Montag, 4. Februar 2013

Auf Krallen ins neue Jahr


...so oder so ähnlich könnte der Titel diese Artikels lauten. Manchmal ist es gar nicht so einfach die passende Überschrift zu finden. Und das wenn es in einem Text doch um etwas auf den ersten Blick so einfaches gehen soll wie ein Ausrüstungsteil respektive ein paar "Schneeketten" für die Füße. Aber gerade einfache Ideen können bei guter Umsetzung ein erstaunliches Aha-Erlebnis hervorrufen.
"Gut, dass wir die Dinger haben" hörte man uns zumindest mehr als einmal sagen als wir uns zwischen den Tagen in den mehr oder weniger stark verschneiten Alpen herumtrieben.

Die Rede ist hier von den Snowline Spikes Chainsen Light und den Snowline Spikes Chainsen Pro von Kochalpin. Um ehrlich zu sein spielte ich schon länger mit dem Gedanken uns für die kalte Jahreszeit mit mehr Grip an den Füßen zu versorgen. Grade wenn nicht die Schneemassen Ski oder Schneeschuhe erforderlich machen sind insbesondere in unseren eher nass-kalten Regionen die Wege mit einer dicken Eisschicht oder stark verharschtem Schnee bedeckt. Resultat? Auf jeden zweiten Schritt vorwärts folgt einer zurück oder zur Seite, was man auf den ersten Blick wohl für einen Salsa-Anfägerkurs halten könnte. Nicht gerade das was man im Sinn hat, wenn man eigentlich eine Wanderung plant. Noch weniger, wenn es zum winterlichen Trailrun vor die Tür gehen soll. Hier kommt jetzt Werner Koch ins Spiel der sich pünktlich zu meinem Geburtstag bei mir gemeldet hatte und uns die Möglichkeit gab die von ihm vertriebenen "Ultraleicht-Steigeisen" bzw. Grödel mal ausgiebiger zu testen.
links die Spike Chainsen Light, rechts die Spike Chainsen Pro

Bei den Snowline Spikes handelt es sich um mehrere kleine Edelstahlplatten mit hochgebogenen Metallkrallen, die untereinander durch kurze Ketten aus der selben Legierung miteinander verbunden sind. Am Schuh werden sie durch ein robustes, fest sitzendes Gummiband fixiert. Natürlich nicht so ein Hnadelsüblicher Einmachglasgummi, sondern  ein Hi-Tech Elatomer das bis -60°C getestet wurde. Um für einen optimalen Sitz zu sorgen gibt es sie passend zu den verschiedenen Schuhgrößen ebenfalls in verschiedenen Größen wobei das Gummiband dann zur besseren Unterscheidung eine andere Farbe hat.
links die Spike Chainsen Pro, rechts die Spike Chainsen Light

Darüberhinaus gibt es diese Traktionshilfen in zwei verschiedenen Ausführungen. Die etwas robustere Standard Version für Sportschuhe und leichte Wanderschuhe bzw. -stiefel und die Ultraleichtversion die durch schlankere Kettenglieder, kleinere Spikes und einen schmäleren Gummi mit ihrem reduzierten Gewicht ganz klar die Trailrunner unter uns im Auge hat.
Snowline Spike Chainsen Proin in Größe L - 361 Gramm

Snowline Spikes Chainsen Light in Größe L - 236 Gramm

Seit September haben wir jetzt beide Modelle so ausgiebig wie es die Witterungsbedingungen ermöglicht haben getestet. Sowohl bei kleineren Touren in Gebirge mit entsprechender Steigung, bei Wanderungen im Wald oder auch auf simplen überforenen Straßen haben sie uns seitdem begleitet. Abwechselnd haben wir dabei beide Modelle in Verbindung mit verschiedenen Schuhen ausprobiert.
auf Krallen durch den Schnee

Und bei beiden Modellen waren wir jedesmal aufs neue verblüfft wie viel so ein paar kleine Extras unter den Füßen doch ausmachen. Die Metallspikes aus gehärtetem Edelstahl beißen sich regelrecht in verharschten Schnee oder Eis. Die Ketten erhöhen die Traktion bei eher lockerem Schnee spürbar. Selbst bei Anstiegen, bei denen man für gewöhnlich Stufen in den Untergrund treten würde fanden wir mit den Grödeln immer zuverlässigen Halt.
Bei Eis beißen sie erst so richtig zu!

