Montag, 26. Mai 2014

Garmin Fenix 2


Wenn es ums Laufen geht verfolge ich, zumindest was die Ausrüstung angeht, einen eher minimalistischen Ansatz. Ich muss aber eingestehen, dass ich manchmal auf gewisse Dinge nicht unbedingt verzichten möchte. (Schuhe gehören übrigens nicht dazu!)
Meistens wetze ich ja eher so "frei nach Schnauze" durch den Wald und lass mich unterwegs  spontan inspirieren wo's lang geht. (Da vorne wird's matschig. Juhuu!)
Lange habe ich mich daher überhaupt davor gesträubt an einem "richtigen" Lauf teilzunehmen, aber irgendwie bin ich diesbezüglich auch immer neugieriger geworden. Es könnte  durchaus passieren, dass ich mir irgendwann mal so eine Startnummer vor die Brust binde um eine Runde in 'nem größeren Rudel zu laufen. Eine objektivere Einschätzung meines eigenen Leistungsprofils währe da bestimmt nicht verkehrt.
Im Stadium, auf einer abgesteckten Strecke, mit 'ner Stoppuhr meine Runden drehen ist nicht so meins. Und mit 'nem klobigen GPS-Gerät oder 'nem Smartphone in der Hand zu laufen auch nicht ganz so dolle. Als ich mich daher im Netz über diverse Möglichkeiten informierte, schrieb mich überraschend Garmin-Deutschland an, ob ich nicht selber mal was ausprobieren möchte. (Klar will ich!)

Wenig später wurde mit vom freundlichen Paketdienst dann die neue Fenix2 Multisportuhr vorbeigebracht. 2 Monate hab ich Zeit die Uhr zu testen und mir ein Bild davon zu machen, bevor ich sie wieder an Garmin zurücksenden muss.
big friendly red button - "Drück auf's Knöpfchen, Max!"
Natürlich stellt sich wohl nicht nur für mich die Frage, ob man so ein "Schlachtschiff" an Uhr überhaupt zum Laufen braucht. Wieviel Funktion ist nötig und was Spielerei? Was taugt als vollwertiges "Werkzeug", sind hilfreiche Funktionen und kann andere Geräte ersetzen? Das sind so einige Fragen die mir durch den Kopf gegangen sind.

Die Uhr wird von Garmin als Multisportuhr angepriesen und ist von ihrem Funktionsumfang wohl vor allem für Triatlethen interessant. Ihre Wurzeln hat sie aber als "gewöhnliche" Outdooruhr die mit einem GPS und einem neuen Brustgurt gepimmt wurde. Also sozusagen meine Vita in 'ne Uhr verpackt. Vom Wanderer zum Ultraleichtwanderer zum Langstreckenläufer.
Im Folgenden möchte ich mich auf die praktischen Erfahrungen, die ich mit dieser Uhr gemacht habe, konzentrieren. Den vollen Funktionsumfang habe ich dabei nicht mal ansatzweise ausgeschöpft. Die Skiabfahrt-Funktion zu testen war z.B. mangels Schnee einfach nicht möglich und andere Funktionen gehören schlichtweg nicht zu meinen regelmäßigen Aktivitäten oder Hobbys. Ich bin kein Radsportler und erst recht kein Triathlet. Mein Eindruck dieser Uhr ist geprägt durch den Läufer und (Ultraleicht-)Wanderer der ich bin. Ich beschränke mich daher auf die Funktionen, die ich auch wirklich genutzt habe und nicht einfach mal zu hause am Küchentisch ausprobiert habe. Wer daher noch ein anderes Review zu dieser Uhr lesen möchte, dem kann ich den sehr detaillierten und hervorragenden Erfahrungsbericht von DC Rainmaker (englisch) empfehlen! Ein weiteres, lesenswertes Interview hat Thorsten Firlus (deutsch) verfasst. Auch Mark Roberts (englisch) hat vor kurzem seine Sicht dieser Uhr aus der Perspektive eines Backpackers geschildert.
Jetzt aber mal zu meinen Eindrücken...

fenix 2, USB-Kabel, Brustgurt, Herzfrequenzempfänger, Stecker, USB-Ladegerät, Kurzanleitungen, Schraubendreher, Wechselarmbänder, Ersatzstifte für Armbänder

