Dienstag, 5. Juli 2016

Planlos nach Irland

Ohne Titel

Im letzten Jahr haben wir lange hin- und herüberlegt, wo wir uns
Als nächstes rumtreiben wollten. Schließlich entschlossen wir uns dann recht
spontan dazu unser Wanderglück erneut auf der grünen Insel zu suchen.
So spontan wie wir uns dazu entschlossen hatten, so kurz viel dann auch
unsere konkrete Planung aus. Das Packen unserer Ausrüstung ging dann
auch nahtlos dazu über, zur Bahn zu hetzen um unseren Flieger nicht zu
verpassen. Ich finde, so fängt ein Urlaub gleich viel spannender an…

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inmitten typischer Bewohner


Nach einem Zwischenstopp in der Hauptstadt Dublin ging es dann per Bus für uns weiter nach Kerry. Gerade wenn die Reiseplanung sozusagen eigentlich nicht vorhanden war, lernt man es zu schätzen, dass es mittlerweile eigentlich überall etablierte Wanderwege und passende Literatur dazu gibt. Die nächsten Tage wollten wir uns daher zunächst an den bekannten Kerry-Way halten und unterwegs Anregungen für unseren weiteren Aufenthalt auf der Insel suchen.



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Blick über den Kerry Way


In Killarney verbrachten wir die Nacht im Railway Hostel um nach einem einfachen Frühstück am nächsten Tag aufzubrechen. Der erste Abschnitt dieser Etappe zog sich zunächst an der Strasse entlang. Ab und an konnten wir dabei einige Pferdekutchen beobachten, die Touristen den Weg zum Mackross House erleichterten. Mit dem Betreten des Nationalparks änderte sich dann aber zugleich auch der Charakter des Kerry Way komplett. Auf einmal spazierten wir auf kleinen, wilden, sich windenden Wegen unter verwachsenen Bäumen entlang. In der Ferne konnten wir schon die Berge sehen. Wir verzichteten darauf, das Mackross House, das mit seiner Parkanlage zugleich Touristenmagnet und Wegpunkt entlang des Kerry Way ist, zu besichtigen und zogen es vor weiter zu ziehen. Schließlich gelangten wir an einen ersten Anstieg, der auch dafür sorgte, dass die meisten Tageswanderer und Touristen lieber im flacheren Umland des Mackross House blieben. Uns führte der Kerry Way aber hinauf bis auf eine Art Hochebene mit Blick über den Upper Lake und bis hin zum Black Valley. Über breitere Forstwege und einige schmale Stiege verlief der Weg. Am Westende des Upper Lake gönnten wir uns an einem Fähranleger gelegenen Imbiss eine kleine Zwischenmahlzeit. In der nahe gelegenen Ruine blökten derweil zwei Esel. Und plötzlich sprang ein Reh dicht an unserem Platz vorbei.
Wir brachen wieder auf und gelangten kurz darauf ans Ende des Nationalparks. Eine ganze Weile suchten wir dann auf unserem weiteren Weg eine Möglichkeit zum Übernachten. Einfach war das nicht, da die Weidezäune bis auf eine Handbreit nah an die schmale Straße reichten. Irgendwann fanden wir dann schließlich in einem kleinen Wald abseits vom Hauptweg einen netten kleinen Platz für unser ShangriLa 2. Schnell das Abendessen bereitet. Vorher noch eine vegane Wurst und ein Schlückchen Wein aus der Einmal-Packung als Vorspeise. Und wir konnten den ersten Tag unserer Wanderung nochmal im Traum an uns vorüber ziehen lassen.


