Dienstag, 10. Oktober 2017

OMM Alps 2017


Es regnet bereits in Strömen, als ich den kleinen Kunststoffstift, der an einem Band an meinem Handgelenk baumelt in die Box stecke und diese das mit einem „Pieps“ kommentiert. Auch bei meinem Teampartner ertönt das Signal aus der Box, das Zeichen, dass die Zeit für uns angefangen hat zu laufen. Mit den Worten „Take care“ drückt man jedem von uns eine topographische Karte in die Hand. Kein „Viel Erfolg“ oder wenigstens „viel Spaß“, sondern ein „Passt auf Euch auf“. Und so hat der OMM Alps 2017 für uns begonnen.



Vom OMM, dem Original Mountain Marathon, habe ich das erste mal vor einigen Jahren gehört, als ich in Schottland unterwegs war. Seitdem habe ich dieses besondere Rennen im Auge behalten. Hierzulande ist er kaum bekannt, obwohl er bereits seit 1968 jährlich ausgetragen wird und zu einem der anspruchsvollsten Laufevents zählt. Der OMM wurde als besondere Herausforderung an Läufer und Alpinisten gleichermaßen geschaffen. Dafür verbindet er drei Elemente, die es jedes für sich schon in sich haben. Statt einer festen, ausgeschilderten Route erhält man lediglich wie beim Orientierungslauf eine Karte mit Koordinaten mit der man sich unter Zuhilfenahme eines Kompasses selber orientieren muss. GPS? Nicht erlaubt.
Wie beim Crosslauf liegen die Punkte, die man Anlaufen muss dabei nicht unbedingt auf dem nächstbesten Trail sondern befinden sich auch gerne mal auf einer Bergspitze oder auf der anderen Seite eines Flusses. Feste Wege? Fehlanzeige.
Zudem ist der OMM ein Etappenlauf ohne Verpflegungsstationen oder Checkpoints. Man muss für die gesamte Dauer des OMM autark unterwegs sein können. Das heisst nicht nur die Verpflegung für die zwei Tage mit sich führen, sondern auch das Übernachtungsgepäck wie Zelt, Schlafsack, Kocher und Wechselkleidung. Dropbags? Gibts nicht. Grammfuchser haben hier einen klaren Vorteil!

Und es währe kein Britisches Event, wenn nicht auch das Wetter eine vierte Herausvorderung liefern würde. In der Regel findet der OMM Ende Oktober statt, wenn auf der Insel die Berge im Nebel verschwinden und die Teilnehmer sich gegen Wind und Regen wappnen müssen. Dieses Jahr feiert der OMM sein Jubiläum und in den 50 Jahren die es ihn schon gibt, hat es kein Rennen ohne Regen gegeben!

Als ich dann Anfang des Jahres erfuhr, dass zum 50sten Jubiläum nicht nur ein großes Event auf der Heimatinsel dieses Laufs geplant war, sondern auch das erste mal in seiner Geschichte ein Rennen in den Alpen stattfinden würde, stand für mich fest: Da bin ich dabei! Und das es für mich quasi ein Geburtstagslauf werden würde war ein schöner Bonus.
Meinen Laufpartner davon zu überzeugen bei so einer verrückten Veranstaltung mitzumachen war dann verständlicherweise etwas schwieriger. Aber der OMM ist ein Teamevent, schon allein aus Sicherheitsgründen, weil es wie gesagt keine Streckenposten gibt. Und wie schon Yoda festgestellt hat:
„Immer zu zweit sie sind. Keiner mehr, keiner weniger.“

Und so standen wir nun irgendwo in Tirol im Regen an einer Startlinie mit zwei Karten in der Hand und versuchten schnellstmöglich eine sinnvolle Route zu erarbeiten.


In Hinblick auf den Wetterbericht und unseren aktuellen Trainingsstand (Wir waren beide erst kurz vorher aus dem Urlaub zurückgekommen und da stand Laufen nicht auf Platz 1 der Tagesordnung) versuchten wir auf Nummer sicher zu gehen und wählten eine Strecke, die zwar die größten Anstiege auslassen würde bei denen wir ein paar Punkte mehr sammeln könnten. Dafür könnten wir schneller unterwegs sein, Energie für den zweiten Tag sparen und eventuell einen Zeitvorteil herauslaufen. Und so spurteten wir eingepackt in kompletter Regenmontur den Berg hoch und suchten uns schon wenig später einen Pfad durchs Unterholz. Es dauerte nicht lange und wir fanden den ersten Marker, checkten mit unseren Transpondern an der kleinen Box ein und liefen weiter. Anfangs trafen wir unterwegs noch andere Teams. Da die Routenwahl aber frei war löste sich das Feld schnell auf und wir waren die nächsten Stunden alleine unterwegs. Wir kamen gut voran und auch die Marker waren gut zu finden. Teils griffen wir auf flotte Wege zurück, teils ging es querfeldein durch dichten Wald, steil die Berge hoch.