Überraschend war zunächst das mitgelieferte, umfangreiche Zubehör.
Die Uhr wirkt frisch aus der Verpackung recht klobig und massiv. Irgendwie erinnert sie mich an ein U-Boot Bauteil. Irgendwas zwischen einem Dichtungsring und einem Tiefenmesser. Die Uhr liegt dafür aber erstaunlich leicht in der Hand. (nachgewogene 85 Gramm) Das schwarz gehaltene Design und das invertierte Display (weiss auf schwarzem Hintergrund) gibt ihr einen militärischen/ taktischen Touch. Vielleicht nicht unbedingt geeignet für den Wiener Opernball...

Neben den mittlerweile üblichen Funktion einer Outdooruhr (Höhenmesser, Barometer, Kompass) verfügt die Fenix2 noch über ein integriertes GPS, einen Beschleunigungssensor (der die Bewegung der Uhr misst) und sie ist kompatibel mit diversem Zubehör. In meinem Fall war das ein Herzfrequenzgurt der ebenfalls über einen integrierten Beschleunigungssensor verfügt. Zudem verfügt sie über die Möglichkeit sich über Bluetooth mit anderen Geräten zu koppeln und so z.B. empfangene Nachrichten des Smartphones auf dem Display anzuzeigen.

Die mitgelieferte Anleitung ist für ein Gerät mit so umfangreichen Funktionen erstaunlich übersichtlich. Selbst die etwas ausführlichere Betriebsanleitung, die es als Download im Netz gibt fällt sehr knapp aus. Umso erfreulicher war dann die Feststellung wie simpel und selbsterklärend die Bedienung der Uhr in der Praxis ist! Dr Who hätte sich mit Sicherheit über den großen, freundlichen, roten Knopf gefreut, der Zugriff auf die wesentlichsten Funktionen der Uhr ermöglicht. Man braucht dazu keine komplizierten Reihenfolgen von langen oder kurzen Drückern auf die Tasten. Einfach roten Knopf drücken. Mit den zwei "Rauf-" und "Runtertasten" durchs Menü blättern. Und anschließend die Auswahl mit dem roten Knopf bestätigen und schon ght’s los. Manchmal hätte ich mir aber für ein paar Details doch gerne eine etwas ausführlichere Anleitung gewünscht.
Gut gefällt mir, dass die Displaybeleuchtung einen eigenen Knopf spendiert bekommen hat! Das verhindert, dass man z.B nachts im Zelt neben der Displaybeleuchtung unbemerkt auch das GPS oder die Stoppuhr anschaltet, weil man den Knopf im Halbschlaf eine Millisekunde zu kurz oder zu lang gedrückt hat.
fenix mit USB-Adapter bei der Initialisierung
So einfach wie die Bedienung an sich ausfällt, so einfach hat sich auch die Initialisierung der Uhr dargestellt. Neben Sprache, Gewicht, Displayanordnung (ja, auch das kann man auswählen) und anderen Punkten hat mich lediglich die Auswahl "Aktivsportler" etwas ins Stocken gebracht. In der Anleitung wurde darauf nicht wirklich eingegangen. Und auch im Netz musste ich etwas länger stöbern, bis ich nähere Infos zu dieser Einstellung gefunden hatte.
(Diese Einstellung ist für langjährige Leistungssportler mit einem Ruhepuls unter 60bpm gedacht. Sie hat Auswirkungen auf die Berechnung des Kalorienverbrauchs und der Leistungsdiagnostik)

