Dienstag, 18. Dezember 2012

Korsika - GR20 - unsere Ausrüstung


Der erste Schnee ist bereits gefallen da wird es nun wirklich Zeit mal einen Blick auf die Ausrüstung zu werfen mit der wir diesen Sommer unterwegs waren. Immerhin bietet der Winter genug Zeit darüber zu reflektieren und fürs nächste Jahr entsprechende Schlüsse zu ziehen.
Wie immer konzentriere ich mich auf einige wenige, dafür aber entscheidende Teile die entweder für unsere Tour entscheidend waren oder die uns auf die ein oder andere Art und Weise besonders aufgefallen sind.

Fangen wir mal mit den Rucksäcken an die wir auf dem GR20 dabei hatten. Ganz entgegen unserer Gewohnheit sind wir diesmal nicht mit unseren huckePACKs oder huckePÄCKCHEN gestartet. Um nochmal den Blick für die aktuellen Ultraleicht Rucksäcke zu weiten entschloss ich mich mit dem Urvater aller UL-Packs loszuziehen, dessen Design sich auch heute noch in fast allen Packs wiederfindet.  Dem GoLite Breeze!
der Breeze voll beladen

Von der Konstruktion her ein einfacher, großer Sack mit einem das Volumen erweiterbaren Kragen. Als Verschluss ein simples Gurtband mit einer Schnalle. Seitlich zwei geradlinig geschnittene Netzaußentaschen, auf der Frontseite eine großvolumige Netztasche über die gesamte Länge. Als zusätzliches Feature gibt's oberhalb der seitlichen Netztaschen noch zwei fest vernähte Gurte die dazu genutzt werden können lange Ausrüstungsgegenstände (Schirm, Trekkingstöcke, etc. ) zu sichern oder auch als "Sockenhalter" beim Trocknen dienen können. Abgerundet wird der Sack durch zwei üppig gepolsterte, breite Schultergurte.
Kein Hüftgurt, kein Brustgurt, keine Rückenpolsterung, kein Deckel geschweige denn irgend ein Reißverschlussfach.
Als Versteifung und Polsterung des Packs habe ich unterwegs wieder unsere Isomatten als Ramen benutzt.
Losgezogen bin ich mit rund 12 Kilo (Baseweight plus Verpflegung für 2 Leute). Ich will hier jetzt nichts verschönen. Ich hab mir Anfangs wirklich einen Hüftgurt gewünscht! Insbesondere bei dem ständigen Auf- und Ab während der ersten Nordpassagen auf dem GR20 war das spürbar. Aber mit zunehmender Strecke schrumpften auch unsere Vorräte und der Pack ließ sich recht bequem tragen, was nicht zuletzt an den von mir vorher oft unterschätzten Schultergurten lag.
Die extra Polsterung und die Breite verteilten die Last recht gut auf den Schultern ohne dass es zu punktuellen Druck oder Scheuerstellen kam. Nach ein paar Tagen war auch der fehlende Hüftgurt kein Problem mehr. Vielmehr erlaubte dies, dass meine Hüfte nicht in ihrem natürlichen Bewegungsmechanismus gehemmt wurde. Unterm Strich sorgte dies für weniger Ermüdung als wenn der Bewegungsapparat durch einen Hüftgurt eingeschränkt gewesen währe. Insbesondere bei dem teils fordernden Gelände war dies spürbar.
Die zwar hoch geschnittenen Seitentaschen boten genug verlustsicheren Stauraum für alles mögliche, jedoch machte der Schnitt der Taschen es mir nicht ohne weiteres möglich auf den Inhalt zuzugreifen ohne den Pack abzusetzten. Das war jetzt nicht so tragisch, da wir zu zweit unterwegs waren und jeweils die eigenen Sachen (Sonnenbrille, Snacks, etc.) beim anderen auf dem Rücken untergebracht wurden. Alleine hätte ich mir aber ein paar besser zugängliche Taschen wie etwa beim huckePACK gewünscht.
Der Rollverschluss des Breeze war nicht nur sehr simpel und störungsfrei, sondern erlaubte es auch problemlos das Volumen des Packs an den Inhalt anzupassen. Dauerte der Zugriff doch gefühlt etwas länger wie beim huckePACK war der Zugang an den Inhalt bei geöffnetem Verschluss aber leicht angenehmer, da der Kragen des Breeze sich leichter "zur Seite" räumen ließ wie der Deckelförmige Verschluss meines Laufbursche Modells.
Etwas negativ beim Breeze ist mir der stark tonnenförmige Schnitt des Breeze beim Trageverhalten aufgefallen. Zwar kann man je nach Packart den Rucksack auch etwas in Form bringen, aber insgesamt währe ein etwas schlankerer Schnitt sinniger um den Schwerpunkt näher an den Körper zu bringen. Gerade beim Kraxeln hab ich gemerkt, dass der Pack recht weit vom Rücken abstand und dazu neigte hin- und herzuschwanken.
Die Form ist damit wohl gut für lange, eher gemäßigte Strecken geeignet, im alpinen Bereich ist aber eine schlankere Form vorzuziehen.

Unterm Strich war ich aber sehr zufrieden mit der Leistung dieses Großvaters. Auch wenn der Breeze mich jetzt nicht gleich auf jeder Tour begleiten wird, so wird er in Zukunft bestimmt wieder öfters zum Einsatz kommen. Zumindest hat mir diese Erfahrung mit ihm geholfen andere Packs und deren Ausstattung und Design für mich nochmal besser einschätzen zu können.

Da diesmal keine großvolumigen Daunensachen benötigt wurden, konnte meine Frau sich mit meinem Raidlight Evolution, einem 20Liter Laufrucksack begnügen.
der Raidlight Evolution mit zusätzlichem Wasservorrat
und den Trailpoles in der dafür vorgesehenen Halterung 

Vermutlich der kleinste Pack auf dem gesammten GR20. Das dieser dann oft noch nicht mal ganz voll war sorgte mehr als einmal für ungläubige Blicke. Zwar war das Volumen des Packs recht klein, dafür hatte Rike das Vergnügen unser Wasser zu tragen. Mitunter bis zu 5 Liter. Jede Netzseitentasche fasste dabei eine 1Liter Platybus Faltflasche. Eine große 2 Liter Platybus verschwand im dafür vorgesehenen, zentralen Frontfach. Eine weitere Flasche wurde bei äußerstem Bedarf unter die obere Fixierung geschnallt.
Viel kann man zu diesem einfachen Rucksack nicht sagen. Der Zugang zum Hauptfach erfolgt über einen weit zu öffnenden Reißverschluss. Die Rückenpolsterung kann entfernt werden und dient damit gleich als minimalistische Isomatte (eher ein kleines Sitzkissen). Der Rucksack an sich ist wie bei Laufrucksäcken üblich für einen hohen Sitz konzipiert. Insgesamt hat er sich auf unserer Tour sehr gut geschlagen. Man konnte gut erkennen, dass er für Ultraläufe wie etwa den Marathon des Sables entwickelt worden war. Ein simpler Rucksack mit gutem Zugang der zuverlässig das macht wofür er konstruiert ist. Insbesondere die gute Komprimierbarkeit durch eine komplett umlaufende Schnürung hat maßgeblich zur Performance und seinem sicheren Sitz beigetragen.
Unterwegs sind uns aber leider die Zipper des Reißverschlüsse des Hauptfachs kaputt gegangen. Nicht die kleinen Schlitten, sondern die daran befestigten Metallanhänger. Diese konnten wir leicht durch etwas Schnur ersetzen. Die Klettstreifen, die dazu dienten die Netzseitentaschen oben zu verschließen haben wir rausgetrennt, da es so einfacher war unsere Wasserflaschen zu verstauen. Normalerweise würden diese Netzseitentaschen Kleinkram wie Riegel oder Energiegels aufnehmen und der Klett diese vor Verlust sichern.
Rike war mit dem Rucksack und seinem kompakten Volumen sehr zufrieden und bei einer ähnlichen Tour, bzw. wenn nicht mehr Gepäck benötigt wird, würde sie ihn wohl wieder gerne nehmen.

