Samstag, 9. Juni 2012

On the Rocky Road to Dublin...


Kaum aus Finnland zurück verschlägt es uns schon nach Irland. Genauer gesagt in die Wicklow Mountains. Dort wollten wir von Clonegal aus entlang des 129km langen Wicklow Ways bis nach Dublin spazieren. Der Wicklow Way gilt dabei als einer der ältesten "Fernwanderwege" Irlands, wobei man sich über den Begriff "Fernwanderweg" wohl streiten könnte. Immerhin liegt der Rekord für den Weg bei 13 Stunden 38 Minuten. Aber wir wollten uns ja nicht hetzen und dafür lieber etwas die Irische Kultur unterwegs genießen...

Diesmal haben wir uns bewusst gegen unsere beiden bewährten huckePacks entschieden. Wer es noch nicht mitbekommen hat: Es hat Nachwuchs gegeben im Hause Beuteltier! Unsere Beute-Beutel Sammlung wird seit einiger Zeit von zwei kleinen huckePäckchen bereichert die von ihrem Volumen her wie geschaffen sind für diese knapp einwöchige Wanderung. (Mal ganz davon abgesehen, dass sie mit ihren Abmessungen im Flieger noch als Handgepäck durchgehen)

Jetzt aber genug Geartalk! Wird langsam Zeit, dass wir losziehen...

Spät abends in Dublin angekommen wurde noch das überflüssige Gepäck in der Jugendherberge deponiert um morgens in aller früh den Bus Richtung Süden zu nehmen. Nach einer knapp zwei Stündigen Fahrt waren wir dann auch am Ausgangspunkt. Bzw. an der nächst möglichen Bushaltestelle zu dem knapp 7km entfernten Trailhead. Also erstmal Frühstück nachholen bevor wir uns an die Wanderung entlang der Strasse machten.

In Clonegal gab es dann (neben einem geschlossenen Pub) eine Hinweistafel mit allen mehr oder weniger relevanten Informationen zum Wicklow Way. Nichts was wir nicht schon vorher im Internet herausgefunden hätten...;-) Also gleich die huckePÄCKchen wieder geschultert und endlich entlang des offiziellen Teils unserer Tour.

Der verlief dann auch erstmal entlang einer Straße. Die war wenigstens nur recht sporadisch befahren und die grün blühende Landschaft rechts und links entschuldigte für den Asphalt. Zudem waren wir genau in der Lammsaison gestartet, was uns im Verlauf unserer Tour mehr als einmal ein "Guck, doch mal da!" oder "Ohhh, wie süß!" entlockte. (Die kleinen tolpatschigen Flusenfänger sind aber auch niedlich!)

Das Wetter spielte zum Glück mit und so konnten wir bei herrlichem Sonnenschein den ersten Tag auf Tour entspannt genießen. Abends fand sich dann auch gleich ein kleines Plätzchen wo wir unser ShangriLa für die Nacht aufbauten bevor es dann nach einem Abendessen in den Quilt ging.

Der Morgen überraschte uns mit dichtem Nebel. Aber kaum hatten wir unser Beute-Beutel wieder gepackt verschwand dieser und wir konnten unseren Weg unbeschwert fortsetzen. Vorbei ging es an neugierigen Zeitgenossen...

...über Asphalt...
...vorbei an mehreren geschlossenen Pubs...

...entlang eines eigentümlichen Hohlwegs...
...bis zu einem kleinen B&B wo wir uns für die Nacht einrichteten. Nach einem sehr umfangreichen Frühstück (hab leider zu spät kapiert dass ich zusätzlich zu Eiern, Müsli, Bohnen, Kartoffeln, Toast, Scones, Obst, Joghurt... auch noch Pfannkuchen hätte haben können) rollten wir dann am nächten Tag gut gestärkt weiter Richtung Norden.

Der Weg wurde abwechslungsreicher und verlief durch Wald, über Hügel (kein Berg, weil "ein Berg ist wo Schnee drauf ist") und über ungewöhnliche Balkenkonstruktionen um den empfindlichen Boden zu schonen.
Und dann... Ja dann tauchte auf einmal so ein Pfosten auf...

Halfwaypoint! Das ging aber schnell. Zum Glück hatte der nahegelegene Pub diesmal auf um uns eine kleine Belohnung zu gönnen... ;-)
Weiterzugehen fiel danach aber aus. Irgendwie schafften wir es dann aber noch unser Nest gut versteckt aufzuschlagen bevor uns endgültig der Schlummer überkam.

