Samstag, 25. Februar 2012

Patagonia Down Sweater

Bei mir wurde es nun langsam mal Zeit mich einem Bereich zuzuwenden, den ich in den letzten Jahren immer etwas vernachlässigt habe, meiner Winterbekleidung.
Bisher hatte ich mich immer damit begnügt mich in zahlreiche Lagen mehr oder weniger effektiv zu hüllen. Selbstverständlich ist das Zwiebelprinzip grundsätzlich immer eine gute Idee. Wenn aber die Lagen dann irgendwann überhand nehmen und es nicht mehr möglich ist sie unterwegs sinnvoll aufeinander abzustimmen, bzw. der jeweiligen Situation flexibel anzupassen, sollte man nachbessern.

Einen wesentlichen Bereich nimmt dabei die Oberbekleidung ein. Also ging ich erstmal auf die Suche nach einer Jacke und bin schließlich beim Patagonia Down Sweater gelandet.



Warum gerade der Down Sweater von Patagonia?

Nun, die Frage ist berechtigt. Immerhin bin ich ja als Grammzähler bekannt und verglichen mit dem Down Sweater gibt es durchaus einige Jacken, die leichter und/ oder wärmer sind. Aber nicht zu letzt ist die Wahl der Ausrüstung immer eine sehr individuelle. Das fängt bei dem geplanten Einsatzbereich an, geht über persönliche Vorlieben von Ausstattungsdetails und endet nicht zuletzt bei der Passform.
Um meine eigenen Gedankengänge hinter der Entscheidung für den Down Sweater etwas zu erläutern will ich mal etwas mehr ins Detail gehen.

In der Regel sind die Winter in unserer Ecke ja nicht die längsten. Und wenn man mal von den paar freien Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr absieht, hab zumindest ich nur an den Wochenenden Zeit mich mal draußen rum zu treiben. Eine ausgedehnte Wintertour  mit Übernachtung im Freien ist da eher selten. Daher beschränke ich mich auf kürzere, aber meist sehr vielseitige Aktivitäten um das Meiste aus der kurzen Zeit rauszuholen. Angefangen bei normalen Wanderungen, die evtl. auch mal den ein oder anderen Berg mit einschließen können. Über Skifahren egal ob Langlauf oder Abfahrt. Bis hin zu typischen Winterspäßen wie Rodeln und Schneemann bauen. Das dabei das Wetter nicht immer das beständigste ist und man mitunter auch auf eine wasserdichte Jacke angewiesen ist, liegt leider an unseren Breitengraden, die eher für nasse als trockene Winter bekannt sind.

Da stellt sich gleich mal die Frage "warum Daune und keine Kunstfaser?"

Grundsätzlich ist Daune immer noch was das Wärme-Gewichtsverhältnis angeht effizienter. Aber wie sieht es aus, wenn sie mal nass wird?
Allgemein sagt man ja, ist feuchtigkeitsstabile Kunstfaser bei nassem Klima der empfindlichen Daune vorzuziehen. Dabei zu bedenken ist aber dass es drei verschiedene Wege gibt, wie eine Jackenisolierung feucht werden kann.
Gegen Regen hilft eine zuverlässige Hardshell. Bei kurzem Nieselregen reicht evtl. auch die Jacken eigene DWR-Beschichtung.
Das zweite Problem könnte bei erhöter Luftfeuchtigkeit auftreten, die ungehindert in die Isolierung kriecht und diese kollabieren läßt. Dies hängt aber immer stark von dem herrschenden Klima ab. Mit etwas Umsicht und Erfahrung kann man den Loftverlust aber auch hier vermeiden oder zumindest kompensieren.
Die dritte Möglichkeit wie eine Jacke feucht werden kann kommt durch den Träger selbst. Ist man zu warm an, schwitzt man die Jacke schlicht voll. Bei längeren Touren setzen erfahrene Winterwanderer daher auf sogenannte VBLs (Vapour Barrier Lines) die als Dampfsperre die empfindliche Kleidung oder den Schlafsack vor dem Körperschweiß bewahren.
Alternativ pellt man sich einfach rechtzeitig aus seiner überflüssigen Kleidung oder handhabt es wie die Inuit: Man passt sein Tempo seiner Kleidung an und geht einfach mal etwas weniger flott, wenn man sonst Gefahr läuft im eigenen Saft zu stehen!