Das Etappenziel mit dem gemeinsamen Übernachtungsplatz aller Teams erreichten wir als eines der ersten Teams. Wir spielten wie gesagt lieber auf Nummer sicher und gaben uns mit weniger Punkten zufrieden, als eine Zeitstrafe zu riskieren oder unser geringes Trainingspensum schon am ersten Tag auszureizen.


Es dauerte nicht lange und das mittlerweile mehr als bewährte ShangriLa stand und der Esbitkocher heizte dem Wasser ein. Leider hatte der Topf, eine umfunktionierte Foster-Bierdose, durch den etwas unsanften Lauf im Gelände etwas Schaden genommen. Ein Adventure-Race ist halt keine entspannte Ultraleichtwanderung. Die Löcher wurden kurzerhand mit Griptape aus dem Verbandmaterial geflickt, was dem Geschmack des heißen Kakaos keinen Abbruch tat. Mit warmem  Bauch wurde dann erstmal ein Nickerchen gehalten, nachdem wir vorher noch rasch in unsere trockenen Reserveklamotten geschlüpft waren. Abends tauschten wir uns dann mit den anderen Teams aus. Gefühlt 2/3 der Teilnehmer war extra aus Großbritannien angereist, während auch ein paar erfahrene Orientierungsläufer aus Dänemark und Polen unter den Teilnehmern waren. Deutsche und Österreicher waren kaum vertreten. Die erfahrenen Teilnehmer erkannte man an den Plastiktüten die Sie sich zum Schutz ihrer trockenen Socken im Camp über ihre Füße gezogen hatten. Solche Tricks wurden schnell von allen anderen übernommen was dann am Ende des Tages für ein interessantes Bild der Teilnehmer sorge. Als das letzte Team eintraf versammelten sich alle noch kurz zu einem Briefing bevor es zur Nachtruhe ging.

Die erste Hälfte der Nacht verlief zunächst etwas schlaflos. Mein Teampartner musste zunächst im Schein unserer Stirnlampen eine nächtliche Fuß-OP durchführen um den Druck von einer Blutblase zu nehmen, die sich irgendwie unter seinen Fußnagel verirrt hatte und ihn durch ihr Pochen vom Schlafen abhielt. Dann kollabierte mein Daunenquilt aufgrund der enorm hohen Luftfeuchtigkeit komplett, so dass ich mich in die Rettungsdecke einrollte um eine halbwegs warme Nacht zu verbringen. Irgendwie waren wir aber dann doch recht schnell und tief eingeschlafen.

Am Morgen wurden wir durch die Melodie eines Trompetenspielers geweckt. Nach einem Kaffee vom notdürftig reparierten Esbitkocher und einem Frühstück in Form von Porridge aus dem Beutel, packten wir unsere Sachen und bereiteten uns auf den zweiten Tag des Rennens vor.


Am Start das übliche Prozedere. Transponder in die Box stecken, „Piep“, Karte entgegennehmen und los.


Der Weg zum ersten Checkpoint war deutlich trailiger und führte bereits stetig aufwärts. In der Nähe einer Almhütte, auf offenem Feld wurden wir dann aber schnell fündig, während über uns eine Drohne kreiste um den ersten OMM Alps auch mit Bildern zu dokumentieren. Den nächsten Checkpoint dachten wir schon sicher zu haben. Von einer Weggabelung peilten wir mit dem Kompass seine Koordinaten an und machten uns auf ins Unterholz. 

Nix. Einige andere Teams irrten ebenso erfolglos umher auf der Suche nach der Fahne mit der kleinen Box. Irgendwann beschlossen wir die Suche aufgrund der drängenden Zeit aufzugeben. Auf dem Rückweg stolperten wir dann jedoch wie durch Zufall über eben genau den vermissten Checkpoint. Erst nach dem Rennen, wieder zuhause in der warmen Stube, konnte ich mir unseren Fehler erklären. Wir (und offensichtlich auch die anderen Teams) hatten schlicht die Missweisung zwischen magnetischem Nordpol und Kartennord nicht berücksichtigt. Normalerweise in unseren Breitengraden kein großes Problem. In dem dichten Wald hat das aber dazu geführt, dass wir alle gut 20 Meter neben der richtigen Stelle gesucht hatten.

Die weiteren Checkpoints sammelten sich im Vergleich dazu dann mehr oder weniger im „Vorbeilaufen“ ein. Zumindest was die Orientierung anging. Etwas kraxeln mussten wir dann schon noch. Wir waren recht flott unterwegs und begegneten an diesem Tag auch öfters mal dem ein oder anderen Team, die nun alle eher auf schnelle Strecken als auf hohe Punkte setzten.


Zum Abschluss unserer Route wählten wir einen Checkpoint auf einer bewaldeten Bergkuppe. Zeitgleich trafen wir dort mit einem anderen Team ein und mussten leider feststellen, dass irgend jemand die elektronische Box zerstört hatte. Es fanden sich nur noch einzelne Bruchstücke und das Stahlseil, mit dem diese ursprünglich am Baum gesichert war. 