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Der Kerry Way zeigte sich von seiner abwechslungsreichen Seite, sowohl was die Landschaft als auch was das Wetter betraf. Mal ging es für uns entlang einfacher Landstrassen. Dann wieder über matschige Wiesen und Steine die Hänge hoch auf einen Pass um von dort ins nächste Tal hinabzusteigen. Neben den Leckereien aus unseren eigenen Rucksäcken waren es auch vor allem so angenehme Zwischenstopps wie im gemütlichen Cookie Monster Cafe, die uns mit dem nötigen "Treibstoff" versorgten.
Im Climbers Inn in Glencar konnten wir dann neben leckerem Guiness auch noch eine Versammlung der örtlichen Schafzüchter genießen, die gerade auf ihre Erfolge bei einer Schönheitsshow für Schafe tranken, während die eigentlichen Preisträger bunt geschmückt, draußen vor der Tür, auf ihren Hängern warteten.
Im weiteren Verlauf des Weges hatten wir nähere Begegnungen mit Kühen (die partou keinen Platz machen wollten und uns zu ein paar Klettereinlagen verleiteten), einer ganzen Gruppe wilder Ziegen (die man bereits aus einiger Entfernung riechen konnte) und natürlich den obligatorischen Schafen.
Mit Erreichen des Passes "Windy Gap" (von dem es auf dem Kerry Way gleich mehrere mit dem selben Namen gibt) öffnete sich vor uns dann endlich das Meer. In einiger Entfernung konnten wir die Ausläufer der Dingle Halbinsel sehen.
In Glenbeigh gönnten wir uns eine Übernachtung im Sleepy Camel. Am Ende der Saison brauchten wir uns das riesige Hostel nur mit einem anderen Pärchen teilen.
Mit frisch gewaschenen Klamotten und aufgefüllten Vorräten führte uns der Kerry Way tags darauf an der Küste entlang. In der Ferne konnten wir die Insel Skellig Michael mit ihren berühmten Klosterruinen sehen. Eine Besichtigung sollten wir während dieses Urlaubs leider nicht machen können. Schließlich wurde hier grade die Schlußszene des neuen Starwars Films gedreht. Und da können die es schlecht gebrauchen, wenn hinter dem Einsiedler Luke Skywalker plötzlich ein paar Beuteltiere durch die Ruinen des Jedi Tempels stolpern.


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An diesem Tag entschlossen wir uns dazu die vorgeschlagenen Etappen unseres Wanderführers zu ignorieren und statt zum nächsten Dorf abzubiegen, gleich weiter auf dem Kerry Way zu wandern. Der immer stärker werdende Regen und das doch sehr sumpfige Gelände was wir im Folgenden durchquerten war da eigentlich unnötig. Auch die unzähligen Treppchen und Leitern, die alle paar Meter über die dicht an dicht gebauten Weidezäune führten, wahren auch nicht unbedingt die Art angenehme Abwechslung die wir uns für unsere doch langsam müde werdenden Beine erhofften. Ein geeigneter Zeltplatz war in diesem stark knubbeligen Morast auch nicht zu finden. Also stapften wir weiter um schließlich an einem weiteren Hostel eine Bleibe für die Nacht zu finden. Eine Dusche und die Möglichkeit die doch recht nassen Klamotten zu trocknen, waren nach diesem langen, verregneten Tag nur zu willkommen.
Der verbleibende Weg nach Waterville war für uns am nächsten Tag dann auch umso kürzer und wir konnten den Tag in aller Ruhe genießen.


