Montag, 16. Juli 2012

Stöckchen, Stöckchen, ICH muss wandern...


Bei manchen Dingen ist man sich nicht sofort im Klaren ob man so etwas wirklich "braucht" oder ob es nur ein "nice to have" ist.
In meinem Fall geht es um Trekkingstöcke. Um genauer zu sein um den Black Diamond Ultra Distance Z-Pole. Das ist ja nun schon kein wirklicher Neuling mehr auf dem Markt, trotzdem sieht man nicht viele Leute mit dem rumlaufen. Wie ist das nun mit mir?
Ich glaube entweder liebt man Stöcke, oder eben nicht. Und ich? Ich sah mich immer irgendwo dazwischen.

Wander- oder Trekkingstöcke, Trailpoles, oder wie auch immer waren für mich immer so ein zweischneidiges Schwert.
Bei entsprechendem Gelände, sprich Alpin, finde ich haben ein paar vernünftige Stöcke durchaus ihre Berechtigung. Entlasten sie doch bei Bergab die Knie und bei Bergauf helfen sie sich abzudrücken. Aber in flachem Gelände? Insbesondere, wenn die gesamte Ausrüstung kaum mehr wiegt wie ein durchschnittlicher Tagesrucksack? Da stehe ich Stöcken ähnlich kritisch gegenüber wie steigeisenfesten Stiefeln auf flachen, ausgebauten Fortswegen beim Sonntag-Nachmittagsausflug.

Als wir uns damals noch mit deutlich größeren Lasten (jenseits der 20 Kilo) durch die Gegend schleppten, legten wir uns auch irgendwann jeder ein paar teleskopierbare Trekkingstöcke zu. Und es war wirklich ein deutlicher Unterschied zu spüren. Auf unebenen Untergrund ließ sich nun das Gleichgewicht besser halten und insgesamt halfen die Stöcke einem das Gewicht besser zu tragen indem sie die Beine und Knie entlasteten.
Mit schwindendem Gewicht verschwand aber irgendwann diese Notwendigkeit. Der Rucksack war nicht mehr länger im Weg und wir waren auf die Stöcke eigentlich nicht mehr länger angewiesen. Außer nachts. Denn um unsere Ausrüstung zu reduzieren sind wir auf Zelte umgestiegen, die statt gewöhnlichem Gestänge auf die eh schon vorhandenen Trekkingstöcke setzten.
Nur erwischten wir uns, dass wir selbst in Island die Stöcke eigentlich nur noch für's Zelt und nicht mehr zum Wandern nutzten.
Sogar bei Flußquerungen verzichteten wir drauf. So gesehen waren sie "totes Gewicht". Mittlerweile waren wir deshalb schon auf Modelle umgestiegen, die kaum mehr an richtige Stöcke als vielmehr an klassisches Zeltgestänge erinnerten. Nicht mehr länger teleskopierbar, sondern lediglich mehrere hauchdünne Alurohre die innen durch eine Kevlarschnur zusammengehalten wurden. Bei Nichtgebrauch wurde die Schnur gelockert und man konnte die Stöcke eben wie Zeltgestänge falten und verstauen.
Nur eben waren diese Trailpoles auch ähnlich flexibel. Als "Sicherheitsausrüstung" im Berg eher nicht zu empfehlen, sondern mehr als "Gehhilfe" geeignet.

Wiebke von den Bergfreunden schlug daher vor, dass ich mir doch mal die Black Diamond Stöcke etwas näher angucken könnte. Also will ich mich mal kritisch mit diesen auseinader setzen...

Die Z-Pole Serie von Black Diamont lässt sich ebensowenig wie meine Raidlight Poles nicht wie andere Modelle teleskopieren, d.h. in der Länge verstellen. Stattdessen verläuft hier im Inneren ein Zug, der die drei Elemente durch Spannung zusammen hält.
Der wesentliche Unterschied zu meinen Raidlight Poles ist hier aber wohl das Material der Stöcke. Diese bestehen aus Carbon und haben eine deutlich geringere Durchbiegung.
Verglichen mit meinen Raidlight Trailpoles ist diese fast nicht spührbar.

