Bei mir wurde es nun langsam
mal Zeit mich einem Bereich zuzuwenden, den ich in den letzten Jahren immer
etwas vernachlässigt habe, meiner Winterbekleidung.
Bisher hatte ich mich immer
damit begnügt mich in zahlreiche Lagen mehr oder weniger effektiv zu hüllen.
Selbstverständlich ist das Zwiebelprinzip grundsätzlich immer eine gute Idee.
Wenn aber die Lagen dann irgendwann überhand nehmen und es nicht mehr möglich
ist sie unterwegs sinnvoll aufeinander abzustimmen, bzw. der jeweiligen
Situation flexibel anzupassen, sollte man nachbessern.
Einen wesentlichen Bereich
nimmt dabei die Oberbekleidung ein. Also ging ich erstmal auf die Suche nach
einer Jacke und bin schließlich beim Patagonia Down Sweater gelandet.
Warum gerade der Down Sweater
von Patagonia?
Nun, die Frage ist
berechtigt. Immerhin bin ich ja als Grammzähler bekannt und verglichen mit dem
Down Sweater gibt es durchaus einige Jacken, die leichter und/ oder wärmer
sind. Aber nicht zu letzt ist die Wahl der Ausrüstung immer
eine sehr individuelle. Das fängt bei dem geplanten Einsatzbereich an, geht
über persönliche Vorlieben von Ausstattungsdetails und endet nicht zuletzt bei
der Passform.
Um meine eigenen Gedankengänge
hinter der Entscheidung für den Down Sweater etwas zu erläutern will ich mal
etwas mehr ins Detail gehen.
In der Regel sind die Winter
in unserer Ecke ja nicht die längsten. Und wenn man mal von den paar freien
Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr absieht, hab zumindest ich nur an den
Wochenenden Zeit mich mal draußen rum zu treiben. Eine ausgedehnte Wintertour
mit Übernachtung im Freien
ist da eher selten. Daher beschränke ich mich auf kürzere, aber meist sehr
vielseitige Aktivitäten um das Meiste aus der kurzen Zeit rauszuholen.
Angefangen bei normalen Wanderungen, die evtl. auch mal den ein oder anderen
Berg mit einschließen können. Über Skifahren egal ob Langlauf oder Abfahrt. Bis
hin zu typischen Winterspäßen wie Rodeln und Schneemann bauen. Das dabei das
Wetter nicht immer das beständigste ist und man mitunter auch auf eine
wasserdichte Jacke angewiesen ist, liegt leider an unseren Breitengraden, die
eher für nasse als trockene Winter bekannt sind.
Da stellt sich gleich mal die
Frage "warum Daune und keine Kunstfaser?"
Grundsätzlich ist Daune immer
noch was das Wärme-Gewichtsverhältnis angeht effizienter. Aber wie sieht es
aus, wenn sie mal nass wird?
Allgemein sagt man ja, ist
feuchtigkeitsstabile Kunstfaser bei nassem Klima der empfindlichen Daune
vorzuziehen. Dabei zu bedenken ist aber dass es drei verschiedene Wege gibt,
wie eine Jackenisolierung feucht werden kann.
Gegen Regen hilft eine
zuverlässige Hardshell. Bei kurzem Nieselregen reicht evtl. auch die Jacken
eigene DWR-Beschichtung.
Das zweite Problem könnte bei
erhöter Luftfeuchtigkeit auftreten, die ungehindert in die Isolierung kriecht
und diese kollabieren läßt. Dies hängt aber immer stark von dem herrschenden
Klima ab. Mit etwas Umsicht und Erfahrung kann man den Loftverlust aber auch
hier vermeiden oder zumindest kompensieren.
Die dritte Möglichkeit wie
eine Jacke feucht werden kann kommt durch den Träger selbst. Ist man zu warm
an, schwitzt man die Jacke schlicht voll. Bei längeren Touren setzen erfahrene
Winterwanderer daher auf sogenannte VBLs (Vapour Barrier Lines) die als
Dampfsperre die empfindliche Kleidung oder den Schlafsack vor dem Körperschweiß
bewahren.
Alternativ pellt man sich
einfach rechtzeitig aus seiner überflüssigen Kleidung oder handhabt es wie die
Inuit: Man passt sein Tempo seiner Kleidung an und geht einfach mal etwas weniger
flott, wenn man sonst Gefahr läuft im eigenen Saft zu stehen!
