Dienstag, 8. März 2011

Flucht in die Eifel

Etwas knackte. Nach dem Geräusch zu urteilen muss es eine unserer Wasserflaschen gewesen sein. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass unser Trinkvorrat grade im Begriff war zu Eis zu werden. Ich schob mir meine Kapuze etwas aus dem Gesicht und blinzelte kurz. Im schemenhaften Dunkel der Nacht konnte ich den Raureif erkennen, der das Gras um uns bedeckte...

Doch am besten werfen wir erstmal den Blick ein paar Tage zurück.
Schon seit längerem juckte es uns, unsere Rucksäcke für eine Tour zu packen um dem Trubel des Alltags zu entfliehen. Wie bereits erwähnt schienen uns die anstehenden Karnevalstage dafür genau richtig. Nachdem wir uns schon länger über die Route im klaren waren und nun auch der Wetterbericht grünes Licht gegeben hatte, gab es für uns kein Halten mehr.
Zwar fühlten wir beide uns etwas angeschlagen,  aber durchaus fit und motiviert genug ein paar Tage durch die sonnige Eifel zu ziehen.
Am Abend vor unserer Tour kümmerte ich mich noch um unsere Ausrüstung. Ein früheres Probepacken hatte gezeigt, dass in meinem neuen, besten Freund grundsätzlich genug Platz für unser Zeug vorhanden ist. D.h. neben meinen eigener Ausrüstung (Regenkleidung und co.) passte in mein "kleinkariertes" huckePÄCKchen tatsächlich noch unser Duo-Quilt sowie Tarp, Innenzelt und Zubehör. Die Verpflegung und unsere "Küche" würde dann in Rikes lindgrünem huckePACK ausreichend Platz finden.
Einem inneren Gefühl folgend entschloss ich mich dann aber doch dafür lieber etwas mehr bzw. wärmere Kleidung mitzunehmen. Wie goldrichtig ich damit lag, sollte sich noch zeigen. Leider war dadurch das huckePÄCKchen nun doch volumenmäßig etwas überfordert und ich griff auf meinen alten Freund zurück.
Fertig gepackt harrten unsere beiden huckePACKs auf die Dinge, die da kommen sollten.

Freitags sollte es dann schließlich Richtung Eifel gehen. Doch irgendetwas war merkwürdig, als wir morgens ins Wohnzimmer kamen. Mein huckePACK war erstaunlich nass! Meine mittlerweile viel genutzte Platybus-Flasche hatte sich über die Zeit delaminiert und war nun undicht geworden. Das Wasser, das ich bereits abends eingefüllt hatte hatte zum Glück  dem Rucksackinhalt nicht zugesetzt. Die großen PET-Flaschen, auf die ich nun noch schnell umsatteln musste, weigerten sich aber vehement in den Seitentaschen meines Rucksacks verlustsicher unter zu kommen. (Da es sich bei meinem huckePACK noch um ein Vorserienmodell handelt fehlt die auf einer Seite komplett hochgezogene Außentasche. Für die schrägen Taschen lag der Schwerpunkt der vollen PET-Flaschen zu hoch)

Also noch mal umpacken. Wurde halt mein alter GoLite Breeze reaktiviert!
Ein echt reibungsloser Start...

Gegen 12:30 Uhr schulterten wir schließlich in Nettersheim unser Rucksäcke und brachen auf.
Hier muss ich gleich mal einen großen Dank an Phil Sorrell aussprechen, der nicht nur den kostenlosen Service Socialhiking betreibt, sondern auch einen erstklassigen Support liefert. Hätte er uns nicht rechtzeitig darüber informiert, dass ich offensichtlich meine Einstellungen verstellt hatte, könntet ihr nun nicht unseren Routenverlauf auf der Karte nachvollziehen. Dank Socialhiking konnten wir nämlich den Verlauf unserer Tour live ins Netz stellen.

Vielen Dank auch noch mal an all die vielen Grüße und netten Kommentare die wir so auch unterwegs bekommen haben!
Aber zurück zur Tour...
Auf eher ruhigen Pfaden, die so gar nichts mit den sonst so bekannten und gefürchteten "Wanderautobahnen" gemein hatten spazierten wir bei herrlichstem Sonnenschein Richtung Blankenheimer Wald
Zuerst noch durch eher offenes Gelände, später dann durch idyllischen, lichtdurchfluteten Wald. Beständig im Sonnenschein unterwegs reichte uns nicht nur leichte Oberbekleidung, wir zogen uns auch den ersten Sonnenbrand des Jahres zu!












Als die Sonne sich schließlich mehr und mehr dem Horizont näherte suchten wir uns gegen 17:00 Uhr kurz hinter dem Paulushof einen Platz für die Nacht. Darauf bedacht, morgens schon so früh wie möglich Sonne abzubekommen und nicht in einer Vertiefung zu liegen, in der sich die Kälte sammelt wurden wir auch rasch am Rand einer großzügigen Lichtung fündig.
Auch Feuerholz für unseren Bushbuddy war in mehr als ausreichender Menge in unmittelbarer Nähe vorhanden.