Später stellte sich heraus, dass offensichtlich jemand hier gezielt Vandalismus betrieb, da auch noch andere Checkpoints im nahen Umfeld mutwillig zerstört worden waren. Das war nun schon das zweite mal in diesem Jahr, dass ich an einer Veranstaltung teilgenommen hatte, bei der es jemand offenbar ok fand, das Event maßgeblich zu sabotieren und den Teilnehmern damit auch unnötig die Orientierung im Gelände zu erschweren. Mal ganz von der offensichtlichen Sachbeschädigung abgesehen ist sowas für mich in keinster Weise nachvollziehbar, da solche Personen die Gefährdung der Teilnehmer offenbar gleichgültig in Kauf nehmen. (Bei der anderen Veranstaltung mussten mehrere Teilnehmer aufgrund eines solchen „Scherzes“ frühzeitig das Rennen beenden)

Das andere Team machte sich nun in Richtung eines Pfades auf, der sie im Bogen von dem Berg runter führen sollte. Wir hatten einen anderen Plan. Auf der Karte war ein Lift eingezeichnet und in unmittelbarer Nähe daneben eine Waldschneise die in direkter Linie zum Ziel lag. Das konnte nur eins bedeuten: Skiabfahrt!

Nach ein paar Metern durch das Unterholz erblickten wir auch schon den obersten Pfeiler des Skiliftes und wenig später stürzten wir uns in einen der geilsten Downhills der mir bis jetzt unter die Füße gekommen war.
Mit einem ordentlichen Zeitpuffer im Gepäck steuerten wir das Ziel an wo wir mit Kuhglockengeläut vom Raceteam empfangen wurden.



Endlich Zeit die Reserven wieder aufzufüllen. Und nachdem wir uns in trockene Klamotten gepackt hatten, unsere Laufsachen geruchsicher gaaaanz weit unten in den Taschen verstaut hatten, warteten wir bei heißer Suppe auf die anderen Teams und die obligatorische Siegerehrung.


Ja, und dann wurden wir noch überrascht, als sich zeigte, dass man weder das schnellste noch das Team mit den meisten Punkten sein muss um auf dem Treppchen zu landen, solange die Gesamtstrategie aufgeht und man als Team ins Ziel läuft.


Vielen Dank an die Veranstalter des OMM die hier wirklich etwas Großartiges auf die Beine gestellt haben. Danke auch an die freiwilligen Helfer aus Steinberg die uns so gut bewirtet haben und vielen Dank an die zuständigen Stellen die einen solchen Geländelauf überhaupt genemigt haben. Vielen Dank für das mehr als faire Miteinander unter den Teams. Und nicht zu letzt: Danke, Björn, dass Du so 'nen Quatsch mitgemacht hast! Nächstes Jahr laufen die den A-Course! ;-)

OMM Alps 2018? Behalte ich mal im Auge... ;-)


Anmerkung:
Alle Kosten des OMM Alps 2017 habe ich selber getragen und ich bin in keinster Weise geschäftlich mit den Veranstaltern verbunden. Die Bilder die ich hier in diesem Beitrag verwendet habe wurden zum Teil von den Veranstaltern des OMM den Teilnehmern zur freien Verfügung und Nutzung bereitgestellt. Das Urheberrecht bleibt davon unberührt.



Mittwoch, 27. September 2017

Warum ich nicht Jogge und warum Begrifflichkeit wichtig sind


Früher war ich öfters Joggen. Heute nicht mehr. Wenn ich heutzutage draußen unterwegs bin, dann laufe ich, unabhängig ob es nun 5, 10, 40 oder mehr km sind. Laufen ist nicht gleich Joggen. Und die Unterscheidung ist wichtig. Wenn man eine Fertiglasagne in den Ofen schiebt hat das genauso wenig was mit Kochen zu tun, wie Joggen mit Laufen. Ja, auch beim Fertiggericht hab ich hinterher was zu beißen und werde irgendwie satt. Und genauso habe ich mich beim Joggen irgendwie sportlich bewegt und Kalorien verbrannt. Aber fragt einmal einen gelernten Koch, was er von so einer Mahlzeit hält…



Wer auf ein Fertiggericht setzt, der überlässt einen Teil der Arbeit jemand anderem, der dafür auf moderne Technik und teils fragwürdige Inhaltsstoffe zurückgreift. Und das Ergebnis ist meist auch nur wenig überzeugend. Kein ernsthafter Koch würde so in seiner eigenen Küche kochen. Kurzfristig mag das mal ok sein, aber auf lange Sicht gibt es mit Sicherheit was Gesünderes und was besser schmeckt.

Beim Joggen ist das genauso. Man überlässt einen Teil der Arbeit jemand anderem, in dem Fall dem Schuh, bzw. dem Schuhhersteller. Das sind in dem Fall verschiedenste Dämpfungselemente, künstliche Stützen und andere Laufschutechniken. Die scheinen auf den ersten Blick ein brauchbares Ergebnis zu liefern, sind aber auf lange Sicht, ähnlich wie der ausschließliche Verzehr von Fertignahrung, kaum zu empfehlen.