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Die Orte die direkt an der bekannten Strasse "Ring of Kerry" liegen waren dann auch stärker vom Reisebus-Tourismus geprägt wie die kleinen Siedlungen die wir bisher passiert hatten. Am Ende der Saison waren auch nur noch eine Handvoll anderer Wanderer unterwegs, so das wir überall kuriose Blicke auf uns zogen.
Zumindest Abends, wenn die Reisebusse ihre Tour auf der Ringstraße beendet hatten, waren die Orte dann auch wieder ruhig und in den örtlichen Pubs fanden sich fast nur Einheimische wieder. Und auch wenn diese Orte mit ihren B&Bs, Cafes und anderen Annehmlichkeitenausgestatteten Orte stark auf den Tourismus ausgerichtet waren, so konnte man ihnen dennoch nicht einen gewissen Charme absprechen. Die Route des Kerry Way verlief zunehmend auf befestigten Wegen. An manchen Stellen hatte man einige merkwürdige "Umleitungen" eingebaut, damit der Wanderer nicht die ganze Zeit neben der Strasse her stapfen musste. Das auch diese Wege über Asphalt oder zumindest geschotterte Strassen führten, machte unseren Füßen nicht unbedingt eine Freude. Gerade mit meinen ungedämpften Luna-Sandalen, die ansonsten für die irischen Wiesen und Weiden perfekt waren, fühlten sich auf diesem harten Untergrund eher unwohl.


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Noch nichts in Sicht.


Im etwas größeren Ort Kenmare legten wir dann einen etwas ausgedehnteren Pausentag ein. Nicht nur Gelegenheit uns um unsere Ausrüstung, unsere Füße und auch unsere Bäuche zu kümmern, sondern auch um die nähere Umgebung zu erkunden. Highlight für uns war dann eine Seafari mit dem "singenden Captain" Raymon Ross, der uns nicht nur die heimische Flora und Fauna bei diesem Bootsausflug näher brachte, sondern auch noch in einen brummenden Dialog mit dem Seehund Killroy und seinen Artgenossen trat.


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Ausgeruht ging es dann auf den letzten Abschnitt des Kerry Way, der den Bogen nach Killarney wieder schloss. Das heißt irgendwann gelangten wir an den Abzweig wo wir am ersten Tag den Nationalpark verlassen hatten und konnten diesen landschaftlich schönen Abschnitt ein weiteres mal genießen.
Von Killarney zog es uns dann weiter zur Halbinsel Dingle. Deutlich weniger touristisch erschlossen und weniger dicht besiedelt wirkte Dingle noch ursprünglicher. Auch, dass hier vielerorts Gälisch noch vor Englisch gesprochen wurde verstärkte diesen Eindruck.
Wir orientierten uns grob am Verlauf des etwas weniger bekannten Dingle Way, besuchten unterwegs aber noch die ein oder andere historische Städte oder ein Museum. Auch wenn das manchen Schlenker  im eigentlichen Verlauf des Dingle Way bedeutete, waren diese kleinen Umwege in aller Regel immer sehr bereichernd.
Im Gegensatz zu Kerry wurde es hier auch deutlich leichter geeignete Plätze für die Nacht zu finden. Und wer möchte nicht gerne direkt am Atlantik schlafen um beim Frühstück einer Schule Delphine in unmittelbarer Nähe zuzugucken?

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Aufgrund der wenigen uns verbleibenden Tage verzichteten wir auf eine komplette Umrundung Dingles und schlugen stattdessen einen Bogen durch das Zentrum der Halbinsel. So konnten wir uns zum Abschluss unserer Tour auch noch ein paar schöne Ausblicke auf beide Küsten Dingles werfen.


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Blick auf den Atlantik


Irland hat sich uns während unserer Reise wiedermal von seinen schönsten Seiten gezeigt. Auch wenn der strömende Regen uns abschnittsweise doch arg zugesetzt hatte, waren die übrigen Tage von einem sonnigen Atlantik-Klima geprägt. Die Landschaften Kerrys und Dingles haben ihren ganz eigenen Charme. Teils dominiert von wilder Natur wird die Gegend immer wieder durch ländliche Elemente, wie kleinere Ansiedlungen und die typischen, irischen Landstrassen durchbrochen. Die Küsten zeigen teil ihre schroffen, ausgesetzten Klippen während sich in manch kleiner Bucht so mancher idyllischer Platz verbirgt. In Dingle spürten wir  den Einfluss des Atlantik um so stärker, wehte uns doch selbst auf den Bergen immer eine salzgeschwängerte Luft um die Nase.
Nicht zuletzt sind es aber die Menschen die Irland zu einem Erlebnis werden lassen. Ich habe bewusst in diesem Bericht darauf verzichtet all die vielen, freundlichen Begegnungen zu schildern, weil es schlichtweg zu viele gewesen wären. Und nur ein paar rauszupicken würde der Sache nicht gerecht, weil eigentlich jede Begegnung eine ganz besondere war.