Nach der Initialisierung konnte ich es nicht erwarten und hab gleich eine Runde mit Brustgurt und Uhr gedreht. Dabei ergänzte die Fenix2 gleich mein Leistungsprofil mit den GPS und Pulsdaten und konnte mir im Anschluss meine VO2max, meine Trainingseffizienz und die Zeit die ich zur Erholung bräuchte, präsentieren. Was man von solchen Zahlen halten soll, muss jeder für sich selber wissen. Die VO2max, die eine Einschätzung des eigenen Fitnessstandes liefern soll, ist bei dieser Messmethode wohlgemerkt nur ein Schätzwert! Dieser stützt sich zwar auf umfangreiche Datensätze und Formeln, kann aber meiner Meinung nach eine professionelle Atemgasanalyse wie bei der Spiroergometrie zur Leistungsdiagnostik nicht ersetzen.
Die Art und Weise wie die VO2max von der Fenix2 errechnet wird scheint auch nicht problemlos auf alle Aktivitäten übertragbar zu sein.
Soweit ich die Art der Messmethode nachvollziehen konnte, wird hier der Puls zur Geschwindigkeit in Relation gesetzt und mit Datensätzen anderer Läufer in einer ähnlichen Aktivitätsklasse und Altersgruppe abgeglichen. Jetzt laufe ich ja nicht unbedingt immer nur schön gleichmäßig im Flachen. Meist bin ich ja im Gelände unterwegs. Da kann durchaus mal die Geschwindigkeit abfallen und der Puls gleichzeitig in die Höhe schnellen. Ich sag nur Berg oder technisches Gelände.
Scheinbar hat die Fenix2 damit noch ein paar Probleme. Die VO2max, die eigentlich ein recht kontinuierlicher Wert sein soll, springt je nach absolvierter Laufeinheit gerne mal mehrere Stufen hin und her! Und das innerhalb weniger Tage!
Da die VO2max wohl auch zur Berechnung der Erholungszeit rangezogen wird, führt das manchmal zu einigen seltsamen Ergebnissen. Z.B. wurden bei relativ entspannten Läufen im Gelände deutlich höhere Erholungszeiten vorgeschlagen wie bei knackigen Läufen in der Ebene.
VO2max-Auswertung, da stimmt doch was nicht...

Auf den Traildays in Garmisch hatte ich Gelegenheit mich mit anderen Nutzern dieser Uhr, die auch überwiegend im Gelände unterwegs sind, auszutauschen. Diese hatten ähnliche Beobachtungen gemacht.
Hier hat Garmin also noch deutlich nachzubessern.

Ob man solche Datensätze schlußendlich überhaupt braucht, wenn man nicht gerade ein professioneller Leistungssportler ist, sei mal dahingestellt.
Auch ersetzt die Uhr wie bereits angemerkt natürlich nicht den körpereigenen Vitalsinn! Manchmal sollte man in sich hineinhören statt blindlings einem Display zu vertrauen. Aber, ich muss eingestehen, dass mich die Uhr tatsächlich in dem Sinne motiviert hat, dass ich gucken wollte wie schnell ich die gewisse Werte in die Höhe treiben konnte. Und ein leicht nachprüfbarer Erfolg hat schon einen gewissen Reiz.

Beim Laufen saßen sowohl Brustgurt wie auch Uhr erstaunlich bequem und unauffällig. Noch kurz ein allgemeiner Tip zum Brustgurt: Wenn man den vor dem Sport nassmacht, um eine gute Leitfähigkeit der Kontakte zu gewährleisten, sollte man drauf achten, dass der Wasserhahn nicht auf eiskalt steht.... Brrrrr
Und für danach: Der Brustgurt ist übrigens problemlos in der Waschmaschine waschbar.

Anfangs hatte ich mehrfach Verbindungsprobleme mit dem Empfänger des Brustgurts. Besonders ärgerlich war das als ich bei einem längeren Intervalllauf nach einer kurzen Pause keine Verbindung mehr bekahm. Nach einem Softwareupdate ist dieses Problem nicht mehr aufgetaucht, weshalb ich das mal nicht auf ein Hardware-Problem zurückführe. Das man aber heutzutage auch bei einem Sportgerät die Software aktualisieren muss, hätte mein alter Sportlehrer mit seiner mechanisch betriebenen Stoppuhr, die er immer um den Hals hängen hatte, wohl nicht vorausgesehen.
die fenix2 in ihrem Element

Der Brustgurt misst neben dem Puls zusätzlich auch die Bewegung des Trägers unabhängig von der Armbewegung. D.h. man kann sich während des Laufens seine Trittfrequenz (wie viele Schritte mache ich in der Minute), seine Vertikalbewegung (wie doll "hüpfe" ich) und seine Bodenkontaktzeit anzeigen lassen. Gerade als Baarfußläufer fand ich das sehr spannend! Ein wesentlicher Aspekt des Trainings für Barfußläufer besteht darin, Schrittlänge und Schrittfrequenz optimal aufeinander abzustimmen um für einen möglichst ruhigen, erschütterungsarmen Laufstil zu sorgen. In der Regel wird Baarfußläufern und Minimalschuhträgern dabei eine kurze Schrittlänge und eine hohe Trittfrequenz von etwa 180bpm empfohlen. Gerade bei längeren Läufen erlaubte mir die Uhr mein inneres Gespühr für meine Form zu überprüfen und ich konnte so effektiv an meiner Technik feilen.