Betrachtet man sich den Menschen aus evolutionsbiologischer Sicht, dann ist der menschliche Bewegungsapperat grundsätzlich auf drei Gangarten hin optimiert. Das sind Gehen, Laufen und Sprinten. Mehr nicht. Punkt. Unter Gehen fallen dann z.B. auch so Tätigkeiten, wie Spazieren, Wandern, etc. die sich von dem Bewegungsmuster an sich aber nicht unterscheiden.
Beim Gehen berühren wir bei jedem Schritt mindestens mit einem Fuß den Boden. Um uns Fortzubewegen rollen wir dafür den Fuß von der Ferse an beginnend nach vorne ab, bevor wir ihn anheben und vor uns wieder mit der Ferse auf den Boden bringen. 

Beim Laufen gibt es dagegen eine sogenannte Flugphase. Das heißt, das während der Laufbewegung zwischenzeitlich beide Füße in der Luft sind. Die Landung des Fußes erfolgt dabei abhängig von verschiedenen Faktoren im Mittelfuß oder Vorfußbereich. 
Damit gibt es zwei deutliche Unterscheidungsmerkmale zum Gehen. (Man hat irgendwann beide Füße in der Luft und man setzt mit dem vorderen Teil des Fußes auf.)

Beim Sprinten wird die Flugphase, wo beide Füße in der Luft sind, nochmal deutlich verlängert und die Landung des Fußes erfolgt nur noch ausschließlich auf dem Vorfuß. Man gibt quasi nur noch kleine explosionsartige Impulse mit dem Fuß an den Boden ab.

Und wo passt jetzt das Joggen da rein? Ehrlich gesagt nirgendwo! Und da liegt auch das Problem.
Beim Joggen gibt es zwar eine Flugphase (die je nach Intensität mal kürzer oder länger ausfallen kann) jedoch landet der Jogger nicht wie beim Laufen auf dem Vorderfuß, sondern auf der Ferse. Hier beginnen die Schwierigkeiten. Der gesamte Fußaufbau, vom Fußgewölbe über die Sehnen bis hin zu den Zehen funktioniert wie eine Federung und damit wie eine natürliche Dämpfung. Die besitzt unsere Ferse nicht! Wer das nicht glaubt, kann gerne mal auf eigenes Risiko mit nackten Füßen auf der Stelle hochspringen und versuchen ausschließlich auf der Ferse zu landen. Landet man beim Joggen auf der Ferse lässt man die natürliche Federung des Fußes somit ungenutzt. Im Unterschied zum Gehen, wo man ja auch zunächst mit der Ferse aufsetzt, ist aber die Belastung auf den Körper beim Joggen durch die Flugphase und die anschließende Landung deutlich höher.
Die Bewegung des Joggens ist nur (schmerzfrei) möglich durch moderne Joggingschuhe, die über eine entsprechende Dämpfung bzw. Polsterung in der Sohle verfügen. Aber genauso wie Fertiggerichte sind diese Dämpfungselemente nur ein schwacher Ersatz für das Original. In dem Fall für die ausgeklügelte Federung unserer Füße. Bisher konnte KEIN Schuhersteller trotz Millardenbudget in der Entwicklung und Forschung eine einzige wissenschaftliche Studie vorzeigen, in der das Verletzungsrisiko beim Joggen oder Laufen durch seine Schuhe sinkt. Ich möchte an dieser Stelle das Thema nicht in die Länge ziehen und auch kein Coaching zur perfekten Lauftechnik geben. Dafür dürft ihr gerne mal bei der Barefootacademy in Düsseldorf vorbeischauen oder mich auch gerne mal persönlich kontaktieren. Und ich möchte auch nicht, dass ihr umgehend eure Joggingschuhe in die Tonne schmeißt um in Zukunft nur noch barfuß zu laufen. (Auch wenn ich selber ein großer Freund davon bin.)

Ich möchte jedoch kurz darauf eingehen, warum die Unterscheidung von Joggen und Laufen auch im Sprachgebrauch wichtig ist. Ich höre oft folgenden Spruch:
„Ich brauch einen bequemen Schuh, denn ich laufe viel zu Fuß.“
Mal abgesehen von der Frage die mir bei so einer Aussage immer durch den Kopf schießt („Womit laufen Sie denn, wenn sie nicht zu Fuß sind?“) müsste ich durch den verwässerten Sprachgebrauch immer genau nachfragen, was denn in diesem Fall mit „Laufen“ gemeint sei. Gehen, Laufen oder Joggen?
Möchte dieser Mensch jetzt einen Schuh für den Alltag, einen Wanderschuh oder einen Laufschuh?
Wenn ein etwas kompliziertes Beratungsgespräch das einzige Problem währe, dann währe so eine sprachliche Ungenauigkeit nicht so schlimm und würde höchstens ein paar Verkäufer nerven. Wenn man aber diverse Artikel in Zeitungen und anderen Medien über den schönsten Sport der Welt (Hallo??? Hier ist selbstverständlich das Laufen gemeint!!!) liest, dann merkt man, dass eine kleine sprachliche Ungenauigkeit ein oft falsches Bild auf diesen Sport und unsere natürliche Art der Fortbewegung wirft. Da liest man was von „ungesund“, „kaputten Knien“, „Rückenbeschwerden“, „der Mensch sei dafür nicht gemacht“, etc. Und dennoch gibt es Läufer die verletzungsfrei und scheinbar spielerisch immer wieder lange Distanzen in erstaunlichen Zeiten zurücklegen. Da passt doch was nicht zusammen?
Genau! Und was hier nicht zusammen passt ist, dass viele Leute durch die Entwicklung des modernen „Laufschuhs“ vor nicht mal 40 Jahren (eigentlich müsste es „Joggingschuh“ heißen) und dem damit verbundenen, und zugegeben gelungenen Marketing, heutzutage Laufen mit Joggen verwechseln.
Der Mensch ist trotz technischer Hilfsmittel nicht dafür entwickelt dauerhaft längere Strecken zu joggen, ohne dadurch gesundheitliche Schäden zu riskieren. 