Um zu neuen Kräften zu gelangen wurde nach einer kurzen Katzenwäsche (man ist ja zivilisiert) gleich nochmal der selbe Pub um ein Frühstück erleichtert. Immerhin war Ostersonntag und für uns standen heute ein paar Höhenmeter auf dem Programm und dann darf man das!

Anschließend führte uns der Weg über den nächsten Hügelkamm und eröffnete uns einen Ausblick auf seinen weiteren Verlauf.




Im Tal zwischen den beiden Seen lag eine der ältesten Klosteranlagen Irlands die an diesem Sonntag regelrecht mit Touristen überlaufen war. Und wir durfen geradewegs durch dieses Getümmel. Nur schnell ein paar Fotos schießen. Zum Verweilen war es uns hier eindeutig zu wuselig. (Aber schon witzig wie außer Atem viele der Touris waren, die sich da ganz ohne Rucksack den selben Weg entlang kämpften den wir schon seit dem Morgen unter unseren Füßen spürten...)

Als wir dann die Massen hinter uns gelassen hatten und rechts und links der blühende Ginster unser einziger Begleiter war lief es sich auch gleich wieder viel entspannter. Auf der Suche nach einem geschützten Plätzen für die Nacht (in der Zwischenzeit war Regen und Wind aufgezogen) stolperten wir an einem offenen Shelter vorbei. Von diesen an drei Seiten geschlossenen Hütten gab es insgesamt drei Stück entlang des Wicklow Ways. Und da es eh schon recht spät war nutzen wir die Gelegenheit und richteten uns häuslich ein. Praktischerweise lieferte ein Kanister an der Außenwand gesammeltes Regenwasser zum Kochen.

Die Isomatten wurden ausgebreitet. Der Quilt wurde geloftet. Die warmen Klamotten wurden angezogen. Das Essen wurde vorbereitet. Und im Topf köchelte warmer Kakao vor sich hin. Und weil ja Ostern war, kamen auch die Leckereien nicht zu kurz...
Nach einer entspannten Nacht bei der wir durch den leise plätschernden Regen begleitet wurden machten wir uns an den Aufbruch.

Hier eine kleine Bitte an Alle, die auch so einen Shelter nutzen möchten. Die Hütten werden fast ausschließlich von Freiwilligen betreut und in Schuß gehalten. Behandelt sie auch so!
Die Box auf der Innenseite ist KEIN MÜLLEIMER! Dort befindet sich das Hütten/ Gästebuch. Manchmal finden sich dort auch noch einige Lebensmittel (Riegel, Fertigfutter, etc.) die manche Wanderer dort für andere hinterlassen haben. Das ist KEIN MÜLL!
Warum ich das jetzt hier schreibe? Neben diesen Dingen fanden wir darin noch mehr (leere Verpackungen, Zigarettenpackungen und Kippen, Taschentücher), leider ausschließlich aus Deutschland....

 Dieser Tag war trotz (oder vielleicht gerade wegen des Wetters) einer der schönsten auf dem Wicklow Way. Nach einem kurzen Zwischenstopp an einem Pub (der Kulturteil darf ja bei so einer Wanderung nicht zu kurz kommen!) ging es gleich hoch hinaus. Bevor der Weg uns eine grandiose Aussicht über ein Hochmoor lieferte führte er am Gedenkstein von J.B. Malone, dem Gründer des Wicklow Ways vorbei.
 Auf den uns mittlerweile gut bekannten Planken stapften wir dann trockenen Fußes über die nächste Anhöhe als hinter der nächsten Biegung die Wolken aufrissen und uns den Blick aufs Meer freigaben.


Abwechslungsreich gestaltete sich dann der Abstieg, der zuerst an einer recht steilen Wand entlang führte, über eine weite Fläche sich ins Tal fortsetzte, eine kleine Brücke passierte und schließlich (nach einem kurzen aber ordentlichen Anstieg) wieder auf einen befestigteren Weg traf der uns runter in Tal begleitete.
 Dort ging es noch ein kurzes Stück entlang eines kleines, idyllischen Flusses (der uns irgendwie an große Mengen Guinness erinnerte...) und an dem blöderweise das Zelten verboten war. Nachdem der Weg einen Bogen entlang des Flusses beschrieben hatte näherten wir uns der örtlichen Jugendherberge.
 Diese war zur Zeit kaum belegt und so konnten wir uns ganz allein über ein großes Zimmer mit eigener Dusche freuen. Nochmal rasch alle Klamotten durchwaschen und lüften bevor es am nächsten Tag dann an den Endspurt geht.
 Das Abendessen wurde dann auch gleich noch durch ein paar Snacks aus dem Automaten ergänzt... ;-)