Die ganzen gesammelten Daten lassen sich dann später auch zu hause auswerten. Das kann man entweder etwas mühselig direkt auf dem Display der Uhr, oder bequemer am Computer. Die Verbindung erfolgt hier entweder über Bluetooth oder schneller per USB mit dem mitgelieferten Kabel, das auch zum Laden der Uhr dient. Garmin bietet zur Auswertung ein Programm zum Download an (Garmin Training Center) oder man nutzt die Garmin eigene Onlineplattform. Das Programm ist ehrlich gesagt nicht so "hübsch" und funktionell wie die Onlineplattform. Allerdings finde ich es immer bedenklich, wenn man seine persönlichen Daten irgendwie im Netz hochlädt. Unabhängig ob man diese nun über ein soziales Netzwerk veröffentlicht oder nur für sich nutzt. Im vorliegenden Fall währen das neben den üblichen Angaben zusätzlich detaillierte Bewegungsdaten, Messdaten vom Pulsgurt und andere Details die Rückschlüsse über die Aktivität, Hobbys und möglicherweise die Gesundheit des Nutzers ermöglichen. Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er mit seinen Daten umgeht. Darüber nachdenken sollte man aber schon. Auch wer viel unterwegs ist oder keinen ständigen Zugang zum Internet besitzt würde sich wohl über ein besseres Offline-Programm freuen.

Nochmal zurück zur Auswertung. Besonders spannend fand ich wie gesagt neben den üblichen Pulsgurtdaten vor allem die Infos über Schrittfrequenz und Vertikalbewegung. Beim Vergleichen der Daten von mehreren Läufen zeigte sich, dass ich zwar eh schon einen recht sauberen Laufstil habe, aber es einen messbaren Unterschied gibt, ob ich barfuß oder mit Minimalschuhen unterwegs bin!
Barfuß laufe ich tatsächlich nochmal ruhiger und effizienter wie mit Minimalschuhen. Erstaunlich fand ich, dass ich mit meinen Luna-Sandalen noch das barfuß-ähnlichste Datenprofil hatte, obwohl ich andere Minimalschuhe besitze, die eine deutlich dünnere und flexiblere Sohle haben.
Jetzt aber mal genug von Statistiken und meinen Füßen…
blendfreie und gleichmäßige Ausleuchtung des Displays

Das integrierte GPS der Uhr ermöglichte mir auch im Gelände meine Pace (also meine Geschwindigkeit) und meine tatsächlich gelaufene Distanz abzulesen und die Infos auf dem Display waren dabei im großen und ganzen immer gut zu erkennen. Lediglich im Halbschatten bzw. wenn es abends langsam dunkler wurde, hätte ich mir ein Display gewünscht das die Daten „schwarz auf weiß“ (und nicht wie bei der fenix „weiß auf schwarz“) angezeigt hätte. Im Dunkeln sorgt die rote Dispalybeleuchtung dann im übrigen für eine homogene und angenehme Ablesbarkeit ohne „Blendeffekt“.
Beim Laufen hab ich auf die Navigationsfunktion der Uhr meist verzichtet, fand es aber ganz praktisch mir hinterher anzuschauen, wo ich denn nun eigentlich langgelaufen bin. Grade neue Trails konnte ich so prima erschnuppern und mir für später „merken“.