Durch diese Ungenauigkeit, die sich mittlerweile bei vielen im Sprachgebrauch eingebürgert hat wird Laufen häufig mit den negativen, gesundheitlichen Folgen des Joggens in Verbindung gebracht. Das macht auch vor wissenschaftlichen Studien nicht unbedingt halt! Und auch beim Arzt wird bei Beschwerden dann häufig empfohlen „weniger zu laufen“ obwohl der Patient vorher nur gejoggt ist und nie richtig gelaufen. 

Die Folgen:
-Weniger Leute laufen regelmäßig oder haben es vollkommen verlernt aus Angst vor den Risiken.
-Unsere natürliche Art der Fortbewegung wird als Extrem angesehen obwohl sie eigentlich jedem Menschen zugänglich währe.
-Man vertraut sich immer mehr technischen Spielereien an die uns immer mehr von ihrer künstlichen Unterstützung abhängig machen und uns damit in einen Teufelskreis befördern.

Ich könnte hier fortsetzen, aber ich denke für den Anfang reicht das.
Ja, ich bin früher gejoggt und hatte auch die üblichen Probleme eines „Läufers“. Spaß hat es auch nur bedingt gemacht.
Aber genau so, wie ich kochen gelernt und Fertiggerichte aus dem Kühlfach verbannt habe, habe ich auch das richtige Laufen wieder gelernt. Und seitdem gibt es für mich keine schönere Art der Fortbewegung. 


Wenn ihr euch jetzt beim Lesen ertappt habt und auch bisher nur gejoggt seid und/ oder mal ausprobieren wollt, wie das mit dem richtig Laufen so geht, dann meldet euch gerne bei mir. Ich freu mich immer über etwas Gesellschaft auf den Trails!



Anmerkung des Autors (29.09.17):
Mein Beitrag sollte damit nicht negativ sein und körperliche bzw. sportliche Bewegung irgendwie schlecht machen. Im Gegenteil. Mir ging es vielmehr darum, dass den Leuten bewusst wird, dass es eben nicht egal ist, wie man läuft, sondern dass es neben Kondition und Schnelligkeit auch auf eine gute Lauftechnik ankommt. In jedem Fitnessstudio wird man korrigiert damit man sich keine Verletzungen zuzieht. Radler arbeiten am runden Tritt und an ihrer aerodynamischen Haltung. Bevor man als Schwimmer überhaupt an längere Strecken denkt wird man noch in der Schule auf die richtige Technik getrimmt. Aber welcher Läufer kennt und betreibt denn heute noch ein Lauf-ABC? Selbst wenn man nicht im Geheimen den Wunsch hegt, die 2 Stunden Marke im Marathon zu knacken, schadet das Erlernen einer sauberen Lauftechnik nicht. Im Gegenteil! Man wird feststellen, dass man entspannter und verletzungsärmer unterwegs ist. Und wer doch irgendwelche Bestzeitambitionen hegt, kann durch eine effizientere Technik auch schneller und ausdauernder werden.

Ich habe in diesem Artikel bewusst auf eine längere, ausführliche Herleitung der verschiedenen Begriffe verzichtet. Ich beziehe mich hier wie gesagt nicht auf die heutige Verwendung des Begriffes "Joggen", der ja selbst in Läuferkreisen nicht eindeutig festgelegt ist (z.B. was bedeutet "gemütliches" oder langsames Laufen? Ab wann läuft man schnell?), sondern auf die wissenschaftlich eindeutig definierten Gangarten sowie den, auf die sportliche Aktivität bezogenen, sprachlichen Ursprung der 60/70 Jahre (Lydiard) der Anfang der 80er durch Bowermann und Nike Verbreitung gefunden hat. Dabei wird sowohl bei Lydiard wie Bowermann grundsätzlich Joggen als langsame/ aerobe Grundlage bzw. alternative Trainingsmethode für Läufer bezeichnet. Von daher stimmt natürlich auch die Aussage, dass Joggen quasi gemütliches Laufen ist. Jedoch haben beide Autoren auch die Technik des Joggens beschrieben! Diese unterscheidet sich deutlich von der des Laufens. Insbesondere wird hier das Abrollen über die Ferse, was angeblich die Belastung auf die Gelenke reduzieren soll, betont. Diese Belastungsreduktion auf die Ferse gilt mittlerweile allerdings als widerlegt und in diversen Studien konnte nachgewiesen werden, dass besagte Joggingtechnik sogar den Belastungsstoß erhöht.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Packliste für Trekking in Ladakh und Zanskar #HimalaYak2017

