Dienstag, 2. Oktober 2012

Korsika - Blasenfrei auf dem GR 20 - Süd

Teil 1 unseres Berichtes findet ihr hier: Blasenfrei auf dem GR20 - Nord


Zwei Tage später brachte uns der Zug zurück nach Vizzavona wo wir gegen 11:20 Uhr in der größten Mittagshitze unsere Wanderung auf dem GR20 fortsetzten. Der Weg belohnte uns aber mit einem kurzen Aufstieg und führte dann größtenteils auf der selben Höhe entlang durch schattigen Wald. Kletterstellen gab es auch keine. Und so konnten wir mit unseren frisch aufgetankten Batterien den späten Start problemlos wett machen. Das Refuge de Capannelle erreichten wir schon nach relativ kurzer Zeit, d.h. um 15:15 Uhr und wir fanden einen netten, ebenen Platz neben einem deutschen Vater-Sohn Gespann, die schon am Abend zuvor den Zug von Corte nach Vizzavona genommen hatten.


Wir gönnten uns in der Refugee noch einen kleinen Absacker (Kakao mit einem Schuß Korsischem "Eau de Vie"), der uns zwar die richtige Bettschwere besorgte, uns aber dennoch in der Nacht hochschrecken ließ, als unmittelbar vor unserem Zelt ein paar Kühe durch das Gebüsch stapften. Glücklicherweise verschonten sie unsere Zeltleinen...


Am Mittwoch machten wir uns gegen 07:00 Uhr gemeinsam mit unseren Nachbarn auf Richtung Col de Verde und weiter zur Refuge de Prati. Wie sich nämlich abends bei einem kleinen Plausch herausgestellt hatte, waren unsere Zeltnachbarn (das Vater-Sohn-Gespann) mitnichten nur unsere Zeltnachbarn. Nach dem üblichen Spiel "Wo kommt ihr denn her? -Kennt ihr bestimmt nicht, ist so ein kleiner Ort."  war die Überraschung umso größer als wir herausfanden, dass wir gerade mal zwei Straßen auseinander wohnten. Die Welt ist ein Dorf...

Der Tag war geprägt durch einen einige schattenlose Abschnitte, belohnte uns aber schließlich mit einem großartigen Ausblick übers Meer! Nicht weit und wir bauten unser Tarptent auf einer großen Wiese neben der Refuge de Prati auf, auf der nur kurz zuvor noch ein Versorgungshubschrauber "geparkt" hatte. Unsere Freezerbaggerichte ergänzten wir noch durch Brot und Bergkäse von der Hütte. Und mit Blick aufs Meer schliefen wir schließlich ein...

Mit Blick auf den Sonnenaufgang krochen wir aus unserer Behausung. Irgendwie kamen wir heute nicht so richtig ins Rollen und so brachen wir erst verhältnismäßig spät, gegen 07:20 Uhr auf. Dieser Tag hielt nicht nur einige erstaunlich knackige Aufstiege parat.

Auch die Hitze setzte uns diesmal merklich zu. Beständig tapperten wir weiter und die Brühe lief uns in Strömen runter. Für die 11km brauchten wir dann auch 6 Stunden wobei man aber nicht aus den Augen verlieren sollte, dass es sich um einen Gebirgsweg handelt und Distanzen hier weniger Bedeutung haben wie Höhenmeter. Wir waren aber nicht die Einzigen denen dieser Tag zusetzte und so war unser Zelt trotzdem eines der ersten, das an der Refuge d'Usciolu stand.



Die unerwartet "luxoriöse" Dusche und das erstaunlich umfangreiche Warenangebot (wir verwöhnten uns mit Melone, Käse und Maronencreme) der Refuge half uns schnell unsere Kräfte zu regenerieren. Wir sicherten uns einen Platz an einem Tisch in der Nähe der Hütte, der praktischerweise im Schatten eines kleinen Baumes stand. Wie uns der Hüttenwirt erzählte war dieser noch vom Vater des Wirtes gepflanzt worden. Von dort aus konnten wir das Spektakel der nach und nach eintrudelnden Wanderer bestaunen ohne uns selber alzuviel bewegen zu müssen... ;-)
Der Platz lud regelrecht zum Smaltalk ein und es wurde vermutlich einer der kommunikativesten Abende auf dem GR20. Ob auch der Mirtu dazu beitrug, der irgendwann vom Hüttenwirt den Wanderern gleich aus der Flasche in den Mund geschenkt wurde dazu beitrug, mag jeder für sich befinden...

