Dienstag, 2. Dezember 2014

Ich packe meinen Rucksack - ein kurzer Ausrüstungsguide

Für die meisten ist der Winter die Jahreszeit wo man von ausgedehnteren Touren absieht und lieber in der warmen Stube Pläne für die nächste Saison schmiedet. Und mit dem Weihnachtsfest kommt dann auch häufig die Frage auf, was man denn evtl. noch für die nächste große Tour gebrauchen könnte.
Ich möchte im Folgenden keine Geschenke für den “Outdoorer, der schon alles hat” präsentieren, auch keine Neuheiten oder must-haves für das Leben im Freien.
Vielmehr möchte ich einen kurzen Überblick liefern, was meiner Meinung nach auf einer Tour für Ausrüstung Sinn macht und bei welchen Teilen es sich lohnt zu investieren und wo man problemlos ein paar Groschen sparen kann.

Schön, wenn man sich auf seine Kleidung verlassen kann.

Kleidung
Fangen wir mal bei den absoluten Basics an, der Kleidung.
Sie soll uns in erster Linie helfen unseren Körper besser an das herrschende Klima anzupassen. Also warm im Winter, luftig im Sommer…
Ich bevorzuge möglichst schnelltrocknende Stoffe und Klamotten ohne unnötige Taschen und Verstärkungen. Moderne Materialien sind in der Regel mehr als ausreichend robust und mehr Material bedeutet nicht nur mehr Gewicht und größeres Packmaß, sondern vor allem auch längere Trockenzeit.
Vielseitigkeit ist ein Plus! Hosenbeine die sich hochkrempeln lassen oder Ärmel die sich leicht hochschieben lassen machen die Sachen flexibler.
Outdoorkleidung ist einerseits sehr langlebig, andererseits auch ein Verschleißprodukt. Hier lohnt immer der Blick auf den Gebrauchtmarkt! Investitionen in hochpreisige Artikel sind in der Regel nicht gerechtfertigt. Nach meiner Erfahrung decken auch die einfacheren Modelle alle notwendigen Eigenschaften ab, verzichten dabei aber auf häufig überbewertete Features und Gimmicks die nicht nur den Preis, sondern auch das Gewicht in die Höhe drücken.

Schuhe machen so einiges durch

Schuhe
Schuhe sind dabei jedoch eine sehr individuelle Angelegenheit. Nicht nur weil jeder einen anderen Fuß hat. Ich bin persönlich von Trailrunnern, Minimalschuhen und Huaraches überzeugt. Allerdings sind Schuhe wie kein anderer Ausrüstungsgegenstand dem Verschleiß ausgesetzt, verbringen wir doch die meiste Zeit auf den Füßen. Gebraucht würde ich hier nur in den seltensten Fällen kaufen, da man in der Regel nur schwer absehen kann, wie Schuhe eingelaufen wurden. Aber besonders bei Schuhen gibt es oft Schnäppchen, wenn man nach den Vorjahresmodellen guckt. Mit ein paar Tropfen Seamgrip lassen sich zudem exponierte Nähte vorsorglich verstärken und damit das Schuhleben verlängern. Mein absoluter Favourit und Tip: Wer sich drauf einlässt, der wird mit Luna-Sandalen (Partnerlink) extrem glücklich werden! Die überzeugen mich persönlich nicht nur durch ihre Performance und den Komfort, sondern durch ihre fast schon geschäftsschädigende Langlebigkeit!

Schlafsack/ Quilt
Ein Gegenstand bei dem es sich meiner Meinung nach lohnt zu investieren ist der Schlafsack oder Quilt! Bei einer Lebenszeit von mehreren Jahren rentiert sich eine einmalige Investition allemal. Zudem sichert ein Schlafsack die wichtige Erholung in der Nacht! Da will ich wirklich keine Einbußen in Kauf nehmen. In der Regel sind qualitativ hochwertige Schlafsäcke oder Quilts nicht nur wärmer, sondern auch deutlich leichter. Lieber vor einer Anschaffung wirklich intensiv recherchieren und vergleichen und nicht gleich bei einem vermeidlichen Angebot zuschlagen. Wer sich nicht vor Nadel und Faden scheut kann sich auch an den Selbstbau einer Penntüte wagen. Das ist zumindest bei einem Quilt in der Praxis leichter wie es sich anfangs evtl. anhört.

Leicht, steckt aber so einiges weg
mehr Platzangebot bei weniger Gewicht geht eigentlich nicht

Zelt/ Tarp
In meiner Outdoorlaufbahn habe ich viel Geld für Zelte ausgegeben. Dass das nicht unbedingt nötig war hab ich erst mit der Zeit gelernt. Zumindest würde ich heutzutage die Unterkunft zweitrangig nach einem guten Schlafsack einordnen. Auf zuverlässigen Wetterschutz würde ich dennoch natürlich nicht verzichten wollen. Ein durchdachtes Tarp ist leichter, flexibler und verglichen mit Zelten auch günstiger. Für wirklich herausforderndes Wetter würde ich auf ein leichtes Shelter im Pyramidendesign (z.B. ShangriLa, Duomid, Trailstar, etc. ) zurückgreifen. Ab und an kann man insbesondere in einschlägigen Online-Foren günstige Angebote finden.
Das ebenso leistungsstarke wie hochpreisige Cubenfibre Material hat zwar durchaus seine Vorteile kann seine Stärken allerdings nicht bei allen Unterkunftsformen voll ausspielen und erfordert einen Hersteller, der Erfahrung mit diesem Material hat. Ich bin nach wie vor mit Tarps und Sheltern aus Silnylon zufrieden. Minimal schwerer lassen diese sich oft einfacher/ kleiner verpacken, sind deutlich günstiger und lassen z.B. beim Aufenthalt auf einem Zeltplatz auch keinen Blick ins Innere zu.

Selbstgebauter Spirituskocher und Bushbuddy-Holzkocher
Holzkocher machen sich vor allem durch den eingesparten Brennstoff bezahlt den man zudem nicht extra schleppen muss! 

Küche
Die Outdoorküche ist nicht umsonst für Selbtbauprojekte beliebt. Es gibt unzählige Anleitungen für Kocher, Windschutz und Topfständer im Netz. Die leichtesten und zuverlässigsten Kocher fallen genau in diese Selbstbaukategorie. Mit ein oder zwei alten Getränkedosen, einem Taschenmesser und nicht ganz einer halben Stunde Arbeitsaufwand baut man sich einen treuen Begleiter für zahlreiche Touren! Wenn man nicht auch in einer alten Getränkedose sein Wasser erhitzen möchte (wovon ich mit wenigen Ausnahmen eher abrate, da die meisten Dosen auf der Innenseite eine fast unsichtbare Kunststoffbeschichtung aufweisen, die beim Erhitzen nach und nach ins Wasser ausdünstet) bleibt nur noch ein formschöner Topf. Ich persönlich stehe dabei auf unbeschichtetes Titan, das zwar etwas mehr kostet, aber pflegeleicht ist, auch mal ein Lagerfeuer verträgt und nicht zuletzt leichtere Töpfe ermöglicht. Zudem wird ein guter Topf zwar mit der Zeit Gebrauchsspuren davon tragen, aber in der Regel ein Begleiter für ein ganzes Wanderleben sein.

simpel, aber funktional

Rucksack
Bliebe noch der Rucksack, das Aushängeschild jedes Wanderers (und nicht ohne Grund heißt unser Blog auch die BEUTELtiere). Ein Rucksack soll und muss vor allem gut sitzen! Aber auch der best designte Rucksack trägt die Last nicht alleine (ich hab das Gefühl, ich wiederhole mich).
Als Ultraleichtwanderer heißt das nicht zuletzt, dass ich auch beim Rucksack auf das Eigengewicht achte, aber nicht auf Kosten des Tragekomforts. Dieser hängt insbesondere bei Rucksäcken ohne festes Tragesystem vom richtigen Packen ab. Leider kann man die wenigsten Ultraleichtrucksäcke irgendwo im Laden anprobieren. Aber evtl. findet sich im Bekanntenkreis oder in einem Forum die Möglichkeit sich vor einem Kauf mal einen solchen Rucksack näher anzuschauen.
Gerade in Foren hat man bei Zeiten Glück und findet den ein oder anderen gebrauchten Rucksack von jemandem, der diesen Rat nicht berücksichtigt hat. ;)
Gebrauchsspuren sind dabei fast immer nur optisch und tun der Funktion keinen Abbruch.
Persönlich komme ich dank reduziertem Ausrüstungsgewicht bei 90% meiner Touren ohne Hüftgurt aus. Worauf ich aber nicht verzichten möchte sind zwei Seitentaschen für Trinkflasche, Snacks, o.ä. und eine zentrale, große Netztasche wo man das nasse Zelt, die Regenkleidung oder andere Dinge verstauen kann, die man schnell zur Hand haben möchte. Um den Rucksackinhalt wasserdicht zu verpacken langt mir ein großer Müllsack. Teure und aufwendige Packbeutel oder wasserdichte Stausäcke sind oft viel zu schwer und können auch nicht mehr wie so eine Mülltüte, die sich zudem leichter ersetzen lässt.


Ich hoffe ich konnte mit dieser kleinen Zusammenstellung mal eine andere Perspektive auf ein viel diskutiertes Thema werfen. Wenn ihr noch Fragen habt oder persönliche Tips sucht, steht Euch natürlich wie immer die Kommentarfunktion zur Verfügung.



Freitag, 7. November 2014

Der perfekte Rucksack

Ich wurde schon oft gefragt, welchen Rucksack ich empfehlen würde. In der Regel kommt dann von mir eine Rückfrage bezüglich des Einsatzzwecks, dem Volumen, Gewicht des Inhalts, Rückenlänge, Tourendauer, etc. Man kennt sowas ja auch aus diversen Foren oder aus den Verkaufs... Ähh, Beratungs-Gesprächen im Outdoorladen seines Vertrauens.

