Freitag, 21. Oktober 2011

GORE-TEX® Active Shell

Vor etwa einem Monat erlebten wir eine Überraschung beim Blick in unser Postfach. Der Absender: GORE-TEX®!

Spam? Nicht im geringsten!

Wie sich herausstellte, hatte sich GORE-TEX® zur Einführung ihres neue Membranlaminates etwas Besonderes einfallen lassen.
Aus ganz Europa wurden Blogger mit dem Schwerpunkt "Outdoor" eingeladen die Labore der Firma südlich von München zu besichtigen und um die neue Membrane bis ins Detail kennen zu lernen. Und wir sollten mit von der Partie sein! Warum grade wir? Das war eine Frage die sich nicht nur wir, sondern auch andere der eingeladenen Blogger stellten.



Um es kurz zu fassen: Wir sagten zu und wenige Wochen später befanden wir uns auf dem Weg Richtung Süden.



Mit der Active Shell hat GORE-TEX® keinen Nachfolger für eine seiner anderen Laminate geschaffen, sondern eine gänzlich neue, fünfte Kategorie an atmungsaktiven und wasserdichten Membranen ins Leben gerufen. Sozusagen der Tablet-Computer unter den Jacken. Nicht so robust wie eine ProShell und auch nicht so leicht wie eine Paclite Jacke. Aber mit ganz eigenen Qualitäten!

Ein kleiner Überblick über die verschiedenen Hersteller die Active Shell in ihren Jacken verwenden.

Diese Membran ist vom Aufbau, wie auch vom angestrebten Einsatzbereich sehr speziell! Etwas was man bedenken sollte, wenn man mit dem Gedanken spielt, sich so eine Jacke zuzulegen. Im Folgenden will ich mal etwas Licht ins Dunkle bringen, und erklären, was es mit der Active Shell auf sich hat.
"Trekkingbritain.com" und "Sylvainbazin" machen sich mit den neuen Jacken vertraut

Grundsätzlich handelt es sich bei der Active Shell um ein 3 Lagen Laminat. Um jedoch das Gewicht drastisch zu reduzieren, wurde als Trägergewebe, d.h. als äußere Lage ein wirklich hauchfeiner Stoff verwendet. Die innere Schutzschicht besteht aus einem ähnlich leichten Gewebe. Selbst die Membrane ist nur etwa 1/3 so dick wie eine übliche GORE-TEX® Membrane. Kaum zu glauben, insbesondere, wenn man wie wir in den Genuss gekommen ist sich mal eine unlaminierte, klassische Membrane anschauen zu dürfen. Die Active Shell Membrane dagegen war dann wirklich nur noch kaum mehr wie ein Hauch von nichts!
Außen- und Innenmaterial für das Laminat. So dünn, dass man durchschauen kann!

Das wirklich außergewöhnliche ist aber der Laminierungsprozess. Hier wird die Membrane direkt ins Gewebe gepresst, so dass man auf zusätzlichen Klebstoff verzichten kann. Was das für die Steigerung der "Atmungsaktivität" bedeutet, kann man sich wohl nur zu gut vorstellen!
Eine Übergroße Deko-Membrane an der Wand ermöglicht einen Blick auf den Aufbau wie durch ein Mikroskop

Der Dampfdurchlass der Active Shell zieht mit dem von kalandrierten Stoffen gleich! (RET <3)
D.h. Geweben, wie etwa Pertex Microlight, die ihre Verwendung unter anderem bei Windhemden finden. Und dabei bleibt die Membrane 100% wind- und wasserdicht.
GORE-TEX® beansprucht für sich dabei nicht gleich, die atmungsaktivste Membrane auf dem Markt zu besitzen. Ihre Garantie "100% waterproof, 100% windproof" nehmen sie dagegen sehr ernst! Denn egal welcher namhafte Hersteller diese Membrane am Ende in seiner Jacke verwendet, für den Mann (oder die Frau) auf der Straße bleibt es doch immer eine GORE-TEX® Jacke, ohne sich darüber bewusst zu sein, dass die Membrane ebenso wie Reißverschluss, Knöpfe, etc. nur einen Teil der gesamten Konstruktion ausmacht!
Mitbewerber erlangen solche hohen Werte Dampfdurchgangswerte (MVTR-Wert) wie bei der Active Shell oft übrigens nur durch Einbuße bei der Winddichtigkeit, sprich durch die Reduzierung der windstoppenden Eigenschaften der Membrane. Dies wird dann Werbetechnisch geschickt als "luftdurchlässig" verkauft, ohne den Kunden darüber aufzuklären, dass ein wesentlicher Schutzaspekt den eine solche Jacke bieten kann (und soll!) vernachlässigt wird. Nämlich die Vermeidung oder zumindest die Reduzierung des sogenannten Windchilleffekts (Auskühlung des Körpers abhängig von der Windstärke).
Im Testlabor werden uns beispielhaft die über 100 Test näher gebracht, die ein GORE-TEX® Laminat bestehen muss!