Ein weiter Grund, der gegen Daune spricht liegt weniger im technischen Bereich als in der Problematik der Daunengewinnung. Ich möchte hier jetzt nicht zu sehr darauf eingehen sondern verweise lieber auf den sehr offenen und ehrlichen Patagonia eigenen Blog, wo man sich dieser Schwierigkeiten nur zu bewußt ist.
Sollte man sich aus welchen Gründen auch immer doch für Daune statt für Kunstfaser entscheiden, sollte man wenigstens darauf achten, dass man sich für ein Produkt entscheidet was Qualitativ langlebig ist und wo der Hersteller ein eigenes Interesse verfolgt seine Ware nicht aus fragwürdigen Quellen zu beziehen. Das klärt auch gleich die Frage warum ich bei Patagonia und nicht einem der zahlreichen anderen Anbieter für Daunenkleidung gelandet bin.
Natürlich gibt es auch leichtere Daunenjacken und Patagonia hat selber leichtere Modelle auf dem Markt. Diese sind aber entweder nicht ganz so warm gefüttert wie der Down Sweater, haben nicht die von mir gewünschte Ausstattung oder sagen mir schlichtweg von der Passform nicht zu.
Der sauber hinterlegte Frontreißverschluss lässt sich auch problemlos mit dicken Handschuhen bedienen.

Die meisten, die sich nach einer Winterjacke umschauen werden mit Sicherheit großen Wert auf eine gute Kapuze legen. Der Down Sweater hat jetzt auffälligerweise gar keine. Obwohl es von Patagonia dieses Modell auch mit Kapuze gibt, habe ich mich bewußt dagegen entschieden. 
Nicht etwa um Gewicht zu sparen, sondern aus einem ganz praktischen Grund.
Bin ich in Bewegung nutze ich eigentlich nie eine Kapuze (wenn man mal von der Kapuze meiner Regenjacke absieht). Es ist mir, zumindest in unseren Breitengraden, schlicht zu warm. Bei kühleren Temperaturen reicht mir eine Mütze, die weder meine Sicht noch mein Gehör merklich einschränkt. Eine warme Kapuze ist für mich höchstens als Ergänzung für mein Schlafsetup interessant.
Ein weiter Grund mich gegen eine Kapuze zu entscheiden liegt in der Problematik, wenn ich den Down Sweater mit einer Regenjacke verwende. Logischerweise trage ich die Regenjacke über dem Down Sweater um ihn wie bereits erwähnt vor der Nässe zu schützen. Hätte er eine Kapuze, müsste ich diese entweder auch aufsetzen, wenn ich die Kapuze meiner Regenjacke nutze (was mir schnell zu warm würde) oder ausgelassen würde sich die Kapuze im Nacken knubbeln, da meine Regenjacken eher sportlich eng geschnitten sind.
Also weg mit der Kapuze!
(Sollte es doch mal unerwartet kalt werden, habe ich ja noch eine Daunenmütze von Blackrockgear im Gepäck!)

Warten, dass das Wasser kocht...

Ein weiterer Vorteil der sich dadurch ergibt ist die Möglichkeit die Jacke auch mal verkehrt herum zu tragen. Sprich mit dem Reißverschluss auf dem Rücken! Diese Methode, die sich auf den ersten Blick wie eine Zwangsjacke anhört hatte bereits Ray Jardine, der Begründer der Ultraleichtbewegung erfolgreich genutzt und in seinen Büchern erläutert. Trägt man einen Rucksack wird in der Regel nicht nur die Isolierung am Rücken zusammengedrückt. Man neigt auch dazu diesen vollzuschwitzen! Trägt man die Jacke verkehrt herum und lässt den Reißverschluss offen, verhindert man dies. Durch den Rucksack läuft man trotzdem keine Gefahr ungewollt auszukühlen. Sieht zwar evtl. etwas verboten aus, funktioniert aber sehr gut!
Selbst wenn man von dieser doch eher ungewöhnliche Lösung absieht, erlaubt der durchgehende Reißer beim Patagonia Down Sweater eine bessere Ventilation wie ein gewichtsoptimierter kurzer Reißverschluss.
Sollte ich als Quiltschläfer doch mal eine Übernachtung  bei tieferen Temperaturen im Freien planen, würde ich zusätzlich zu dem Down Sweater vermutlich eine weitere Isolierung mitnehmen die dann auch über eine Kapuze verfügt. Da er mit seiner Isolierung eher in der Mittelklasse anzusiedeln ist, eignet er sich hervorragend dazu mit anderen Lagen kombiniert zu werden.

