Samstag, 29. September 2012

Korsika - Blasenfrei auf dem GR 20 - Nord


Etwa 15 Jahre ist es her da stand ich an Bord einer Fähre und blickte zurück auf Korsika. Den Beinahmen "die Schöne" trägt die Mittelmeerinsel zurecht und die Erinnerungen die ich damals von dort mitnahm sind mir auch heute noch präsent. Damals nahm ich mir vor einmal wiederzukommen...

Eines Tages im Juli 2012. Rike und ich stehen am Flughafen Köln/ Bonn, in unseren Händen zwei Tickets nach Calvi, der Stadt im Nordwesten Korsikas. Mein Rucksack wurde als Gepäck aufgegeben. Rike hat ihren kleinen 20 Liter Laufrucksack als Handgepäck dabei. Wir werden etwas unsicher von den anderen Passagieren gemustert. Irgendwie kann niemand so recht dieses Pärchen einordnen, was da in Laufshorts, Marathonshirt und Tenniskleid am Gate steht. An unseren Füßen ziehen unsere roten Trailrunner die Blicke auf sich. (Wie ja mittlerweile von anerkannten Wissenschaftlern festgestellt wurde, sind rote Schuhe in der Tat schneller!)
Die anderen Reisenden sind trotz ihres Flugziels noch in dicke Fleecejacken und lange Hosen gehüllt. Die meisten wirken eher wie typische Touristen. Ein paar Wanderer stechen aufgrund ihrer schweren Bergstiefel und Cargohosen noch aus der Menge hervor. Auch von diesen werden wir etwas argwöhnisch gemustert. So ganz passen wir in keines der typischen Muster...
Ein paar Stunden später stehen wir schon am kleinen Flughafen von Calvi. Trotz der frühen Morgenstunde schlägt uns schon jetzt die Hitze Korsikas entgegen. Die anderen Reisenden werden von den Bussen diverser Reiseunternehmer am Flughafen aufgegabelt. Einen Linienbus scheint es nicht zu geben und so schultern wir zum ersten mal unsere Rucksäcke und machen uns zu Fuß auf in die nahe gelegene Stadt.

Am nächsten Tag bringt uns ein Bus in das kleine Örtchen Calenzana, dem nördlichen Startpunkt des GR 20,  wo wir uns für die Nacht auf dem Zeltplatz einquartieren. Mit uns teilen sich einige andere Wanderer die staubige Fläche und man stellt sich unweigerlich die Frage wieweit wohl die anderen gehen. Machen sie "nur" den Nordteil? Gehen sie den ganzen Weg bis Conca? Was aber gleich auffällt, keiner setzt hier auf leichte Ausrüstung. Die meisten setzen darauf die Schwierigkeiten des kommenden Weges durch robuste und umfangreiche Ausrüstung zu kompensieren. Trailrunner trägt hier keiner...

Es ist noch dunkel als wir unser Tarptent abbauen. Auch die meisten anderen der Wanderer sind nach und nach damit beschäftigt ihre Ausrüstung in ihren Rucksäcken zu verstauen. Nur das deutsche Pärchen im 3 Personen Jack Wolfskin Tunnelzelt schläft noch. Wenig später ist alles verstaut und die Wasservorräte aufgefüllt. Irgendwie wünsche ich mir ich hätte doch besser einen Rucksack mit Hüftgurt genommen. Der Weg führt uns zuerst durch die Gassen Calenzanas und dann immer höher. Langsam wird es heller und hinter uns öffnet sich der Blick aufs Meer und ein letztes mal sehen wir die Bucht von Calvi in der aufgehenden Morgensonne liegen.
Wir aber steigen weiter und über uns zeigen sich die ersten Wolken...