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Unsere Planung war ja mehr oder weniger eine recht kurzfristige Sache. Und so war es auch kein Wunder, dass wir auch beim Packen nicht ganz so systematisch vorgegangen sind wie sonst. So hatte ich zum Beispiel leider die falschen Karten auf meinen eReader gezogen. Aber zum Glück kann man sich ja auch vor Ort Wanderkarten besorgen. Hätten wir im Vorfeld die Routen detailliert herausgearbeitet, hätten wir deutlich leichtere und kompaktere Rucksäcke gehabt. Vor allem hatten wir viel zu viel Verpflegung dabei, wenn man bedenkt, dass wir regelmäßig an kleinen Geschäften, Pubs oder Cafes vorbeigelaufen sind. Und beim Übernachten in B&Bs oder Hostels braucht man sich dort auch keine Gedanken ums Frühstück zu machen. Satt wird man in jedem Fall.
In Kerry hätten wir eigentlich komplett auf unser Zelt verzichten können. Die Mühe manchmal einen geeigneten Platz zu finden (und wir haben in unserem Wander-Leben schon an allen möglichen und unmöglichen Orten geschlafen) hätten wir uns sparen können, währen wir direkt mit der Einstellung losgezogen ausschließlich in Hostels oder B&Bs zu übernachten. Natürlich kostet das mehr wie Zelten, ist aber in dieser Region auch nie übertrieben teuer. Und man kommt zudem noch mehr mit Leuten ins Gespräch und erfährt das ein oder andere Interessante. In Dingle war es, wohl auch wegen der geringeren Besiedlungsdichte, deutlich einfacher geeignete Plätze zu finden und wir hätten unser Zelt hier auch nicht missen wollen.
Irland hat uns auch mal wieder gezeigt, wie viel wert doch gute, wasserdichte Kleidung ist. Und auch wenn wir uns sonst eigentlich über jedes gesparte Gramm freuen, hätte ich mir an meiner Jacke doch mehr als einmal eine bessere Kapuze gewünscht.
Die Kombination aus morastigem Boden mit Staunässe, feuchtem Gras, geschotterten Wegen und Asphalt hatte ganz eigene Anforderungen an unsere Schuhe und Füße gestellt.
Irgendwie waren die Füße immer beständig feucht oder nass. Dabei machte es kaum einen Unterschied ob unser Schuhwerk nun eine wasserdichte Membran hatte, nur schnelltrocknendes Mesh oder gänzlich offen war, wie unsere Luna Sandalen. Mit offenen Sandalen waren die Füße zwar am schnellsten wieder trocken, aufgrund der stark von Schafen frequentierten und "markierten" Wegen wünschte ich mir aber dafür auch umso öfter die Füße wieder nass machen zu können...

Die kurze Planung erforderte natürlich mehr Flexibilität wie eine minutiös durchgestylte Tour. Gleichzeitig war es für uns dadurch aber auch entspannter, weil wir keinem Plan hinterherlaufen mussten. Und auch wenn das bedeutete, dass wir uns erst vor Ort Busverbindungen und Unterkünfte suchen mussten, konnten wir so auch viel spontaner entscheiden.

Und weil ihr so brav bis zum Schluß gelesen habt gibt's hier zur Belohnung noch ein paar "wichtige" Irische Hinweisschilder:


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Vorsicht! Springende Autos!


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Eines der wichtigsten Schilder!


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Eine klare Ausschilderung für den verwirrten Wanderer

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:-) ???