das Squall 2 findet auch auf begrenztem Fleck noch ausreichend Platz

Die nächste Neuerung in unserem Fundus war das Squall 2 Tarptent von Henry Shires das wir aus zweiter (oder dritter?) Hand bekommen hatten. Für die Klimazone in der wir uns bewegten einfach ideal. Ein großer, gut belüfteter Innenraum mit ausreichend Schutz gegen evtl. fallenden Regen. Mehr als genug Platz für uns und unser gesamtes Gepäck. Mit seiner recht kompakten Grundfläche und der möglichen Minimalabspannung von nur 4 Heringen auch für das Terrain entlang des GR20 ideal. Sehr zu schätzen wussten wir auch den raschen Aufbau. Ein paar Mankos gibt's dann aber doch. Durch das benötigte Gestänge für das Fußende und den forderen Firstpunkt steigt das Packmaß etwas an. Entweder lässt man die kurze Stange am Firstpunkt fest im Zelt und verstaut das gesamte Packet dann senkrecht im Rucksack. Oder man fummelt die Stange jedes mal aufs neue rein und raus und kann dann Gestänge und Zelt getrennt verstauen. Klingt jetzt vielleicht wie Leiden auf hohem Niveau. Aber ein einfacher Firstpunkt wie beim ShangriLa 2 oder auch bei der Ein-Personen-Variante des Squall, dem Contrail währe hier deutlich anwenderfreundlicher und weniger anfällig (und sei es nur gegen Verlust der zusätzlichen Stange). Ich denke nur daran, dass man das Zelt im Regen aufbauen muss und dafür zuerst die Frontabdeckung öffnen muss um an die  Tasche für die Querstange zu gelangen. Der Eingang läge dann entweder offen im Regen oder man muss "blind" die Stange in den engen Schlauch fummeln. Der Ehrlichkeit halber muss ich aber auch sagen, dass wir während unserer Tour keine wirklichen Probleme damit hatten.
Eine Sache hatten wir vor Beginn der Tour jedoch falsch eingeschätzt. Bei einem Probeaufbau und einer kurzen Testtour funktionierten unsere 130cm langen, nicht teleskopierbaren Black Diamont Stöcke recht gut als Frontstangen für das Squall. Der Hersteller gibt aber eine deutlich kürzere Stocklänge für das Tarptent an. Wir beholfen uns einfach in dem wir die Stöcke unten etwas weiter auseinander stellten, so das sie eher wie ein oben abgeflachten A zueinander standen. Bei einigen Windböen auf einem erhöhten und nicht sehr geschützten Platz führte das dann dazu, dass die seitlich auftreffenden Böen das Kopfende des Zeltes seitlich eindrückten und in Folge dessen die Stockspitzen aus den Ösen am Zelt rutschten. Resultat: Stöcke fielen um, Zelt klappte zusammen. Dies passierte aber nur als die Böen in rechtem Winkel auf die Front auftrafen! Aus anderen Richtungen verhielt sich das Tarptent immer tadellos, wodurch uns dieser Schwachpunkt vorher nicht aufgefallen war. Hätten wir Stöcke in der vorgegebenen Länge genutzt, hätte die vordere Firststange rechtwinklig auf den Stockspitzen aufgesetzt. Nicht wie in unserem Fall in einem recht flachen Winkel. Seitlich auftreffende Winde hätten es so viel schwerer gehabt hier Kraft drauf auszuüben. Erfahrung macht einen schlauer...
Hier kann man recht gut den ungünstigen Winkel der Stöcke erkennen.
Diese sollten im Idealfall senkrecht stehen.

Für Gegenden mit eher nordischem Charakter würden wir aber doch eher zu einem Shelter wie dem ShangriLa2 oder der Laufbursche Lavvu greifen. Für warme, bzw. heiße Regionen gewinnt aber das Squall den Preis.

Abgesehen von der Kompatibilität mit dem Squall habe sich die für uns noch recht neuen Black Diamont Stöcke  auf der Tour ansonsten jedoch mehr als bewährt! Auch wenn sie zumindest in der 130cm Länge nicht optimal für den Aufbau unseres Squalls waren haben sie uns auf dem anspruchsvollen Terrain des GR20 vollends überzeugt. Die Griffschlaufen hatten wir übrigens nicht genutzt und gleich zu hause gelassen. (wieder ein paar Gramm gespart...) Vermisst hatten wir sie jedoch nicht. Da wir diesmal nur ein paar Trailpoles dabei hatten, haben Rike und ich uns die meiste Zeit die beiden Stöcke geteilt und konnten dann in der anderen Hand unsere Schirme nutzen. Die Stöcke lagen immer angenehm leicht in der Hand uns ließen sich in Folge dessen immer sehr präzise und ohne Anstrengung plazieren. Es ist immer wider erstaunlich, wie sehr geringeres Gewicht das Handling von Stöcken verbessert. Die Griffe fühlten sich trotz schwitziger Hände und Dreck und Staub immer angenehm an. Und auch wenn die Stöcke über eine fixe Länge verfügten, was insbesondere bei Rike auffallend war, war dies kein wirklicher Abzugspunkt, erlaubte der verlängerte Griff doch ein problemloses Umgreifen.
Auch wenn die Stöcke durch einigen Felskontakt bestimmt nicht geschont wurden, wie die Kratzer auf der Oberfläche bezeugen, haben sie doch nichts von ihrer Integrität eingebüßt und sich als erstaunlich robust herausgestellt!
Der Verschlussmechanismus war vor allem sehr praktisch, da man vor und nach Kletterstellen nie lange Hantieren musste um die Poles zu verstauen oder wieder griffbereit zu haben. Man sollte nur darauf achten, dass die Arretierung auch wirklich hörbar eingerastet ist, sonst wird der Stock mit jedem Schritt merklich kürzer... ;-)
Von mir gibt's jedenfalls eine ganz klare Empfehlung für diese Trailpoles!

Lustwandeln in baumloser Gegend

Ein besonderes Augenmerk verdienen auf dieser Tour unsere Schirme. Von anderen Wanderern auf den ersten Blick wie immer ratlos gemustert, waren sie für uns sozusagen das Ass im Ärmel. Mit leichtem Gepäck und griffigen Trailrunnern ausgestattet konnten wir diese bis auf wenige Stellen mit wirklich anspruchsvollem Gelände erfolgreich nutzen. Der Einsatz als Regenschirm beschränkte sich dabei auf einige wenige Passagen. Als Sonnenschirm trumpften sie aber dank der silbernen Metallic Beschichtung erst richtig auf. Grade mit steigendem Sonnenstand stiegen die Temperaturen auf den baumlosen Passagen des GR20 rasant. Die Schirme lieferten uns dabei immer zuverlässig Schatten. Den Unterschied konnten wir immer gut beobachten, wenn wir anderen Wanderern begegneten die entweder einen hochroten Kopf hatten oder aus allen Poren am Schwitzen waren. Das Mehrgewicht der Schirme haben wir durch deutlich geringeren Wasserverbrauch haushoch wieder reingeholt. Von Überhitzen oder gar Sonnenstich bei uns keine Spur! Ermüdung aufgrund der Temperaturen trat bei uns gar nicht oder erst sehr viel später ein.