Aller Anfang ist schwer

Wenn man auf die reine Summe an Rucksäcken guckt, die ich in meinem Leben schon besessen, genutzt und verschlissen hab, oder auch nur auf die (eigentlich viel zu vielen) Rucksäcke, die sich zur Zeit in meinem Ausrüstungs-Fundus befinden, müsste man meinen, ich hätte Ahnung davon und könnte sagen, was der perfekte Rucksack währe. Oder zumindest wie der perfekte Rucksack aussehen müsste.
Andererseits zeigt die Unsumme an Rucksäcken mit ihrer Vielzahl an Features, Gimmicks und Designs die sich bei mir im Verlauf der Jahre angesammelt haben allerdings auch etwa anderes. Nämlich, dass ich scheinbar selbst noch nicht DEN perfekten Pack gefunden habe! Das klingt jetzt aber doch schon etwas merkwürdig, oder nicht?

Rucksäcke im Partnerlook

Ich muss zugeben, dass ich selber oft darüber nachdenke wie der perfekte Rucksack für mich beschaffen währe. Grundsätzlich hat ja jeder andere Erwartungen an seinen Rucksack und damit währe es schwer alle unter den selben Nenner zu bringen. Der eine möchte nunmal nicht auf einen Hüftgurt und ein integriertes Tragesystem verzichten, der andere empfindet das als überflüssig oder sogar störend. Um also festzustellen, welcher Rucksack am besten zu einem passt, währe es zunächst einmal wichtig, zu wissen was die eigenen Erwartungen sind. Das man sich da mal von gewissen Wunschvorstellungen befreit und da eher realistisch an die Sache dran geht kann da nur hilfreich sein.

Auch wenn die Industrie und deren Werbung es uns immer wieder versucht einzureden:

"ES GIBT KEINEN RUCKSACK, BEI DEM DER INHALT LEICHTER WIRD!"

Natürlich kann ein guter und bequemer Sitz dazu führen, dass sich ein Rucksack angenehmer trägt, wie ein anderes Modell. Leichter wird das Gepäck in seinem Inneren dadurch aber nicht! Bevor man sich also auf die Jagd nach einem Rucksack macht, sollte man sich um dessen Inhalt kümmern. Je weniger Teile und je leichter und kompakter diese ausfallen, umso leichter kann damit auch der Rucksack am Ende sein. Klar würden manche jetzt argumentieren, dass es doch auch bei Rucksäcken Gewichtsunterschiede gibt. Und da haben sie auch Recht. Aber, je minimalistischer der Inhalt des Rucksacks ausfällt, umso minimalistischer und umso leichter kann auch der Rucksack an sich gestaltet sein.

"brauch ich das wirklich alles?"

Wenn man sich also darüber im Klaren ist und seine Ausrüstung nun quasi nackt (d.h. ohne den verhüllenden Rucksack) vor sich liegen hat, schwingt man sich sogleich vor den PC und stürzt sich in die Recherche...

Die Ramenbedingungen sind ja meist soweit geklärt. Das Volumen und das Gewicht der Ausrüstung ist festgehalten (möglichst kleinschrittig in bunten Exel-Tabellen) und die Eckdaten der vorausliegenden Tour hat man auch parat. Was also nun? Man klickt auf den erstbesten Online-Shop und öffnet die Kategorie, die der eigenen Tour am ehesten entspricht. Alpinrucksack für eine Bergtour? Oder doch eher ein Trekkingrucksack für mehrwöchige Zelttouren?
Mhh... manchmal gar nicht so leicht. Und was, wenn ich mal in die Berge und mal im Flachland unterwegs bin? Brauch ich dann zwei Rucksäcke? Und fürs Fahrradfahren? Und in der Stadt? Langsam wird wohl klar, woher die ganzen Rucksäcke stammen, die bei mir rumfliegen...

für's Trailrunning ein Trailrunning-Rucksack

Aber braucht es das wirklich? Diese ganzen verschiedenen Spezialisten? Oder gibt es eine Art Eier legende Wollmilchsau? Das ist die Frage, die ich mir schon geraume Zeit stelle und die mich schließlich zu diesem Artikel geführt hat. Wenn ich einen Rucksack selber entwerfen würde, würde ich die Details übernehmen, die ich schon bei anderen Rucksäcken zu schätzen gelernt hab.  Am Ende stünde mein Idealbild eines Rucksacks.

der Großvater der Ultraleichtrucksäcke

Erstaunlicherweise habe ich bereits ähnliche Rucksäcke. Und es sind oft nur wenige Details die sie von diesem Idealbild trennen. Rückblickend entsprachen diese Rucksäcke als ich sie bekommen habe meinem Idealbild bzw. waren "genau das, was ich mir gewünscht habe". Warum entsprechen sie dieser Vorstellung eines idealen Rucksacks jetzt nicht mehr und warum suche ich weiterhin nach dem perfekten Pack?

Die Rucksäcke haben sich nicht verändert. Ich habe es! Ok. Ich bin immer noch ungefähr gleich groß, hab immer noch zwei Arme und auch mein Rücken ist noch da wo er hingehört. Die Veränderung hat im Kopf stattgefunden. Was sich geändert hat waren die Erwartungen die ich an einen Rucksack stelle. Das war zunächst einmal das größere Volumen als die Touren länger wurden. Dann haben Tests und Berichte in verschiedenen Magazinen mich vom Vorteil neuer Features "überzeugt". Als ich mit Ultraleicht angefangen habe, war es die Versprechung von geringerem Gewicht. Aber immer waren es Einflüsse von Außen, die meine Erwartungen und meine Ansprüche an einen Rucksack verändert haben. Wenn ich zurückdenke, war das nicht immer so. Zugegeben, in meiner Jugend war man froh, wenn man einen gut sitzenden Rucksack hatte, der nicht alle Nase lang in den Schultern einschnitt. Aber unterm Strich waren die Details des Rucksacks nachrangig. Outdoorstores gab es noch nicht an jeder Ecke, der Briefkasten wurde nicht mit Werbung diverser Ausrüster überflutet und vom Internet hatte damals auch noch keiner gehört.

den Kuchen lass ich lieber gleich draußen...

Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr werde ich mir klar darüber, dass es den perfekten Rucksack bereits gibt. Und, dass ich ihn bereits besitze! Er befindet sich in meinem Kopf. Nicht als Idee, als Schnittmuster oder als Liste von Features und must-haves. Nein. Vielmehr sind es die Erwartungen an einen Rucksack die diesen formen. Und wenn ich diese Erwartungen ändere, sie umgestalte und überdenke, dann passen sie auf den Rucksack, der da bereits seit Jahr und Tag in meinem Schrank hängt. Das klingt jetzt mit Sicherheit wie die wirren Reden eines Einsiedlers auf irgend einem nicht näher genannten Sumpfplaneten...

Hüftgurt? Nein, danke!

Aber wenn man sich darüber klar wird, wie sehr unser Denken und damit auch unser Handeln von Werbung, Berichten und Kommentaren im Netz und unserem gesamten Umfeld beeinflusst wird, dann erscheint das vielleicht weniger abstruß. Brauche ich wirklich einen neuen Rucksack, weil er 20 Gramm weniger wiegt wie mein alter Rucksack? Machen die neuen Schultergurte wirklich so einen Unterschied im Tragekomfort, dass ich bereit dafür bin, einiges an Geld auszugeben, obwohl ich in den letzten Jahren auch mit den alten Schultergurten immer gut zurecht gekommen bin? Es liegt schlußendlich an uns und unserem Kopf, was wir wollen und was wir wirklich brauchen. Und was soll ein Rucksack unterm Strich können? Er soll groß genug sein um unseren Krempel zu fassen und sich dabei ausreichend bequem tragen lassen.
Wenn ich diese Idee weiter spinne, dann währe der perfekte Rucksack kaum mehr wie die simple Tasche eines traditionellen Pilgers oder Wander-Mönches. Ein einfacher, schlichter Beutel, der die notwendigen Dinge aufnehmen kann, auf die man unterwegs angewiesen ist.
Und da man diese grundlegende Idee der Einfachheit auch auf den Rest seiner  Ausrüstung anwenden könnte, müsste dieser Beutel gar nicht mal so groß sein...

kein Vergleich zu früher ;-)

Heißt das nun, dass man mich demnächst mit einem Jutebeutel über der Schulter durch den Wald huschen sieht? Wohl dann doch eher nicht. Ich gebe zu, dass es mir selber nicht immer leicht fällt, mich den diversen Verlockungen die ein neues Produkt liefert zu entziehen. Und doch ist es für mich ein besonderer Reiz und eine Herausforderung das zu nutzen was man bereits hat und dabei zugleich damit zufrieden zu sein.

Die Kunst besteht nicht darin, den Ausrüstungsgegenstand mit den passenden Features auszuwählen, sondern das was man zur Verfügung hat auch in unerwarteten Situationen überlegt einzusetzen.



Donnerstag, 30. Oktober 2014

Geteert und Gefedert - in der ethisch-ökologischen Zwickmühle

Was war es damals alles einfach. Begriffe wie Klimawandel und ökologischer Fußabdruck waren im allgemeinen Sprachgebrauch noch unbekannt. Vegetarismus hielten manche eher für eine Sekte und bestimmt nicht für eine gesunde Ernährungsform. Und um nicht zu frieren ging man einfach ins Geschäft an der Ecke und kaufte sich eine x-beliebige Jacke. Hautsache die Größe und die Farbe stimmte.

Daune oder Kunstfaser?