Ein weiter Grund, der gegen
Daune spricht liegt weniger im technischen Bereich als in der Problematik der
Daunengewinnung. Ich möchte hier jetzt nicht zu sehr darauf eingehen sondern
verweise lieber auf den sehr offenen und ehrlichen Patagonia eigenen Blog, wo man sich dieser
Schwierigkeiten nur zu bewußt ist.
Sollte man sich aus welchen
Gründen auch immer doch für Daune statt für Kunstfaser entscheiden, sollte man
wenigstens darauf achten, dass man sich für ein Produkt entscheidet was
Qualitativ langlebig ist und wo der Hersteller ein eigenes Interesse verfolgt
seine Ware nicht aus fragwürdigen Quellen zu beziehen. Das klärt auch gleich
die Frage warum ich bei Patagonia und nicht einem der zahlreichen anderen Anbieter
für Daunenkleidung gelandet bin.
Natürlich gibt es auch
leichtere Daunenjacken und Patagonia hat selber leichtere Modelle auf dem
Markt. Diese sind aber entweder nicht ganz so warm gefüttert wie der Down
Sweater, haben nicht die von mir gewünschte Ausstattung oder sagen mir
schlichtweg von der Passform nicht zu.
| Der sauber hinterlegte Frontreißverschluss lässt sich auch problemlos mit dicken Handschuhen bedienen. |
Die meisten, die sich nach
einer Winterjacke umschauen werden mit Sicherheit großen Wert auf eine gute
Kapuze legen. Der Down Sweater hat jetzt auffälligerweise gar keine. Obwohl es
von Patagonia dieses Modell auch mit Kapuze gibt, habe ich mich bewußt dagegen
entschieden.
Nicht etwa um Gewicht zu sparen, sondern aus einem ganz praktischen Grund.
Nicht etwa um Gewicht zu sparen, sondern aus einem ganz praktischen Grund.
Bin ich in Bewegung nutze ich
eigentlich nie eine Kapuze (wenn man mal von der Kapuze meiner Regenjacke
absieht). Es ist mir, zumindest in unseren Breitengraden, schlicht zu warm. Bei
kühleren Temperaturen reicht mir eine Mütze, die weder meine Sicht noch mein
Gehör merklich einschränkt. Eine warme Kapuze ist für mich höchstens als
Ergänzung für mein Schlafsetup interessant.
Ein weiter Grund mich gegen
eine Kapuze zu entscheiden liegt in der Problematik, wenn ich den Down Sweater
mit einer Regenjacke verwende. Logischerweise trage ich die Regenjacke über dem
Down Sweater um ihn wie bereits erwähnt vor der Nässe zu schützen. Hätte er
eine Kapuze, müsste ich diese entweder auch aufsetzen, wenn ich die Kapuze
meiner Regenjacke nutze (was mir schnell zu warm würde) oder ausgelassen würde
sich die Kapuze im Nacken knubbeln, da meine Regenjacken eher sportlich eng
geschnitten sind.
Also weg mit der Kapuze!
(Sollte es doch mal
unerwartet kalt werden, habe ich ja noch eine Daunenmütze von Blackrockgear im
Gepäck!)
Ein weiterer Vorteil der sich
dadurch ergibt ist die Möglichkeit die Jacke auch mal verkehrt herum zu tragen.
Sprich mit dem Reißverschluss auf dem Rücken! Diese Methode, die sich auf den
ersten Blick wie eine Zwangsjacke anhört hatte bereits Ray Jardine, der
Begründer der Ultraleichtbewegung erfolgreich genutzt und in seinen Büchern
erläutert. Trägt man einen Rucksack wird in der Regel nicht nur die Isolierung
am Rücken zusammengedrückt. Man neigt auch dazu diesen vollzuschwitzen! Trägt
man die Jacke verkehrt herum und lässt den Reißverschluss offen, verhindert man
dies. Durch den Rucksack läuft man trotzdem keine Gefahr ungewollt auszukühlen.
Sieht zwar evtl. etwas verboten aus, funktioniert aber sehr gut!
Selbst wenn man von dieser
doch eher ungewöhnliche Lösung absieht, erlaubt der durchgehende Reißer beim
Patagonia Down Sweater eine bessere Ventilation wie ein gewichtsoptimierter
kurzer Reißverschluss.
Sollte ich als Quiltschläfer
doch mal eine Übernachtung bei tieferen Temperaturen im Freien planen,
würde ich zusätzlich zu dem Down Sweater vermutlich eine weitere Isolierung
mitnehmen die dann auch über eine Kapuze verfügt. Da er mit seiner Isolierung
eher in der Mittelklasse anzusiedeln ist, eignet er sich hervorragend dazu mit
anderen Lagen kombiniert zu werden.