Die zweite Karte die wir bei Sonne ausspielten waren unsere beiden Visor. Also diese Stirnbänder mit Schirm vorne dran, bzw. Kappen ohne Deckel... ;-)
Routenstudium nach dem Cirque de la Solitude
Zwar hatten wir auch Sonnenbrillen dabei die auch oft genug zum Einsatz kamen. Der Vorteil des Visors ergab sich aber aus dem Einfallswinkel der Sonne. Die strahlte in der Regel steil von oben und der Schirm direkt über den Augen half damit diese zuverlässig zu schützen. Gerade wenn es oft durch lichten Wald oder zwischen Felsen durch ging, wo sich Licht und Schatten stark abwechselten, war dieser nicht von einer getönten Linse getrübte Blick viel wert. Das so ein Visor kein "Dach" hat half gegen evtl. Wärmestau. Bei besonders heißen Tagen haben wir den Stoff zusätzlich mit Wasser getränkt was uns durch die Verdunstungskälte half in jeder Situation einen kühlen Kopf zu bewahren.

Als Kochsystem haben wir erneut auf unseren bewährten Spirituskocher aus einer alten Getränkedose gesetzt. Der Bushbuddy als Holzkocher ist bei den dort herrschenden Waldbrandbedingungen einfach das Risiko nicht wert. Selbst mit unserem Spiritus-Setup verwendeten wir große Sorgfalt darauf, dass ja kein Mißgeschick geschehen würde. Es gab zwar an nahezu allen Refugees frei zugängliche Kochmöglichkeiten. Nur waren die oft belegt was einen zu langen Wartezeiten gezwungen hätte. Teilweise funktionierten diese aber auch so schlecht, dass ein Liter Wasser selbst nach 15 Minuten noch nicht am Kochen war (verschüttete Essenreste die die Kocherdüsen vestopften sei Dank!).  Zumindest langte uns durch die Kombination von eigenem Spiritiuskocher und lokalen Kochmöglichkeiten für die gesamte Tour eine kleine 250ml Flasche Brennstoff.

Sollten wir den GR20 erneut oder einen vergleichbaren Weg angehen würden wir wohl neben den bereits erwähnten noch folgende Punkte ändern.


Ich würde zusätzlich zu meiner Regenjacke wieder ein Windshirt mitnehmen. Dieses hatte ich aus Gewichtsgründen bei mir wegrationalisiert. Es gab aber oft genug Momente wo wir früh morgends an einem Kamm oder Grat langwanderten wo uns ein eisiger Wind begrüßte. Die Regenjacke hielt zwar den Wind ab, führte aber bei dem Gelände und dem ständigen auf und ab aufgrund ihrer eingeschränkten Atmungsaktivität schnell zur Überhitzung. Ein Windhemd wäre hier die optimale Lösung gewesen und währe seine rund 100 Gramm voll wert mitgenommen zu werden.

Kein seltener Anblick auf dem GR20
Bei den Schuhen musste ich verletzungsbedingt auf ein paar ältere Trailrunner mit stärkerer Dämpfung zurückgreifen. Die Asics Trail Attack WR haben sich zwar insgesamt gut geschlagen konnten aber bei dem Grip bei weitem nicht mit den Inov8 Roclite von Rike mithalten. Hier hat man ganz klar gesehen, dass die Gummimischung denen von Kletterschuhen nachempfunden war! Bei der nächsten Tour freue ich mich schon drauf wieder mit flacheren Schuhen ohne große Sprengung und mit mehr Grip unterwegs zu sein.
Aufstieg mit Trailrunnern

Trailrunner haben sich für uns auch auf dem GR20 wieder mal als die richtige "Wahl der Waffen" herausgestellt. Was schwere Vollederstiefel bei den dort herrschenden Temperaturen mit den Füßen der Wanderer angerichten konnten, haben wir mehr als einmal ungläubig bestaunen dürfen.
Dank reduziertem Gepäck und gutem Sitz und Grip der Schuhe waren wir jederzeit Trittsicher unterwegs. Bedenken wegen Umknicken, Verstauchungen oder ähnlichen Verletzungen mussten wir nie haben. Im Gegenteil. Wir denken, dass wir trotz alpinem Gelände damit deutlich besser gefahren sind wie mit schwererem Schuhwerk!
Aufrechter Gang dank leichtem Gepäck und griffigen Schuhen.


Insgesamt hatten wir zwar alles an Verpflegung aufgebraucht was wir mit uns geführt hatten, hätten dennoch nicht so viel gebraucht. Auch wenn die Preise an den Refugees teils recht hochpreisig waren und wir als Vegetarier in unserer Auswahl auch recht eingeschränkt wurden, hätte es oft genug für uns auch die Möglichkeit gegeben an leckere Mahlzeiten zu fairen Preisen zu kommen. Ich denke da nur an die ganzen Käseplatten und Omelettes... :-)
da könnte auch "Quasinitro" nicht wiederstehen... ;-)
Da die Angaben im Internet jedoch oft recht widersprüchlich waren sind wir halt auf Nummer sicher gegangen was uns jetzt auch nicht geschadet hat. Beim nächten mal würden wir vermutlich mit der Hälfte an Verpflegung auskommen.

Zur Orientierung hat uns übrigens der Rother Wanderführer vollkommen gereicht. Dieser war zudem erst vor kurzem aktualisiert worden und war in allen Sprachen der einzige Wanderführer, der zu diesem Zeitpunkt die letzten Änderungen entlang des GR20 beinhaltete. Andere Wanderführer hatten noch den Wegverlauf vom letzten Jahr aufgeführt, was insbesondere auf den südlichen Etappen für einige der Wanderer zu Komplikationen geführt hat. Neben der "Hauptroute" überflutet der Rother Führer einen regelrecht mit Informationen zu alten Wegverläufen des GR20 und Alternativrouten. Es ist also sinnvoll sich vor Beginn der Tour erstmal ausgiebig damit auseinander zu setzen und sich seine eigene Route seperat zu notieren (mit Querverweisen zu den einzelnen Abschnitten im Rother) wenn man nicht irgendwann durcheinander kommen will. Unterm Strich ist er aber wirklich sehr zu empfehlen.

Das war's erstmal mit dem "kurzen" Abriss unserer Ausrüstung. Wenn noch Fragen zu unserer Tour oder unserer Ausrüstung offen sind steht es Euch natürlich wie immer frei ein Kommentar zu hinterlassen.





Dienstag, 2. Oktober 2012

Korsika - Blasenfrei auf dem GR 20 - Süd

Teil 1 unseres Berichtes findet ihr hier: Blasenfrei auf dem GR20 - Nord


Zwei Tage später brachte uns der Zug zurück nach Vizzavona wo wir gegen 11:20 Uhr in der größten Mittagshitze unsere Wanderung auf dem GR20 fortsetzten. Der Weg belohnte uns aber mit einem kurzen Aufstieg und führte dann größtenteils auf der selben Höhe entlang durch schattigen Wald. Kletterstellen gab es auch keine. Und so konnten wir mit unseren frisch aufgetankten Batterien den späten Start problemlos wett machen. Das Refuge de Capannelle erreichten wir schon nach relativ kurzer Zeit, d.h. um 15:15 Uhr und wir fanden einen netten, ebenen Platz neben einem deutschen Vater-Sohn Gespann, die schon am Abend zuvor den Zug von Corte nach Vizzavona genommen hatten.