Heutzutage haben sich die Zeiten geändert. Man hat jetzt eigentlich nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder man ignoriert vehement jegliche Studie die vor dem ökologischen Kollaps warnt oder man setzt sich mit seinem Konsumverhalten reflektiert auseinander.
Zugegeben, ich hab in meinem Leben schon mehr als eine Jacke, Rucksack, Schlafsack oder Zelt verschlissen und gekauft. Und gerade wenn es um warme Klamotten geht, kann man beim Stadtbummel schwach werden, wenn man erst kurz vorher auf Tour mehr als nur kalte Füße hatte. Und wenn es um Isolierung geht kommt immer noch kein Material an den unangefochtenen Spitzenreiter Daune heran. Zumindest verfügt kein anderes Material über so ein gutes Wärme-Gewichtsverhältnis wie Daune. Auch der Tragekomfort ist unübertroffen. Und spätestens seit der Einführung wasserabweisend behandelter Daune haben Skeptiker die bei dem Gedanken von nasser Isolierung zusammenzucken kein Argument mehr in der Hand. Naja, fast...
Wir sind schon länger Vegetarier und seit einer ganzen Weile ernähren wir uns mittlerweile überwiegend vegan. Das hatte neben gesundheitlichen und ökologischen auch nicht zu letzt ethische Gründe. Aber wie hält man es neben der Ernährung mit seinem sonstigen Konsum? Das war und ist eine Frage, die wir uns zunehmend stellen. Wenn man mit den Methoden der Lebensmittelindustrie und insbesondere der Massentierhaltung bzw. Intensivtierhaltung nicht einverstanden ist, bleibt einem wohl nichts anderes übrig als auch bei seiner Bekleidung auf tierische Produkte zu verzichten.
Das scheint erstmal einfacher als es dann tatsächlich ist. Wenn man neben dem Tierleid aber auch ökologische Faktoren mit in die Rechnung mit einbezieht, fängt das Grübeln an...

In der Outdoorindustrie übertrumpft man sich aktuell gegenseitig mit Blue-Label Zertifikaten und Highttech Materialien aus recycleten Rohstoffen. So weit so gut. Setzt man sich jedoch etwas mehr mit der Materie auseinander ist leider nicht alles so grün wie es scheint. Beim Stöbern in diversen Katalogen, Onlineshops und den Seiten namhafter Hersteller sind mir einige Punkte aufgefallen, die mich nachdenken ließen. Lassen wir mal von begründeter Kritik an wasserdichten Membranen und Imprägniermitteln ab, die ja auch bei Daunenprodukten Verwendung finden. (Greenpeace hat wiederholt mit seiner Detox-Kampagne auf grobe Missstände bei den verwendeten Chemikalien hingewiesen) Oder dem Umstand, dass Hersteller die sich selbst als ökologisch vermarkten oft nur einen verschwindend geringen Teil ihrer Kollektion ohne entsprechend fragwürdige Stoffe produzieren bzw. zertifizieren. Gucken wir einfach mal zu den gängigen Alternativen zu Daune. Kunstfaserfließe wie etwa Primaloft, Climashield Apex und co. haben hier ganz klar die Nase vorn. Und wie schön, gibt es viele dieser Produkte auch noch aus recycleten Rohstoffen! Ist doch prima! Oder nicht?
Also mal rasch einen Blick auf die Produktanhänger an den Klamotten geworden...

New Material Only

Ganz selten findet man allerdings mal Informationen zum recycleten Anteil im Produkt und dieser ist dann oft verschwindend gering. Ok. Das ist natürlich immer noch besser wie gar nix. Jeder fängt ja mal klein an. Aber die Werbung der Hersteller vermitteln dem Verbraucher häufig den Eindruck, das Produkt währe fast vollständig aus wiederverwerteten Ressourcen hergestellt. Unterm Strich heißt das bei den gängigen Kunstfaserisolierungen, dass man weiterhin auf petrochemische Produkte aus extra dafür gewonnenem Erdöl setzt. Ob das mit dem Bild zusammen passt, das der naturverbundene Kunde von diesen Produkten hat? Und berücksichtigt man die oft relativ kurze Lebensdauer einer Kunstfaserisolierung bevor diese einen Großteil ihres Loft und damit ihrer Wärmeleistung einbüßt, ist diese Frage umso begründeter. Recyclet wird das Material am Ende seiner Lebensdauer in der Regel auch nur in Ausnahmen. Sei es, weil der Verbraucher mit der richtigen Entsorgung überfordert ist, oder weil der Hersteller die dafür nötigen Informationen nur unzureichen publiziert. Also doch wieder Daune?

Enthält Nicht-Textile Teile Tierischer Herkunft

Es gibt ja immer mehr Hersteller die sich zertifizieren lassen, dass ihre Daune nicht von Lebendrupf stammt und lediglich "Abfallprodukte" der Lebensmittelindustrie sind.
Aber mal abgesehen von den mehr als unwürdigen Lebensbedingungen der Tiere in der Massenaufzucht (wer glaubt, die Daunen seiner Jacke stammten von 3-4 glücklich und frei auf einer grünen Wiese umherlaufenden Gänsen denen man die Federn abstreichelt, sollte mal öfters einen Blick in die Zeitung riskieren) ist auch die Massentierhaltung für ihre rohstoffintensive und wenig nachhaltige Produktion verschrien. Immerhin geht weltweit der überwiegende Anteil der Ernteerträge in die Tierzucht und die Tierindustrie ist für rund 51% aller Treibhausgasemissionen verantwortlich. Zudem bedrohen die dort anfallenden Abfallstoffe Grundwasservorräte und Boden gleichermaßen. Mit dem Kauf von Daunenprodukten werden diese Umstände indirekt unterstützt.
Unter diesen Gesichtspunkten ist mit Sicherheit auch der Artikel "Wolle hat schlechtere Umweltbilanz als viele Kunstfaserprodukte" lesenswert, auch wenn hier nicht Daunenprodukte zum Vergleich herangezogen werden.

Wenn man also weder auf Daune, noch auf Kunstfaser zurückgreifen kann oder sollte, was dann? Nackt auf die nächste Wintertour? Wohl eher nicht.
Eine Lösung um das Problem zu minimieren ist eigentlich ganz simpel. Weniger kaufen!

Auch wenn uns diverse Magazine und Kataloge was anderes erzählen, braucht man nicht für jede Gelegenheit eine andere, hochspezialisierte Jacke. Als Blogger der auch von Zeit zu Zeit Produkte testet und darüber berichtet, muss ich mir hier selber auch den Schwarzen Peter zuschieben. Allerdings bin ich auch immer bemüht offen und ehrlich über meine Erfahrungen zu schreiben, damit andere davon profitieren können. So hoffe ich, dass ihr zumindest den ein oder anderen Fehlkauf vermeiden könnt. Was hab ich also in über 25 Jahren gelernt, die ich mich schon draußen rumtreibe? In der Regel reicht das selbe alte Teil, was man schon seit Jahren nutzt. (Das ist eine Erkenntnis, die auch bei mir lange gebraucht hat) Nur wegen eines kleinen zusätzlichen Features oder um mit der Farbe der Saison zu gehen ist eine Neuanschaffung einfach unverhältnismäßig. Auch wenn es vielleicht gut gemeint ist, bringt es auch nix seine alte Ausrüstung auszusondern um sich mit neuer, "grünerer" Kleidung einzudecken. Wie hat man früher immer so schön gesagt? "Erst das alte im Kühlschrank aufbrauchen, eh Du 'ne neue Packung anbrichst!"
Aber was, wenn die Jacke mal wirklich durch ist? Die richtige Pflege zögert ein vorzeitiges Ende zumindest schonmal hinaus. Auch ein Flicken muss nicht schäbig wirken, sondern verleiht wie ich finde einer Outdoorjacke irgendwie Persönlichkeit. Und wenn dann doch mal das Ende alles Irdischen ansteht? Dann erstmal darum kümmern, dass die alte Jacke einem fachgerechten Recycling zugeführt wird (zumindest die meisten Hersteller, die etwas auf sich halten, bieten mittlerweile ein entsprechendes Rücknahme-Programm an). Bevor man dann in den nächstbesten Laden läuft lohnt sich immer ein Blick auf den Gebrauchtmarkt. Das ist nicht nur Resourcen schonend, sondern schont praktischerweise auch noch das Portemonai. Und manchmal findet sich da noch der ein oder andere unverhoffte Schatz! Wie oft haben Hersteller schon ein eigentlich tolles Teil in einer Neuauflage verschlimmbessert und man wünscht sich, man hätte lieber das ursprüngliche Design? Lösung: Gebrauchtmarkt!

Wie sieht das bei mir selber aus? Ich habe bei unseren Touren seit Jahren auf eine Haglöfs Oz gesetzt die ich mal als Schnäppchen gebraucht erstanden habe. Auch wenn sie schon etwas in die Jahre gekommen ist hat sie anstandslos auf zahlreichen Touren ihren Dienst bei mir geleistet. Bei meiner Lieblingstourenhose musste ich schon x-mal die Nähte ausbessern. Und ich erwische mich immer öfter dabei, dass ich für Touren meinen uralten GoLite Breeze packe.

GoLite Breeze, auch heute noch ein Star!

Natürlich standen auch immer wieder mal Neuanschaffungen an. In der Regel haben aber dafür andere Dinge ihren Weg aus meinem Schrank auf den Gebrauchtmarkt gefunden. (Auch wenn es manchmal wirklich nicht leicht fiel, weil man ja denkt, man könnte es doch irgendwann nochmal gebrauchen) Aber ich freue mich immer wieder, wenn ich höre, dass die Sachen bei ihrem neuen Besitzer fleißig genutzt werden.


Und die Frage ob Öl oder Daune?
Geteert oder Gefedert?

Sie lässt sich wohl nur als Aufruf verstehen, das eigene Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen.