Bei den folgenden Bildern wurden die Stöcke an den Enden aufgelegt und in der Mitte durch ein Gewicht (1,5 Kilo) beschwert. Dies zeigt die unterschiedliche Durchbiegung der Stöcke. Im Vergleich der Black Diamont Ultra Distance Z-Pole aus Carbon, der Leki Makalu Classic aus Aluminium und der Raidlight Trailpole aus Alu. Als Referenz dient jeweils eine unbelastete Aluminumzeltstange.
Black Diamont Ultra Distance Z-Pole
Leki Makalu Classic

Raidlight Trailpole

Und auch wenn das Prinzip der Stöcke recht ähnlich ist, hat Black Diamond beim Handling der Stöcke ganz klar die Nase vorn. Bei den Raidlight Poles wurde die gespannte Schnur einfach mit einem Knoten hinter einem kleinen Schlitz eingeklemmt. Bei den Black Diamond Ultra Distance ist der Spannmechanismus im Griff integriert. Zieht man Griff und oberstes Stockelement auseinander, wird dadurch die Schnur im Inneren gespannt. Der Griff rastet dann in der entsprechenden Position automatisch ein und hält die Schnur auf Spannung. Zum Lösen wird lediglich ein kleiner Knopf betätigt und die drei Stockelemente wieder auseinander gezogen.

Auch die Verbindung der einzelnen Stockelemente kommt überaus gelungen daher. Durch ein eingepasstes Kunstoffelement gleitet das jeweils untere Carbonelement nahtlos in das obere hinein. Das verhindert nicht nur evtl. Fummelei und sieht gut aus. Das schützt vor allem auch die einzelnen Carbonelemente vor Beschädigung!

Statt der üblichen Wolfram Carbid Spitze plus optionalem Gummifuß zum Aufstecken besitzen die Black Diamont Stöcke kleine, über einen Schraubmechanismus austauschbare Spitzen. Entweder auch mit einer Wolfram Carbid Spitze oder einem kleinen Kunststoffkopf. Bei Verlust sind diese als Eratzteile bei Black Diamont erhältlich.

Auch der verlängerte Griff als solcher wirkt zusammen mit den anatomisch geformten Schlaufen sehr wertig und funktionell.

Allerdings bin ich schon über den Punkt hinaus an dem mich bloße Werbeversprechen und ein schickes Design von einem Produkt überzeugen. Für mich sind die Teile meiner Ausrüstung in erster Linie Werkzeuge. Und diese müssen funktionieren. Und man braucht natürlich für den jeweiligen Einsatzbereich auch das passende Werkzeug. Da macht es keinen Unterschied ob man nun über Schuhe, Rucksäcke, Zelte oder eben Stöcke redet.

Für mich persönlich sind für diese Stöcke dabei schwerpunktmäßig drei Verwendungen von Interesse. Als da währen Trailrunning, Wandertouren und Zelt-, bzw. Tarpgestänge.

Trailrunning
Beim Trailrunning oder auch bei Langstreckenwanderungen können Stöcke deutlich der Ermüdung vorbeugen und nicht zuletzt in technischem Gelände wie in steilen Bergpassagen die Belastung der Beine reduzieren. Das hat auch das Magazin "trail" in seiner 04/2012 Ausgabe erkannt und dort einen Bericht und einen Produktvergleich über Stöcke im Trailrunningbereich aufgenommen.

Selber habe ich dabei bisher nur auf die Raidlight Trailpoles aus Aluminium zurückgegriffen. Andere Stöcke waren mir für diesen sportlichen Einsatz einfach zu schwer. Nachteil dieser Stöcke: bei "Sprüngen" und ähnlichen Aktionen biegen die sich zu stark durch. Sie waren vielmehr nur eine Gehhilfe und federten bzw. zitterten je nach Belastung recht stark.
Der Ultra Distance Pole ist dabei deutlich steifer und man kann sich viel sauberer abdrücken. Das gibt nicht nur ein deutlich sichereres Gefühl, es erlaubt auch eine bessere Dosierung und Positionierung der Kraft. Der Griff erlaubt es je nach Untergrund und Gangart schnell umzugreifen und liegt gut in der Hand.
Der Grip der Spitzen unterscheidet sich subjektiv nicht von denen anderen Stöcke. Lediglich die Kunststoffspitzen haben weniger Halt wie die sonst gebräuchlichen Gummifüße anderer Stöcke. Das ist wohl der geringeren Auflagefläche geschuldet. Im Trailrunningbereich würde ich aber eh den "richtigen" Spitzen den Vorzug geben.
Angenehm ist die schnelle Einsatzbereitschaft der Stöcke. Verlangt das Gelände nach Stockeinsatz reicht ein kurzer Zug am Griff und schon gehts los. Auch das Verstauen ist ebenso problemlos. Das Packmaß ist ideal für Trailrunningpacks. Ich würde mir lediglich wünschen, dass die kleinen Teller an der Stockspitze abnehmbar währen. Die sind teilweise etwas störrisch wenn man die Stöcke hinter ein paar Gurte oder ein eine dafür vorgesehene Schlaufe am Pack schieben möchte.
Die Black Diamont Stöcke und mein 20 Liter Raidlight Evolution Trailrunningpack