Eine vollwertige Kartendarstellung bringt die Fenix2 trotz GPS übrigens nicht mit. Hier wird lediglich die Route als einfache Linie sowie abgespeicherte POIs (Wegpunkte und wichtige Örtlichkeiten) wiedergegeben. Allerdings finden sich im Netz Tips, wie man auf den internen Speicher auch simple Karten aufspielen kann. Wie sinnvoll das bei dem relativ kleinen Display ist sei mal dahingestellt. Mir hat in der Praxis meist die Linie der geplanten Route und meine eigene Position gereicht. Und bei einem Städtetrip wo ich aufgrund der Roaminggebühren mein Smartphone nicht nutzen wollte und wir noch keine Karte von der Touristeninfo hatten, hat mir die Uhr tatsächlich sinnvolle Dienste geleistet. Morgens schnell mit einem Knopfdruck die Position des Hotels markiert und Nachmittags einfach dem Pfeil (der zwar nur die Luftlinie angezeigt hat) zurückgefolgt. „Keine Ahnung wo wir hier sind, aber die Richtung stimmt…!“
Diese Lösung lässt sich natürlich auch leicht auf andere Szenarien übertragen. Man hat auf einer Tour bereits sein Tarp geschützt aufgeschlagen und will sich grade noch mal vom nahen Berggipfel aus den Sonnenuntergang angucken. Den Rückweg zum warmen Schlafsack zeigt die Fenix2 dann auch im Dunkeln zuverlässig.
Atom - Uhr
Zu hause hat das GPS der Fenix2 meine Position immer nach ein paar Sekunden ermittelt. Manchmal kam es mir etwas lang vor, trotz freiem Himmel und offenem Feld. War dann womöglich einfach meine Ungeduld, weil ich sofort aus der Haustür raus loslaufen wollte. Gefühlt lagen die Schwankungen in der Zeit zur Bestimmung der Position aber wohl im üblichen Bereich anderer GPS-Geräte.

Die Fenix2 verfügt zusätzlich über die üblichen GPS-Extras der „großen“ Garmingeräte. Eine Anzeige von Sonnenauf- und untergang fehlen ebensowenig wie eine Unterstützung zum Geocachen. Ob man sich extra nur fürs Geocachen statt einem „richtigen“ GPS diese Uhr holen sollte mag ich etwas bezweifeln. Dafür kommen Funktionen, die das Geocachen sonst erleichtern einfach zu kurz. Ich werte diese Funktionen daher für mich auch eher als Gimmicks der Uhr (frei nach dem Motto „da ist noch Platz auf dem Mikrochip, was packen wir da noch drauf?“) und nicht als ausschlaggebendes Verkaufsargument. Wer sie sich aber aus einem anderen Grund zulegt, wird sich evtl. über diese Extras freuen.
Eine angenehme Nebenwirkung des integrierten GPS möchte ich hier auch nicht vorenthalten: Die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit funktioniert automatisch!

Die Möglichkeit die Uhr per Bluetooth mit dem Smartphone zu koppeln konnte ich nicht nutzen, da hierfür das Smartphone eine neuere Bluetoothversion braucht, die meins nicht hatte. Ein Test mit einem Tablet hat zumindest gezeigt, dass das gut funktioniert und man die Nachrichten tatsächlich gut ablesen kann. Wofür man das braucht? Ehrlich gesagt keine Ahnung. Vielleicht um sich bei einem Wettkampf von seinem Betreuerteam die Positionen der Konkurrenz durchgeben zu lassen? Oder um auf der Skipiste nicht zu verpassen, wenn der Rest der Gruppe zum Apreski verschwindet? Evtl. kann mich da einer von Euch mal zu aufklären…

Die üblichen Outdoorfunktionen funktionierten für meine Ansprüche wie zu erwarten tadellos. Die Darstellungsart liefert dabei immer einen passenden Umfang der Daten. So zeigt das Altimeter standartmäßig die letzten 4 Stunden in einer Grafik da. Das Barometer zeigt dagegen die letzten 48 Stunden an, was eine bessere Prognose für das Wetter ermöglicht.

Die Uhr habe ich nicht nur beim Sport oder beim Wandern getragen, sondern auch durchgehend im Alltag. Lediglich zum Schlafen durfte sie von meinem Handgelenk. Und obwohl die Uhr optisch eher etwas wuchtiger wirkt und minimal schwerer ist wie meine alte Suunto Vector war sie immer erstaunlich bequem und trug sich unauffällig am Handgelenk! Nach jetzt knapp 2 Monaten Dauergebrauch zeigt sie bisher weder Kratzer noch sonstigen Verschleiß.