Dieser enorme Gewinn an Dampfdurchlässigkeit der Active Shell, bei gleichzeitiger Wind- und Wasserdichte geht natürlich auch nicht ohne Einbuße in anderen Bereichen. Obwohl die Active Shell etwas schwerer ist wie die 2.5 lagige Paclite ist sie im Gegensatz zu dieser NICHT für den Einsatz mit einem Rucksack vorgesehen. Selbst für mehrtägige UL-Touren rädt Gore Entwickler Timm Smith eher zur Paclite.
(Evtl. konnte er sich auch nicht vorstellen wie ultraleicht manche unterwegs sein können...)

...und der soll zu schwer sein? ;-)

Allenfalls ein Trinksystem oder ein minimalistischer Laufrucksack sind bei der Active Shell angedacht!

Und hier liegt auch die Zielgruppe für diese neue Membrane.
Sportler die sich im hochpulsigen Bereich in schwierigem Gelände bewegen und damit nicht auf einen zuverlässigen Wetterschutz verzichten können!
Also z.B. Speedbergsteiger wie Benedikt Böhm, der uns während des Blogger Summits mit seiner Erfolgsgeschichte beeindruckt hat. Aber auch Trailrunner, Ultraläufer und ähnliche Atleten die immer wieder alle scheinbar gesetzten Grenzen überwinden, gehören zu der Zielgruppe für diese neue Membrantechnologie.
(Jetzt wissen wir auch endlich, warum WIR zu diesem Event geladen wurden... ;-) )

Vereinfacht hat man uns das in etwa so näher gebracht:
"Die Active Shell ist der Sportwagen unter den GORE-TEX® Membranen. Plant man jedoch einen Umzug, ist man mit einem Möbelwagen wohl besser bedient!"

Die enorme Atmungsaktivität der Active Shell sorgt für eine verbesserte Klimaregulierung.
D.h. die Funktion der Körpereigenen Klimaanlage wird durch einen raschen und nahezu ungehinderten Schweißtransport begünstigt. Dies sorgt für eine Kühlung des überhitzen Sportlerkörpers!

Entwickler Timm Smith erläutert anschaulich welche Bedeutung die Klimaregulierung für den Komfort des menschlichen Körpers besitzt.  


Auch wenn die Active Shell wirklich eine enorme Performance aufweist, sind ihr pysikalische Grenzen gesetzt. Zum Ausspielen ihrer Stärken, braucht sie wie andere Membranen auch ein "Dampfdruckgefälle". D.h. Die Luft innerhalb der Jacke muss stärker mit Wasserdampf (Schweiß) gesättigt sein, wie die Umgebungsluft. Bewegt man sich etwa in den Tropen, wo die Luft sehr schwül ist, geben auch die GORE-TEX® Mitarbeiter  zu "dass hier ein Schirm wohl die bessere Lösung ist."



Alles in allem hat uns die Membrane aber schon sehr positiv überrascht. Der Tragekomfort ist wirklich spürbar. Die Testjacke ist wirklich sehr soft und der Ausdruck "Hardshell" wirkt irgendwie deplaziert. Auch der Klimakomfort ist deutlich spürbar! Bei schweißtreibenden Aktivitäten ist das Gefühl eines Hitzestaus im Vergleich zu anderen Jacken kaum vorhanden.
So wie man bei hoher Aktivität zusehen kann, wie sich Schweißperlen auf der eigenen Haut bilden, so zeigt sich das auch bei der Active Shell. Fast so als würde die Jacke selbst schwitzen!
Man kann regelrecht zuschauen wie der Schweiß austritt!

Das setzt natürlich entsprechend funktionale Unterkleidung vorraus, die anfallende Feuchtigkeit zügig von der Haut an die Jacke abtransportieren kann. Wie es mit der passenden Funktionskleidung, der richtigen Pflege und dem sonstigen Umgang mit solch einer Jacke wie der Active Shell aussieht, führt hier jetzt aber wohl zu weit. Das ist eher einen seperaten Artikel wert!


nach der kurzen Testwanderung hoch zur Gindelalm

Bei all dem sollte man aber nicht vergessen, dass eine Membrane nur ein Teil einer Jacke ist. Und auch wenn GORE-TEX® eng mit seinen Partnern zusammen arbeitet hängt die Performance einer Jacke nicht zuletzt vom Schnitt, den Details und der Verarbeitung ab!