Nur noch wenige Tage, dann geht es für uns los Richtung Indien. Die Visa sind mittlerweile angekommen und unser Impfmarathon ist auch soweit durch. Hier zu hause stapeln sich diverse Packete und Packsäcke mit Verpflegung und Ausrüstung. Damit wir am Ende nichts wichtiges vergessen oder viel zu viel mitschleppen haben wir uns natürlich im Vorfeld ausgiebig Gedanken gemacht und verschiedene Optionen durchgespielt. Herausgekommen ist eine recht praktikable Packliste. Zugegeben, wir waren schon mal deutlich leichter unterwegs. Bis zum eigentlichen Beginn unserer Reise wird sich bestimmt auch noch das ein oder andere Detail ändern. Aber im großen und Ganzen ist das die Ausrüstung die uns ins Himalaya begleiten wird.

Bevor ich jetzt hier sozusagen den Rucksack auspacke, vorab noch ein paar Informationen zu den Rahmenbedingungen. Klimatisch können die Regionen Ladakh und Zanskar als Hochwüsten eingestuft werden. D.h. tagsüber erwarten wir um die 40° C während es nachts bis auf 0° C abkühlt. Dabei ist das Klima in Ladakh trockener wie das in der Sahara. Problematisch sind dabei nicht die Temperaturen an sich, sondern vielmehr die große Temperaturspanne. D.h. die Temperaturen werden sich extremer anfühlen, wenn sie sich innerhalb eines Tages um gut 40°C verändern.

Wir verbringen die ersten Tage in der Stadt Leh auf und seiner Umgebung um uns zu akklimatisieren. Danach werden wir rund 2 Wochen zu Fuß unterwegs sein, wobei die Pässe auf Teils 5500m hoch gehen. Wir haben uns noch einen gewissen zeitlichen Puffer eingeplant um spontan die Tour zu verlängern oder auf eine andere Route auszuweichen. Im Anschluss an unsere Trekkingtour in Ladakh und Zanskar werden wir noch für ein paar Tage in Delhi Zwischenstation machen. Dort ist dann die Hochzeit des Monsun. Nach dem trockenen Klima in den Bergen erwartet uns dann da eine schwül-warme Hitze mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Auf der Tour werden wir unsere Ausrüstung und Verpflegung selber tragen, sind also ohne organisierte Gruppe unterwegs. Die gemeinsam genutzte Ausrüstung (Zelt, Küche, etc.) und auch die Abendverpflegung werde ich dabei transportieren. In Rikes Rucksack wird sie ihre persönliche Ausrüstung tragen, sowie die Dinge auf die wir unterwegs schneller dran kommen wollen, da ihr Rucksack (OMM Classic Marathon 32) einen einfacheren Zugang bietet. Aus kulturellen Gründen werden wir unterwegs nur lange Hosen tragen. Wenn wir vor Ort unsere Informationen ergänzt haben, werden wir versuchen unsere Ausrüstung noch kurzfristig anzupassen und nicht benötigtes irgendwo zwischenzulagern.

Für die Packliste habe ich das übrigens das kostenlose Online-Tool LighterPack genutzt. Fehlende Gewichte werden wir nach und nach noch ergänzen. Auch wenn sich noch etwas an unserer Ausrüstung ändert, werden wir die Packliste entsprechend aktualisieren.




Wenn ihr noch Fragen oder Anregungen zu unserer Liste oder unserer Tour habt, dann immer her damit!
Neben unserem Blog erreicht ihr uns auch auf Twitter unter @Beuteltiere oder neuerdings auch auf Facebook unter Die Beuteltiere. Für Aktuelles zu unserer Tourenplanung folgt einfach dem Hashtag #HimalaYak2017

Montag, 5. Juni 2017

Training für #HimalaYak2017

Wenn man jemandem erzählt, dass man für seinen Urlaub noch trainieren muss, wird man, wohl zurecht etwas komisch angeguckt. Urlaub bedeutet für die meisten Entspannung und da passt der Gedanke an einen Trainingsplan irgendwie nicht so richtig.
In diesem Sommer geht es für uns nach Ladakh und Zanskar. Eine Region im Himalaya, die vor allem durch ihren Mangel an weißen Sandstränden, Palmen und all-inclusive Hotelanlagen glänzt. Stattdessen erwarten uns schroffe und steinige Pfade, dünne Höhenluft und erfrischend wenig Infrastruktur. Damit sich unsere Tour in dieser Ecke der Welt nicht nur wie Schinderei anfühlt, sondern wir diesen Urlaub auch als solchen genießen können, ist eine gewisse körperliche Fitness klar von Vorteil.
Zu unserem Alltag gehört es leider nicht, täglich mehrere Kilo Gepäck tausende Höhenmeter durch Gebirge zu schleppen. Es besteht damit also durchaus eine Diskrepanz zwischen unserem momentanen Zustand und dem, den wir für Ladakh gerne hätten. Also auf ins Training!

