Montag, 26. September 2011

Laufbursche Lavuu






Die kleine Kölner Manufaktur "Laufbursche" hat sich schon seit einiger Zeit einen Ruf in der Ultraleichtszene für innovative Produkte und höchste Qualitätsstandards bei der Verarbeitung aufgebaut.Wie Roman das treffender weise ausgedrückt hat: "Sewing as an art!"
Wer hat nicht schon von den huckePACKS und huckePÄCKchen gehört? Oder von der monoLOGE und dem tanzPALAST? Ultraleichte Rucksackkonzepte die nach Wunsch des Kunden auf seine Bedürfnisse hin zugeschnitten werden. Oder Unwetter trotzende Tarps und Shelterhybriden die nicht nur durch das verwendete Cubenfibre glänzen, sondern auch durch die durchdachten Detaillösungen. Hier erkennt man nur unschwer den Diplomarchitekten der sich hinter dem Label "Laufbursche" im markanten 80er Jahre Bladerunner-Style versteckt.

Im Februar diesen Jahres erregte Hendrik auf seiner Seite mit der Ankündigung eines neuen Produktes aus der Ultraleichtschmiede die Aufmerksamkeit der Szene. Ein 2-4 Personenshelter im Stil einer skandinavischen Lavvu das gerade mal rund 500 Gramm auf die Waage bringen sollte, hatte in Köln das Licht der Welt erblickt.
Im März spuckte Mateusz dann schließlich die Details zu diesem neuen Schmuckstück aus und auf dem Wintertreffen des deutschen Ultraleichforums "Trekking-Ultraleicht.de" durften sich die Teilnehmer schonmal einen ersten Eindruck davon verschaffen.

Aber egal wie schön sich Angaben wie:

Höhe: 195cm
Durchmesser: 330cm/300cm
Überdeckte achteckige Fläche: 7m²!
26 Standardmäßige Abspannpunkte
Zwei große verschließbare Lüfter um die Kondenswasserbildung unter Kontrolle zu haben
1 Eingang mit diagonal positioniertem und abgedecktem Reißverschluss.
Alle Nähte und Kanten besitzen Kettenlinien und sind mehrfach geklebt.
Gewicht: 506g
Material: Cuben Fiber

auf dem Papier machen, beinhalten doch nur reelle Erfahrungen bei Wind und Wetter wirkliche Aussagekraft über die praktischen Eigenschaften eines Shelters!

Mateusz stellte uns die Lavvu daher großzügiger weise für unsere geplante Schottlandtour zur Verfügung. Doch bevor es uns in die Highland verschlug, machten wir uns während einer Wochenendtour in der nahen Eifel schonmal mit diesem Teil vertraut.


Anzumerken währe, dass es sich bei der von uns getesteten Lavvu noch um den Prototypen aus grünem Cubenfibre handelt. Die endgültige Lavvu wird nicht nur aus einem festeren, schwarzen Cubenfibre-Laminat gefertigt werden, auch die Resultate unseres Tests werden bei der endgültigen Version berücksichtigt werden. Auf ein Innenzelt mussten wir zum Zeitpunkt unserer Tour noch verzichten, bekamen aber von Mateusz einen passenden Badewannenboden der sich in die Lavvu einhängen ließ. Später wird es für die Lavvu auch Innenzelte geben, was sie zu einem vollwertigen Doppelwandzelt aufwertet!

Während unserer Eifeltour fiel uns schon zu Beginn das erstaunlich geringe Gewicht und das handliche Packmaß auf. Mit 506 Gramm (Außenzelt) war es nicht nur deutlich leichter wie unser ShangriLa 2 von GoLite oder gar unsere Tarps, es hatte sogar ein vergleichbares Packmaß! So konnte ich trotz dieses geräumigen Shelters auf mein 26/ 32 Liter messendes huckePÄCKchen zurückgreifen ohne überhaupt die Außentaschen in Anspruch zu nehmen! (Doppelquilt, Kleidung und Kochsystem inklusive!)
Auch der erste Aufbau des Shelters verlief problemlos und ging erstaunlich schnell und simpel von statten, brauchten wir doch kaum länger wie bei unserem ShangriLa2 bei dem wir schon eine gewisse Routine vorweisen können.
mit Heringen sichern...