Donnerstag, 5. Juni 2014

Unten ohne macht mich glücklich - Auf den Traildays in Garmisch


Von Draußen klatscht der Regen gegen die Scheibe. Hier drinnen ist es trocken und das Vibrieren des Motors sorgt trotz der bequemen Sitze für eine gewisse Unruhe. Es ist Freitag morgen und ich befinde mich im Fernbus auf dem Weg nach Garmisch-Partenkirchen zu den Traildays. Die Traildays... das ist ein Projekt das von Robert Pollhammer, einem erfahrenen Trail-  und Ultramarathonläufer ins Leben gerufen wurde. Jedes Jahr treffen sich ein paar Verrückte zu einem Wochenende am Fuß der Zugspitze um sich auszutauschen, neueste Ausrüstung zu begutachten, sich in Workshops den ein oder anderen Kniff abzugucken und nicht zu letzt: um zu laufen! Und dieses Jahr bin ich mit dabei um durch die Berge zu wetzen! Zwar bin ich diesmal leider ohne Rike unterwegs und zeitlich passt es bei mir auch nur für einen einzigen Tag, aber den wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Aber was treibt mich dazu zwei ganze Tage quer durch Deutschland zu fahren nur um an einem Tag mit ein paar Leuten laufen zu gehen?

treue Begleiter seit vielen hundert Kilometern

Es begann alles vor ein paar Jahren...
Ich war schon immer recht aktiv und auch körperlich ziemlich fit, habe aber eigentlich nie gezielt einen Ausdauersport verfolgt.
Ich war grade Mitte zwanzig als ich mir eine Rückenverletzung zuzog. Ein Blick mit dem MRT und die Ärzte waren recht zuversichtlich, dass ich nie wieder irgendeinen Sport machen könnte. Aber man muss ja nicht alles glauben was einem jemand sagt...
Etwa zur selben Zeit hatte ich ein kleines Buch in die Finger bekommen das sich Trekking Ultraleicht nannte. War es für mich Anfangs nur eine weitere interessante Outdoor-Lektüre, erkannte ich, dass die Reduktion meines Ausrüstungsgewichtes der einzige Weg währe, wie ich weiterhin meinem Hobby nachgehen könnte. Große Lasten schleppen war mit meinem Rücken einfach nicht mehr möglich. Ich stöberte im Netz, verschlang ein Buch nach dem anderen zu diesem Thema, fing an hier etwas wegzulassen und da etwas zu reduzieren. Das Resultat davon zeigt sich in den Tourenberichten hier in diesem Blog. Aber bei dieser ganzen Grammzählerei geschah noch etwas anderes. Ich fing an Dinge zu hinterfragen! Braucht es wirklich einen Hüftgurt und ein schweres Innengestell in einem Rucksack? Wieso wird mir das ganze schwere und teure Zeug empfohlen, wenn man viele Dinge aus Alltagsmaterialien deutlich leichter und preisgünstiger improvisieren kann? Wozu schwere, und steife Stiefel, wenn man mit leichten Trailschuhen deutlich trittsicherer und schneller unterwegs ist?
Und irgendwann beäugte ich nicht nur die Empfehlungen der Outdoorindustrie kritisch, sondern fing an auch in anderen Bereichen nachzuhaken. Was, wenn die Ärzte falsch lagen? Die Behandlungen die mir verschrieben worden waren, die Schuhe, Einlagen und Medikamente hatten meinen Zustand nicht wesentlich verbessert. Was, wenn nicht mehr künstliche Unterstützung, sondern weniger davon die Antwort währe? So wie es schon bei meiner Trekkingausrüstung der Fall gewesen ist?
Ich began nachzuforschen. Und ich war scheinbar nicht der erste, dem es ähnlich erging wie mir...

Ich könnte jetzt hier ins Detail gehen und meine Geschichte würde sich wohl ähnlich lesen wie die von Christopher McDougal, wenn auch mit Sicherheit nicht so abenteuerlich und unterhaltsam. Nach einer längeren Odyssee war es am Ende genau der Sport der mir nicht mehr möglich sein sollte, der mich heute antreibt! Meine Denkweise als Ultraleichtwanderer bestehendes Wissen zu hinterfragen, scheinbar gegensätzliche Ansätze zu verfolgen und die Erkenntnis, dass weniger oft mehr ist, hat mich in die richtige Richtung gelenkt.
Wie auch beim Ultraleichtwandern war es nicht einfach mit einem Gang ins nächste Geschäft getan. Zuerst musste die "Schere im Kopf" angesetzt werden. Ich musste alte Gewohnheiten ablegen, komplett neue Bewegungsabläufe erlernen und ständig an meiner Technik arbeiten. Keine Veränderung die über Nacht eintrat, sondern etwas an dem ich lange gearbeitet habe.

als laufende Banane bei einem 10k

Mittlerweile bin ich überzeugter Minimalschuhträger und Barefootrunner. Ich kann mir schlichtweg nichts anderes mehr vorstellen! Das Feedback was mir meine Füße beim Laufen vermitteln ist ein Erlebnis für sich. Selbst im Winter scheu ich mich davor allzu steife, dicke und schwere Schuhe anzuziehen, da ich mir so eine ganze Sinneswelt vorenthalten würde.
 An den Füßen hab ich auch im Gelände meist nichts anderes mehr wie meine Luna Sandalen. Irgendwie spiegeln sie für mich das wieder, was ich in den letzten Jahren erfahren habe. Es ist ein absolut minimalistisches und doch seit Jahrtausenden bewährtes Design. Sie haben keine agressiven Stollen, keine Dämpfung, keinen Zehenschutz. Sie kommen ohne diesen ganzen Firlefanz aus. Wenn ich mit ihnen laufe ist das Einzige was mich vor Verletzungen bewahrt ein achtsames Zusammenspiel von mir mit meiner Umgebung. Jeder Tritt erfordert Präzision. Keine überflüssige Bewegung. Jeder Schritt ist auf Effizienz und maximale Kontrolle ausgerichtet. Nichts geschieht unbedacht. Und doch ist es gerade diese volle Konzentration auf jede Kleinigkeit, jedes Detail, das mich in den Moment eintauchen lässt. Beim Laufen habe ich mehr und mehr das Gefühl mit dem Gelände zu verschmelzen.


 "Wenn Du auf der Erde läufst und mit der Erde läufst, dann kannst Du ewig laufen!"
 Spruch der Tarahumara-Indianer


Und so flitze ich für gewöhnlich lieber abseits von Asphalt und anderen Läufern durch die heimischen Wälder. Bisher war es mir nie wichtig "meine Zeit" zu kennen oder sogar gezielt daran zu arbeiten. Allerdings bin ich mittlerweile vom Kopf her soweit, dass ich in Zukunft vielleicht doch mal irgend so ein "richtiges" Rennen mitmachen würde. (Der Copper Canyon ist leider ein paar Flugstunden zu weit weg)
Und da tauchten die Traildays auf meinem Schirm auf. Kein Rennen im eigentlichen Sinne, sondern gemeinsame Läufe in anspruchsvollem Gelände mit ein paar Gleichgesinnten. Sozusagen ein Woodstock für Läufer. (Sind Trailrunner nicht eh die Punks und Hippys der Läuferszene?)
Und so sitze ich nun im Bus und bin doch ein wenig unruhig was mich da erwarten wird.

Luna-Monkeys united

Es ist Samstag morgen. Meine Unterkunft liegt knapp 5 Kilometer außerhalb und so starte ich den Weg zum Veranstaltungsgelände gleich mit einem gemütlichen Lauf. Ich bin einer der ersten an diesem Tag, doch nach und nach tauchen mehr und mehr Läufer auf. Auch ein paar alte Freunde, die ich schon länger nicht mehr gesehen habe, treffe ich hier wieder. Den Vormittag verbringe ich damit, mir die Stände der verschiedenen Hersteller anzugucken und das ein oder andere Teil mal bei einem flotten Lauf im Gelände zu testen. Mit meinen Sandalen falle ich hier zwischen den ganzen Trailschuhen schon ein wenig auf, auch wenn noch ein paar andere Minimalschuhträger außer mir hier rumlaufen. (es findet sogar ein Barfußlauf-Training bei einem der Workshops statt!)
Insgesamt scheinen die Teilnehmer eine lustige, leicht durchgeknallte Truppe von Individualisten zu sein die sich nichts Schöneres vorstellen können als auf allen nur möglichen und unmöglichen Pfaden durchs Gelände zu rennen.

kurz verschnaufen, dann geht's weiter...

Kurz vor Mittag ziehen dann plötzlich dichte Wolken auf und der vormals sonnige Tag weicht einem nieseligen, ungemütlichem Wetter. Wir kontrollieren nochmal unsere Ausrüstung, schnallen uns unsere Rucksäcke, Westen und Trinksysteme auf den Rücken und starten zu dem ausgedehntesten Lauf an diesem Wochenende.  Und so führt uns unser erster knackiger Anstieg auch gleich steil nach oben auf einem schmalen Waldpfad. Bei einem ersten Zwischenstop teilt sich die Meute in drei Neigungsgruppen. Während die ambitionierteren Läufer, geführt von  Phillipp Reiter vom Team Salomon, bereits um die nächste Ecke verschwinden schließe ich mich der Gruppe um Antje Schuhaj, der deutschen Meisterin im 100km Lauf, an und freue mich darüber, gemeinsam mit zwei anderen Luna-Monkeys durch die Wälder zu laufen. Die meisten anderen Läufer in der Gruppe sind doch recht neugierig und erstaunt, dass man selbst bei dem recht steilen und felsigen Gelände mit solchen "Schlappen" zügig unterwegs sein kann. Und auch wenn der ein oder andere Anstieg merklich die Pumpe schneller arbeiten lässt, finden wir doch immer ausreichend Gelegenheit zum Rumblödeln, Unterhalten oder um auch mal einen Schneemann aus den letzten verbliebenen Resten der ehemals weißen Pracht zu bauen. Nach etwas mehr wie 1000 hm Aufstieg ist es dann endlich so weit. Wir schlagen einen Haken und stürzen uns in den Downhill. Wie ein Rudel auf der Jagd fliegen wir den schmalen Geröllpfad runter in die Tiefe. Sporadisch legen wir kurze Stops ein um die Gruppe zu sammeln und uns dann erneut den Trail runterzustürzen. Als Flachlandtiroler bin ich selber erstaunt, wie gut ich mit dem Gelände klar komme und wie spielerisch ich mich mit meinen Sandalen hier langfege. Haben die paar Runden über Wurzeln und Steine im heimischen Wald doch zu was getaugt... Ein paar Wanderer, mit für mein Empfinden riesigen und viel zu schweren Rucksäcken, kommt uns den Berg hoch entgegen. Ihre Kommentare über "falsche Schuhe" höre ich schon gar nicht mehr, wetze ich doch schon längst einige Serpentinen weiter den Pfad leichtfüßig hinab. Immer mit vorne an der Spitze der Gruppe und ohne einen einzigen Fehltritt komme ich schließlich wieder im Tal an.
Mein Gott, war das genial! Achterbahn fahren ist nix dagegen! Nochmal!? Ähhh...vielleicht morgen...