Während ich mich also um unser Nest für die Nacht kümmerte und das alte GoLite Cave 2 aufbaute bereitete Rike uns unser Abendessen zu.
Dank Michael vom Outdoor Food Shop konnten wir einige vegetarische Gerichte testen, mit denen wir uns auch auf unseren kommenden Schottland und Islandtouren verpflegen wollen. Ein ausführlicher Bericht folgt noch aber so viel will ich hier schonmal verraten: Wir waren angenehm überrascht!





Kaum war die Sonne hinter den Baumspitzen verschwunden fiel auch die Temperatur immer schneller. Eingehüllt in mehrere Lagen langer Wollkleidung, Fleece, Windhemd, Primalofthose, Daunen- bzw. Kunstfaserjacke und garniert mit Handschuhen Wollbuffs und Mützen verkrochen wir uns schließlich unter unseren Quilt. Angekündigt waren zwar "nur" -4° Celsius aber die doch erstaunlich hohe Luftfeuchtigkeit kroch uns regelrecht in die Knochen. Nachts ließ uns die Kälte auch kaum schlafen und so waren wir regelrecht froh, als irgendwann die Morgendämmerung langsam einsetzte und etwas Wärme durch die aufgehende Sonne versprach.

Wie kalt es nachts dort tatsächlich gewesen war kann ich nicht sagen. Jedoch hatte ich schon im Winter bei rund -10°C mit weniger leistungsstarker Kleidung deutlich wärmer geschlafen! Ich kann mir das nur durch unsere etwas angeschlagene Gesundheit und die unverhältnismäßig hohe Luftfeuchtigkeit erklären, die die Isolationsleistung unserer Ausrüstung deutlich gesenkt hat.
Der morgendliche Zustand unseres Tarps würde diese Annahme zumindest bestätigen. War es abends noch nahezu lehrbuchmäßig abgespannt, hing es morgens steif gefroren von der Nässe komplett durch. Selbst das Mückennetz des gut belüfteten Innenzeltes war ringsum mit einer hauchdünnen Schicht Eis bedeckt!
Also nichts wie die Sachen gepackt und unsere Körper mit etwas Bewegung wieder warm kriegen...



Der kommende Wegabschnitt führte uns große Stücke am sogenannten Burgenweg entlang. Nicht nur die Ausblicke auf historische Stätten wie die Wildenburg oder Reiferscheid gestalteten den Weg sehr abwechslungsreich.
Vor allem der teils recht "wild" und urtümliche Routenverlauf hatte es uns angetan.
In Reiferscheid gönnten wir uns dann erstmal noch ein leckeres Frühstück, nachdem wir uns unterwegs schon an einem paar hartgefrorener, ääh, hartgekochter Eier aus unserem Proviant gestärkt hatten.
Auch in diesem entlegenen Eifeldörfchen kündete alles schon von den Vorbereitungen der zünftigen Karnevalszüge, so dass wir auch nicht allzu lange verweilten und weiterzogen.










Durch Hellenthal hindurch, das für sein Wildgehege mit seiner Greifvogelschau (und dem Flug unwilligigen Kondor "Santiago") bekannt ist, ging es anschließend hinauf zur Oleftalsperre, über den Kalberberg und auf die Heide mit ihren weithin sichtbaren Windrädern.
Der Wind, der die riesigen Generatoren antrieb forderte nun auch das Letzte aus unseren Windhemden und wir packten uns noch zusätzlich in Fleece und Regenjacken um halbwegs warm zu bleiben.

Auf der andern Seite dieser Anhöhe begann mit dem Waldrand auch der offizielle Teil des Nationalparks Eifel. Seit der Gründung des Nationalparks 2004 ist die Renaturierung zusehends fortgeschritten und die Landschaft bekommt mehr und mehr einen urzeitlichen Charakter.




Das Tal des Erkensruher Bachs liegt dabei so tief im Schatten, dass die Felswände um uns herum noch durchweg mit Eiszapfen und allen anderen Arten gefrorener Skulpturen bedeckt waren. Wenn es doch nur etwas wärmer gewesen wäre. Zwar faszinierte uns die Natur dort regelrecht, doch um länger innezuhalten war es uns dort dann doch zu kalt. Stieg doch mit fortschreitendem Tag auch die feuchte Kälte wieder hoch.

In Hirschrott beendeten wir dann nach knapp 32km den Tag mit ein paar köstlichen Fertiggerichten die wir schon jetzt zu unseren Favoriten erkoren haben. Welche das sind? Da müsst ihr Euch noch etwas gedulden bis unser Bericht dazu fertig ist! Aber "frischer" und "selbstgemachter" können Tütengerichte wohl kaum noch schmecken. Werd wohl gleich mal 'ne neue Bestellung im Outdoor Food Shop aufgeben...