Der Trainingplan


Ehrlich gesagt sind wir beide keine allzu großen Freunde von strengen Trainingsplänen. Man wird uns wohl auch nicht dabei erwischen, wie wir eine Stunde früher aufstehen um noch ein paar extra Kilometer zu drehen. Um uns vorzubereiten versuchen wir daher so viel es geht von unserem „Training“ mit in unseren Alltag zu integrieren.

Wenn man sich auf eine körperliche Herausforderung vorbereiten möchte, hilft es immer zu überlegen, wo man hin will (bzw. welche Anforderungen man erfüllen möchte) und wo man gerade steht.
Für unsere geplante Tour gibt es mehrere Faktoren:
-lange, teils sehr steile Tagesetappen
-schweres Gepäck
-Höhenluft
-Klima

Daraus lassen sich schon relativ einfach unsere Trainingsschwerpunkte ableiten:
-Ausdauer/ Kondition
-Kraft
-Kreislauf

Ausdauer/ Kondition


Glücklicherweise starten wir beide nicht bei Null. Grundsätzlich haben wir durch unsere jahrelangen Touren eine gewisse Grundfitness was Wanderungen angeht. Daneben sind wir beide sportlich aktiv, auch wenn jeder von uns da seine eigenen Vorlieben hat. Während ich mich lieber laufend fortbewege um mich auf den heimischen Trails schmutzig zu machen verbringt Rike die Zeit lieber auf ihrem Randonneur oder beim Indoor-Cycling. 
Nachdem ich meinem eigenen Fahrrad nun endlich mal einen gescheiten Sattel spendiert habe, machen mir aber nun auch die gemeinsamen Ausritte deutlich mehr Spaß. Rike und ich versuchen, wenn es zeitlich passt, in der Woche immer ein paar Stunden auf dem Rad zu verbringen. Rein konditionell sind wir also schon auf dem richtigen Weg.
Da Laufen und Radfahren allerdings andere Muskelgruppen beansprucht wie Wandern, ist es unser Plan die Wochenenden für ausgedehnte Tagestouren zu nutzen.



Zumindest ich kann auch einiges an “Training” in den Alltag integrieren. Da ich neben öffentlichen Verkehrsmitteln auch ein gutes Stück zu Fuß pendle, lege ich allein hier täglich rund 10–16 Kilometer zurück. Um uns aber ein messbares Trainingsziel zu setzen, haben wir uns kurzerhand noch für eine 100km Wanderung im Juli angemeldet. Mit genug Regenerationszeit dazwischen bis zu unserer großen Tour ist es einerseits ein Referenzpunkt und ein weiterer Motivationspunkt für unser Training. Mal gucken wie gut zu Fuß wir am Ende sein werden.


Krafttraining


Die zweite Baustelle ist das Krafttraining. Dabei setzen wir mehr auf funktionale Fitness statt auf typisches Gewichte stemmen das eher zum Training einzelner Muskelgruppen dient.

Yoga-Übungen lassen sich auch unterwegs praktizieren

Entsprechende Yoga-Übungen sind Grundlage für unser Stabi-Training. Das Ganze wird durch regelmäßiges Bouldern ergänzt, was alle Muskelgruppen gleichermaßen fordert und uns gleichzeitig auf eventuelle knifflige Passagen auf unserer Tour vorbereitet.
Ein spezifisches Training, sprich das Tragen von Gepäck, lässt sich recht simpel in den Alltag integrieren. Einkäufe werden grundsätzlich mit dem Rucksack und zu Fuß erledigt. Und entgegen meiner sonst üblichen Grammzählerei sortiere ich meinen Pendler-Rucksack nicht regelmäßig aus und packe zusätzlich noch ein paar Flaschen Wasser extra mit ein. So kann ich meine Schulterpartie zumindest ansatzweise wieder an größere Lasten gewöhnen.

Kreislauf/ Höhentraining


Der letzte Punkt, sprich die Akklimatisierung an die Höhe ist einerseits sehr wichtig für den Erfolg der Tour andererseits aber auch recht komplex.
Ab einer gewissen Höhe besteht die Gefahr der Höhenkrankheit. Es gibt Medikamente, die von manchen Menschen auch prophylaktisch eingenommen werden, was jedoch äußerst fragwürdig ist, da diese Medikamente in aller Regel nur die Symptome aber nicht die Ursache bekämpfen. Auch die eigentliche Anpassung an die Höhe kann nur unter ähnlichen Bedingungen, sprich bei reduziertem Luftdruck und entsprechend langem Aufenthalt in dieser Umgebung erfolgen.
Es gibt durchaus die Möglichkeit sich in entsprechenden Druckkammern vorzubereiten. Allerdings sind wir ja zum Wandern dort und nicht zum Höhenbergsteigen. Unser Zeitplan vor Ort ist auch recht flexibel. Man muss es also nicht gleich übertreiben. Die eigentliche Akklimatisierung wird also vor Ort erfolgen.
Grundsätzlich gibt es wohl keinen Unterschied zwischen trainierten und untrainierten Menschen ob man an der Höhenkrankheit erkrankt oder nicht. Allerdings fällt es einem trainierten Menschen deutlich leichter sich zu akklimatisieren wodurch auch das Erkrankungsrisiko sinkt. Trainiert bedeutet in diesem Fall ein möglichst belastbares Herz-Kreislaufsystem.
Einfach gesagt, je stärker die Pumpe ist umso einfacher fällt es ihr das durch den Akklimatisierungsprozess dickere Blut zu befördern.