 Frisch geduscht und ausgeschlafen führte uns der nächste Tag dann zuerst duch ein Stückchen Wald. Doch dieser wechselte sich dann schon nach kurzer Zeit mit einer Straße ab. Zum Glück nicht allzu lange. Nach einer Weile führte die Ausschilderung rechts den Hang hinauf, über den Dublin Mountain hinweg. Oben wurde es wieder zusehends karger. Aber schon bald waren wir bei leichtem Nieselwetter auf der Kuppe angekommen (so ein richtiger Berg sieht meiner Meinung nach schon etwas anders aus...) und vor uns breitete sich die Irische Hauptstadt Dublin aus. Der Weg, der uns nun auf der anderen Seite runter führte wurde rasch durch eine breite ungeteerte Straße abgelöst. Der Wicklow Way bekam zusehends einen urbanen Charakter und nachdem wir eine Weile an einer mehrspurigen Straßen entlang taperten mündete er in den  Marlay Park um uns wenigstens noch mit etwas Grün zu verabschieden.
 Der Marlay Park war als Naherholungsgebiet zu dieser Zeit voll mit Joggern, Spaziergängern und anderen Leuten, die mal kurz raus an die frische Luft wollten. Mit unseren Rucksäcken wirkten wir hier schon etwas deplaziert.
 Aber für uns waren es dann nur noch wenige Meter bis zum offiziellen Start/ Ende bevor wir uns am nächsten Tag selber in Touristen verwandeln würden. Aber zuvor noch ein Eis zur Belohnung!

Insgesamt war der Weg landschaftlich recht nett. Nur leider führten große Teile über oder entlang ausgebauter Straßen. Verglichen mit dem West Higland Way in Schottland war er aber abgesehen von einigen Abschnitten mit Touristenanlaufpunkten aber deutlich ruhiger und scheinbar seltener begangen. Zwischendurch gab es auch immer wieder fabelhafte Ausblicke die den jeweiligen Tag zu einem Höhepunkt machten.
Auch wenn der Wicklow Way nahezu alle Dörfer meidet, liegen doch genug nahe am eigentlichen Wegverlauf (in der Regel zwischen 2-4 km) um sich mal einen Abstecher zu einem Pub oder einem Lebensmittelladen zu gönnen. Wer ganz auf eine mobile Unterkunft verzichten möchte findet hier auch B&B's und seltener mal eine Jugendherberge. Allerdings tut man gut daran, sich für diesen Fall rechtzeitig um eine Reservierung zu kümmern. Gerade an Wochenenden und Feiertagen sind die wenigen Betten schnell mal ausgebucht.
Technisch betrachtet ist dieser Weg eher wenig anspruchsvoll. Die meiste Zeit führt er über gut ausgebaute Forstwege.
Wettertechnisch sollte man allerdings auf alles vorbereitet sein. Gerade bei den Abschnitten über das Hochmoor kann durch das Meeresklima auf der einen Seite des Berges ein vollkommen anderes Wetter herrschen wie auf der anderen Seite.
Handynetzabdeckung war zwar weitestgehend vorhanden, aber nicht flächendeckend. Wer sich also auf Tour auf sein geliebtes Spielzeug verlassen möchte, sollte dies berücksichtigen.

Was uns nachhaltig positiv beeindruckt hat waren aber die Leute. Egal wer einem begegnete, man wurde ständig freundlich begrüßt. Selbst aus vorbeifahrenden Autos wurde einem aus dem Rückspiegel noch nachgewunken. Unterwegs war es nicht unwahrscheinlich spontan mit anderen Wanderen in einen kleinen Plausch zu verfallen. "Lovely day, isn't it?" wird da schnell zu mehr wie einer bloßen Begrüßungsfloskel. Die Iren haben uns durch ihre freundliche und offene Art wirklich mehr als beeindruckt. Oder vielleicht lag es auch nur an den roten Haaren meiner Frau... ;-)


 

1 Kommentar:

  1. Looks an interesting trail.  Closed pubs is tragic :).  Enjoyed that and thanks.

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