Wer an mehr Informationen zu GORE-TEX®, der neuen Active Shell Membrane oder dem Blogger Summit an sich interessiert ist sollte nicht versäumen einen Blick auf die Blogberichte der anderen Blogger zu werfen!

Airfreshing.com
Auf-den-berg.de
Ausgeruestet.com
Blogbtt.com
Exceedpossibility.co.uk
Fionaoutdoors.co.uk
Freiluft-blog.de
Happynewshoe.de
Freizeitalpin.com
Greg-runner.com
Hiking-blog.de
Kletterfieber.net
Myoutdoors.co.uk
Neveitalia.it
Outdoor-Professionell.de
Outdoorseite.de
Sylvainbazin.blogspot.com
Trekkingbritain.com
Uptothetop.de

Auch auf Twitter wird man fündig:
GoreTex Blogger Summit #gtbs

Ebenso wie auf der Seite von Thorsten Joachim, der den Summit phototechnisch begleitet hat:
flickr.com/photos/4591672…


Und wir werden es uns natürlich nicht nehmen lassen die Active Shell auf Herz und Nieren zu testen und Euch an unseren Erfahrung und Eindrücken teilhaben zu lassen!
Der anstehende Herbst bietet dazu wohl die ideale Gelegenheit...

Dienstag, 18. Oktober 2011

GoLite Dakota Weste


Ich selber würde mich wohl nie als "Leistungssportler" bezeichnen. Weder ziehe ich mir noch vor dem Frühstück meine Laufschuhe an um einen Halbmarathon zu absolvieren, noch schwinge ich mich täglich auf mein Rad um in aerodynamischer Kleidung zur Arbeit zu fahren, nur um ja keine Möglichkeit zum Training auszulassen. 
Versteht mich nicht falsch. Ich bin bestimmt nicht unsportlich! Nur, wenn ich draußen meine Runden drehe, sei es wandernd, laufend oder auch mal auf zwei Rädern, dann immer mit der Freude amAufenthalt in der Natur und dem Spaß an der Bewegung im Vordergrund. Eigentlich nie um irgendwelche Rekorde aufzustellen.

Das ist wohl auch ein Grund, warum ich meiner Sportkleidung bisher immer recht wenig Beachtung geschenkt habe. Für mich war es wichtiger, mich draußen wohl zu fühlen, als durch Hightech noch das letzte bisschen Performance rauszukitzeln.

Unter diesen Gesichtspunkten suchte ich noch was, was mich in der Übergangszeit beim Laufen ausreichend warm halten sollte, aber auch gleichzeitig simpel und funktionell währe. Meine Erfahrungen mit Windhemden, die zu meinen Favouriten auf Wanderungen jeglicher Art gehören, waren bei schnellerer Bewegung etwas getrübt. Zwar lieferten sie mir den nötigen "Schutz", andererseits flatterten die oft weit geschnittenen Ärmel störend im Wind. Und beim Radfahren bauschte sich das komplette Oberteil oft beängstigend auf.

Daher mein Gedanke zu einer Softshell Weste zu greifen. Die Bergfreunde boten mir an, mir mal die Dakota Weste von GoLite näher anzugucken. Ein Angebot, dass ich gerne annahm, da ich mit der Bekleidung von GoLite bisher nur gute Erfahrungen gemacht hatte.

hinterlegter, langer Frontreißverschluss

Um ehrlich zu sein, mein erster Eindruck von der Weste war arg zwiegespalten. Grundsätzlich ist eine Weste ja schon ein recht schlicht geschnittenes Kleidungsstück. Bei der Dakota schien es mir aber so, als hätte man es sich wirklich sehr einfach gemacht. So verfügt z.B. der Hüftsaum über keinerlei Bündchen. Vielmehr ist hier der Stoff einfach umgenäht und es gibt auch keine Möglichkeit diesen evtl. mit einem Gummizug zusammenzuraffen.
einfach gehaltener Hüftsaum

Da die Weste keinerlei Tailierung aufweist, sondern auffallend gerade (böse Zungen würden sagen "wie ein Sack") geschnitten ist, hatte ich arge Bedenken, dass die Weste bei starker Bewegung hochrutscht und zumindest den Hintern, wenn nicht gar die Nieren entblöst.
Vom Schnitt her ist die Weste recht schmal geschnitten, engt aber nicht ein. Der Kragen ist durch mehrere Lagen Gewebe relativ steif und wohl auch deutlich winddichter wie der Rest der Weste. Apropo winddicht. Die Weste ist nur auf der Front aus winddichtem und wasserabweisendem Gewebe gefertigt. Der Rücken besteht aus einem sehr atmungsaktiven, leichtem Stoff, den GoLite sonst auch für die Innenhosen seiner Laufshorts verwendet.