Die Griffschlaufe sitzt bei mir druckfrei und fest. Das Material ist hautfreundlich und scheinbar sehr gut "atmungsaktiv". Allerdings sitzt die eigentliche Schlaufe für meinen Geschmack etwas weit ab vom Griff, was der Verbindung durch das kurze Stück Schnur geschuldet ist. Dadurch werde ich genötigt den Stock immer etwas tiefer zu greifen wie gewollt. Zwar könnte ich auch die Schlaufe enger schließen, könnte sie dann aber nicht mehr so leicht an und ablegen.
Die anatomischen Schlaufen sind mit "L" und "R" markiert

Unterm Strich eignet sich der Stock von seiner Gesamtperformance sehr gut fürs anspruchsvolle Trailrunning.
Der smarte Mechanismus und das geringe Gewicht machen den Stock sehr geeignet für den gezielten Einsatz wenn man nur ab und zu "am Stock" geht.
Die Griffschlaufe scheint aber eher auf den ununterbrochenen Einsatz des Stockes ausgelegt sein. Sprich um einen perfekten Sitz zu gewährleisten muss man sie jedesmal neu einstellen. Ein einfaches "Reinschlüpfen und gut" ist da eher nicht. Aber wenn das nicht stört schmiegt die Schlaufe sich sehr gut an die Hand.

Wandertouren
Bei normalen Wandertouren sieht der Stockeinsatz bei mir etwas anders aus. Die Belastungen auf den Stock sind geringer. Wichtiger ist mir hier die Flexibilität beim Einsatz. Wie schon eben erwähnt ist der anwenderfreundliche Faltmechanismus sehr gut geeignet den Stock im Bedarfsfall schnell parat zu haben. Ist er nicht im Gebrauch verschwindet er ebenso schnell.
Für viele dürfte die fixe Stocklänge ein Problem sein. Aber mal ehrlich! Wie oft verstellt ihr Eure Stöcke in der Praxis? Vermutlich ähnlich oft wie die verstellbare Rückenlänge eines Rucksacks...
Der verlängerte Griff des Black Diamont Ultra Distance erlaubt es jedenfalls einfach mal umzugreifen, wenn das Gelände eine andere Stocklänge erfordert. Die kleine "Verdickung" verhindert auch bei tiefer Griffweise das Abrutschen der Hand.
Die Schlaufe finde ich jedoch beim normalen Wandern eher störend. Hier bevorzuge ich einen lockereren Sitz um mal schnell die Stöcke loslassen zu können. Sei es zum Fotografieren, Karte lesen, Trinken oder Nase putzen. Praktischerweise lassen sich die Schlaufen komplett abnehmen. Und erstaunlicherweise erlaubt es der vergleichsweise eher etwas schmalere Griff und das geringe Gewicht einen sehr guten Einsatz auch ohne Schlaufe. Zumindest bei moderatem Tempo war das für mich so deutlich angenehmer wie mit Griffschlaufe!
Hier zeigt sich deutlich was eingespartes Gewicht am Stock in der Praxis bedeutet.
Ähnlich wie bei Schuhen werden Stöcke bei jedem Schritt angehoben, geschwungen und wieder abgesetzt. Man verbraucht hier also im Verhältnis mehr Energie wie bei einem Objekt mit dem gleichen Gewicht, das in einer festen Position am Körper getragen wird! Bei Schuhen entspricht nach diversen Studien jedes eingesparte Gramm in etwa dem fünffachen an Gewicht im Rucksack. Wieviel das bei Stöcken ist, darüber habe ich nichts finden können. Die geringere Ermüdung in den Armen und der deutlich leichtere Schwung hat für mich aber genug Aussagekraft.

Um einem ungewollten Verlust vorzubeugen sitzen die austauschbaren Spitzen recht fest. D.h. man kann sie eigentlich nur mit einem Werkzeug austauschen. Da ich als Ultraleichtwanderer jetzt nicht unbedingt ein Multitool im Gepäck mitschleppe muss ich mich schon vor einer Tour auf die Wahl meiner Spitzen festlegen. In der Regel werden das wohl die Metallspikes sein. Das erfordert natürlich etwas Umsicht beim Verpacken der Stöcke im Rucksack (z.B. im Flugzeug), stellte aber bisher noch kein Problem für mich da. Das Packmaß würde es sogar erlauben die Stöcke mit im Handgepäck unterzubringen. Bezweifel aber, dass man die so mit an Bord nehmen darf. Aber zumindest praktisch für den Transport in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Packmaßvergleich der zusammengelegten Stöcke. Von oben: Black Diamont, Raidlight, Leki

Die kleinen Teller sollen natürlich verhindern, dass der gesamte Stock sich evtl. in einem Loch oder einer Spalte verfängt und dann bei seitlicher Belastung bricht. Seitliche Belastungen sind besonders bei Carbon eine Schwachstelle. Das ist wohl auch ein Grund warum Black Diamont sich für den festen Teller entschieden hat. Leider erlaubt das nicht ohne eigene Basteleinlage einen anderen Teller (z.B. einen Schneeteller) am Stock anzubringen. Damit ist der Stock wohl oder übel auf den Drei-Jahreszeiten-Einsatz festgelegt. Für eine zünftige Schneeschuhtour muss dann eine andere Lösung her.