Trotz des regen Gebrauchs hielt der integrierte Akku dabei immer erstaunlich lange durch. Garmin gibt im GPS-Modus 16 Stunden Betriebszeit an, bzw. 50 Stunden im sogenannten "Ultramodus". (Hier werden größere Intervalle zwischen den einzelnen GPS-Messungen eingehalten)
Das kann ich erstmal so bestätigen. Im reinen Uhrmodus soll der Akku etwa 5 Wochen halten, was ich nicht gegengeprüft habe, da ich sie ja zwischendurch immer auch beim Sport genutzt habe. Aber selbst mit täglichen Läufen (d.h. GPS und Verbindung zum Pulsgurt) hab ich die Uhr selten öfter wie einmal pro Woche zum Laden eingesteckt. Wobei sie beim Übertragen der Daten per USB auf den Computer natürlich auch immer kurz geladen wurde. Das Laden an sich geht übrigens sehr schnell. Der komplett leere, interne Akku hatte bei mir nach etwa einer Stunde Laden 50% Akkuleistung angezeigt. 100% waren nach 2,5 Stunden mit dem mitgelieferten, handelsüblichen USB-Ladegerät erreicht. D.h. ist man unterwegs reicht in der Regel eine relativ kurze Pause um die Uhr wieder mit Saft für die nächsten Stunden zu versorgen.
-ohne Worte-
Wie fällt nach knapp 2 Monaten mein Faszit zu dieser Uhr aus?
Ich betrachte technische Spielereien im Outdooralltag und beim Sport nach wie vor kritisch. Insbesonders wenn sie von der eigentlichen Tätigkeit „ablenken“ und man mehr die Augen auf dem Display hat wie in der Natur. Die Fenix2 war bei allen Aktivitäten dafür erstaunlich unauffällig und rückte angenehm in den Hintergrund. Die Bedienung ist so intuitiv und smart gestaltet, dass man darauf keine großen Gedanken verschwenden muss. Die Datenfülle, die sie präsentieren kann kommt grafisch gut aufbereitet und übersichtlich daher. Egal ob draußen oder später am Computer. Etwas schade finde ich es, dass Garmin sich eher auf seine Onlineplattform stützt als auch eine vergleichsweise ähnlich ansprechende Auswertung offline zu ermöglichen.
Mit Hilfe der Fenix2 konnte ich in den letzten Wochen meinen Trainingsfortschritt sehr gut verfolgen. Nicht nur was meine eigentliche Fitness anbelangt, sondern auch was meinen Laufstil betrifft. Leider klappt die Auswertung der VO2max und der Erholungszeit nicht zuverlässig.
Als klassische Outdooruhr erfüllt sie alle Funktionen tadellos und liefert, wenn man sie nicht sowieso zur Navigation nutzt, ein angenehmes Sicherheitsbackup durch das GPS.

Ich muss zugeben die Uhr habe ich mitlerweile mehr als schätzen gelernt. Bei mir sitzt die Uhr so gut und unauffällig, dass ich sie ständig trage. Möchte ich sie dann spontan nutzen, z.B. wenn ich schnell noch mal eine Runde laufen will, ist sie bereits an Ort und Stelle. Auch muss ich mich nicht erst stundenlang durch Menüs klicken um sie zu starten, ich kann gleich loslegen.
Sie ist innerhalb kürzester Zeit zu einem festen Begleiter geworden. Irgendwie erinnert sie mich an einen Butler, der sich dezent im Hintergrund hält und bei Bedarf sofort da ist und mit hoher Präzision das Gewünschte liefert.

Tja, da bliebe am Ende nur der doch recht stolze Preis. Ob man bereit ist den zu zahlen, muss jeder natürlich mit sich selbst ausmachen. Die Uhr verbindet allerdings erfolgreich eine klassische Outdooruhr mit den Funktionen einer hochwertigen Pulsuhr, ergänzt dazu noch ein gutes GPS (was allerdings nur eine eingeschränkte, wenn auch für mich ausreichende Kartendarstellung hat) und vermag es diese einzelnen Funktionen in einem Gesamtpaket sinnvoll zu verknüpfen. Wer dann noch weitere Funktionen dieser Uhr nutzt (z.B. die Skifahrer, Schwimmer und Triathleten unter Euch) könnte sich durch die  Fenix das ein oder andere zusätzliche Gerät sparen. Und gerade Ultraläufer dürften sich auch durch die lange Akkulaufzeit im GPS-Modus angesprochen fühlen.