Wir gönnten uns in der Refugee noch einen kleinen Absacker (Kakao mit einem Schuß Korsischem "Eau de Vie"), der uns zwar die richtige Bettschwere besorgte, uns aber dennoch in der Nacht hochschrecken ließ, als unmittelbar vor unserem Zelt ein paar Kühe durch das Gebüsch stapften. Glücklicherweise verschonten sie unsere Zeltleinen...


Am Mittwoch machten wir uns gegen 07:00 Uhr gemeinsam mit unseren Nachbarn auf Richtung Col de Verde und weiter zur Refuge de Prati. Wie sich nämlich abends bei einem kleinen Plausch herausgestellt hatte, waren unsere Zeltnachbarn (das Vater-Sohn-Gespann) mitnichten nur unsere Zeltnachbarn. Nach dem üblichen Spiel "Wo kommt ihr denn her? -Kennt ihr bestimmt nicht, ist so ein kleiner Ort."  war die Überraschung umso größer als wir herausfanden, dass wir gerade mal zwei Straßen auseinander wohnten. Die Welt ist ein Dorf...

Der Tag war geprägt durch einen einige schattenlose Abschnitte, belohnte uns aber schließlich mit einem großartigen Ausblick übers Meer! Nicht weit und wir bauten unser Tarptent auf einer großen Wiese neben der Refuge de Prati auf, auf der nur kurz zuvor noch ein Versorgungshubschrauber "geparkt" hatte. Unsere Freezerbaggerichte ergänzten wir noch durch Brot und Bergkäse von der Hütte. Und mit Blick aufs Meer schliefen wir schließlich ein...

Mit Blick auf den Sonnenaufgang krochen wir aus unserer Behausung. Irgendwie kamen wir heute nicht so richtig ins Rollen und so brachen wir erst verhältnismäßig spät, gegen 07:20 Uhr auf. Dieser Tag hielt nicht nur einige erstaunlich knackige Aufstiege parat.

Auch die Hitze setzte uns diesmal merklich zu. Beständig tapperten wir weiter und die Brühe lief uns in Strömen runter. Für die 11km brauchten wir dann auch 6 Stunden wobei man aber nicht aus den Augen verlieren sollte, dass es sich um einen Gebirgsweg handelt und Distanzen hier weniger Bedeutung haben wie Höhenmeter. Wir waren aber nicht die Einzigen denen dieser Tag zusetzte und so war unser Zelt trotzdem eines der ersten, das an der Refuge d'Usciolu stand.



Die unerwartet "luxoriöse" Dusche und das erstaunlich umfangreiche Warenangebot (wir verwöhnten uns mit Melone, Käse und Maronencreme) der Refuge half uns schnell unsere Kräfte zu regenerieren. Wir sicherten uns einen Platz an einem Tisch in der Nähe der Hütte, der praktischerweise im Schatten eines kleinen Baumes stand. Wie uns der Hüttenwirt erzählte war dieser noch vom Vater des Wirtes gepflanzt worden. Von dort aus konnten wir das Spektakel der nach und nach eintrudelnden Wanderer bestaunen ohne uns selber alzuviel bewegen zu müssen... ;-)
Der Platz lud regelrecht zum Smaltalk ein und es wurde vermutlich einer der kommunikativesten Abende auf dem GR20. Ob auch der Mirtu dazu beitrug, der irgendwann vom Hüttenwirt den Wanderern gleich aus der Flasche in den Mund geschenkt wurde dazu beitrug, mag jeder für sich befinden...

Für den kommenden Tag hatten wir uns eine längere Etappe ausgeguckt. Der GR20 war an dieser Stelle erst in diesem Jahr verlegt und auf mehrere Etappen aufgeteilt worden. Wir hielten uns aber an den alten GR20, von der Refuge d'Usciolu über den Monte Incudine zur Refuge d'Asinau. Laut Führer rund 16 km und 08:00 Stunden reine Gehzeit. Dementsprechend früh brachen wir um 06:40 Uhr im ersten Dämmerlicht auf. Die Mattigkeit des vorigen Tages war verschwunden (ob es an dem Mirtu lag?) und wir legten ein ordentliches Tempo vor. Wir folgten dem Weg, der mal auf der eine Seite des Grates, dann wieder auf der anderen Seite verlief.

Der Weg verlief weiter durch eine weite Ebene mit üppigem Bewuchs, immer wieder unterbrochen durch kleine Bäche.


An einer eingefassten Quelle, die früher mal eine Refuge, nunmehr nur noch eine Ruine, versorgt hat füllten wir unsere Wasservorräte auf. Nach kurzer Rast ging es weiter zum Aufstieg auf den Monte Incudine. Der Gipfel mit seinem recht neuen Kreuz (das alte Betonkreuz war schon vor längerem vom Blitz getroffen und zerstört worden) eröffnete uns einen einmaligen Ausblick über die korsische Bergwelt.

Wie wir später in der Zeitung lesen sollten, wurde tags darauf auf dem Gipfel eine Messe abgehalten um eben dieses neue Gipfelkreuz einzuweihen.


Irgendwie eine merkwürdige Vorstellung wie die ganzen Geistlichen in ihren langen Gewändern auf den Berg kletterten. Denn der Aufsteig, bzw. der Abstieg der uns nun zum Schluß noch bevorstand, hatte es in sich. Über mit rutschigem Sand und Geröll bedeckten Felsplatten ging es steil hinab, die unter uns liegende Refuge immert im Blick. Nach insgesamt 7 Stunden, also deutlich früher wie von unserem Routenbuch veranschlagt, erreichten wir die Hütte.
Weitere 100hm unterhalb der Refugee befindet sich die Bergerie d'Asinau. Und wie wir gelesen hatten sollte es da nicht nur auch die Möglichkeit geben zu zelten, auch der Käse sollte besonders lecker sein. Also schnell nochmal einen Schluck am Brunnen getrunken und weiter ging es mit dem Abstieg. Leider mussten wir feststellen, dass die Bergerie, deren Hütten zwischen alten Steinmauern und Schatten spendenden Bäumen wirklich sehr idyllisch angelegt war, zur Zeit nicht betreut war. Das ältere Pärchen, dass für die Bergerie zuständig ist war wohl schon in den frühen Morgenstunden zur nächsten Ortschaft aufgebrochen um neue Vorräte zu besorgen und würde wohl erst ein paar Tage später zurückkehren. Also wieder zurück den Berg hoch. Zumindest eine Dusche wollten wir an diesem Tag haben...

Am Morgen des 04.August machten wir uns in der Dämmerung auf Richtung Col de Bavella. Neben der als Möglichkeit durch das stark bewaldete Tal zu wandern drängte sich uns regelrecht die alpine Variante der Aiguielles de Bavella auf. Statt Blick auf Bäume sollte uns hier ein großartiges Panorama und eine abwechslungsreiche Route mit einigen reizvollen Kraxelpassagen erfreuen.
Zuerst verlief der Weg noch im Schutz der Bäume und folgte nach einer kurzen Bachüberquerung weiter dessen Verlauf. Irgendwann kam dann die sehr gut beschilderte Abzweigung die geradewegs hoch zum Grat führte.

Die Felstürme die den Grat schmückten erinnerten an die Dolomiten. Und wie dort trafen wir auch hier trotz der frühen Morgenstunden schon erste Kletterer die sich auf dem Zustieg zu einer der Kletterrouten an den Türmen befanden. Oben ließen wir es uns natürlich nicht nehmen für eine kleine Frühstückspause selber auf einen Turm zu kraxeln und die Aussicht zu genießen. Naja, fast... ;-)
Hier ein kleiner Hinweis an alle "Wildpinkler": Es bietet sich im Gebirge an, sich nicht nur nach links und rechts umzuschauen ob man ungestört ist. Würde man den Blick einmal in die Höhe richten könnte es sein, dass man dort unmittelbar über einem ein Pärchen beim Frühstück entdeckt...