Den nächsten Morgen begrüßten wir mit Kopfschmerzen und dicken Nasen. Irgendwie hatte es uns dann doch noch erwischt. Wir holten aus unserer kleinen Apotheke raus was ging und leicht gedopt brachten wir dann auch die verbleibenden Kilometer bis Einruhr rasch hinter uns.
Nun standen wir vor der Entscheidung am ursprünglichen Plan einer Umrundung des Nationalparks festzuhalten und weiter Richtung Heimbach zu wandern oder eine Alternative zu suchen. Wir entschlossen uns für letzteres und wählten eine Route quer über den ehemaligen Übungsplatz "Vogelsang" rüber nach Gemünd.

Der Aufstieg von Einruhr verlief anfangs noch recht problemlos. Die Karten waren jedoch noch auf dem Stand als Vogelsang noch von den Belgiern zu Truppenübungen genutzt wurde. Die Wege waren seitdem teils gesperrt oder gar nicht mehr vorhanden. So kam es wie es kommen musste. Am Ende eines ausgeschilderten! Weges standen wir plötzlich vor einer Wand. Ein weiterer Wegverlauf war nicht zu erkennen, bzw. war durch offensichtliche Erdarbeiten schon vor Jahren verlegt worden.
Unsere Karten versprachen uns aber, dass sich nur knapp 150 Meter über uns ein weiterer Pfad befinden sollte. Also machten wir uns an den Aufstieg und...

... fanden uns oben zuerst in einem dichten Ginsterfeld wieder und etwas später auf einer weitläufigen Hochebene ohne jeden Anhaltspunkt wo wir uns befinden könnten. Laut Karte und GPS sollte dabei keine 5 Meter von uns ein breiter Weg verlaufen.
Nach einer Weile entdeckten wir dann die überwucherten Spuren von Kettenfahrzeugen. Dieser Weg wurde offenbar schon seit über 7 Jahren nicht mehr genutzt. Aber zumindest führte er uns noch zu einem der offiziellen Wege des Nationalparks.



Auf diesem ging es dann dem beständigen Wind trotzend dann an der Wüstung Wollseifen vorbei bis zum Ausgang des ehemaligen Übungsplatzgeländes. Von dort erreichten wir über Herhahn, dass sich auch gerade für den karnevalistischen Umzug rüstete, das Eifelstädtchen Gemünd.



Mittlerweile spürten wir auch die Erkältung deutlich in den Knochen und so nutzten wir die Gelegenheit mit Bus und Bahn zurück nach Nettersheim zu unserem Auto zu kommen.

Abschließend ist es zwar einerseits schade, dass wir nicht noch mehr Zeit draußen verbracht haben, aber es war wohl auch die vernünftigste Entscheidung. Mittlerweile sind wir auch soweit wieder fit und neue Ideen für weitere ausgedehnte Ausflüge spuken durch unsere Köpfe.
Die von uns geplante Tour hat uns trotz allem einen Riesen Spaß gemacht und wir können es kaum erwarten wieder mal durch diese einmalige Landschaft zu ziehen. Neben Anregungen für weitere Wanderungen haben wir auch neue Ideen für Nähprojekte und Optimierungen unserer Ausrüstung mitgenommen. Also trotz Schnupfnasen ein Erfolg!


Also bis zum nächsten Mal in der Eifel...

Freitag, 4. März 2011

Flucht in die Eifel...

Im Rheinland ist wie jedes Jahr wieder das Karnevalsfieber ausgebrochen. Das bedeutet einerseits Unmengen an merkwürdig gekleideten und singenden (sowie in der Regel torkelnden) Gestalten. Andererseits aber auch einige Tage frei!
Für uns die ideale Gelegenheit noch mal ein paar Meter Wald unter die Füße zu kriegen...
Und auch die aktuellen Infos vom Wettergott klingen verheißungsvoll!
Für den ein oder anderen vielleicht noch etwas frisch, dafür aber trocken und tagsüber mit herrlichem Sonnenschein!
Die Karten und die Routenbeschreibung liegen auch schon parat (natürlich schon deutlich gewichtsreduziert!). Geplant ist eine Umrundung des Nationalparks Eifel, möglichst abseits der üblichen Wanderautobahnen.
Bleibt also nur noch die Rucksäcke zu packen...

Als Verpflegung für die kommenden Tage werden wir mal auf ein paar vegetarische Leckereien aus dem Outdoorfoodshop zurückgreifen um für unsere anstehende Schottland und Islandtour besser planen zu können. Natürlich werden wir unsere Erfahrungen mit Euch teilen!

Wer übrigens nicht die Möglichkeit haben sollte wie wir die nächsten Tage raus zu kommen, kann unsere Tour live auf Social Hiking/ Geogger verfolgen. (Vorausgesetzt unser Akku lässt uns nicht im Stich und die Netzabdeckung ist ausreichend vorhanden!)


Und wer statt wie wir sich in die Wälder zu schlagen, sich dazu entschließen sollte, sich den Freuden des Karnevals zu stellen, dem sei hier noch schnell Marcels passender Beitrag dazu ans Herz gelegt:
Juut gerüstet för d'r Zoch