Der GR20 ist einer der bekanntesten und zugleich einer der populärsten Wege in Europa. Seine Beliebtheit lockt jährlich tausende von Wanderern in die korsischen Berge. Doch DEN GR20 gibt es sozusagen gar nicht. Denn regelmäßig werden viele der Abschnitte umgelegt um den Besuchermassen gerecht zu werden oder um empfindliche Gebiete vor zu großem Schaden durch die vielen Wanderer zu schützen. Das letzte mal erst Anfang dieser Saison, was später noch für einige Verwirrung bei anderen Wanderern führen sollte. In vielen Abschnitten gibt es daher Alternativrouten bzw. die Möglichkeit dem "alten" GR20 zu folgen. So lassen sich je nach eigenen Vorlieben zusätzliche Gipfel einbauen oder man kann sich durch eine Schlucht hoch zum nächsten Grat arbeiten. Eines bleibt aber in jedem Fall gleich. Der GR20 ist ein alpiner Weg und auch wenn das Panorama alle Arten von Wanderern lockt sollte man sich bewußt machen, dass es ein Bergpfad mit oft anspruchsvollem Untergrund, langen Auf- und Abstiegen und einigen Kletterpassagen ist. Dazu die Hitze und die Gefahr eines plötzlichen Wetterumschwungs und man versteht, warum er oft zu den herausfordernsten Wanderungen Europas gezählt wird.

Für unseren ersten Tag griffen wir auch gleich auf eine dieser Alternativen zurück. Das zwang uns zwar dazu nach dem ersten Grat wieder abzusteigen und an einer späteren Stelle die Höhenmeter erneut anzugehen, dafür blieben wir aber beständig unter der Wolkendecke. Und auch wenn wir zwischenzeitlich zu unseren Schirmen griffen hatten wir einen recht entspannten Tag. Zumindest verglichen mit den Wanderen die uns später von "ihrem" GR20 berichteten und die sich schon zu Beginn durch Regen und Wind kämpfen mussten. Na, jedem das seine... ;-)
Für unser Tarptent fanden wir dann auch an der Refuge de Carrozzu einen windgeschützten Platz und nutzten den frühen Nachmittag auch gleich für eine Siesta. (Den Regen verschliefen wir).
Am nächsten Tag ging es erneut früh für uns los. Zuerst dachte ich schon Pico währe hier mit uns unterwegs. Zumindest wetzte da ein Bordercollie mit Packtaschen an uns vorbei. Über eine kleine Hängebrücke und dann über mit Ketten gesicherte Felsplatten führte der Weg durch das Tal hinauf. Die meisten Wanderer bewegten sich hier auf allen vieren während die klebrigen Sohlen unserer Trailrunner und unser kompaktes Gepäck uns zum aufrechten Gang befähigten. Schnell hatten wir die übrigen Wanderer hinter uns gelassen und die Möglichkeit zu einer ungestörten Frühstückspause...

Der Himmel blieb auch an diesem Tag vorerst bedeckt und beim letzten Abstieg zückten wir schließlich sogar unsere Regenjacken. Aber schon bald stiegen die Temperaturen deutlich an und Haut-Asco begrüßte uns mit korsischen Temperaturen. Der frühe Aufbruch ermöglichte uns aber noch vor der Mittagshitze unser Ziel zu erreichen und so nutzten wir die freie Zeit für eine erfrischende Dusche, Klamottenwäsche (ja, schon nach zwei Tagen hatten es die Sachen dank des ganzen Staubs auf den Wegen schon mehr als nötig!), Smaltalk mit anderen Wanderern, kleiner Snack und natürlich einer Siesta.
Am nächsten Tag stand uns der von vielen Wanderern gefürchtete "Cirque de la Solitude", d. h. "der Kessel der Einsamkeit" bevor. Na, mal sehen...


Schon im ersten Dämmerlicht packten wir unsere Sachen und machten uns auf. Zuerst folgten wir dem Verlauf der alten Skipiste die sich wie eine Schneise hier durch das Tal zog. Die Wanderer die noch vor uns aufgebrochen waren hatten wir bald eingeholt und so gehörten wir zur ersten Gruppe die am Einstieg zum noch im Schatten liegenden Solitude eintraf.

Nach einem Snack wurden die Schuhe nochmal auf festen Sitz überprüft und die Rucksäcke festgezogen. Dann ging es an Ketten gesichert gut 200 Höhenmeter in die Tiefe. Nach den ersten Metern festigten sich unsere Tritte und wir wurden zunehmend sicherer. Wie automatisch fanden unsere Füße und Hände Halt. Unsere Trailrunner versorgten uns mit dem nötigen Grip und wie mit Kletterschuhen arbeiteten wir uns zügig in die Tiefe. Nach rund 20 Minuten erreichten wir den tiefsten Punkt des GR20 im Cirque de la Solitude und wir nutzten die Möglichkeit um was zu Trinken und für ein paar Snacks. Die ersten Wanderer aus der Gegenrichtung kamen uns entgegen und am Aufstieg zeichnete sich langsam aber sicher die aufsteigende Sonne ab.