Soviel also dazu, warum meine
Wahl gerade auf diese Jacke gefallen ist.
Bevor es jetzt aber zu meiner
eigenen Praxiserfahrung mit dem Down Sweater geht gucken wir uns noch grade mal
die übrige Ausstattung an.
Der Down Sweater verfügt über
zwei gut zugängliche und geräumige Reißverschlusstaschen die auch mal die Hände
vor dem Auskühlen schüzen. Auf der Innenseite befindet sich eine weitere
Reißverschlusstasche.
Diese Netztasche kann zwar dafür genutz werden den Down Sweater wie in einem Packbeutel zu verstauen, ich ziehe es aber vor ihn unkomprimiert im Rucksack zu tragen. Da schont man die Daune und hat ihn schneller griffbereit.
Dafür bietet sich die Tasche aber zum Beispiel geradezu dazu an kälteempfindliche Dinge wie Smartphone, Kamera, oder Akkus aufzubewahren. So beugt man einer ungewollten Entladung zuverlässig vor.
Diese Netztasche kann zwar dafür genutz werden den Down Sweater wie in einem Packbeutel zu verstauen, ich ziehe es aber vor ihn unkomprimiert im Rucksack zu tragen. Da schont man die Daune und hat ihn schneller griffbereit.
Dafür bietet sich die Tasche aber zum Beispiel geradezu dazu an kälteempfindliche Dinge wie Smartphone, Kamera, oder Akkus aufzubewahren. So beugt man einer ungewollten Entladung zuverlässig vor.
Der Saum ist mit einem
verstellbaren Gummizug versehen, der den Down Sweater nach unten hin winddicht
verschließt und ein Hochrutschen verhindert.
Jetzt wird es aber mal Zeit
aus meiner Praxiserfahrung mit der Jacke zu berichten.
Den Down Sweater habe ich
etwa seit Mitte Dezember. Seitdem hat er mich nicht nur bei Wanderungen in Wald
und Wiese, kurzen Wochenendtouren und beim Skifahren begleitet sondern auch
täglich in der Stadt, beim Einkaufen, auf dem Rad und beim Warten auf den Zug.
Bisher haben sich dabei keine
wesentlichen Qualitätsmängel gezeigt. Das spricht für eine saubere Verarbeitung
und eine gute Wahl der verwendeten Materialien.
Etwas enttäuscht hat mich
aber gleich zu Anfang die DWR, sprich die wasserabweisende Beschichtung. In
meinen Augen ein wesentlicher Bestandteil eines hochwertigen Daunenproduktes,
da es doch die empfindliche Isolierung schützen soll.
Schon beim ersten leichten Nieseln saugte jedoch der Oberstoff fast ungehindert die Tropfen auf, das Abperlen beschränte sich auf ein Minimum. Mit längerem Tragen wurde dieser Effekt natürlich auch nicht besser.
Schon beim ersten leichten Nieseln saugte jedoch der Oberstoff fast ungehindert die Tropfen auf, das Abperlen beschränte sich auf ein Minimum. Mit längerem Tragen wurde dieser Effekt natürlich auch nicht besser.
Umso erfreulicher dafür, dass
die Jacke bisher in allen Situationen ihren Loft erstaunlich gut gehalten hat.
Selbst bei feuchterem Klima um den Gefrierpunkt und überraschenden Regenschauern blieb die Daune
stabil. Das spricht für die sehr gute Qualität der verwendeten 800er Daune.
Denn selbst bei gleichen technischen Angaben ist Daune nicht gleich Daune,
handelt es sich doch immer noch um ein Naturprodukt.
Der Patagonia Down Sweater
hat sich bei mir nicht nur während diverser Outdooraktivitäten zu einem meiner
Lieblingsteile entwickelt.
Gerade im Alltag wenn man mal auf eine warme Jacke angewiesen ist ohne gleich zu wirken als währe man vom nächsten Berg runtergestiegen, habe ich den cleanen look bei gleichzeitigem hohen Tragekomfort sehr zu schätzen gelernt. Im Alltag hat er mir bei Temperaturen bis etwa 5 Grad kombiniert mit einem einfachen Baselayer (200er Merino) vollkommen ausgereicht. Selbst wenn ich mal länger auf die Bahn warten musste und ich im Wind stand war mir angenehm "muckelig". Lediglich bei tieferen Temperaturen wurde es nötig doch noch was drunter zuziehen oder sich etwas mehr zu bewegen. Bis etwa -5 Grad habe ich den Down Sweater dann zusätzlich mit einem 100er Fleece oder der Patagonia Nano Puff Weste getragen. Die Kombination DownSweater und NanoPuff Weste hat sich dabei als mein persönlicher Favourit herausgearbeitet, sowohl was Tragekomfort als auch Packmaß und Vielseitigkeit angeht. Zumindest solange ich mich nicht intensiv bewegt habe. Dann reicht auch bei -5C der Down Sweater allein.