Unterm Strich ist der Stock aber durch sein geringes Packmaß, das geringe Gewicht und den angenehmen Griff für mich für Touren sehr gut geeignet. Die Schlaufen würde ich dann wohl zu hause lassen.

Zeltgestänge
Als Ultraleichtwanderer setzt man ja bekanntlich auf Multiuse. Und da bin ich keine Ausnahme. Folglich müssen meine Trailpoles auch als Gerüst für meine Unterkunft herhalten. Dabei ist es egal ob es sich um ein offenes Tarp oder um eine geschlossene Konstruktion handelt.
Verstellbare Stöcke haben hier natürlich erstmal die Nase vorn. Lassen sie sich doch einfacher an die benötigte und oft fixe Höhe einer Unterkunft anpassen.
Bei den Black Diamont Ultra Distance Z-Poles kommt es natürlich darauf an, für welche Stocklänge man sich bei Kauf aufggrund seiner Körpergröße entschieden hat. Stimmt die mit der benötigten Länge für die jeweilige Unterkunft überein gibts auch keine Probleme. (Außer der Boden ist uneben und genau da wo der Stock stehen soll ist ein Loch...)
Selber habe ich die Black Diamont in der Länge 130cm. Das ist auch der zur Zeit längste erhältliche Stock dieses Modells. Um mal zu gucken wie er sich so als Zeltgestänge macht hier mal mit zwei Klasikern der Ultraleichtbehausungen.
Unserem bewährten GoLite ShangriLa 2 und dem Henry Shires Tarptent Squall 2.
Die Black Diamont als Zeltstangen im ShangriLa2

Beim Squall 2 stehen die Black Diamont Stöcke aufgrund der Länge etwas schräg, was aber keinen Einfluss auf die Stabilität macht. Parktischer Weise hat man so auch mehr Platz um ins Zelt zu gelangen.

Anzumerken ist, dass die Kunststoffspitzen nicht in die von vielen Herstellern verwendeten Ösen zum fixieren der Poles am Tarp passen. Betroffen davon dürften vor allem die Tarptents von Henry Shire und Gossamer Gear sein.

Das Carbongestänge verleiht dem Pole und damit auch unserer Unterkunft deutlich mehr Stabilität. Der Griff ist ausreichend gepolstert und weist keine Knubbel oder Kanten auf die sich evtl. ungünstig durch eine Tarp-Plane drücken könnten. Und selbst wenn man mal unterwegs den Stock nicht als solchen benötigt, sondern ihn nur für die Unterkunft braucht, ist er vom Gewicht und Packmaß her mit normalen Tarpstangen vergleichbar. Zumindest erspart er einem die Suche nach passenden Ästen... ;-)

Alles in allem ist der Black Diamont Ultra Distance Z-Pole ein qualitativ sehr hochwertiger Stock mit einer guten Performance und einem sehr guten Handling in den für mich relevanten Bereichen. Allerdings konnte ich ihn bisher auch nur auf einigen kürzeren Wochenendtouren in heimischenGefilden testen. Wie es sich im wirklichen Langzeitgebrauch (sprich nach ein paar Jahren oder längeren Touren) mit ihm verhält wird sich erst noch zeigen müssen. Insbesondere wie es mit evtl. Verschleiß durch Verschmutzungen (z.B. Sand und Staub zwischen den Verbindungsstellen) ausschaut stehe ich dem Stock zur Zeit noch etwas skeptisch gegenüber.
Allerdings haben mehrere meiner Bekannten (z.B. Rio) den Stock schon seit geraumer Zeit in Benutzung und bisher sind mir noch keine Klagen diesbezüglich zu Ohren gekommen.

Die Griffschlaufe ist vom Grundprizip her sehr angenehm, könnte aber für meinen Geschmack noch etwas überarbeitet werden. Schön währe es, wenn es diverses Zubehör für den Stock gäbe. Z.B. Griffschlaufen in verschiedenen Größen oder austauschbare Teller. Dann ließe sich der Stock besser auf die eigenen Bedürfnisse anpassen und währe evtl. auch für einen größeren Kundenkreis von Interesse.
Ich werd ihn jetzt jedenfalls erstmal mit nach Korsika auf den GR20 nehmen und meine Eindrücke etwas vertiefen... ;-)