Unser Zeichen wieterzugehen. Über die Eisenleiter und entlang einiger Ketten (die wir Dank unserer Trailrunner nicht brauchten) schraubte sich der Weg nun auf der anderen Seite des Kessels 300 Meter in die Höhe. Wer weniger leichtes Gepäck und schwerere Stiefel anhatte tat sich hier deutlich schwerer.

Uns machte das Ganze irgendwie richtig Spaß und schon nach kurzer Zeit erreichten wir den Grat auf der anderen Seite und traten beim Überschreiten wortwörtlich ins Licht. Zeit sich mit Sonnenschutz zu wappnen... Der Abstieg führte uns zuerst an der Refugee Tighiettu vorbei und wir wanderten weiter zur Bergerie de Ballone wo wir uns nicht nur einen schönen Stellplatz für unser Tarptent, sondern auch ein leckeres Käseommelet gönnten.


Das Wasser der nahen Gumpen hatte aber eher Temperaturen eines Kneipbades und so beließ ich es bei einer eher rituellen Wäsche...


Beim Nachschlag (Brot und Käse bei einer gediegenen Flasche Wein) kamen wir dann noch in den Genuss zu beobachten wie die Hütten am GR20 versorgt werden. In einem wahnsinnigen Tempo führte ein durch und durch trainierter Korse eine schwer bepackte Karawane von Pferden und Maultieren trittsicher hinter sich den Berg hoch....


Tags darauf führte der Weg zuerst entspannt durch lichten Nadelwald. Aber schon bald wurde das Gelände offener, steiler und die Temperaturen stiegen deutlich an. Zeit unsere Schirme zu zücken und als tragbaren Schattenspender zu nutzen. So gewappnet sorgten wir für einige verwirrte (und neidische!) Blicke anderer Wanderer. Eine geführte, deutsche Wandergruppe brachte es bei ihrer Lagebesprechung komplett durcheinander. Ist auch schon deprimierend, wenn man gerade eine Einweisung in die schwierige Kletterpassage erhält die vor einem liegt, inclusive Ausrüstungscheck (Bergstiefel, sicherer Sitzt des 70+ Liter Rucksacks, richtige Handhabung der Stöcke, etc.) und dann auf eben dieser "Kletterpassage" ein Pärchen ganz entspannt und ganz ohne Zuhilfenahme der Hände, dafür aber mit 'nem Sonnenschirm hochspaziert kommt... Und dann noch Turnschuhe trägt! Das geht ja wohl mal gar nicht! ;-)

Wir machten uns nach einer kleinen Frühstückspause wieder auf, ließen die Refuge Ciuttulu di i Mori rechts liegen und stiegen Richtung Castellu die Verghio ab. Auf dem Weg dorthin wurden wir lediglich von einigen Fremdenlegionären bei einem Trainigslauf überholt. Die Wanderer und Tagesausflügler die uns entgegen kahmen hatten dafür sichtlich mit der Hitze und dem schattenlosen Aufstieg zu kämpfen.


Das Ende der Etappe, das zur Entspannung nochmal durch einen kleinen Wald führte zog sich dann aber doch noch mal ganz unerwartet. Das mag evtl. auch an der recht flexiblen Wegführung liegen, die immer wieder vom Besitzer des nahen Hotels "angepasst" wurde. Verlief der ursprüngliche GR20 doch deutlich weiter westlich und umging eben jenes Hotel...

Wir quartierten uns jedenfalls an dem angeschlossenen Zeltplatz ein und belohnten uns mit einer Dusche, einem Pastis im Restaurant und später mit einem leckeren, selbstgekochten Abendessen. Die Preise im lokalen Laden waren jedoch verglichen mit denen auf den Hütten unverschämt. Immerhin liegt er direkt an einer Straße und ein aufwendiger Transport wie wir ihn noch tags zuvor erleben durften war hier nicht notwendig...
Nicht desto Trotz war der Abend am Castellu di Verghio sehr schön, trafen wir doch nicht nur die französische Familie mit ihrem Hund wieder (die erstaunlich fit und schnell unterwegs waren) sondern auch zwei Briten, mit denen wir uns immer wieder an den Refuges und Bergeries zu einem Plausch zusammensetzten. Spannend wurde es dann nochmal, als auf der Straße eine Rotte halbwilder Hausschweine (oder waren es halbzahme Wildschweine?) auftauchten, die einen nahen Zaun niederrissen...