luftiges Rückengewebe

Als kleines Gimmick hat man der Weste auf der Rückseite noch eine kleine Tasche verpasst, die dazu genutzt werden kann, den Haustürschlüssel zu verstauen (um diesen gegen Verlust zu sichern, gibt es noch eine kleine Schlaufe, jedoch keinen Haken oder Karabiner). Andernfalls lässt sich diese Tasche aber auch als "Packbeutel" nutzen, da die Weste dort zusammengeknautscht auch selber rein passt. So findet sie dann auch Platz in einer Hosentasche oder der Tasche eines Laufgürtels. Also klein genug zum "immer dabei haben".
Der Frontreißverschluss geht fast bis zum Bauchnabel runter, was einerseits natürlich praktisch als Belüftung ist, andererseits aber auch das Anziehen dieser doch eher sportlich schmalen und recht langen Weste erleichtert.

Ursprünglich hatte ich vor gehabt, diese Weste auch auf Wandertouren zu nutzen. Sozusagen als luftigere Alternative bzw. Ergänzung zu einem Windhemd. Aufgrund ihrer Konstruktion sehe ich sie nun aber als reine Lauf-, bzw. Sportweste an. Der leichte Stoff am Rücken würde wohl zwar dem Abrieb eines leichten (Lauf-)Rucksacks standhalten, mich aber damit mal auf eine rauhe Holzbank legen oder gegen eine Felswand lehnen wollte ich ihm dann doch nicht unbedingt zumuten. Zumal es in der selben Gewichtsklasse wie der (nachgewogenen) 79 Gramm schweren Dakota Weste auch schon komplette Windhemden oder Jacken gibt.

Soviel zu dem ersten Eindruck, den ich von der Weste gewonnen hab. Wie schlägt sich das Teil nun aber in der Praxis?
Zuallererstmal, meine Befürchtungen bezüglich dem Hochrutschen der Weste waren unbegründet. Vielmehr sitzt die Weste egal ob beim Laufen oder auf dem Rad erstaunlich gut! Selbst bei Nutzung eines Hüftgurtes oder auch eines leichten Rucksacks machte sie keine Anstalten hochzukriechen.
Da die letzten Wochen doch trotz fortgeschrittenem Jahr noch erstaunlich sommerlich waren, hatte ich den Reißverschluss meist komplett offen. Trotzdem machte auch hier die Dakota Weste eine gute Figur ohne zu verrutschen.


Egal ob beim Radfahren, Laufen oder auch beim ein oder anderen Trailrun fiel die Weste nie störend auf. Man merkt schnell, dass dieses Teil für Bewegung ausgelegt ist. Durch den sportlichen Schnitt gibt es auch kein störendes Flattern.


Bei geschlossenem Reißverschluss hält sie dann wirklich sehr zuverlässig den Wind im Torsobereich ab. Der Kragen ist dabei weit genug geschnitten um nicht "abzuschnüren" oder einzuengen, aber eng und hoch genug ausgelegt um ein Eindringen von Wind erfolgreich zu verhindern.


Der Stoff am Rücken beugt einer Überhitzung vor. Da dieser ungefähr ab der Nierengegend wieder von dem winddichten Gewebe abgelöst wird, muss man sich auch keine Gedanken machen, an den empfindlichen Stellen auszukühlen.

Rücken kann Lüften, Nieren bleiben bedeckt!

Wie fällt jetzt mein Resüme aus?
Auch wenn ich mittlerweile recht zufrieden mit der GoLite Dakota bin, konnte ich meinen zwiegespaltenen Ersteindruck nicht gänzlich los werden. Warum?
Für mich funktioniert sie beim Sport tadellos und macht zweifelsfrei genau das, wozu sie konstruiert wurde. 
Ob sie aber bei jedem anderen so gut sitzt wie bei mir, mag und kann ich aufgrund des für mich etwas ungewohnten Schnitts nicht sagen. Hier hilft wohl wirklich nur ausprobieren!
Passt die Weste, hat man dann meiner Meinung nach aber auch einen wirklich guten Begleiter für sportliche Aktivitäten im windigen Herbst gefunden! Und selbst wenn es nur mal rasch mit dem Rad in die Stadt geht, lohnt es sich diese dabei zu haben!

Nur für wirklich ausgedehnte Rucksacktouren würde ich dann doch eher zu einem "kompletten" Windhemd greifen, was aber wohl eher an meinen eigenen Vorlieben als an der Weste liegt...


Und jetzt?

Hopphopp, Computer aus! 
Schuhe an, und raus mit Euch auf den Trail!
Es ist Zeit mal wieder Dreck aufzuwirbeln!