Sandalen im Schnee? Ja, ne, ist klar!

Nach einer doch recht notwendigen Dusche spaziere ich anschließend die 5 km zurück zum Veranstaltungsgelände. Und um den Tag perfekt zu machen begrüßt mich da der sichtlich erstaunte Andi, der Luna-Monkey, den Rike und ich bereits beim 1. Kölner Barfußlauf kennen gelernt haben. Und wen hat er da im "Gepäck"? Barefoot Ted!!!
Der Barefoot Ted aus dem Bestseller-Buch "Born to Run" von Christopher McDougal.
Der Barfoot Ted, der sich von Manuel Luna hat zeigen lassen, wie man Huarache-Sandalen herstellt.
Der Barfoot Ted, der daraufhin die kleine Firma Luna-Sandals gegründet hat, deren Sandalen mich mittlerweile auf allen möglichen Trails und im Alltag begleiten!
Und hier schließt sich der Kreis.

Gemeinsam mit Andi, Ted und ein paar anderen sitzen wir draußen auf der Terasse, unterhalten uns über dies und das.  Ich stelle Ted die eine Frage, die ihm bisher noch nie gestellt worden ist! (You've probaply answered all those questions a million times. So we have to come up with a new question! Don't monkeys like to throw with...) ;-)
Wir blödeln rum, füllen die leeren Energiespeicher mit Hilfe der Küche des Gasthofs wieder auf. Und irgendwann verkrümelten wir uns nach drinnen um uns noch ein paar Vorträge anzuhören und im Anschluss eine Preview zu dem Film "Run Free - the true story of Caballo Blanco"  anzugucken. Ted erzählte dann noch ein paar Hintergründe zu dem Film der über die Crowdfunding Plattform Kickstarter finanziert wird.
Langsam ging dann dieser Tag zu Ende. Am nächsten Morgen stand noch ein gemeinsamer Abschiedslauf und ein Frühstück auf dem Veranstaltungsplan, an dem ich leider nicht mehr teilnehmen konnte, da mein Bus bereits früh morgens wieder Richtung Heimat abfuhr. Also verabschiedete ich mich von alten und neuen Freunden und spazierte zurück zu meiner Unterkunft.

So kurz das Wochenende auch für mich gewesen war, so intensiv waren doch die Eindrücke die ich mitgenommen habe. Ich habe gemerkt, dass ich mittlerweile wirklich auf den Trails zu hause bin! Das Laufen im Gelände mit meinen Luna-Sandalen ist mir zu einer zweiten Natur geworden. Ich hab mich sehr gefreut alte Freunde und Bekannte wieder zu treffen und neue kennen zu lernen. Natürlich war ich auch neugierig wie die diversen Spitzeläufer und nicht zu letzt auch Barfoot Ted in natura sein würden. Ich muss gestehen, dass Ted zwar einerseits so war wie ich ihn mir vorgestellt hatte, mich im nachhinein aber durch seine nachdenkliche und bedachte Seite mehr beeindruckt hat wie ich gedacht hätte. Auf seine Art und Weise ist er wirklich ein bemerkenswerter Mensch, der weit mehr ist wie nur der Baarfuß-Monkey aus Born to Run.

Vielen Dank an Robert und das Team von Racelight für die Orga dieses Events! Vielen Dank an alle Teilnehmer für die großartige Atmosphäre! Vielen Dank an die Herbergseltern der Jugenherberge in Burgrain für den überaus freundlichen Service! Und vielen Dank an alle Monkeys fürs Weitertragen der Message!

Kuira Ba!






Anmerkung:
Meine Luna Monos habe ich komplett selbst bezahlt. Ich werde weder von LunaSandals gesponsert, noch habe ich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags irgendwelche geschäftlichen Beziehungen mit ihnen. Das ich so ausnahmslos positiv über meine Erfahrungen mit diesen Sandalen schreibe, liegt einzig und allein daran, dass ich mittlerweile seit rund 900 km absolut zufrieden mit den Teilen bin!

Der Umstieg von modernen Laufschuhen zu Minimalschuhen oder zum Barfußlaufen benötigt Zeit und Geduld! Ohne entsprechendes Training kann es zu Fehlbelastungen oder Verletzungen durch Überlastung kommen. Wer mal reinschnuppern oder komplett umsteigen möchte sollte sich vorher ausgiebig informieren und evtl. einen Kurs besuchen.
Wer Lust hat mit mir mal eine Runde zu drehen, darf sich natürlich gerne melden.






Montag, 26. Mai 2014

Garmin Fenix 2


Wenn es ums Laufen geht verfolge ich, zumindest was die Ausrüstung angeht, einen eher minimalistischen Ansatz. Ich muss aber eingestehen, dass ich manchmal auf gewisse Dinge nicht unbedingt verzichten möchte. (Schuhe gehören übrigens nicht dazu!)
Meistens wetze ich ja eher so "frei nach Schnauze" durch den Wald und lass mich unterwegs  spontan inspirieren wo's lang geht. (Da vorne wird's matschig. Juhuu!)
Lange habe ich mich daher überhaupt davor gesträubt an einem "richtigen" Lauf teilzunehmen, aber irgendwie bin ich diesbezüglich auch immer neugieriger geworden. Es könnte  durchaus passieren, dass ich mir irgendwann mal so eine Startnummer vor die Brust binde um eine Runde in 'nem größeren Rudel zu laufen. Eine objektivere Einschätzung meines eigenen Leistungsprofils währe da bestimmt nicht verkehrt.
Im Stadium, auf einer abgesteckten Strecke, mit 'ner Stoppuhr meine Runden drehen ist nicht so meins. Und mit 'nem klobigen GPS-Gerät oder 'nem Smartphone in der Hand zu laufen auch nicht ganz so dolle. Als ich mich daher im Netz über diverse Möglichkeiten informierte, schrieb mich überraschend Garmin-Deutschland an, ob ich nicht selber mal was ausprobieren möchte. (Klar will ich!)

Wenig später wurde mit vom freundlichen Paketdienst dann die neue Fenix2 Multisportuhr vorbeigebracht. 2 Monate hab ich Zeit die Uhr zu testen und mir ein Bild davon zu machen, bevor ich sie wieder an Garmin zurücksenden muss.
big friendly red button - "Drück auf's Knöpfchen, Max!"
Natürlich stellt sich wohl nicht nur für mich die Frage, ob man so ein "Schlachtschiff" an Uhr überhaupt zum Laufen braucht. Wieviel Funktion ist nötig und was Spielerei? Was taugt als vollwertiges "Werkzeug", sind hilfreiche Funktionen und kann andere Geräte ersetzen? Das sind so einige Fragen die mir durch den Kopf gegangen sind.

Die Uhr wird von Garmin als Multisportuhr angepriesen und ist von ihrem Funktionsumfang wohl vor allem für Triatlethen interessant. Ihre Wurzeln hat sie aber als "gewöhnliche" Outdooruhr die mit einem GPS und einem neuen Brustgurt gepimmt wurde. Also sozusagen meine Vita in 'ne Uhr verpackt. Vom Wanderer zum Ultraleichtwanderer zum Langstreckenläufer.
Im Folgenden möchte ich mich auf die praktischen Erfahrungen, die ich mit dieser Uhr gemacht habe, konzentrieren. Den vollen Funktionsumfang habe ich dabei nicht mal ansatzweise ausgeschöpft. Die Skiabfahrt-Funktion zu testen war z.B. mangels Schnee einfach nicht möglich und andere Funktionen gehören schlichtweg nicht zu meinen regelmäßigen Aktivitäten oder Hobbys. Ich bin kein Radsportler und erst recht kein Triathlet. Mein Eindruck dieser Uhr ist geprägt durch den Läufer und (Ultraleicht-)Wanderer der ich bin. Ich beschränke mich daher auf die Funktionen, die ich auch wirklich genutzt habe und nicht einfach mal zu hause am Küchentisch ausprobiert habe. Wer daher noch ein anderes Review zu dieser Uhr lesen möchte, dem kann ich den sehr detaillierten und hervorragenden Erfahrungsbericht von DC Rainmaker (englisch) empfehlen! Ein weiteres, lesenswertes Interview hat Thorsten Firlus (deutsch) verfasst. Auch Mark Roberts (englisch) hat vor kurzem seine Sicht dieser Uhr aus der Perspektive eines Backpackers geschildert.
Jetzt aber mal zu meinen Eindrücken...

fenix 2, USB-Kabel, Brustgurt, Herzfrequenzempfänger, Stecker, USB-Ladegerät, Kurzanleitungen, Schraubendreher, Wechselarmbänder, Ersatzstifte für Armbänder

Überraschend war zunächst das mitgelieferte, umfangreiche Zubehör.
Die Uhr wirkt frisch aus der Verpackung recht klobig und massiv. Irgendwie erinnert sie mich an ein U-Boot Bauteil. Irgendwas zwischen einem Dichtungsring und einem Tiefenmesser. Die Uhr liegt dafür aber erstaunlich leicht in der Hand. (nachgewogene 85 Gramm) Das schwarz gehaltene Design und das invertierte Display (weiss auf schwarzem Hintergrund) gibt ihr einen militärischen/ taktischen Touch. Vielleicht nicht unbedingt geeignet für den Wiener Opernball...