Früh morgens herrschte schon allgemeine Aufbruchstimmung. Offenbar hatte der gestrige, heiße Tag nun auch die meisten anderen Wanderer davon überzeugt die kühleren Morgenstunden zu nutzen. Führte der Weg anfangs noch auf einem flachen, gut ausgebauten und schattigen Waldweg entlang folgte nach einer Weile doch wieder der in Korsika unvermeidliche Aufstieg.


Aber auch dieser war nach kurzer Zeit bewälltigt und nach passieren des weiten, flachen Grates öffnete sich vor uns eine Weite, grasige Ebene mit einem großen See die von Wildpferden und ein paar Eseln besiedelt war.

An einer nahen, eingefassten Quelle mit Heiligenhäuschen wurden noch rasch die Wasserflaschen aufgefüllt, bevor wir zwischen den vierbeinigen Bewohnern über die große Weide spazierten. Der Weg blieb auch weiterhin gut gangbar, schlängelte sich etwas durch einen offenen Wald, an einer Bergerie vorbei (die leider keinen Käse mehr hatte), über eine weitere Ebene und dann kurz vor der Refuge de Manganu noch mal kurz und steil den Berg hinauf. Einer der beiden Briten der an diesem Tag mit uns gewandert war quartierte sich (um seinem schnarchenden Kollegen zu entgehen) sogleich in der Hütte ein. Wir suchten uns einen Platz für unser Zelt, kämpften mal wieder mit dem angeblich warmen, in der Realität aber umso kälteren Wasser der Dusche und beobachteten dann bei einem Omellete entspannt wie nach und nach die weiteren Wanderer eintrafen. Es wurde VOLL! Offenbar hatten viele die Straße am Castellu die Verghio genutzt um hier ihre Wanderung am GR20 zu beginnen. Der Platz an der Refuge wurde jedenfalls zusehends knapp. Mehr für uns zu gucken! Neben Wanderern die ihre Ausrüstung scheinbar schon seit dem letzten Jahrhundert nutzten, gab es auch welche, die auf dem neuesten Stand der Technik waren. Es gab britische Jugendgruppen, einzelne Wanderer mit Biwaksack großen Zelten, Low Budget Reisende mit Zelten vom Discounter und Dosenravioli. Leute die mit ihrer Ausrüstung aus dem Armystore offenbar auf irgendeiner geheimen militärischen Operation unterwegs waren. Es gab durchgestylte Disco-Stripper Typen, die in ihren zwei kleinen Fläschchen an den Schultergurten mit ziemlicher Sicherheit Babyöl und Schlagsahne griffbereit mit sich führten. Trailrunner die sich über die Stollen ihrer Sohlen austauschten. Drei Generationen einer Familie die eine "Männertour" unternahmen. Zwei Belgische Jungs die zwar reichlich dehydriert eintrafen, sich aber mehr Gedanken darum machten, wo man hier was zu rauchen bekommen könnte, als um die Versorgung mit essentielleren Gütern. Aber irgendwann verschwand dann doch die Sonne und wir zogen uns in unseren Quilt zurück...

Im Dunkel der Nacht machten wir uns auf. Naja, fast... So war zumindest unser Plan, sollte der Sonnenaufgang hinter dem nächsten Pass doch ein ganz besonderes Erlebnis sein. Zumindest packten wir aber noch im Dunkeln bzw. im Schein unserer Stirnlampe alles zusammen und als sich unsere Augen an das Dämmerlicht gewöhnt hatten machten wir uns an den Aufstieg.

Die beiden Lichtpunkte, die wir schon früh morgens beim Weg auf den Berg beobachten konnten hatten wir dann schon bald eingeholt. Die beiden Jungs waren sichtlich erstaunt, wer da noch in der Dämmerung so schnell aufgeholt hatte. Am Pass wehte uns ein kalter Wind entgegen. So schlüpften wir rasch in unsere Regenjacken und suchten uns für unser Gipfelfrühstück einen etwas geschützteren Platz.