...Stange aufstellen...

...Nachspannen und FERTIG!


Anfangs stellten wir uns natürlich die Frage, wie wir das Problem unseres Doppelquilts in einem Shelter mit zentraler Mittelstange lösen sollten. Die Lavvu zeigte sich aber als geräumig genug, dass wir beide recht problemfrei auf einer Seite der Stange schlafen konnten. Mit meinen 184cm lag ich dabei sogar an der kürzeren Außenseite, ohne mit Kopf oder Füßen an die Außenwand zu stoßen! Die freie Hälfte des Shelters nutzten wir um Kleidung zu lüften, zu kochen und bequem unsere Ausrüstung zu auszupacken, zu sortieren und einzupacken.
Auch die Innenhöhe überraschte uns sehr angenehm durch ihre Großzügigkeit. Wir konnten aufrecht darin stehen! Und auch wenn die Stehhöhe nur auf den Bereich um die Mittelstange begrenzt blieb, reichte doch auch die sonstige Höhe um sich bequem aufrecht hinzusetzen oder zu knien und auch mal eine Jacke über den Kopf auszuziehen!

Ein Konstrukt mit diesen Ausmaßen, sowohl was Höhe als auch Fläche angeht erscheint augenscheinlich auch gleich als recht windanfällig. CubenFibre hin oder her. Also blieb uns nichts anderes übrig als das gute Stück in Schottland mal mit Wind und Wetter bekannt zu machen!



Historisch betrachtet ist diese Zeltform eine der ältesten der Welt und wird auch heutzutage noch von vielen indigenen Völkerns benutzt. Nicht nur wegen ihrer recht simplen Grundgeometrie, sondern auch weil sie sich bei nahezu allen Wetterbedingungen über Jahrtausende hinweg bewährt hat. Zwar weist so eine Lavuu/ Tipi Konstruktion auf den ersten Blick eine recht große Angriffsfläche für den Wind auf, jedoch reduziert sich diese in der Höhe kontinuierlich. Unmittelbar am Boden, d.h. auf Höhe der Abspannpunkte ist der Querschnitt am größten. Mit wachsender Höhe der Lavvu und damit steigender Gefahr dem Wind ausgesetzt zu sein, reduziert sich die angreifbare Fläche bis zur Spitze.
Aufgrund der achteckigen Form spannt sich diese Konstruktion von der Bodenfläche her betrachtet grob rund auf, was bedeutet, dass auftreffende Winde keine flachen Angriffsflächen vorfinden, sondern einfach um die Lavuu herum geleitet werden.
Die Laufbursche Lavvu weist dabei noch zwei zusätzliche Reihen an optionalen Abspannpunkten auf, die die Seitenflächen zusätzlich stabilisieren. Die laminierten Kappnähte sind alle als Kettenlinie konstruiert, was nicht nur einen straffen Aufbau unterstützt, sondern auch auftretende Kräfte gleichmäßiger auf die Fläche verteilt und somit weiter reduziert. Und wie zeigt sich das in der Praxis?

Sagen wir mal so... Auf unserer gesamten Schottlandtour haben wir nachts ungestört durchschlafen können! Und das, obwohl es dort das ein oder andere mal wohl geblasen hat. Innendrin war davon aber nichts zu merken. Allenfalls die Abspannschnüre an der Außenseite haben durch ihr "Singen" davon gekündet, dass es draußen definitiv NICHT windstill war!

Bei stärkeren Winden waren wir aber auch über die zusätzlichen Abspannpunkte auf halber Höhe der Lavvu froh! Diese haben das Konstrukt dann aber auch wirklich mehr als ausreichend stabilisiert.