Für den kommenden Tag hatten wir uns eine längere Etappe ausgeguckt. Der GR20 war an dieser Stelle erst in diesem Jahr verlegt und auf mehrere Etappen aufgeteilt worden. Wir hielten uns aber an den alten GR20, von der Refuge d'Usciolu über den Monte Incudine zur Refuge d'Asinau. Laut Führer rund 16 km und 08:00 Stunden reine Gehzeit. Dementsprechend früh brachen wir um 06:40 Uhr im ersten Dämmerlicht auf. Die Mattigkeit des vorigen Tages war verschwunden (ob es an dem Mirtu lag?) und wir legten ein ordentliches Tempo vor. Wir folgten dem Weg, der mal auf der eine Seite des Grates, dann wieder auf der anderen Seite verlief.

Der Weg verlief weiter durch eine weite Ebene mit üppigem Bewuchs, immer wieder unterbrochen durch kleine Bäche.


An einer eingefassten Quelle, die früher mal eine Refuge, nunmehr nur noch eine Ruine, versorgt hat füllten wir unsere Wasservorräte auf. Nach kurzer Rast ging es weiter zum Aufstieg auf den Monte Incudine. Der Gipfel mit seinem recht neuen Kreuz (das alte Betonkreuz war schon vor längerem vom Blitz getroffen und zerstört worden) eröffnete uns einen einmaligen Ausblick über die korsische Bergwelt.

Wie wir später in der Zeitung lesen sollten, wurde tags darauf auf dem Gipfel eine Messe abgehalten um eben dieses neue Gipfelkreuz einzuweihen.


Irgendwie eine merkwürdige Vorstellung wie die ganzen Geistlichen in ihren langen Gewändern auf den Berg kletterten. Denn der Aufsteig, bzw. der Abstieg der uns nun zum Schluß noch bevorstand, hatte es in sich. Über mit rutschigem Sand und Geröll bedeckten Felsplatten ging es steil hinab, die unter uns liegende Refuge immert im Blick. Nach insgesamt 7 Stunden, also deutlich früher wie von unserem Routenbuch veranschlagt, erreichten wir die Hütte.
Weitere 100hm unterhalb der Refugee befindet sich die Bergerie d'Asinau. Und wie wir gelesen hatten sollte es da nicht nur auch die Möglichkeit geben zu zelten, auch der Käse sollte besonders lecker sein. Also schnell nochmal einen Schluck am Brunnen getrunken und weiter ging es mit dem Abstieg. Leider mussten wir feststellen, dass die Bergerie, deren Hütten zwischen alten Steinmauern und Schatten spendenden Bäumen wirklich sehr idyllisch angelegt war, zur Zeit nicht betreut war. Das ältere Pärchen, dass für die Bergerie zuständig ist war wohl schon in den frühen Morgenstunden zur nächsten Ortschaft aufgebrochen um neue Vorräte zu besorgen und würde wohl erst ein paar Tage später zurückkehren. Also wieder zurück den Berg hoch. Zumindest eine Dusche wollten wir an diesem Tag haben...

Am Morgen des 04.August machten wir uns in der Dämmerung auf Richtung Col de Bavella. Neben der als Möglichkeit durch das stark bewaldete Tal zu wandern drängte sich uns regelrecht die alpine Variante der Aiguielles de Bavella auf. Statt Blick auf Bäume sollte uns hier ein großartiges Panorama und eine abwechslungsreiche Route mit einigen reizvollen Kraxelpassagen erfreuen.
Zuerst verlief der Weg noch im Schutz der Bäume und folgte nach einer kurzen Bachüberquerung weiter dessen Verlauf. Irgendwann kam dann die sehr gut beschilderte Abzweigung die geradewegs hoch zum Grat führte.

Die Felstürme die den Grat schmückten erinnerten an die Dolomiten. Und wie dort trafen wir auch hier trotz der frühen Morgenstunden schon erste Kletterer die sich auf dem Zustieg zu einer der Kletterrouten an den Türmen befanden. Oben ließen wir es uns natürlich nicht nehmen für eine kleine Frühstückspause selber auf einen Turm zu kraxeln und die Aussicht zu genießen. Naja, fast... ;-)
Hier ein kleiner Hinweis an alle "Wildpinkler": Es bietet sich im Gebirge an, sich nicht nur nach links und rechts umzuschauen ob man ungestört ist. Würde man den Blick einmal in die Höhe richten könnte es sein, dass man dort unmittelbar über einem ein Pärchen beim Frühstück entdeckt...

Nach diesem kleinen Intermezzo ging es auf der anderen Seite an den Abstieg. Die uns entgegen kommenden Tagestouristen verkündeten von der nicht alzu fernen Straße.
Schließlich erreichten wir die Straße wo zahlreiche Autos parkten und unzählige Touristen herumwuselten um Fotos der umliegenden Berge zu schießen. Wir spazierten noch ein Stück weiter ins Tal wo sich neben einigen Restaurants wohl auch ein kleiner Supermarkt befinden sollte wo wir uns ein paar Leckereien für unseren letzten Abend auf dem GR20 besorgen wollten. Irgendwie lief das dann aber ganz anders ab wie von uns geplant...