Soviel also dazu, warum meine Wahl gerade auf diese Jacke gefallen ist.

Bevor es jetzt aber zu meiner eigenen Praxiserfahrung mit dem Down Sweater geht gucken wir uns noch grade mal die übrige Ausstattung an.

Der Down Sweater verfügt über zwei gut zugängliche und geräumige Reißverschlusstaschen die auch mal die Hände vor dem Auskühlen schüzen. Auf der Innenseite befindet sich eine weitere Reißverschlusstasche. 
Diese Netztasche kann zwar dafür genutz werden den Down Sweater wie in einem Packbeutel zu verstauen, ich ziehe es aber vor ihn unkomprimiert im Rucksack zu tragen. Da schont man die Daune und hat ihn schneller griffbereit. 
Dafür bietet sich die Tasche aber zum Beispiel geradezu dazu an kälteempfindliche Dinge wie Smartphone, Kamera, oder Akkus aufzubewahren. So beugt man einer ungewollten Entladung zuverlässig vor.
Der Saum ist mit einem verstellbaren Gummizug versehen, der den Down Sweater nach unten hin winddicht verschließt und ein Hochrutschen verhindert.

Der Down Sweater verpackt in der eigenen Innentasche.

Jetzt wird es aber mal Zeit aus meiner Praxiserfahrung mit der Jacke zu berichten.

Den Down Sweater habe ich etwa seit Mitte Dezember. Seitdem hat er mich nicht nur bei Wanderungen in Wald und Wiese, kurzen Wochenendtouren und beim Skifahren begleitet sondern auch täglich in der Stadt, beim Einkaufen, auf dem Rad und beim Warten auf den Zug.
Bisher haben sich dabei keine wesentlichen Qualitätsmängel gezeigt. Das spricht für eine saubere Verarbeitung und eine gute Wahl der verwendeten Materialien.

"kuschelig" warm bei Wind und Schnee

Etwas enttäuscht hat mich aber gleich zu Anfang die DWR, sprich die wasserabweisende Beschichtung. In meinen Augen ein wesentlicher Bestandteil eines hochwertigen Daunenproduktes, da es doch die empfindliche Isolierung schützen soll. 
Schon beim ersten leichten Nieseln saugte jedoch der Oberstoff fast ungehindert die Tropfen auf, das Abperlen beschränte sich auf ein Minimum. Mit längerem Tragen wurde dieser Effekt natürlich auch nicht besser.
Umso erfreulicher dafür, dass die Jacke bisher in allen Situationen ihren Loft erstaunlich gut gehalten hat. Selbst bei feuchterem Klima um den Gefrierpunkt und überraschenden Regenschauern blieb die Daune stabil. Das spricht für die sehr gute Qualität der verwendeten 800er Daune. Denn selbst bei gleichen technischen Angaben ist Daune nicht gleich Daune, handelt es sich doch immer noch um ein Naturprodukt.

Der Patagonia Down Sweater hat sich bei mir nicht nur während diverser Outdooraktivitäten zu einem meiner Lieblingsteile entwickelt. 
Gerade im Alltag wenn man mal auf eine warme Jacke angewiesen ist ohne gleich zu wirken als währe man vom nächsten Berg runtergestiegen, habe ich den cleanen look bei gleichzeitigem hohen Tragekomfort sehr zu schätzen gelernt. Im Alltag hat er mir bei Temperaturen bis etwa 5 Grad kombiniert mit einem einfachen Baselayer (200er Merino) vollkommen ausgereicht. Selbst wenn ich mal länger auf die Bahn warten musste und ich im Wind stand war mir angenehm "muckelig". Lediglich bei tieferen Temperaturen wurde es nötig doch noch was drunter zuziehen oder sich etwas mehr zu bewegen. Bis etwa -5 Grad habe ich den Down Sweater dann zusätzlich mit einem 100er Fleece oder der Patagonia Nano Puff Weste getragen. Die Kombination DownSweater und NanoPuff Weste hat sich dabei als mein persönlicher Favourit herausgearbeitet, sowohl was Tragekomfort als auch Packmaß und Vielseitigkeit angeht. Zumindest solange ich mich nicht intensiv bewegt habe. Dann reicht auch bei -5C der Down Sweater allein.