Kondes war dank der guten Belüftung durch die großzügigen Lüfter auch nie ein Problem. Und wenn, hätte es genügend Platz gegeben um sich mit ausreichendem Abstand zu den Wänden zu positionieren.


Ursprünglich war geplant, dass wir diesen Prototypen auch auf unserer diesjährigen Islandtour nutzen sollten um ihn dort mal von Wind und Wetter durchschütteln zu lassen. Da Mateusz aber die Anregungen für einige Modifikationen an seinem neuen Flaggschiff direkt umsetzen wollte, mussten wir leider vorerst darauf verzichten. Wie sich die verbesserte Version dafür in Norwegen geschlagen hat, das werdet ihr mit Sicherheit in Kürze auf seinem Blog nachlesen können.
Auf dem Ben Nevis

Wir freuen uns jedenfalls bei zukünftigen Touren auf so einen gleichermaßen komfortablen, leichten und sturmstabilen Shelter zurückgreifen zu können!

Update (29.09.2011): 
Ich wurde jetzt bereits häufiger gefragt, wie ich das Problem mit der Länge der zentralen Stange löse. Immerhin wird hier eine Höhe von rund 1,90 Meter benötigt!
Da ich selber auf unseren Touren auf Trekkingstöcke verzichte, nehme ich einfach eine passende Stange mit! Selbstverständlich entfällt hier der "Multiple Use" Gedanke, aber dank der Optimierung auf den Einsatz als Zeltgestänge kann ich hier doch das ein oder andere Gramm einsparen. In der Regel hab ich durch diese Stange ein Mehrgewicht von 300 Gramm was verglichen mit einem paar Trekkingstöcken (die ich eh nicht nutze) doch noch recht leicht ist!
Für diejenigen, die auf jeder Tour auf Trekkingstöcke zurückgreifen, gibt es natürlich auch einige Möglichkeiten:
Die simpelste/ günstigste wäre beide Stecken mit einem Stück Schnur oder Klett zu einer langen Stange zusammen zubinden. Mitunter werden dafür sogar von den verschiedenen Cottages sogar fertige Lösungen angeboten.
Auch gibt es sogenannte "Poleextender" die mittels eines passenden Verbindungsstückes (in Form eines Stock-Segmentes) aus zwei Teleskopstöcken einen einzigen machen.
Laufbursche experimentiert mit einer eigenen Idee, bei denen die Griffe zweier Stöcke so modifiziert werden, dass sie dort mittels eines simplen Mechanismus verbunden werden können.
Mit ein wenig Kreativität sollte eigentlich jeder das für ihn passende finden können.

Montag, 12. September 2011

Einmal Island und zurück

Island stand schon länger auf der Liste unserer Reiseziele. Dieses Jahr haben wir diesen Plan in die Tat umgesetzt. Schaut man sich auf den diversen Blogs und in den einschlägigen Foren um, waren wir mit unserem Plan nicht allein. 2011 war scheinbar das Jahr der Islandtouren.
Allein bei Hendriks "week in review" tauchten mehrere Reiseberichte auf. Doch wie jeder Reisende einen eigenen Charakter hat, sind auch die Eindrücke die ein jeder mit sich bringt unterschiedlich. Daher wollen wir Euch auch nicht mit unseren verschonen...

Vier Wochen waren wir auf der Insel "aus Feuer und Eis" mit unseren Rucksäcken unterwegs.
Zeit genug nicht eine, nicht zwei sondern drei ausgedehnte Wanderungen in den verschiedenen Ecken dieser Insel zu machen. Zwischendurch ergaben sich dabei immer noch Möglichkeiten für kürzere Abstecher und Unternehmungen, wie etwa der "Besuch" eines Gletschers oder ein Segeltrip um Wale zu beobachten. Eigentlich viel zu viele Eindrücke als das man diese in einen einzelnen Reisebericht packen könnte.