Nach diesem kleinen Intermezzo ging es auf der anderen Seite an den Abstieg. Die uns entgegen kommenden Tagestouristen verkündeten von der nicht alzu fernen Straße.
Schließlich erreichten wir die Straße wo zahlreiche Autos parkten und unzählige Touristen herumwuselten um Fotos der umliegenden Berge zu schießen. Wir spazierten noch ein Stück weiter ins Tal wo sich neben einigen Restaurants wohl auch ein kleiner Supermarkt befinden sollte wo wir uns ein paar Leckereien für unseren letzten Abend auf dem GR20 besorgen wollten. Irgendwie lief das dann aber ganz anders ab wie von uns geplant...

Der kleine Laden schien für eine Mittagspause geschlossen zu sein. Also erstmal im Restaurant gegenüber ein paar kühle Softdrinks kippen. Ein Happen zu Essen währe ja auch nicht verkehrt. Leider sagte uns die Auswahl auf der Karte nicht so zu. Sollte ja nur ein kleiner Snack sein, denn ausgehungert waren wir ja nicht. Zu dem Lädchen gehörend gab es eine Art Imbißbude die uns mit ein paar Panini versorgen könnte und die im Gegensatz zu dem Laden geöffnet war. Bei einem Mädchen, dass hier offenbar die Bedienung war gaben wir gleich unsere Bestellung auf. Hätten wir vorher gewußt, dass hier noch eine Hexe ihre Finger im Spiel hat hätten wir uns wohl anders entschlossen...

Der Umgangston den wir dort erlebten und wie dort mit uns, anderen Gästen und dem Personal umgegangen wurde war jenseits von Gut und Böse! Selbst als der Laden kurzfristig geöffnet wurde, mussten wir erleben, dass das nicht gleich bedeutete, dass man dort auch was kaufen durfte!
"Nein, das Brot ist nicht zum Verkauf."
"Nein, der Käse ist nicht zu verkaufen."
"Nein, das verkaufen wir auch nicht...."
Selten fühlten wir uns so unwohl und es fehlte nicht viel und die Hexe hätte uns unsere Stimmung kaputt gemacht...
Wir sahen zu dass wir weiter zogen.
Ich lasse jetzt hier einfach mal die Details aus. Das passt eher zu einer Geschichte am Lagerfeuer. Auch wenn das sonst überhaupt nicht unsere Art ist und wir eigentlich bemüht sind einen positiven Blick auf die Dinge zu haben, aber den Laden mit der Imbißbude im Col de Bavella kann ich nicht weiterempfehlen!
Abgesehen von diesem Erlebnis wurden wir überall auf Korsika sehr freundlich und herrzlich aufgenommen und wir fühlten uns dort immer sehr wohl!

Wir zogen weiter und bewunderten im Vorbeigehen an einem kleinen Brunnen eine Gruppe jüngerer Wanderer die sich auf ihre eh schon voluminösen Rucksäcke noch einen alten Schafsschädel geschnallt hatten. Man war das männlich... ;-)

 Den nächsten Aufstieg rannten wir regelrecht hoch. Irgendwie brauchten wir nach der Hexe ein positives Erlebnis und sei es nur das Gefühl einer Spitzenleistung. Bis zur Refuge de Paliri war es auch nicht mehr weit. Die Quelle der Refuge lag einige hundert Meter vorher, weshalb wir in weiser Voraussicht schonmal unser Wasservorräte für das Abendessen auffüllten. Wir fanden einen schönen Platz für unser letzte Nacht auf dem GR20. Auch wenn die Dusche sogar weiter weg war wie die Quelle (Der Hüttenwirt fragte uns, ob wir ein Bier für unterwegs haben wollten!) und diese einzige Dusche bereits von 10 anderen Wanderern belagert wurde, wurde es nochmal ein richtig schöner Abend. Unser Abendessen rundeten wir noch durch Brot und Käse von der Hütte ab und irgendwann krochen wir dann auch in unseren Quilt.

Sonntag morgens um 06:10 Uhr war alles gepackt. Die Rucksäcke waren klein und leicht wie nie und wir wetzten los. Das Licht und Schattenspiel auf dem Weg gab nochmal alles.

Die Eidechsen waren noch etwas träge und waren nicht ganz so schnell vom Weg runter als wir entlanggeflitzt kamen. Wir nutzten den angenehmen Trail und die noch frische Luft und flogen regelrecht auf dem Pfad dahin. Zwischenzeitlich gab es nochmal den ein oder anderen kurzen Aufstieg die uns aber nicht wesentlich verlangsamen konnten. Irgendwann wurde es wärmer und wir nutzten ein paar kleine Gumpen für eine kleine Frühstückspause. So kurz vor dem Ziel noch eine lange, andächtige Pause einzulegen ist aber wohl eine Kunst die nur einem Zen-Meister gelingt. Wir hielten uns da mehr an den Spruch "Das Vieh wittert den Heimatstall!" und so hielt es uns dort nicht allzu lange und wir wanderten weiter.

Der Weg zog in langen Schleifen um die Berge herum. Wir waren froh so früh und so schnell unterwegs zu sein. In der Mittagszeit würde sich dieser Abschnitt mit Sicherheit in einen Brutkessel verwandeln. Die ersten Wanderer kamen uns entgegen. Schwer bepackt und noch nicht "eingelaufen". Für sie war es der erste Tag auf dem GR20 und für sie lag noch all das vor ihnen was wir bereits hinter uns hatten...
Der letzte kurze Anstieg und unter uns lag Conca, das Ziel der Wanderung. Wir stiegen ab und irgendwann tauchten wir zischen den ersten Häsuern des kleinen Dorfes wieder auf. Das letzte Stück ging es noch auf einer Straße entlang.
Um 10:40 Uhr erreichten wir den neben einer Bar gelegenen offiziellen Endpunkt des GR20 in Conca. Zur Belohnung gönnten wir uns ertmal eine Cola und ein Eis.

Nach und nach trafen auch die anderen Wanderer ein, die morgens mit uns aufgebrochen waren.
Die Suche nach einer Transportmöglichkeit, die uns von Conca wegbringen konnte war dann nochmal einen kleine Odyssee für sich. (Einen regelmäßigen Bus gab es nämlich nicht!) Schließlich saßen wir in einem Sammeltaxi das uns nach Porto Vecchio fuhr wo wir ein paar Tage verbrachten bevor es für uns von Bastia aus wieder nach Hause ging.

Damit ging unser Abenteuer Korsika erstmal zu Ende. Aber es war bestimmt nicht das letzte mal, dass wir der "Schönen" einen Besuch abgestattet haben.



Samstag, 29. September 2012

Korsika - Blasenfrei auf dem GR 20 - Nord


Etwa 15 Jahre ist es her da stand ich an Bord einer Fähre und blickte zurück auf Korsika. Den Beinahmen "die Schöne" trägt die Mittelmeerinsel zurecht und die Erinnerungen die ich damals von dort mitnahm sind mir auch heute noch präsent. Damals nahm ich mir vor einmal wiederzukommen...