Der kleine Laden schien für eine Mittagspause geschlossen zu sein. Also erstmal im Restaurant gegenüber ein paar kühle Softdrinks kippen. Ein Happen zu Essen währe ja auch nicht verkehrt. Leider sagte uns die Auswahl auf der Karte nicht so zu. Sollte ja nur ein kleiner Snack sein, denn ausgehungert waren wir ja nicht. Zu dem Lädchen gehörend gab es eine Art Imbißbude die uns mit ein paar Panini versorgen könnte und die im Gegensatz zu dem Laden geöffnet war. Bei einem Mädchen, dass hier offenbar die Bedienung war gaben wir gleich unsere Bestellung auf. Hätten wir vorher gewußt, dass hier noch eine Hexe ihre Finger im Spiel hat hätten wir uns wohl anders entschlossen...

Der Umgangston den wir dort erlebten und wie dort mit uns, anderen Gästen und dem Personal umgegangen wurde war jenseits von Gut und Böse! Selbst als der Laden kurzfristig geöffnet wurde, mussten wir erleben, dass das nicht gleich bedeutete, dass man dort auch was kaufen durfte!
"Nein, das Brot ist nicht zum Verkauf."
"Nein, der Käse ist nicht zu verkaufen."
"Nein, das verkaufen wir auch nicht...."
Selten fühlten wir uns so unwohl und es fehlte nicht viel und die Hexe hätte uns unsere Stimmung kaputt gemacht...
Wir sahen zu dass wir weiter zogen.
Ich lasse jetzt hier einfach mal die Details aus. Das passt eher zu einer Geschichte am Lagerfeuer. Auch wenn das sonst überhaupt nicht unsere Art ist und wir eigentlich bemüht sind einen positiven Blick auf die Dinge zu haben, aber den Laden mit der Imbißbude im Col de Bavella kann ich nicht weiterempfehlen!
Abgesehen von diesem Erlebnis wurden wir überall auf Korsika sehr freundlich und herrzlich aufgenommen und wir fühlten uns dort immer sehr wohl!

Wir zogen weiter und bewunderten im Vorbeigehen an einem kleinen Brunnen eine Gruppe jüngerer Wanderer die sich auf ihre eh schon voluminösen Rucksäcke noch einen alten Schafsschädel geschnallt hatten. Man war das männlich... ;-)

 Den nächsten Aufstieg rannten wir regelrecht hoch. Irgendwie brauchten wir nach der Hexe ein positives Erlebnis und sei es nur das Gefühl einer Spitzenleistung. Bis zur Refuge de Paliri war es auch nicht mehr weit. Die Quelle der Refuge lag einige hundert Meter vorher, weshalb wir in weiser Voraussicht schonmal unser Wasservorräte für das Abendessen auffüllten. Wir fanden einen schönen Platz für unser letzte Nacht auf dem GR20. Auch wenn die Dusche sogar weiter weg war wie die Quelle (Der Hüttenwirt fragte uns, ob wir ein Bier für unterwegs haben wollten!) und diese einzige Dusche bereits von 10 anderen Wanderern belagert wurde, wurde es nochmal ein richtig schöner Abend. Unser Abendessen rundeten wir noch durch Brot und Käse von der Hütte ab und irgendwann krochen wir dann auch in unseren Quilt.

Sonntag morgens um 06:10 Uhr war alles gepackt. Die Rucksäcke waren klein und leicht wie nie und wir wetzten los. Das Licht und Schattenspiel auf dem Weg gab nochmal alles.

Die Eidechsen waren noch etwas träge und waren nicht ganz so schnell vom Weg runter als wir entlanggeflitzt kamen. Wir nutzten den angenehmen Trail und die noch frische Luft und flogen regelrecht auf dem Pfad dahin. Zwischenzeitlich gab es nochmal den ein oder anderen kurzen Aufstieg die uns aber nicht wesentlich verlangsamen konnten. Irgendwann wurde es wärmer und wir nutzten ein paar kleine Gumpen für eine kleine Frühstückspause. So kurz vor dem Ziel noch eine lange, andächtige Pause einzulegen ist aber wohl eine Kunst die nur einem Zen-Meister gelingt. Wir hielten uns da mehr an den Spruch "Das Vieh wittert den Heimatstall!" und so hielt es uns dort nicht allzu lange und wir wanderten weiter.