Neben den mittlerweile üblichen Funktion einer Outdooruhr (Höhenmesser, Barometer, Kompass) verfügt die Fenix2 noch über ein integriertes GPS, einen Beschleunigungssensor (der die Bewegung der Uhr misst) und sie ist kompatibel mit diversem Zubehör. In meinem Fall war das ein Herzfrequenzgurt der ebenfalls über einen integrierten Beschleunigungssensor verfügt. Zudem verfügt sie über die Möglichkeit sich über Bluetooth mit anderen Geräten zu koppeln und so z.B. empfangene Nachrichten des Smartphones auf dem Display anzuzeigen.

Die mitgelieferte Anleitung ist für ein Gerät mit so umfangreichen Funktionen erstaunlich übersichtlich. Selbst die etwas ausführlichere Betriebsanleitung, die es als Download im Netz gibt fällt sehr knapp aus. Umso erfreulicher war dann die Feststellung wie simpel und selbsterklärend die Bedienung der Uhr in der Praxis ist! Dr Who hätte sich mit Sicherheit über den großen, freundlichen, roten Knopf gefreut, der Zugriff auf die wesentlichsten Funktionen der Uhr ermöglicht. Man braucht dazu keine komplizierten Reihenfolgen von langen oder kurzen Drückern auf die Tasten. Einfach roten Knopf drücken. Mit den zwei "Rauf-" und "Runtertasten" durchs Menü blättern. Und anschließend die Auswahl mit dem roten Knopf bestätigen und schon ght’s los. Manchmal hätte ich mir aber für ein paar Details doch gerne eine etwas ausführlichere Anleitung gewünscht.
Gut gefällt mir, dass die Displaybeleuchtung einen eigenen Knopf spendiert bekommen hat! Das verhindert, dass man z.B nachts im Zelt neben der Displaybeleuchtung unbemerkt auch das GPS oder die Stoppuhr anschaltet, weil man den Knopf im Halbschlaf eine Millisekunde zu kurz oder zu lang gedrückt hat.
fenix mit USB-Adapter bei der Initialisierung
So einfach wie die Bedienung an sich ausfällt, so einfach hat sich auch die Initialisierung der Uhr dargestellt. Neben Sprache, Gewicht, Displayanordnung (ja, auch das kann man auswählen) und anderen Punkten hat mich lediglich die Auswahl "Aktivsportler" etwas ins Stocken gebracht. In der Anleitung wurde darauf nicht wirklich eingegangen. Und auch im Netz musste ich etwas länger stöbern, bis ich nähere Infos zu dieser Einstellung gefunden hatte.
(Diese Einstellung ist für langjährige Leistungssportler mit einem Ruhepuls unter 60bpm gedacht. Sie hat Auswirkungen auf die Berechnung des Kalorienverbrauchs und der Leistungsdiagnostik)

Nach der Initialisierung konnte ich es nicht erwarten und hab gleich eine Runde mit Brustgurt und Uhr gedreht. Dabei ergänzte die Fenix2 gleich mein Leistungsprofil mit den GPS und Pulsdaten und konnte mir im Anschluss meine VO2max, meine Trainingseffizienz und die Zeit die ich zur Erholung bräuchte, präsentieren. Was man von solchen Zahlen halten soll, muss jeder für sich selber wissen. Die VO2max, die eine Einschätzung des eigenen Fitnessstandes liefern soll, ist bei dieser Messmethode wohlgemerkt nur ein Schätzwert! Dieser stützt sich zwar auf umfangreiche Datensätze und Formeln, kann aber meiner Meinung nach eine professionelle Atemgasanalyse wie bei der Spiroergometrie zur Leistungsdiagnostik nicht ersetzen.
Die Art und Weise wie die VO2max von der Fenix2 errechnet wird scheint auch nicht problemlos auf alle Aktivitäten übertragbar zu sein.
Soweit ich die Art der Messmethode nachvollziehen konnte, wird hier der Puls zur Geschwindigkeit in Relation gesetzt und mit Datensätzen anderer Läufer in einer ähnlichen Aktivitätsklasse und Altersgruppe abgeglichen. Jetzt laufe ich ja nicht unbedingt immer nur schön gleichmäßig im Flachen. Meist bin ich ja im Gelände unterwegs. Da kann durchaus mal die Geschwindigkeit abfallen und der Puls gleichzeitig in die Höhe schnellen. Ich sag nur Berg oder technisches Gelände.
Scheinbar hat die Fenix2 damit noch ein paar Probleme. Die VO2max, die eigentlich ein recht kontinuierlicher Wert sein soll, springt je nach absolvierter Laufeinheit gerne mal mehrere Stufen hin und her! Und das innerhalb weniger Tage!
Da die VO2max wohl auch zur Berechnung der Erholungszeit rangezogen wird, führt das manchmal zu einigen seltsamen Ergebnissen. Z.B. wurden bei relativ entspannten Läufen im Gelände deutlich höhere Erholungszeiten vorgeschlagen wie bei knackigen Läufen in der Ebene.
VO2max-Auswertung, da stimmt doch was nicht...

Auf den Traildays in Garmisch hatte ich Gelegenheit mich mit anderen Nutzern dieser Uhr, die auch überwiegend im Gelände unterwegs sind, auszutauschen. Diese hatten ähnliche Beobachtungen gemacht.
Hier hat Garmin also noch deutlich nachzubessern.

Ob man solche Datensätze schlußendlich überhaupt braucht, wenn man nicht gerade ein professioneller Leistungssportler ist, sei mal dahingestellt.
Auch ersetzt die Uhr wie bereits angemerkt natürlich nicht den körpereigenen Vitalsinn! Manchmal sollte man in sich hineinhören statt blindlings einem Display zu vertrauen. Aber, ich muss eingestehen, dass mich die Uhr tatsächlich in dem Sinne motiviert hat, dass ich gucken wollte wie schnell ich die gewisse Werte in die Höhe treiben konnte. Und ein leicht nachprüfbarer Erfolg hat schon einen gewissen Reiz.

Beim Laufen saßen sowohl Brustgurt wie auch Uhr erstaunlich bequem und unauffällig. Noch kurz ein allgemeiner Tip zum Brustgurt: Wenn man den vor dem Sport nassmacht, um eine gute Leitfähigkeit der Kontakte zu gewährleisten, sollte man drauf achten, dass der Wasserhahn nicht auf eiskalt steht.... Brrrrr
Und für danach: Der Brustgurt ist übrigens problemlos in der Waschmaschine waschbar.

Anfangs hatte ich mehrfach Verbindungsprobleme mit dem Empfänger des Brustgurts. Besonders ärgerlich war das als ich bei einem längeren Intervalllauf nach einer kurzen Pause keine Verbindung mehr bekahm. Nach einem Softwareupdate ist dieses Problem nicht mehr aufgetaucht, weshalb ich das mal nicht auf ein Hardware-Problem zurückführe. Das man aber heutzutage auch bei einem Sportgerät die Software aktualisieren muss, hätte mein alter Sportlehrer mit seiner mechanisch betriebenen Stoppuhr, die er immer um den Hals hängen hatte, wohl nicht vorausgesehen.
die fenix2 in ihrem Element

Der Brustgurt misst neben dem Puls zusätzlich auch die Bewegung des Trägers unabhängig von der Armbewegung. D.h. man kann sich während des Laufens seine Trittfrequenz (wie viele Schritte mache ich in der Minute), seine Vertikalbewegung (wie doll "hüpfe" ich) und seine Bodenkontaktzeit anzeigen lassen. Gerade als Baarfußläufer fand ich das sehr spannend! Ein wesentlicher Aspekt des Trainings für Barfußläufer besteht darin, Schrittlänge und Schrittfrequenz optimal aufeinander abzustimmen um für einen möglichst ruhigen, erschütterungsarmen Laufstil zu sorgen. In der Regel wird Baarfußläufern und Minimalschuhträgern dabei eine kurze Schrittlänge und eine hohe Trittfrequenz von etwa 180bpm empfohlen. Gerade bei längeren Läufen erlaubte mir die Uhr mein inneres Gespühr für meine Form zu überprüfen und ich konnte so effektiv an meiner Technik feilen.

Die ganzen gesammelten Daten lassen sich dann später auch zu hause auswerten. Das kann man entweder etwas mühselig direkt auf dem Display der Uhr, oder bequemer am Computer. Die Verbindung erfolgt hier entweder über Bluetooth oder schneller per USB mit dem mitgelieferten Kabel, das auch zum Laden der Uhr dient. Garmin bietet zur Auswertung ein Programm zum Download an (Garmin Training Center) oder man nutzt die Garmin eigene Onlineplattform. Das Programm ist ehrlich gesagt nicht so "hübsch" und funktionell wie die Onlineplattform. Allerdings finde ich es immer bedenklich, wenn man seine persönlichen Daten irgendwie im Netz hochlädt. Unabhängig ob man diese nun über ein soziales Netzwerk veröffentlicht oder nur für sich nutzt. Im vorliegenden Fall währen das neben den üblichen Angaben zusätzlich detaillierte Bewegungsdaten, Messdaten vom Pulsgurt und andere Details die Rückschlüsse über die Aktivität, Hobbys und möglicherweise die Gesundheit des Nutzers ermöglichen. Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er mit seinen Daten umgeht. Darüber nachdenken sollte man aber schon. Auch wer viel unterwegs ist oder keinen ständigen Zugang zum Internet besitzt würde sich wohl über ein besseres Offline-Programm freuen.