Gerade im Alltag wenn man mal auf eine warme Jacke angewiesen ist ohne gleich zu wirken als währe man vom nächsten Berg runtergestiegen, habe ich den cleanen look bei gleichzeitigem hohen Tragekomfort sehr zu schätzen gelernt. Im Alltag hat er mir bei Temperaturen bis etwa 5 Grad kombiniert mit einem einfachen Baselayer (200er Merino) vollkommen ausgereicht. Selbst wenn ich mal länger auf die Bahn warten musste und ich im Wind stand war mir angenehm "muckelig". Lediglich bei tieferen Temperaturen wurde es nötig doch noch was drunter zuziehen oder sich etwas mehr zu bewegen. Bis etwa -5 Grad habe ich den Down Sweater dann zusätzlich mit einem 100er Fleece oder der Patagonia Nano Puff Weste getragen. Die Kombination DownSweater und NanoPuff Weste hat sich dabei als mein persönlicher Favourit herausgearbeitet, sowohl was Tragekomfort als auch Packmaß und Vielseitigkeit angeht. Zumindest solange ich mich nicht intensiv bewegt habe. Dann reicht auch bei -5C der Down Sweater allein.
Was mir besonders an dieser Jacke gefällt ist ihr klassisches und zeitloses Design. Im Gegensatz zu
vielen anderen Daunenjacken die in letzter Zeit auf den Markt gekommen sind
kommt der Down Sweater auch ohne irgendwelche modischen Experimente oder
technischen Spielereien aus. Mal ganz davon abgesehen ob solch teilweise
gewagten Designexperimente auch noch in einem Jahr ansprechend wirken, ist es
auch oft fraglich ob sie auch die Performance einer Jacke steigern oder nur
ihren Preis...
Der Down Sweater überzeugt da
eher durch ein schnörkelloses Design und gekonntes Understatement.
In Kombination mit meinen
diversen Regenjacken (Haglöfs Oz, GoreTex Active Shell, DriDucks) gab es keine
Probleme. Die Passformen ergänzten sich prima und nirgendwo knubbelte sich
etwas oder lugte Isolierung unter der Hardshell hervor.
| In die Innentasche geht so einiges rein. |
So ist es mir z.B. mit der recht geräumigen Innentasche der Jacke gegangen. Hier wurde der Reißverschluss leicht schräg eingesetzt, was den Zugriff auf den Tascheninhalt deutlich erleichtert! Insbesondere wenn man mal darüber einen Schlupfer wie die Haglöfs Oz trägt und den Frontreißverschluss nur zur Hälfte öffnen kann. Eine einfache aber effiziente Lösung.
Insgesamt bin ich mit dem
Patagonia Down Sweater sehr zufrieden.
Mit ziemlicher Sicherheit wird er mich auch auf der im März anstehenden Wintertour nach Finnland begleiten.
Mit ziemlicher Sicherheit wird er mich auch auf der im März anstehenden Wintertour nach Finnland begleiten.
Für mich hat sich die Jacke
schon jetzt zu einem Klassiker entwickelt, den ich mit Sicherheit noch Jahre
tragen werde.
Jeder wird aber andere Maßstäbe
an eine Winterjacke setzen. Und es gibt Daunenjacken, die evtl. leichter oder
wärmer sind. Manche können mit außergewöhnlichen Gimmicks oder Designs
aufwarten. Ob sie damit immer gleich "besser" sind, ist immer sehr
individuell. Ich hoffe ich konnte mit diesem recht ausführlichen Review euch
nicht nur den Patagonia Down Sweater vorstellen, sondern Euch auch eine Idee
davon geben welche Kriterien mir bei meiner Ausrüstung wichtig sind und was man
bei der Wahl einer Jacke evtl. mit in die Entscheidungsfindung einfließen
lässt.
Bedanken möchte ich mich noch
bei den Bergfreunden, die mir die Jacke für das Review zur Verfügung
gestellt und mich bei der Suche
nach der richtigen Jacke unterstützt haben.