Daher haben wir für Euch ein "kleines" Video vorbereitet. Aufgrund der Größe mussten wir dieses leider in zwei "Folgen" aufteilen. Ich hoffe, das trübt den Filmgenuss nicht all zu sehr.

Vorher aber noch kurz ein paar Eckdaten:
Unsere erste Tour führte uns über den klassischen Laugavegur. Jedoch entschieden wir uns ihn nicht wie in 90% aller Reiseführer von Norden nach Süden zu bewundern sondern in umgekehrter Richtung. Damit hatten wir ein Bad in den heißen Quellen von Landmannalaugar als Belohnung am Ziel quasi vor Augen. Um diese Wanderung noch etwas auszudehnen, starteten wir nicht in Porsmörk sondern begannen bereits in Skogar, an der Südküste Islands.
Unsere erste Wanderung führte also von Skogar, über Porsmörk nach Landmannalaugar.

Von dort ging es mit dem Hochlandbus zum Skaftafell Nationalpark. Im weiteren Verlauf unsere Reise nutzten wir die Gelegenheit mit einem Amphibienfahrzeug frisch gekalbte Eisberge eines Gletschers aus der Nähe zu betrachten. Entlang der Ostküste ging es mit dem Bus über die Ringstraße vorbei an Höfen bis nach Myvatn, dem "Mückensee" wie er genannt wird. Dort entschlossen wir uns zu einer weiteren Wanderung. Vom Vulkan Krafla aus wanderten wir gen Norden bis nach Asbyrgi, dessen Form angeblich durch den Hufabdruck Sleipnirs, Odins achtbeinigem Pferdes zu verdanken ist.

Von dort ging es mit dem Bus nach Husavik um bei ordentlichem Seegang mit einem alten Schoner raus zum Walewatching zu segeln.

Über Akureyri, der "Hauptstadt des Nordens" setzten wir unsere Rundreise schließlich fort und wanderten auf dem alten Kjallvegur, einer historischen Nord-Süd-Route durch das sandige Hochland der Insel.

Zurück in Reykjavik widmeten wir uns dann ganz unserer touristischen Seite bevor wir schließlich wieder nach hause flogen.

Jetzt aber erstmal die Bilder:
(Ich empfehle sie auf YouTube mit HD-Qualität und FullScreen zu gucken)





Unsere gesamte Tour war stark von den Menschen geprägt die wir unterwegs trafen.
Sei es der netten Mutter, die uns an einem Laden geradeheraus ansprach und uns fragte, ob sie uns irgendwohin mitnehmen könnte.
Der kleinen, bunt gemischten Runde an Weltenbummlern, die scheinbar schon jeden Winkel dieser Erde besucht hatten und von denen wir den einen oder anderen immer wieder unterwegs begegneten.
Unserer netten Gesprächspartnerin in einem entlegenen "Hochlandkaffee" die uns die mehrstündige Wartezeit auf den Bus angenehm verkürzte (und meine Schuhe am Ofen trocknete!).
Aber auch das niederländische Pärchen, das den Schwefelgeruch auf dem Laugavegur so schön malerisch beschrieb: "Puh, das riecht als hätte jemand was falsches gegessen!" Und nach der Begutachtung unserer Ultraleichtrucksäcke: "Die sind so leicht, die könnte ich mit beiden Fingern in der Nase tragen!"
Nicht zu vergessen die beiden deutschen Kollegen aus der Bloggerwelt, die uns des Nachts noch zu einem gemütlichen Umtrunk eingeladen hatten. Ein Wunder, dass sich keiner auf dem Zeltplatz über uns beschwert hat...

Insgesamt war das eine sehr schöne und abwechslungsreiche Tour. Die nächste größere Tour könnte uns nur ruhig wieder mal in etwas wärmere Gefilde führen... ;-)


Und für all die "Gear-igen" unter euch: Unsere Ausrüstung werden wir in einem gesonderten Beitrag noch mal näher ins Auge nehmen.