Eines Tages im Juli 2012. Rike und ich stehen am Flughafen Köln/ Bonn, in unseren Händen zwei Tickets nach Calvi, der Stadt im Nordwesten Korsikas. Mein Rucksack wurde als Gepäck aufgegeben. Rike hat ihren kleinen 20 Liter Laufrucksack als Handgepäck dabei. Wir werden etwas unsicher von den anderen Passagieren gemustert. Irgendwie kann niemand so recht dieses Pärchen einordnen, was da in Laufshorts, Marathonshirt und Tenniskleid am Gate steht. An unseren Füßen ziehen unsere roten Trailrunner die Blicke auf sich. (Wie ja mittlerweile von anerkannten Wissenschaftlern festgestellt wurde, sind rote Schuhe in der Tat schneller!)
Die anderen Reisenden sind trotz ihres Flugziels noch in dicke Fleecejacken und lange Hosen gehüllt. Die meisten wirken eher wie typische Touristen. Ein paar Wanderer stechen aufgrund ihrer schweren Bergstiefel und Cargohosen noch aus der Menge hervor. Auch von diesen werden wir etwas argwöhnisch gemustert. So ganz passen wir in keines der typischen Muster...
Ein paar Stunden später stehen wir schon am kleinen Flughafen von Calvi. Trotz der frühen Morgenstunde schlägt uns schon jetzt die Hitze Korsikas entgegen. Die anderen Reisenden werden von den Bussen diverser Reiseunternehmer am Flughafen aufgegabelt. Einen Linienbus scheint es nicht zu geben und so schultern wir zum ersten mal unsere Rucksäcke und machen uns zu Fuß auf in die nahe gelegene Stadt.

Am nächsten Tag bringt uns ein Bus in das kleine Örtchen Calenzana, dem nördlichen Startpunkt des GR 20,  wo wir uns für die Nacht auf dem Zeltplatz einquartieren. Mit uns teilen sich einige andere Wanderer die staubige Fläche und man stellt sich unweigerlich die Frage wieweit wohl die anderen gehen. Machen sie "nur" den Nordteil? Gehen sie den ganzen Weg bis Conca? Was aber gleich auffällt, keiner setzt hier auf leichte Ausrüstung. Die meisten setzen darauf die Schwierigkeiten des kommenden Weges durch robuste und umfangreiche Ausrüstung zu kompensieren. Trailrunner trägt hier keiner...

Es ist noch dunkel als wir unser Tarptent abbauen. Auch die meisten anderen der Wanderer sind nach und nach damit beschäftigt ihre Ausrüstung in ihren Rucksäcken zu verstauen. Nur das deutsche Pärchen im 3 Personen Jack Wolfskin Tunnelzelt schläft noch. Wenig später ist alles verstaut und die Wasservorräte aufgefüllt. Irgendwie wünsche ich mir ich hätte doch besser einen Rucksack mit Hüftgurt genommen. Der Weg führt uns zuerst durch die Gassen Calenzanas und dann immer höher. Langsam wird es heller und hinter uns öffnet sich der Blick aufs Meer und ein letztes mal sehen wir die Bucht von Calvi in der aufgehenden Morgensonne liegen.
Wir aber steigen weiter und über uns zeigen sich die ersten Wolken...

Der GR20 ist einer der bekanntesten und zugleich einer der populärsten Wege in Europa. Seine Beliebtheit lockt jährlich tausende von Wanderern in die korsischen Berge. Doch DEN GR20 gibt es sozusagen gar nicht. Denn regelmäßig werden viele der Abschnitte umgelegt um den Besuchermassen gerecht zu werden oder um empfindliche Gebiete vor zu großem Schaden durch die vielen Wanderer zu schützen. Das letzte mal erst Anfang dieser Saison, was später noch für einige Verwirrung bei anderen Wanderern führen sollte. In vielen Abschnitten gibt es daher Alternativrouten bzw. die Möglichkeit dem "alten" GR20 zu folgen. So lassen sich je nach eigenen Vorlieben zusätzliche Gipfel einbauen oder man kann sich durch eine Schlucht hoch zum nächsten Grat arbeiten. Eines bleibt aber in jedem Fall gleich. Der GR20 ist ein alpiner Weg und auch wenn das Panorama alle Arten von Wanderern lockt sollte man sich bewußt machen, dass es ein Bergpfad mit oft anspruchsvollem Untergrund, langen Auf- und Abstiegen und einigen Kletterpassagen ist. Dazu die Hitze und die Gefahr eines plötzlichen Wetterumschwungs und man versteht, warum er oft zu den herausfordernsten Wanderungen Europas gezählt wird.

Für unseren ersten Tag griffen wir auch gleich auf eine dieser Alternativen zurück. Das zwang uns zwar dazu nach dem ersten Grat wieder abzusteigen und an einer späteren Stelle die Höhenmeter erneut anzugehen, dafür blieben wir aber beständig unter der Wolkendecke. Und auch wenn wir zwischenzeitlich zu unseren Schirmen griffen hatten wir einen recht entspannten Tag. Zumindest verglichen mit den Wanderen die uns später von "ihrem" GR20 berichteten und die sich schon zu Beginn durch Regen und Wind kämpfen mussten. Na, jedem das seine... ;-)
Für unser Tarptent fanden wir dann auch an der Refuge de Carrozzu einen windgeschützten Platz und nutzten den frühen Nachmittag auch gleich für eine Siesta. (Den Regen verschliefen wir).
Am nächsten Tag ging es erneut früh für uns los. Zuerst dachte ich schon Pico währe hier mit uns unterwegs. Zumindest wetzte da ein Bordercollie mit Packtaschen an uns vorbei. Über eine kleine Hängebrücke und dann über mit Ketten gesicherte Felsplatten führte der Weg durch das Tal hinauf. Die meisten Wanderer bewegten sich hier auf allen vieren während die klebrigen Sohlen unserer Trailrunner und unser kompaktes Gepäck uns zum aufrechten Gang befähigten. Schnell hatten wir die übrigen Wanderer hinter uns gelassen und die Möglichkeit zu einer ungestörten Frühstückspause...

Der Himmel blieb auch an diesem Tag vorerst bedeckt und beim letzten Abstieg zückten wir schließlich sogar unsere Regenjacken. Aber schon bald stiegen die Temperaturen deutlich an und Haut-Asco begrüßte uns mit korsischen Temperaturen. Der frühe Aufbruch ermöglichte uns aber noch vor der Mittagshitze unser Ziel zu erreichen und so nutzten wir die freie Zeit für eine erfrischende Dusche, Klamottenwäsche (ja, schon nach zwei Tagen hatten es die Sachen dank des ganzen Staubs auf den Wegen schon mehr als nötig!), Smaltalk mit anderen Wanderern, kleiner Snack und natürlich einer Siesta.
Am nächsten Tag stand uns der von vielen Wanderern gefürchtete "Cirque de la Solitude", d. h. "der Kessel der Einsamkeit" bevor. Na, mal sehen...


Schon im ersten Dämmerlicht packten wir unsere Sachen und machten uns auf. Zuerst folgten wir dem Verlauf der alten Skipiste die sich wie eine Schneise hier durch das Tal zog. Die Wanderer die noch vor uns aufgebrochen waren hatten wir bald eingeholt und so gehörten wir zur ersten Gruppe die am Einstieg zum noch im Schatten liegenden Solitude eintraf.