Als wir fast fertig waren hatte gerade einer unser beiden britischen Freunde den Aufstieg beendet und so zogen wir zu dritt weiter.
Der Weg führte uns entlang eines Grates, durchsetzt mit kurzen Kraxelstellen. Linkerhand öffnete sich uns der Blick auf einige in Talkesseln eingeschlossene Seen. Stetig wanderten wir weiter und der Himmel zog sich immer mehr zu. Alle paar Minuten riß der Himmel auf und belohnte uns mit blendendem Sonnenschein. Dann pfiff uns wieder der Wind um die Ohren...
Unter uns tauchte die Refuge di Petra Piana auf. Wir folgten den vom Regen ausgewaschenen kleinen Pfaden bis wir auf die grüne Wiese vor der Hütte traten die zugleich als Landeplatz für den Versorgungshubschrauber diente. Es war noch recht früh am Tag. Eigentlich noch genug Zeit um noch die nächste Etappe anzugehen. Aber die Wolken die über dem nächsten Grat hingen ließen uns stattdessen einen Wind und Wetter geschützten Platz für unser Tarptent suchen.

Aus der anderen Richtung waren bereits einige andere Wanderer eingetroffen. Aus unserer Richtung dauerte es aber noch eine ganze Weile bis die nächsten eintrafen. Daher gönnten wir uns zunächst in der zwar urig wirkenden aber sehr ordentlichen und sympathisch geführten Refuge eine wirklich hervorragende Käseplatte und ein paar Kekse und ein Mars (die Rike gleich gekonnt zu ein paar Schokokeksen kombinierte!). Nach dem Duschen und einer "kurzen" Siesta füllte sich dann auch der Platz zusehends. Wir sicherten uns einen Platz für unser Abendessen und während ich das Wasser für unsere Freezerbagmeals kochte genossen wir das Hiker-Kino das sich vor uns abspielte. Je später der Abend umso abenteuerlicher die Gruppen der Wanderer die eintrafen....


Noch vor Sonnenaufgang waren wir wieder unterwegs. Für diesen Tag hatten wir uns Vizzavona als Etappenziel gesetzt. D.h. wir wollten zwei recht anpruchsvolle Etappen zusammenlegen. So wanderten wir zuerste entlang eines Grates der zwischenzeitlich mit kleineren Kletterpassagen aufwartete. Gleich zu Beginn kreuzte noch ein einzelnes Wildschwein unseren Weg sah dann aber schnell zu, dass es Land bekahm. Ob wir ihm nicht sympathisch waren?

Während die Sonne noch mit ihren warmen Strahlen auf sich warten ließ kühlte uns der Wind auf dem ausgesetzten Grat zusätzlich aus. Wer hätte gedacht, dass wir an einem wolkenfreien Tag in Korsika mit Regenjacken unterwegs sein würden?

Vor uns breitete sich die vermutlich größte Ziegenherde die wir je gesehen hatten aus. Es schien als währe der gesamte Berghang in Bewegung. Scheu waren sie auch nicht grade und so stapften wir mitten durch die Herde hindurch, weiter den Grat entlang. Nach ein paar Stunden kahmen uns dann die ersten Wanderer entgegen, sichtlich erstaunt wo wir um diese Zeit schon unterwegs waren (und vermutlich auch durch unser Outfit irritiert)...

Es dauerte nicht mehr lange bis die Onda Hütte in Sicht kahm, für die meisten das Etappenziel auf diesem Abschnitt. Statt jedoch die wenigen hundert Meter zu ihr abzusteigen stiegen wir weiter auf, den Monte d'Oro fest im Blick. Eine kurze Frühstückspause war dann aber doch noch drin...
Der Weg schraubte sich stetig höher aber nach den bereits zurückgelegten Tagen waren unsere Vorräte schon deutlich geschrumpft und unsere Rucksäcke merklich leichter geworden. Und so erreichten wir den Pass früher wie gedacht und machten uns sogleich an den Abstieg.
Mittlerweile war nun auch die Sonne weit genug aufgestiegen um uns mit ihrer Hitze stärker zuzusetzen. Aber ein Päuschen im Schatten um unsere Füße zu lüften und etwas Käse und Kekse zu futtern ist immer drin. Der Weg, der Anfangs noch über Geröllfelder führte verlief bald durch lichten Wald und der nahe Bachlauf gab uns die Möglichkeit zu einem kurzen Bad in einer Gumpe. Ein Blick auf die Uhr und wir waren wieder unterwegs. Planten wir doch in Vizzavona den Zug nach Corte zu nehmen um unsere Tour mit etwas Kultur zu bereichern. Und wir lagen so gut in der Zeit, dass es uns möglich sein sollte einen deutlich früheren Zug zu erwischen und uns eine lange Wartezeit auf den nächsten zu ersparen.
Beim weitern Abstieg überholten wir mehr und mehr Wanderer die morgens an der Refuge de l'Onda aufgebrochen waren. Und mehr als nur ein paar waren sichtlich erstaunt wie wir da so plötzlich hinter ihnen auftauchten und an ihnen vorbeirauschten. Einholen zwecklos... ;-)
Irgendwann schallten laute Stimmen uns entgegen. Die unteren Ausläufer des Flusses mit seinen zahlreichen Bade-Gumpen lockten viele Tagestouristen an. Wo man vor 15 Jahren noch ganz allein unterwegs war wirkte der Wald nun wie ein Spaßbad. Sogar ein Hochseilgarten und eine Imbißbude waren vorhanden. Wir machten das Beste draus, kauften uns ein Eis und wanderten weiter...