Nochmal zurück zur Auswertung. Besonders spannend fand ich wie gesagt neben den üblichen Pulsgurtdaten vor allem die Infos über Schrittfrequenz und Vertikalbewegung. Beim Vergleichen der Daten von mehreren Läufen zeigte sich, dass ich zwar eh schon einen recht sauberen Laufstil habe, aber es einen messbaren Unterschied gibt, ob ich barfuß oder mit Minimalschuhen unterwegs bin!
Barfuß laufe ich tatsächlich nochmal ruhiger und effizienter wie mit Minimalschuhen. Erstaunlich fand ich, dass ich mit meinen Luna-Sandalen noch das barfuß-ähnlichste Datenprofil hatte, obwohl ich andere Minimalschuhe besitze, die eine deutlich dünnere und flexiblere Sohle haben.
Jetzt aber mal genug von Statistiken und meinen Füßen…
blendfreie und gleichmäßige Ausleuchtung des Displays

Das integrierte GPS der Uhr ermöglichte mir auch im Gelände meine Pace (also meine Geschwindigkeit) und meine tatsächlich gelaufene Distanz abzulesen und die Infos auf dem Display waren dabei im großen und ganzen immer gut zu erkennen. Lediglich im Halbschatten bzw. wenn es abends langsam dunkler wurde, hätte ich mir ein Display gewünscht das die Daten „schwarz auf weiß“ (und nicht wie bei der fenix „weiß auf schwarz“) angezeigt hätte. Im Dunkeln sorgt die rote Dispalybeleuchtung dann im übrigen für eine homogene und angenehme Ablesbarkeit ohne „Blendeffekt“.
Beim Laufen hab ich auf die Navigationsfunktion der Uhr meist verzichtet, fand es aber ganz praktisch mir hinterher anzuschauen, wo ich denn nun eigentlich langgelaufen bin. Grade neue Trails konnte ich so prima erschnuppern und mir für später „merken“.

Eine vollwertige Kartendarstellung bringt die Fenix2 trotz GPS übrigens nicht mit. Hier wird lediglich die Route als einfache Linie sowie abgespeicherte POIs (Wegpunkte und wichtige Örtlichkeiten) wiedergegeben. Allerdings finden sich im Netz Tips, wie man auf den internen Speicher auch simple Karten aufspielen kann. Wie sinnvoll das bei dem relativ kleinen Display ist sei mal dahingestellt. Mir hat in der Praxis meist die Linie der geplanten Route und meine eigene Position gereicht. Und bei einem Städtetrip wo ich aufgrund der Roaminggebühren mein Smartphone nicht nutzen wollte und wir noch keine Karte von der Touristeninfo hatten, hat mir die Uhr tatsächlich sinnvolle Dienste geleistet. Morgens schnell mit einem Knopfdruck die Position des Hotels markiert und Nachmittags einfach dem Pfeil (der zwar nur die Luftlinie angezeigt hat) zurückgefolgt. „Keine Ahnung wo wir hier sind, aber die Richtung stimmt…!“
Diese Lösung lässt sich natürlich auch leicht auf andere Szenarien übertragen. Man hat auf einer Tour bereits sein Tarp geschützt aufgeschlagen und will sich grade noch mal vom nahen Berggipfel aus den Sonnenuntergang angucken. Den Rückweg zum warmen Schlafsack zeigt die Fenix2 dann auch im Dunkeln zuverlässig.
Atom - Uhr
Zu hause hat das GPS der Fenix2 meine Position immer nach ein paar Sekunden ermittelt. Manchmal kam es mir etwas lang vor, trotz freiem Himmel und offenem Feld. War dann womöglich einfach meine Ungeduld, weil ich sofort aus der Haustür raus loslaufen wollte. Gefühlt lagen die Schwankungen in der Zeit zur Bestimmung der Position aber wohl im üblichen Bereich anderer GPS-Geräte.

Die Fenix2 verfügt zusätzlich über die üblichen GPS-Extras der „großen“ Garmingeräte. Eine Anzeige von Sonnenauf- und untergang fehlen ebensowenig wie eine Unterstützung zum Geocachen. Ob man sich extra nur fürs Geocachen statt einem „richtigen“ GPS diese Uhr holen sollte mag ich etwas bezweifeln. Dafür kommen Funktionen, die das Geocachen sonst erleichtern einfach zu kurz. Ich werte diese Funktionen daher für mich auch eher als Gimmicks der Uhr (frei nach dem Motto „da ist noch Platz auf dem Mikrochip, was packen wir da noch drauf?“) und nicht als ausschlaggebendes Verkaufsargument. Wer sie sich aber aus einem anderen Grund zulegt, wird sich evtl. über diese Extras freuen.
Eine angenehme Nebenwirkung des integrierten GPS möchte ich hier auch nicht vorenthalten: Die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit funktioniert automatisch!

Die Möglichkeit die Uhr per Bluetooth mit dem Smartphone zu koppeln konnte ich nicht nutzen, da hierfür das Smartphone eine neuere Bluetoothversion braucht, die meins nicht hatte. Ein Test mit einem Tablet hat zumindest gezeigt, dass das gut funktioniert und man die Nachrichten tatsächlich gut ablesen kann. Wofür man das braucht? Ehrlich gesagt keine Ahnung. Vielleicht um sich bei einem Wettkampf von seinem Betreuerteam die Positionen der Konkurrenz durchgeben zu lassen? Oder um auf der Skipiste nicht zu verpassen, wenn der Rest der Gruppe zum Apreski verschwindet? Evtl. kann mich da einer von Euch mal zu aufklären…

Die üblichen Outdoorfunktionen funktionierten für meine Ansprüche wie zu erwarten tadellos. Die Darstellungsart liefert dabei immer einen passenden Umfang der Daten. So zeigt das Altimeter standartmäßig die letzten 4 Stunden in einer Grafik da. Das Barometer zeigt dagegen die letzten 48 Stunden an, was eine bessere Prognose für das Wetter ermöglicht.

Die Uhr habe ich nicht nur beim Sport oder beim Wandern getragen, sondern auch durchgehend im Alltag. Lediglich zum Schlafen durfte sie von meinem Handgelenk. Und obwohl die Uhr optisch eher etwas wuchtiger wirkt und minimal schwerer ist wie meine alte Suunto Vector war sie immer erstaunlich bequem und trug sich unauffällig am Handgelenk! Nach jetzt knapp 2 Monaten Dauergebrauch zeigt sie bisher weder Kratzer noch sonstigen Verschleiß.

Trotz des regen Gebrauchs hielt der integrierte Akku dabei immer erstaunlich lange durch. Garmin gibt im GPS-Modus 16 Stunden Betriebszeit an, bzw. 50 Stunden im sogenannten "Ultramodus". (Hier werden größere Intervalle zwischen den einzelnen GPS-Messungen eingehalten)
Das kann ich erstmal so bestätigen. Im reinen Uhrmodus soll der Akku etwa 5 Wochen halten, was ich nicht gegengeprüft habe, da ich sie ja zwischendurch immer auch beim Sport genutzt habe. Aber selbst mit täglichen Läufen (d.h. GPS und Verbindung zum Pulsgurt) hab ich die Uhr selten öfter wie einmal pro Woche zum Laden eingesteckt. Wobei sie beim Übertragen der Daten per USB auf den Computer natürlich auch immer kurz geladen wurde. Das Laden an sich geht übrigens sehr schnell. Der komplett leere, interne Akku hatte bei mir nach etwa einer Stunde Laden 50% Akkuleistung angezeigt. 100% waren nach 2,5 Stunden mit dem mitgelieferten, handelsüblichen USB-Ladegerät erreicht. D.h. ist man unterwegs reicht in der Regel eine relativ kurze Pause um die Uhr wieder mit Saft für die nächsten Stunden zu versorgen.
-ohne Worte-
Wie fällt nach knapp 2 Monaten mein Faszit zu dieser Uhr aus?
Ich betrachte technische Spielereien im Outdooralltag und beim Sport nach wie vor kritisch. Insbesonders wenn sie von der eigentlichen Tätigkeit „ablenken“ und man mehr die Augen auf dem Display hat wie in der Natur. Die Fenix2 war bei allen Aktivitäten dafür erstaunlich unauffällig und rückte angenehm in den Hintergrund. Die Bedienung ist so intuitiv und smart gestaltet, dass man darauf keine großen Gedanken verschwenden muss. Die Datenfülle, die sie präsentieren kann kommt grafisch gut aufbereitet und übersichtlich daher. Egal ob draußen oder später am Computer. Etwas schade finde ich es, dass Garmin sich eher auf seine Onlineplattform stützt als auch eine vergleichsweise ähnlich ansprechende Auswertung offline zu ermöglichen.
Mit Hilfe der Fenix2 konnte ich in den letzten Wochen meinen Trainingsfortschritt sehr gut verfolgen. Nicht nur was meine eigentliche Fitness anbelangt, sondern auch was meinen Laufstil betrifft. Leider klappt die Auswertung der VO2max und der Erholungszeit nicht zuverlässig.
Als klassische Outdooruhr erfüllt sie alle Funktionen tadellos und liefert, wenn man sie nicht sowieso zur Navigation nutzt, ein angenehmes Sicherheitsbackup durch das GPS.

Ich muss zugeben die Uhr habe ich mitlerweile mehr als schätzen gelernt. Bei mir sitzt die Uhr so gut und unauffällig, dass ich sie ständig trage. Möchte ich sie dann spontan nutzen, z.B. wenn ich schnell noch mal eine Runde laufen will, ist sie bereits an Ort und Stelle. Auch muss ich mich nicht erst stundenlang durch Menüs klicken um sie zu starten, ich kann gleich loslegen.
Sie ist innerhalb kürzester Zeit zu einem festen Begleiter geworden. Irgendwie erinnert sie mich an einen Butler, der sich dezent im Hintergrund hält und bei Bedarf sofort da ist und mit hoher Präzision das Gewünschte liefert.