Anmerkung: Die Garmin Fenix2 wurde mir für den 2-monatigen Zeitraum dieses Tests kostenfrei von Garmin Deutschland zur Verfügung gestellt. Dieses Review spiegelt jedoch einzig und allein meine eigene, persönliche Meinung und Erfahrung wieder. Eine Verpflichtung irgend einer Art eine vorgefertigte Meinung zu veröffentlichen bestand nicht! Ich habe keinerlei Geschäftsbeziehung mit Garmin und seinen Mitarbeitern.
Und ich finde es extrem albern, dass man jetzt quasi verpflichtet ist so einen extra Disclaimer bei seinen Artikeln anzufügen, auch wenn man im Text bereits ausführlich geschildert hat, wie man zu besagtem Test gekommen ist, einfach weil Google und manche Leute zu blöde sind richtig zu lesen.  Ich finde es gut und richtig, seine Artikel dahingehend zu kennzeichnen, wie man Produkte bekommen hat.




Kommentare:

  1. Ich bin ganz froh, so langsam von dieser ganzen Messerei wieder wegzukommen und einfach nur zu laufen, wann, wo und wie ich gerade Lust habe. Meine alte Laufuhr, eine Polar RS800, fällt so langsam auseinander und jedes Teil, dass nicht ehr funktioniert, wird ersatzlos aussortiert. (So muss ich mir zB inzwischen keine Gedanken mehr machen, wie ich den Schwungsensor an den Huaraches befestigen kann.) Das Laufen ist dadurch bisher jedenfalls nicht weniger genußvoll geworden. Am Anfang fand ich die Spielereien und die ganzen Messdaten zu Schrittlänge, -frequenz etc. ganz interessant und für leistungsorientierte Personen hat das natürlich auch einen Mehrwert, aber derzeit möchte ich gezielt wieder weg von den Wettkämpfen. Sonst packt mich nur wieder der Ehrgeiz. Und den setze ich lieber ein, um wichtigere Ziele zu erreichen.
    Dass Huaraches, selbst wenn sie eine dickere Sohle haben bzw. steifer sind, dem Barfusslaufen sehr viel näher kommen (ohne es freilich zu erreichen), als Wasserschuhe, Vivos und Co, ist mir auch schon aufgefallen. Mein stärkster Indikator: Muskelkater. Wäre intessant, woran das liegt.
    Beim Wandern habe ich eine Sportuhr noch nie vermisst. Irgendwo in den Tiefen meines Gepäcks habe ich ein Handy für wichtige Termine (Rückflug!) und Notfälle. Und ansonsten fand ich es immer ganz befreiend, ohne Uhr ausschließlich in meinem eigenen Rythmus unterwegs zu sein.

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  2. Ich muss Dir zustimmen. Ständig nur irgendwelchen Statistiken hinterher zu hechten ist auch für mich keine Erfüllung. Gibt da natürlich andere Läufer, die jedoch gerade das antreibt. Oder wie Achim Achilles das mal so schön ausgedrückt hat:
    "Wer sich jedoch an Zahlen aufgeilt dem liefert eine GPS-Uhr permanente Erotik."


    So gesehen sind die meisten Funktionen und Daten dieser Uhr für mich nur eine nette Spielerei, aber nichts was ich regelmäßig abfragen und nutzen würde. Praktisch fand ich es allerdings wenn ich einen neuen Trail gelaufen bin, mir diesen später auf der Karte angucken zu können, um mir zu merken, wo das genau gewesen war.


    Bei kurzen Touren komme ich auch ganz gut ohne Uhr oder andere technische Extras aus. Zumindest aber, wenn ich länger unterwegs bin, möchte ich nicht mehr auf eine Uhr verzichten, die mich regelmäßig an das aktuelle Datum erinnert. Ob das daran liegt, dass ich mal einen Rückflug verpasst habe, weil ich mit den Wochentagen durcheinander gekommen war? ;-)

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