorf.
Dass wir nicht die einzigen waren, denen das anhaltende schlechte Wetter arg zugesetzt hatte sahen wir bei einem Zwischenstopp in Bregenz.



Doch unseren Urlaub wollten wir an dieser Stelle noch nicht abbrechen. Zum Glück hatten wir in unserem Auto neben einigem anderen Zeug auch noch eine ganze Tasche mit Reiseführern und Kartenmaterial eingepackt. Ein Anruf beim Laufburschen, der für uns freundlicherweise den Wetterfrosch spielte und ein wenig blättern in unseren eigenen Unterlagen und unser Plan stand fest. Wir fuhren weiter Richtung Dolomiten...


Wie Hannibal über die Alpen (Teil 1)

So, oder zumindest so ähnlich (halt nur vieeel leichter) sollte unsere diesjährige Sommertour aussehen.
Nach langer Planungs- und Vorbereitungszeit stand unsere Route schließlich fest. Das Kartenmaterial war besorgt. Die Ausrüstung zusammengestellt. Das Essen als Freezerbagfood vorbereitet. Und zu guter letzt ist am Vorabend unserer Abreise auch noch unser neuer Daunen-Quilt fertig geworden.
Einer erfolgreichen Tour stand somit also nichts mehr im Wege. Oder etwa doch?

Wie jeder mit ein bisschen Outdoorerfahrung weiß lässt sich fast alles planen, bis auf das Wetter.
Und wer schon mal in den Bergen unterwegs war weiß, dass eine dort geplante Tour wie nirgend sonst vom Wetter abhängig ist. Das Wetter sollte dann schlussendlich auch zum Abbruch unserer Tour führen.

Wie es aber überhaupt erst soweit kam und wie wir dann schließlich doch noch die Berge unsicher machten, davon will ich im Folgenden berichten.

Wie schon gesagt. Unsere Sachen waren gepackt und im Auto verstaut. Wie sich später zeigen sollte war es in mehrerer Hinsicht eine gute Idee gewesen, das Auto zur Anreise zu nutzen. Aber eins nach dem Anderen.
Der Startpunkt unserer ursprünglich geplanten Route sollte in Bregenz liegen. Von dort wollten wir uns parallel zum bekannten E5 durch die Bergwelt Richtung Bozen bewegen. Auf unserer Fahrt Richtung Süden verkündete der Wetterbericht jedoch eine Unwetterwarnung für das Gebiet Bodensee. Als wir schließlich die ersten Ausläufer dieses Unwetters am eigenen Leib erfahren durften (bei denen unser Auto recht unsanft hin und her geschoben wurde) beschlossen wir kurzerhand den Startpunkt nach Oberstdorf zu verlegen, das wir ursprünglich umwandern wollten. Dies brachte uns zwar auf den populären und gut besuchten E5, jedoch konnten wir somit auch das Gewitter umgehen. In Oberstdorf also schnell einen Parkplatz gesucht, Rucksäcke geschultert und los ging es.


Am frühen Nachmittag begannen wir unseren Aufstieg Richtung Kemptener Hütte. Zwar sahen wir unterwegs auch noch einige andere Wanderer, jedoch war der Hauptschwall der E5 Begeisterten zu unserem Glück schon deutlich früher aufgebrochen.
Nach einem etwas verspäteten Mittagessen auf der Spielmannsau ließen wir den anfänglich noch asphaltierten Weg bald hinter uns und wanderten im dicht bewachsenen Hang stetig bergauf.

Wie wir bald merkten, hatten wir das Unwetter doch nicht gänzlich hinter uns gelassen und schon bald wurden wir genötigt zu unseren Schirmen zu greifen.

So ausstaffiert arbeiteten wir uns weiter bergan wobei der Regen stetig zunahm. Lediglich die Molche, die unseren Weg kreuzten, blieben davon annähernd unbeeindruckt.

Wir hingegen waren schon bald gezwungen die kleinen Rinnsale, die sonst idyllisch die Felswand runter plätschern, sich nun aber zu waren Sturzbächen entwickelt hatten zu kreuzen, während uns die Wolken um uns herum die Sicht nahmen.

Schließlich riß für einen kurzen Moment vor uns die Wolkendecke auf und wir erblickten die Kemptener Hütte. Zwar hatten wir auch unser Zelt im Gepäck, aber angesichts den Verlockungen eines warmen und trockenen! Bettes beschlossen wir auf den Komfort der Hütte zurückzugreifen.

Dort bekamen wir auch zum ersten mal einen Eindruck davon, was uns die nächsten Tage erwarten würde. Die Hütte war von Wanderern überlaufen. Neben mehreren Bergschulen, bzw. geführten Wandergruppen war die Gaststube bis oben hin mit Bergbegeisterten aller Art angefüllt. Was das für unseren weiteren Weg bedeuten würde, konnten wir uns hier jedoch noch nicht gänzlich ausmalen.

Nach einer mehr oder weniger geruhsamen Nacht im Bettenlager brachen wir am nächsten Morgen früh auf, um den großen Massen zu entgehen. Nicht lange und wir passierten die deutsch-österreichische Grenze.

Das Wetter hatte sich über nacht nicht wirklich gebessert und auch der Wetterbericht stellte fürs erste keine Besserung in Aussicht. Aber ausgestattet mit Windhemd und dem treuen Schirm konnte uns auch so ein bisschen Regen die Laune nicht verderben.