Die letzten Meter bis Vizzavona verlief der GR20 auf breiten Waldwegen die uns rasch zum Bahnhof brachten. Noch flott die Tickets gekauft und schon 5 Minuten später fuhr der Zug ein. Das nenn ich mal Timing!

Der Zug brachte uns auf einer Bahnstrecke, die zu den schönsten der Welt gehört nach Corte, wo wir uns zwei Nächte Auszeit gönnten, unser Kulturbedürfnis befriedigten, unsere Vorräte auffüllten, Klamotten wuschen und auch mal den örtlichen Restaurants einen kleinen Besuch abstatteten.... Aber wie es so schön heißt: Was in Vegas (respektive in Corte) passiert, bleibt in Vegas!

Folgt uns weiter auf unserer Tour durch Korsika - Blasenfrei auf dem GR20 - Süd

Kommentare:

  1. Hi Basti, ich hab gerade eueren Eintrag bei Stefans Kaffeeersatz gelesen,und jetzt Lande ich bei euch um mehr von eurer Tour zu erfahren, die beiden die in calenzana in dem drei Personen Jack wolfskin tunnelzelt waren Cristian und ich ( Sören ). Kurz hinter der Hütte carrozzu haben wir uns das erste mal nach eurer Frühstückspause getroffen, da war auch noch eine französische Gruppe von fünf "Fünfzigern" Anne, Anne, Françoise, Sabine und Patrik (er wurde später noch mit dem Hubschrauber abgeholt), ihr dürftet Stefan und Co aber nicht getroffen haben, die vier waren erst einen Tag nach dem leckeren pastis in haut ascu ... Aber euer Bericht ist auch sehr interessant, ich kann nur sagen dass wir auch zuviel Gepäck mithatten aber dafür genügend Platz im Zelt um nicht miteinander kuscheln zu müssen.. Ich mag Christian zwar aber nicht so... Mit meiner Freundin wäre das Zelt auch kleiner ausgefallen. Mal sehen wo es mich das nächste mal hin verschlägt. Grüße aus Glandorf
    Sören

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  2. Hi Sören,

    Schön von Dir zu hören! Und natürlich erinnern wir uns an Euch, auch wenn es so viele Begegnungen gab, die hier leider keinen Platz gefunden haben. (Sonst hätte man wohl ein Buch veröffentlichen müssen...)
    Der eine JW-Tunnel den ich meinte, gehörte allerdings einem deutschen Pärchen, das leider schon am ersten Tag abbrechen musste und die dann stattdessen ein Auto gemietet hatten. Aber wie auch immer... Ich hoffe zumindest ihr hattet noch ein paar schöne Tage auf dem GR20 und auf Korsika. Wie wir später von Leuten von der Bergwacht erfahren haben, ist der Helikoptereinsatz den Du geschildert hast nämlich kein Einzelfall sondern eher die Regel! Und selbst "Promis" bleiben nicht verschont. Im selben Zeitraum war wohl der Chef und oberste General der Französischen Armee auch auf dem GR20 unterwegs. (Ob jetzt im Urlaub oder aus 'nem anderen Grund konnte ich der Zeitung mit meinen minimalistische Französischkenntnissen nicht entnehmen) Und den hatte es dann wohl auch erwischt und er musst ausgeflogen werden.

    Vielleicht läuft man sich ja irgendwann nochmal über den Weg? Die Welt ist jedenfalls kleiner wie man denkt!
    In diesem Sinne viele Grüße aus dem Rheinland,

    Basti

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