Tja, da bliebe am Ende nur der doch recht stolze Preis. Ob man bereit ist den zu zahlen, muss jeder natürlich mit sich selbst ausmachen. Die Uhr verbindet allerdings erfolgreich eine klassische Outdooruhr mit den Funktionen einer hochwertigen Pulsuhr, ergänzt dazu noch ein gutes GPS (was allerdings nur eine eingeschränkte, wenn auch für mich ausreichende Kartendarstellung hat) und vermag es diese einzelnen Funktionen in einem Gesamtpaket sinnvoll zu verknüpfen. Wer dann noch weitere Funktionen dieser Uhr nutzt (z.B. die Skifahrer, Schwimmer und Triathleten unter Euch) könnte sich durch die  Fenix das ein oder andere zusätzliche Gerät sparen. Und gerade Ultraläufer dürften sich auch durch die lange Akkulaufzeit im GPS-Modus angesprochen fühlen.




Anmerkung: Die Garmin Fenix2 wurde mir für den 2-monatigen Zeitraum dieses Tests kostenfrei von Garmin Deutschland zur Verfügung gestellt. Dieses Review spiegelt jedoch einzig und allein meine eigene, persönliche Meinung und Erfahrung wieder. Eine Verpflichtung irgend einer Art eine vorgefertigte Meinung zu veröffentlichen bestand nicht! Ich habe keinerlei Geschäftsbeziehung mit Garmin und seinen Mitarbeitern.
Und ich finde es extrem albern, dass man jetzt quasi verpflichtet ist so einen extra Disclaimer bei seinen Artikeln anzufügen, auch wenn man im Text bereits ausführlich geschildert hat, wie man zu besagtem Test gekommen ist, einfach weil Google und manche Leute zu blöde sind richtig zu lesen.  Ich finde es gut und richtig, seine Artikel dahingehend zu kennzeichnen, wie man Produkte bekommen hat.




Samstag, 26. April 2014

Treibjagd im Wald

Wenn ich draußen unterwegs bin, beobachte ich immer öfter ein zunehmend fragwürdigeres Verhalten anderer Leute die sich dort draußen unter dem Deckmantel der Naturverbundenheit herumtollen. Mit modernsten Vorrichtungen ausgerüstet versuchen sie das letzte bißchen Natur dort draußen einzufangen um zu hause ihre Trophäen mit ihren Freunden und Bekannten zu teilen. Die Netze, die bei dieser besonderen Art Treibjagd verwendet werden sind zwar einerseits so fein und kaum wahrzunehmen aber zugleich nahezu unmöglich sich aus diesen wieder zu entwinden. Dabei sind es sogar oft die Jäger selbst, die in diese Netze geraten. Vermutlich macht gerade dies den besonderen Reiz aus den man bei dieser Jagd empfindet. Nicht zuletzt sind es aber wohl auch die positiven Rückmeldungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis die man durch seine möglichst detailliert festgehaltenen Jagderlebnisse und stolz vorgeführten Trophäen bekommt.
Ich muss eingestehen, dass ich auch eine ganze Weile von diesem Hobby angetan war und mich der Anziehung die dieses ausübt nicht gänzlich entziehen konnte. Mittlerweile habe ich aber angefangen diesen "Sport" zu hinterfragen und stehe dem mehr und mehr kritisch gegenüber. Für mich wirkt es zusehends deplatziert. Und dass diese Art der Freizeitbeschäftigung zusehends als normal oder sogar als einziger Grund sich draußen zu bewegen angenommen wird, ist zutiefst verstörend.


Die Rede ist hier natürlich nicht von einer klassischen Jagd im eigentlichen Sinne. (Dass ich diese oft sehr fadenscheinig begründeten, und vor dem Deckmantel der Tradition ausgelebten niederen Triebe mehr als ablehnend gegenüber stehe soll an dieser Stelle genug dazu sein.) Mir geht es um die zunehmende Abhängigkeit von digitalen Medien und elektronischem Gerät im Outdoorbereich. Es wird versucht jeden kleinsten Moment einzufangen. Und ist man wieder zu Hause, geht der Weg gleich zum PC wo man seine digitale Beute ausnimmt und präpariert um im Anschluss Trophäen wie zurückgelegte Distanz, die Höhe, die Geschwindigkeit oder sogar den Puls mit seinen "Freunden" oder "Followern" zu teilen. Ähnlich wie bei einer "echten" Trophäe bleibt von dem Ursprünglichen, dem Lebendigen nichts übrig. Die Technik wird zwar immer ausgereifter und die Details die erfasst werden immer genauer, aber auch das mag das Erlebte nicht ansatzweise wiederzugeben. Da nützt es auch nichts, dass man mittlerweile schon von unterwegs andere live an seiner "Jagd" dran teilhaben lassen kann.
Juhu! Noch eine mehr für die Statistik!

Wie bei einer richtigen Jagd fokusiert man sich zusehends auf das Ziel "Beute" zu machen und blendet mehr und mehr das Große Ganze aus, was die Natur um uns herum ausmacht.
Ja, auch ich war lange Zeit so ein "Jäger" und bei mir liegt noch das ein oder andere alte "Netz" im Schrank.
Ich habe Geocaches gesucht und gedacht, das würde mir häufigere und intensivere Naturerlebnisse bescheren. Stattdessen habe ich die Umwelt ausgeblendet und meinen Blick nur auf kleine Plastikdosen beschränkt.
Ich bin mit Pulsgurt und GPS durch den Wald gehetzt weil ich dachte, ich könnte so erkennen wie fit ich sei. Stattdessen machte ich mich so abhängig von einem Mikrochip und beim Laufen hab ich mehr auf das PiepPiep meiner Uhr als auf meinen ureigenen Vitalsinn geachtet.
Ich hab mich durch Apps und GPS-Tracks durch den Wald und die Berge führen lassen weil ich dachte, ich könnte so von der Notwendigkeit befreit eine Karte zu nutzen, meinen Blick frei in die Umgebung richten. Stattdessen blieb mein Auge immer auf einem kleinen, beleuchteten Display kleben.
Wenn ich im Freien über etwas Sehenswertes gestolpert bin, wurde das gleich mit dem Smartphone festgehalten und geteilt. Anstatt, dass ich den Moment einfach genossen hab, habe ich ihn vergeudet indem ich darauf gewartet habe, welchen Kommentar mein Post wohl bewirkt.

"Hast Du hier Netz?"

Die Technik wird immer ausgereifter. Und es ist nicht mehr zuletzt die Jagd jedes einzelnen seine Erlebnisse möglichst detailliert einzufangen, die mich irritiert. Ohne es zu merken machen jetzt die Hersteller selber Jagd auf die Daten und damit das Leben ihrer Kunden. Egal ob Pulsgurt, Schrittmesser, GPS oder den immer präsenteren Fitnesstrackern in Armbandform, kaum eines dieser Geräte das keine Anbindung ans Smartphone und an diverse "soziale" Netzwerke mitbringt. Mittlerweile ist es sogar fast Standard und damit unmöglich so ein Gerät überhaupt zu aktivieren und zu nutzen, ohne das man es zunächst mit irgend einer online-Community verbindet! Wo bleibt die Möglichkeit selber darüber zu bestimmen, für was und wie man ein Gerät einsetzt, für das man immerhin einiges an Geld bezahlt hat? Wer würde bitte eine Kaffeemaschine kaufen, die man zuerst im Internet registrieren muss und bei der man dem Hersteller sein Alter, sein Geschlecht, sein Gewicht und am besten noch seine Hobbys mitteilt, bevor man eine Tasse Kaffee damit zubereiten kann? (Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass es nicht mehr lange dauert bis genau das passiert, mit der Begründung, dass man seine empfohlene Tagesdosis Koffein nicht überschreitet! Oh, hoppla! Es gibt ja bereits Küchengeräte die am Internet hängen...)

Ach die schöne, neue Welt... Aber ich schweife ab.
Ich möchte hiermit ausdrücklich nicht pauschal jedes elektronische Gerät, das man mit sich führt, verteufeln. Vielmehr geht es mir um den bewussten Umgang damit. Es spricht natürlich nichts dagegen, einen Pulsgurt zu nutzen, um sich mal einen objektiveren Überblick über seine Trainingsleistung zu verschaffen. Und natürlich soll man auch mal ein Foto für die Freunde daheim schießen. Auch ein GPS (also ein System das ursprünglich nur eine militärische Anwendung im Sinn hatte!) mag manchmal hilfreich sein. Wenn man die Benutzung solcher Elektronik aber als alternativlos ansieht und nicht hinterfragt, sollte mal überdenken wie Outdoor und Sport noch vor 10-15 Jahren ohne sie möglich war!
Mein Tip an Euch fürs nächste Mal: Lasst Eure technischen Spielereien doch einfach mal zu hause! Packt Karte und evtl. einen Kompass ein. Lasst einfach mal was Unerwartetes zu. Verstaut euer Handy ruhig ganz unten im Rucksack. Dann habt ihr es immer noch für den unwahrscheinlichen Fall dabei, dass ihr im heimischen Stadtwald die Bergrettung rufen müsst. Und wenn ihr merkt, dass es Euch ganz unangenehm in den Fingern juckt weil ihr grade mal Eure Nachrichten checken wollt, dann merkt ihr vielleicht selber, dass ihr Euch in einem Netz verheddert habt.
Und wenn ihr merkt, dass es auch ganz gut ohne geht, könnt ihr beim nächsten mal bewusster darüber entscheiden, ob ihr immer verkabelt rumlauft oder ob es ohne nicht auch einen gewissen Reiz besitzt.

(Und Ich? Ich versuche in der Zwischenzeit mal selber mich weiter aus dem Netz zu befreien...)