Nach einem Snack wurden die Schuhe nochmal auf festen Sitz überprüft und die Rucksäcke festgezogen. Dann ging es an Ketten gesichert gut 200 Höhenmeter in die Tiefe. Nach den ersten Metern festigten sich unsere Tritte und wir wurden zunehmend sicherer. Wie automatisch fanden unsere Füße und Hände Halt. Unsere Trailrunner versorgten uns mit dem nötigen Grip und wie mit Kletterschuhen arbeiteten wir uns zügig in die Tiefe. Nach rund 20 Minuten erreichten wir den tiefsten Punkt des GR20 im Cirque de la Solitude und wir nutzten die Möglichkeit um was zu Trinken und für ein paar Snacks. Die ersten Wanderer aus der Gegenrichtung kamen uns entgegen und am Aufstieg zeichnete sich langsam aber sicher die aufsteigende Sonne ab.

Unser Zeichen wieterzugehen. Über die Eisenleiter und entlang einiger Ketten (die wir Dank unserer Trailrunner nicht brauchten) schraubte sich der Weg nun auf der anderen Seite des Kessels 300 Meter in die Höhe. Wer weniger leichtes Gepäck und schwerere Stiefel anhatte tat sich hier deutlich schwerer.

Uns machte das Ganze irgendwie richtig Spaß und schon nach kurzer Zeit erreichten wir den Grat auf der anderen Seite und traten beim Überschreiten wortwörtlich ins Licht. Zeit sich mit Sonnenschutz zu wappnen... Der Abstieg führte uns zuerst an der Refugee Tighiettu vorbei und wir wanderten weiter zur Bergerie de Ballone wo wir uns nicht nur einen schönen Stellplatz für unser Tarptent, sondern auch ein leckeres Käseommelet gönnten.


Das Wasser der nahen Gumpen hatte aber eher Temperaturen eines Kneipbades und so beließ ich es bei einer eher rituellen Wäsche...


Beim Nachschlag (Brot und Käse bei einer gediegenen Flasche Wein) kamen wir dann noch in den Genuss zu beobachten wie die Hütten am GR20 versorgt werden. In einem wahnsinnigen Tempo führte ein durch und durch trainierter Korse eine schwer bepackte Karawane von Pferden und Maultieren trittsicher hinter sich den Berg hoch....


Tags darauf führte der Weg zuerst entspannt durch lichten Nadelwald. Aber schon bald wurde das Gelände offener, steiler und die Temperaturen stiegen deutlich an. Zeit unsere Schirme zu zücken und als tragbaren Schattenspender zu nutzen. So gewappnet sorgten wir für einige verwirrte (und neidische!) Blicke anderer Wanderer. Eine geführte, deutsche Wandergruppe brachte es bei ihrer Lagebesprechung komplett durcheinander. Ist auch schon deprimierend, wenn man gerade eine Einweisung in die schwierige Kletterpassage erhält die vor einem liegt, inclusive Ausrüstungscheck (Bergstiefel, sicherer Sitzt des 70+ Liter Rucksacks, richtige Handhabung der Stöcke, etc.) und dann auf eben dieser "Kletterpassage" ein Pärchen ganz entspannt und ganz ohne Zuhilfenahme der Hände, dafür aber mit 'nem Sonnenschirm hochspaziert kommt... Und dann noch Turnschuhe trägt! Das geht ja wohl mal gar nicht! ;-)

Wir machten uns nach einer kleinen Frühstückspause wieder auf, ließen die Refuge Ciuttulu di i Mori rechts liegen und stiegen Richtung Castellu die Verghio ab. Auf dem Weg dorthin wurden wir lediglich von einigen Fremdenlegionären bei einem Trainigslauf überholt. Die Wanderer und Tagesausflügler die uns entgegen kahmen hatten dafür sichtlich mit der Hitze und dem schattenlosen Aufstieg zu kämpfen.


Das Ende der Etappe, das zur Entspannung nochmal durch einen kleinen Wald führte zog sich dann aber doch noch mal ganz unerwartet. Das mag evtl. auch an der recht flexiblen Wegführung liegen, die immer wieder vom Besitzer des nahen Hotels "angepasst" wurde. Verlief der ursprüngliche GR20 doch deutlich weiter westlich und umging eben jenes Hotel...

Wir quartierten uns jedenfalls an dem angeschlossenen Zeltplatz ein und belohnten uns mit einer Dusche, einem Pastis im Restaurant und später mit einem leckeren, selbstgekochten Abendessen. Die Preise im lokalen Laden waren jedoch verglichen mit denen auf den Hütten unverschämt. Immerhin liegt er direkt an einer Straße und ein aufwendiger Transport wie wir ihn noch tags zuvor erleben durften war hier nicht notwendig...
Nicht desto Trotz war der Abend am Castellu di Verghio sehr schön, trafen wir doch nicht nur die französische Familie mit ihrem Hund wieder (die erstaunlich fit und schnell unterwegs waren) sondern auch zwei Briten, mit denen wir uns immer wieder an den Refuges und Bergeries zu einem Plausch zusammensetzten. Spannend wurde es dann nochmal, als auf der Straße eine Rotte halbwilder Hausschweine (oder waren es halbzahme Wildschweine?) auftauchten, die einen nahen Zaun niederrissen...

Früh morgens herrschte schon allgemeine Aufbruchstimmung. Offenbar hatte der gestrige, heiße Tag nun auch die meisten anderen Wanderer davon überzeugt die kühleren Morgenstunden zu nutzen. Führte der Weg anfangs noch auf einem flachen, gut ausgebauten und schattigen Waldweg entlang folgte nach einer Weile doch wieder der in Korsika unvermeidliche Aufstieg.


Aber auch dieser war nach kurzer Zeit bewälltigt und nach passieren des weiten, flachen Grates öffnete sich vor uns eine Weite, grasige Ebene mit einem großen See die von Wildpferden und ein paar Eseln besiedelt war.

An einer nahen, eingefassten Quelle mit Heiligenhäuschen wurden noch rasch die Wasserflaschen aufgefüllt, bevor wir zwischen den vierbeinigen Bewohnern über die große Weide spazierten. Der Weg blieb auch weiterhin gut gangbar, schlängelte sich etwas durch einen offenen Wald, an einer Bergerie vorbei (die leider keinen Käse mehr hatte), über eine weitere Ebene und dann kurz vor der Refuge de Manganu noch mal kurz und steil den Berg hinauf. Einer der beiden Briten der an diesem Tag mit uns gewandert war quartierte sich (um seinem schnarchenden Kollegen zu entgehen) sogleich in der Hütte ein. Wir suchten uns einen Platz für unser Zelt, kämpften mal wieder mit dem angeblich warmen, in der Realität aber umso kälteren Wasser der Dusche und beobachteten dann bei einem Omellete entspannt wie nach und nach die weiteren Wanderer eintrafen. Es wurde VOLL! Offenbar hatten viele die Straße am Castellu die Verghio genutzt um hier ihre Wanderung am GR20 zu beginnen. Der Platz an der Refuge wurde jedenfalls zusehends knapp. Mehr für uns zu gucken! Neben Wanderern die ihre Ausrüstung scheinbar schon seit dem letzten Jahrhundert nutzten, gab es auch welche, die auf dem neuesten Stand der Technik waren. Es gab britische Jugendgruppen, einzelne Wanderer mit Biwaksack großen Zelten, Low Budget Reisende mit Zelten vom Discounter und Dosenravioli. Leute die mit ihrer Ausrüstung aus dem Armystore offenbar auf irgendeiner geheimen militärischen Operation unterwegs waren. Es gab durchgestylte Disco-Stripper Typen, die in ihren zwei kleinen Fläschchen an den Schultergurten mit ziemlicher Sicherheit Babyöl und Schlagsahne griffbereit mit sich führten. Trailrunner die sich über die Stollen ihrer Sohlen austauschten. Drei Generationen einer Familie die eine "Männertour" unternahmen. Zwei Belgische Jungs die zwar reichlich dehydriert eintrafen, sich aber mehr Gedanken darum machten, wo man hier was zu rauchen bekommen könnte, als um die Versorgung mit essentielleren Gütern. Aber irgendwann verschwand dann doch die Sonne und wir zogen uns in unseren Quilt zurück...