Der Abstieg nach Holzgau ging dann auch trotz rutschigem und schlammigem Untergrund recht zügig vonstatten.

Und Dank unserer leichten Ausrüstung erreichten wir das Tal auch weit von den anderen Wanderern, die obwohl sie im Gegensatz zu uns weder Zelt noch Schlafsack noch Kocher noch Verpflegung mit sich führten, trotzdem gut das doppelten an Gewicht auf ihren Rücken durch die Gegend schleppten. So ließen wir uns unterwegs auch ausgiebig Zeit um die Natur zu bewundern und mit unserem SticPic zu "spielen", der uns freundlicherweise vom Trekking-Lite-Store zur Verfügung gestellt worden war.


Im Tal erfuhren wir dann eine andere Unart Eigenart des E5. Während wir den Weg zur Memminger Hütte zu Fuß bewältigten, wurden wir mehrfach auf dem Schotterweg von mehreren Kleinbussen eines Taxiunternehmens zur Seite gezwungen überholt, dass die typischen E5-Wanderer bis kurz unterhalb des Zielpunktes der offiziellen Tagesetappe brachte. Vorbei war es mit unserem schönen Vorsprung. Die Wandererlawine hatte uns wieder eingeholt.
Wie wir später erfuhren, sind die meisten Streckenabschnitte des E5, die zu den Zeiten von Hans Schmidt, dem Gründer des E5, durch die Täler führten mittlerweile asphaltiert bzw. gänzlich dem Pendelverkehr diverser Bus- und Taxiunternehmen gewichen. Ganz im Sinne des modernen Wandertourismus werden nur noch die Sahnestücke, d.h. die eigentlichen Gipfelüberquerungen angegangen. Der Rest wird "erfahren". Und wenn man sich anschaut, wie diese geführten Gruppen zusammengesetzt sind kann man sich ernsthaft fragen, warum diese Bergtouristen für die anderen Abschnitte nicht auch noch Sherpas angemietet haben.

(Warum die Bergrettung so viel zu tun hat versteht man schnell angesichts der Tatsache, wie ungeübte und unbedachte Wanderer die Auf- und Abstiege mehr stolpernd und rutschend bewältigen und dabei mehr als eine Steinlawine loslösen. Dabei aber natürlich immer stilecht in die neueste Ausrüstung aus dem Outdoor-Katalog gekleidet.)


Unserem Verständnis von Wandern entspricht das jedoch nicht.
Wie auch immer. Irgendwann kam dann auch die Memminger Hütte in Sicht.

Und zum Abschluß unseres heutigen Tages gaben dann auch noch ein paar Murmeltiere ihr Stelldichein.


Die Memminger Hütte war sogar noch überfüllter als die Kemptener Hütte tags zuvor. Das lag einerseits an der geringeren Kapazität (ca. 150 statt 300 Personen), andererseits aber auch am Wetter, das über Tag erneut angezogen hatte. Da die Nachttemperaturen unter den Gefrierpunkt fallen sollten (und es dann auch schließlich taten) beschlossen wir trotzdem unser Glück in der Hütte zu wagen. Zumal uns der Duft aus der Küche und die Aussicht auf ein leckeres Radler mehr als nur lockte.

Die Nacht, die wir getrennt verbracht hatten (Rike auf einer Sanitätstrage, die ihr als Bett zur Verfügung gestellt wurde und ich auf 2 Matratzen, die ich mit 4 weiteren Männern teilen durfte) ging dann auch recht schnell rum. Noch vor dem ersten Sonnenstrahl ließen wir die Hütte hinter uns und machten uns auf den weiteren Aufstieg. Hatte doch der Wetterbericht für heute gutes Wetter angekündigt. Und das galt es auszunutzen.


Außer einer Hand voll anderer Frühaufsteher waren lediglich schon die Steinböcke auf ihren Beinen.

Langsam stieg auch die Sonne immer höher. Und als wir schließlich die Seescharte überschritten war die vor uns liegende Alpenlandschaft in warmen Sonnenschein getaucht.

Zeit unser Frühstück nachzuholen. Also schnell den Caldera Keg angefeuert, den wir zu Testzwecken freundlicherweise vom Trekking-Lite-Store zur Verfügung gestellt bekommen hatten.


Mittlerweile sammelten sich an der Scharte schon andere Wanderer um den herrlichen Ausblick zu genießen, was uns wiederum dazu animierte den Abstieg zu beginnen.

Vorbei an einsamen Alpenblümchen


und munter plätschernden Bächen

stiegen wir rasch ab

und ließen schon bald die Wanderermassen hinter uns.



Und so erreichten wir auch schon gegen Mittag Zams, das für gewöhnlich das Etappenziel für diesen Abschnitt des E5 darstellt. Zwar waren wir nicht ganz so leicht bepackt wie Carsten, der den E5 lediglich mit einer Umhängetasche gelaufen war, aber auch wir waren leicht genug unterwegs um auch noch den nächsten Etappenabschnitt anzugehen und um damit den Bergschulen endgültig einen Schritt voraus zu sein. So führte uns unser Weg schließlich noch bis zur Galflunalm, wo wir uns über eine heiße Dusche und nicht zuletzt über großartige Käsespätzle und selbst gebackenen Kuchen freuen konnten.