Wenn der Boden mal nicht so dick mit Eis und Schnee bedeckt ist greifen sie auch noch bei dem darunter liegenden Schlamm und Matsch. Ab und an kann dabei aber auch mal ein Bündel nasses Herbstlaub an den Spikes hängen bleiben. Ähnliches kann passieren, wenn man es mit sehr nasskaltem, pappigen Schnee zu tun hat. Dann sammeln sich gern mal einzelne Klumpen an den Kettengliedern. Dies passiert aber eher wenn man mal innehält und dem Schnee Gelegenheit gibt an dem Metall anzufrieren. Ebenso schnell hat man die Klumpen aber auch wieder losgetreten. Bei stetiger Bewegung hat man damit nach meiner erfahrung keine Probleme.
andere Größe, andere Farbe, selber Grip

Der Unterschied der beiden Varianten scheint auf den ersten Blick eher eine reine Gewichtssache zu sein. Auf den zweiten Blick fallen einem die minimalen Unterschiede in der Konstruktion auf um dies zu erreichen. Es wurde bei der Leichtversion ein schmäleres Elastomer-Gummi genutzt. Ebenso wurden dünner Kettenglieder eingesetzt und auch die Spikes an sich haben eine auf etwa 2/3 reduzierte Wandstärke. Bei der Leichtversion wurde zudem im Fersenbereich statt auf drei nur auf zwei Spikes gesetzt. Wenn man beim Laufen stärker die Hacke belastet (ich bin meist Vorderfuß/ Mittelfußläufer) mag hier der zusätzliche Spike einen Unterschied in der Traktion liefern. Vermisst habe ich ihn aber nicht. Je harschiger der Schnee, bzw. je eisiger der Untergrund umso besser der Grip der Spikes.
Beide Versionen sind in meinen Augen voll Trail tauglich.
Damit der Trailrun nicht zum Stillstand kommt.

Die Reduzierung in der Materialstärke könnte sich natürlich auf die Haltbarkeit auswirken. Selber habe ich bei beiden Modellen keinen Unterschied bemerkt. Dazu muss ich aber anmerken, dass ich in der Regel sehr auf meine Ausrüstung achte, was im Falle der Spikes bedeutet, dass ich lange Fels/ Asphaltetappen gemieden habe. Grundsätzlich können sie aber auch auf Fels einen etwas besseren Halt liefern. Ryan Jordan erwähnte mir gegenüber, dass er bei der Light-Version eine etwas schnellere Abnutzung, insbesondere bei häufig wechselndem Untergrund (Schnee, Fels) festgestellt hat. Also explizit bei solchen Passagen wo man darauf verzichtet jedesmal die Spikes ab zulegen nur um sie wenig später wieder anzuziehen. Welche Variante damit für einen selbst in Frage kommt hängt damit stark vom Nutzerprofil ab.
Auch im Alltag machen die Spikes eine gute Figur

Der durchschnittliche Trailrunner wird in jedem Fall wohl mit den Snowline Spikes Chainsen Light seine helle Freude haben.
Bei Wanderern hängt es davon ab, ob man nur Tagestouren anstrebt, mit Ultraleichtgepäck unterwegs ist, oder mit zünftigen Wanderstiefeln und normalem Gepäck durch die Gegend stapft. Auch die Route bzw. der Untergrund spielt natürlich eine Rolle.
Ich denke die Masse dürfte mit den Snowline Spikes Chainsen Pro sehr zufrieden sein.
Wer auch bei Touren auf das letzte Gewicht achtet und sorgsam mit seiner Ausrüstung umgeht dürfte bei den Snowline Spikes Chainsen Light richtig liegen. (und nicht umsonst haben sie grade erst auf der ISPO 2013 einen Preis abgeräumt!)

So oder so sind die Snowline Spikes von Koch Alpin eine großartige Sache. Nicht nur überzeugen sie durch eine einfache Handhabung sondern auch durch ihre Zuverlässigkeit. Grade in der kalten Jahreszeit erweitern sie das Tourenspektrum merklich und finden bestimmt auch für ausgedehnte Altschneefeldern auf Sommertouren ihren Weg in unsere Rucksäcke.