Im Dunkel der Nacht machten wir uns auf. Naja, fast... So war zumindest unser Plan, sollte der Sonnenaufgang hinter dem nächsten Pass doch ein ganz besonderes Erlebnis sein. Zumindest packten wir aber noch im Dunkeln bzw. im Schein unserer Stirnlampe alles zusammen und als sich unsere Augen an das Dämmerlicht gewöhnt hatten machten wir uns an den Aufstieg.

Die beiden Lichtpunkte, die wir schon früh morgens beim Weg auf den Berg beobachten konnten hatten wir dann schon bald eingeholt. Die beiden Jungs waren sichtlich erstaunt, wer da noch in der Dämmerung so schnell aufgeholt hatte. Am Pass wehte uns ein kalter Wind entgegen. So schlüpften wir rasch in unsere Regenjacken und suchten uns für unser Gipfelfrühstück einen etwas geschützteren Platz.

Als wir fast fertig waren hatte gerade einer unser beiden britischen Freunde den Aufstieg beendet und so zogen wir zu dritt weiter.
Der Weg führte uns entlang eines Grates, durchsetzt mit kurzen Kraxelstellen. Linkerhand öffnete sich uns der Blick auf einige in Talkesseln eingeschlossene Seen. Stetig wanderten wir weiter und der Himmel zog sich immer mehr zu. Alle paar Minuten riß der Himmel auf und belohnte uns mit blendendem Sonnenschein. Dann pfiff uns wieder der Wind um die Ohren...
Unter uns tauchte die Refuge di Petra Piana auf. Wir folgten den vom Regen ausgewaschenen kleinen Pfaden bis wir auf die grüne Wiese vor der Hütte traten die zugleich als Landeplatz für den Versorgungshubschrauber diente. Es war noch recht früh am Tag. Eigentlich noch genug Zeit um noch die nächste Etappe anzugehen. Aber die Wolken die über dem nächsten Grat hingen ließen uns stattdessen einen Wind und Wetter geschützten Platz für unser Tarptent suchen.

Aus der anderen Richtung waren bereits einige andere Wanderer eingetroffen. Aus unserer Richtung dauerte es aber noch eine ganze Weile bis die nächsten eintrafen. Daher gönnten wir uns zunächst in der zwar urig wirkenden aber sehr ordentlichen und sympathisch geführten Refuge eine wirklich hervorragende Käseplatte und ein paar Kekse und ein Mars (die Rike gleich gekonnt zu ein paar Schokokeksen kombinierte!). Nach dem Duschen und einer "kurzen" Siesta füllte sich dann auch der Platz zusehends. Wir sicherten uns einen Platz für unser Abendessen und während ich das Wasser für unsere Freezerbagmeals kochte genossen wir das Hiker-Kino das sich vor uns abspielte. Je später der Abend umso abenteuerlicher die Gruppen der Wanderer die eintrafen....


Noch vor Sonnenaufgang waren wir wieder unterwegs. Für diesen Tag hatten wir uns Vizzavona als Etappenziel gesetzt. D.h. wir wollten zwei recht anpruchsvolle Etappen zusammenlegen. So wanderten wir zuerste entlang eines Grates der zwischenzeitlich mit kleineren Kletterpassagen aufwartete. Gleich zu Beginn kreuzte noch ein einzelnes Wildschwein unseren Weg sah dann aber schnell zu, dass es Land bekahm. Ob wir ihm nicht sympathisch waren?

Während die Sonne noch mit ihren warmen Strahlen auf sich warten ließ kühlte uns der Wind auf dem ausgesetzten Grat zusätzlich aus. Wer hätte gedacht, dass wir an einem wolkenfreien Tag in Korsika mit Regenjacken unterwegs sein würden?

Vor uns breitete sich die vermutlich größte Ziegenherde die wir je gesehen hatten aus. Es schien als währe der gesamte Berghang in Bewegung. Scheu waren sie auch nicht grade und so stapften wir mitten durch die Herde hindurch, weiter den Grat entlang. Nach ein paar Stunden kahmen uns dann die ersten Wanderer entgegen, sichtlich erstaunt wo wir um diese Zeit schon unterwegs waren (und vermutlich auch durch unser Outfit irritiert)...

Es dauerte nicht mehr lange bis die Onda Hütte in Sicht kahm, für die meisten das Etappenziel auf diesem Abschnitt. Statt jedoch die wenigen hundert Meter zu ihr abzusteigen stiegen wir weiter auf, den Monte d'Oro fest im Blick. Eine kurze Frühstückspause war dann aber doch noch drin...
Der Weg schraubte sich stetig höher aber nach den bereits zurückgelegten Tagen waren unsere Vorräte schon deutlich geschrumpft und unsere Rucksäcke merklich leichter geworden. Und so erreichten wir den Pass früher wie gedacht und machten uns sogleich an den Abstieg.
Mittlerweile war nun auch die Sonne weit genug aufgestiegen um uns mit ihrer Hitze stärker zuzusetzen. Aber ein Päuschen im Schatten um unsere Füße zu lüften und etwas Käse und Kekse zu futtern ist immer drin. Der Weg, der Anfangs noch über Geröllfelder führte verlief bald durch lichten Wald und der nahe Bachlauf gab uns die Möglichkeit zu einem kurzen Bad in einer Gumpe. Ein Blick auf die Uhr und wir waren wieder unterwegs. Planten wir doch in Vizzavona den Zug nach Corte zu nehmen um unsere Tour mit etwas Kultur zu bereichern. Und wir lagen so gut in der Zeit, dass es uns möglich sein sollte einen deutlich früheren Zug zu erwischen und uns eine lange Wartezeit auf den nächsten zu ersparen.
Beim weitern Abstieg überholten wir mehr und mehr Wanderer die morgens an der Refuge de l'Onda aufgebrochen waren. Und mehr als nur ein paar waren sichtlich erstaunt wie wir da so plötzlich hinter ihnen auftauchten und an ihnen vorbeirauschten. Einholen zwecklos... ;-)
Irgendwann schallten laute Stimmen uns entgegen. Die unteren Ausläufer des Flusses mit seinen zahlreichen Bade-Gumpen lockten viele Tagestouristen an. Wo man vor 15 Jahren noch ganz allein unterwegs war wirkte der Wald nun wie ein Spaßbad. Sogar ein Hochseilgarten und eine Imbißbude waren vorhanden. Wir machten das Beste draus, kauften uns ein Eis und wanderten weiter...

Die letzten Meter bis Vizzavona verlief der GR20 auf breiten Waldwegen die uns rasch zum Bahnhof brachten. Noch flott die Tickets gekauft und schon 5 Minuten später fuhr der Zug ein. Das nenn ich mal Timing!

Der Zug brachte uns auf einer Bahnstrecke, die zu den schönsten der Welt gehört nach Corte, wo wir uns zwei Nächte Auszeit gönnten, unser Kulturbedürfnis befriedigten, unsere Vorräte auffüllten, Klamotten wuschen und auch mal den örtlichen Restaurants einen kleinen Besuch abstatteten.... Aber wie es so schön heißt: Was in Vegas (respektive in Corte) passiert, bleibt in Vegas!

Folgt uns weiter auf unserer Tour durch Korsika - Blasenfrei auf dem GR20 - Süd