Was mir besonders an dieser Jacke gefällt ist ihr klassisches und zeitloses Design. Im Gegensatz zu vielen anderen Daunenjacken die in letzter Zeit auf den Markt gekommen sind kommt der Down Sweater auch ohne irgendwelche modischen Experimente oder technischen Spielereien aus. Mal ganz davon abgesehen ob solch teilweise gewagten Designexperimente auch noch in einem Jahr ansprechend wirken, ist es auch oft fraglich ob sie auch die Performance einer Jacke steigern oder nur ihren Preis...
Der Down Sweater überzeugt da eher durch ein schnörkelloses Design und gekonntes Understatement.

In Kombination mit meinen diversen Regenjacken (Haglöfs Oz, GoreTex Active Shell, DriDucks) gab es keine Probleme. Die Passformen ergänzten sich prima und nirgendwo knubbelte sich etwas oder lugte Isolierung unter der Hardshell hervor.

In die Innentasche geht so einiges rein.

Einige praktische Detaillösungen fallen einem oft ja erst bei längerer Benutzung auf.
So ist es mir z.B. mit der recht geräumigen Innentasche der Jacke gegangen. Hier wurde der Reißverschluss leicht schräg eingesetzt, was den Zugriff auf den Tascheninhalt deutlich erleichtert! Insbesondere wenn man mal darüber einen Schlupfer wie die Haglöfs Oz trägt und den Frontreißverschluss nur zur Hälfte öffnen kann. Eine einfache aber effiziente Lösung.


Insgesamt bin ich mit dem Patagonia Down Sweater sehr zufrieden. 

Mit ziemlicher Sicherheit wird er mich auch auf der im März anstehenden Wintertour nach Finnland begleiten.
Für mich hat sich die Jacke schon jetzt zu einem Klassiker entwickelt, den ich mit Sicherheit noch Jahre tragen werde.
Jeder wird aber andere Maßstäbe an eine Winterjacke setzen. Und es gibt Daunenjacken, die evtl. leichter oder wärmer sind. Manche können mit außergewöhnlichen Gimmicks oder Designs aufwarten. Ob sie damit immer gleich "besser" sind, ist immer sehr individuell. Ich hoffe ich konnte mit diesem recht ausführlichen Review euch nicht nur den Patagonia Down Sweater vorstellen, sondern Euch auch eine Idee davon geben welche Kriterien mir bei meiner Ausrüstung wichtig sind und was man bei der Wahl einer Jacke evtl. mit in die Entscheidungsfindung einfließen lässt.

Der Down Sweater fehlt bei keiner Pause.
Bedanken möchte ich mich noch bei den Bergfreunden, die mir die Jacke für das Review zur Verfügung gestellt und mich bei der Suche nach der richtigen Jacke unterstützt haben.

Kommentare:

  1. Basti, it was really good to read your decision making process, how you are very specific about where and in which conditions you plan to wear your insulation. So many reviews (probably mine included) don't make this apparent, but it is so important! So now we are able to read your decision making process, understand your demands and constraints and how you arrive at your choice. Fantastic!
    As for the actual jacket itself, it looks great and most definitely suits you - in looks and application! Groß job!

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  2. Hej Basti,
    warum hast du die Uniqulo ersetzt, bzw. was ist der Vorteil gegenüber der?

    beste Grüße

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  3. Na, "ersetzt" ist sie nicht! Die Patagonia ergänzt die Uniqlo vielmehr! Bei warmen Temperaturen, wo ich hauptsächlich was für die Pausen und Nachts brauche, ist die Uniqlo dabei. Bei frostigen Temperaturen wo ich eher was Warmes für unterwegs brauche (bin ja nicht so der Wintercamper), nutze ich die Patagonia. (quasi für on-the-go)
    Und sollte ich doch mal bei deutlichen Minusgraden dazu kommen draußen zu schlafen, passt die Uniqlo perfekt über die Patagonia! (dafür extra 'ne separate Jacke anschaffen, die dann die meiste Zeit des Jahres ungenutzt im Schrank hängen würde ist nicht so mein Ding)

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