Der Weg zog in langen Schleifen um die Berge herum. Wir waren froh so früh und so schnell unterwegs zu sein. In der Mittagszeit würde sich dieser Abschnitt mit Sicherheit in einen Brutkessel verwandeln. Die ersten Wanderer kamen uns entgegen. Schwer bepackt und noch nicht "eingelaufen". Für sie war es der erste Tag auf dem GR20 und für sie lag noch all das vor ihnen was wir bereits hinter uns hatten...
Der letzte kurze Anstieg und unter uns lag Conca, das Ziel der Wanderung. Wir stiegen ab und irgendwann tauchten wir zischen den ersten Häsuern des kleinen Dorfes wieder auf. Das letzte Stück ging es noch auf einer Straße entlang.
Um 10:40 Uhr erreichten wir den neben einer Bar gelegenen offiziellen Endpunkt des GR20 in Conca. Zur Belohnung gönnten wir uns ertmal eine Cola und ein Eis.

Nach und nach trafen auch die anderen Wanderer ein, die morgens mit uns aufgebrochen waren.
Die Suche nach einer Transportmöglichkeit, die uns von Conca wegbringen konnte war dann nochmal einen kleine Odyssee für sich. (Einen regelmäßigen Bus gab es nämlich nicht!) Schließlich saßen wir in einem Sammeltaxi das uns nach Porto Vecchio fuhr wo wir ein paar Tage verbrachten bevor es für uns von Bastia aus wieder nach Hause ging.

Damit ging unser Abenteuer Korsika erstmal zu Ende. Aber es war bestimmt nicht das letzte mal, dass wir der "Schönen" einen Besuch abgestattet haben.



Kommentare:

  1. Sehr tolle Impressionen :-) Sieht mir aber noch viel zu warm aus ;-)

    AntwortenLöschen
  2. Nach den ganzen Touren in nordischen Gefilden hat uns die Sonne doch mal gutgetan. Haben aber auch immer dafür gesorgt, dass wir schon Mittags an unserem Etappenziel aufgeschlagen sind und nicht in der größten Hitze rumlaufen mussten... ;-)

    AntwortenLöschen
  3. In brühender Mittagshitze wandern ist männlich.

    AntwortenLöschen
  4. Ich glaub sooo männlich will ich gar nicht sein. Mir reichen da meine drei Haare auf der Brust und ab und zu mal mit umgeschnallten Werkzeuggürtel eine eiskalte Dose Cola Light trinken. ;-)

    AntwortenLöschen
  5. Cola Light ist ein 100% weibliches Getränk ^_^

    AntwortenLöschen
  6. Schöner Bericht! Besonders die Erlebnisse und Geschichten "rechts und links" des Weges gefallen mir. Diese machen eine Tour erst besonders. Danke für´s teilhaben lassen!

    AntwortenLöschen
  7. Dann kennst Du aber die einschlägige Werbung dafür nicht! ;-)

    AntwortenLöschen
  8. Keene ich in der Tat nicht, ohne TV ist das Leben einfacher!

    AntwortenLöschen
  9. Freut mich wenn's gefällt! Auch wenn hier leider viel zu wenig Platz ist um alles wiederzugeben, was man dort erlebt und wen man dort trifft. Der nette Belgier der uns im letzten Teil begleitet hat. Das andere Vater & Sohn Team das leider abbrechen musste. Der junge Luxemburger der in strömenden Regen nur mit T-Shirt und Shorts bekleidet eine Raucherpause machte, obwohl die nächste Hütte in Sichtweite lag. Den anderen Wanderer, aus unserem Ultraleicht-Forum den wir in Bastia getroffen hatten. Oder den Briten, der ohne Heringe unterwegs war und sich bei Bedarf einfach welche ausgeliehen hat!

    AntwortenLöschen
  10. Wozu gibt's Internet?! ;-)

    http://youtu.be/1BMayNuyGYA

    AntwortenLöschen
  11. hello, Sebastian und Frederieka, it was nice to read your daily adventures on that hard, rocky but oh so beautiful GR20 trail.
    It brought back some very good memories, especially the last days on the southern part were we met and walked together on several occassions.
    My own pictures of the trip can be found on : https://plus.google.com/photos/112034813756640866113/albums/5779148888985478545?authkey=CLqApY3Tx-7-xAE
    Thanks for the company along the road and...keep on hiking!!

    Franky

    AntwortenLöschen
  12. Hi Franky,

    Happy to hear from you! It's been indeed a great time we spend together hiking the last sections of the GR20 as well as enjoing the pool on the campsite! ;-)
    Hope you had a few more nice days on this hot but beautiful island?
    You won't believe who we met on our last day on the way to the airport! All I will say is that there were two german hikers that missed their plane and as a consequence joined us on our flight! ;-)
    Thanksfor sharing your pics with us. It's always nice to see another point of view as one is usually not able to capture every moment on the trail alone.
    Maybe we'll meet again? The world is smaller than one thinks!

    Happy trails and greetings from Germany to you and your family,

    Basti & Rike

    AntwortenLöschen