Um das Herz zu trainieren ist grundsätzlich erstmal jede Art von Sport geeignet. Ein entsprechendes Intervalltraining ist aber spezifischer und bringt so auch einen höheren Trainingseffekt mit sich.


Rike ist hier durch intensives Spinning mehrmals pro Woche bereits gut aufgestellt. Mir als Trailrunner fällt es relativ leicht, meine regelmäßigen Laufrunden durch entsprechende Bergintervalle und Sprints anzupassen. Um einen Überblick über unsere Fortschritte in diesem Bereich zu behalten und das Training notfalls entsprechend anzupassen nutzen wir beide Pulsuhren. Während ich mit meiner Fenix 3 recht verwöhnt bin greift Rike noch auf ein Garmin Vivofit HR zurück. Bei schnellen Intervallwechseln kommt allerdings der integrierte Sensor an seine Grenzen und man merkt deutliche Messunterschiede zu einem guten Pulsgurt. Das ist ein Bereich wo wir vielleicht noch mal nachrüsten werden.
Natürlich könnte man auch rein nach Gefühl trainieren, was ich auch grundsätzlich befürworte. Um jedoch der Gefahr vorzubeugen sich durch zu schwache Trainingsreize oder immer gleiches Training auf einem Leistungsniveau festzufahren kann eine objektive Messung einer Pulsuhr eine gute Hilfe sein.

Regeneration


Wenn man das jetzt so alles liest, könnte man leicht den Eindruck bekommen wir würden nur noch rund um die Uhr mit irgendwelchen Gewichten durch die Gegend hetzen. Dem ist natürlich nicht so.

Jeder, der etwas von Trainingslehre versteht weiß, dass Regeneration ebenso wichtig ist wie das eigentliche Training. Wir haben also durchaus Tage wo wir nichts machen, bzw. nur eine Runde entspanntes Yoga. Und in aller Regel wechselt unser Konditionstraining sich auch immer mit unserem Stabitraining und dem Krafttraining ab. Das beugt einseitigen Trainingsreizen und einem Übertraining vor.

Wenn also alles nach Plan verläuft sollten wir im August zumindest körperlich gut für unsere Tour nach Ladakh und Zanskar vorbereit sein.



Montag, 22. Mai 2017

Was ich vom #SympatexHackathon mitgenommen habe

Vor kurzem wurde ich vom Outdoor Blogger Network und Sympatex dazu eingeladen mittels Twitter live über den #SympatexHackathon zu berichten. Bei diesem Hackathon sollte zusammen mit ein paar anderen Outdoorbloggern, dem Extrembergsteiger & Greenpeace-Aktivisten David Bacci, dem Designer Joe Sticker und dem Team von Sympatex eine neue Outdoorjacke entworfen werden. Der Fokus stand dabei nicht auf einer Jacke die mit unnötigen Gimmicks überladen ist, sondern in einem möglichst zuverlässigen und nachhaltigen Produkt. Das Ergebnis dieses 2-tägigen Workshops wird dann auf der kommenden Outdoormesse in Friedrichshafen vorgestellt. Ich bin selber schon sehr gespannt drauf, wenn das fertige Produkt am Ende präsentiert wird.
Wie gesagt, über den Workshop habe ich bereits auf Twitter einige Eindrücke geteilt. Und es werden mit Sicherheit einige Berichte auf anderen Blogs veröffentlicht, die über dieses Treffen berichten werden. Die entsprechenden Artikel werde ich dann hier verlinken. Ich möchte an dieser Stelle nur kurz darauf eingehen, was ich von diesem Treffen mitgenommen habe. Und das meine ich wörtlich. Denn netterweise hat Sympatex uns Arbeitsmaterial für den Hackathon zur Verfügung gestellt. Unter anderem einen Notizblock und einen Kugelschreiber.

Die wenigsten von uns benutzen vermutlich noch den selben Stift mit dem sie in der Schule das Schreiben gelernt haben. Vielleicht hat man sich in der Zwischenzeit mal das ein oder andere edlere Modell gegönnt. Oder man greift auf die üblichen Werbegeschenke zurück die man irgendwann mal bekommen hat. So oder so zeichnet sich irgendwann meist ein Favourit heraus. In meinem Fall handelte es sich um ein schlichtes, graues Exemplar mit einem wie ich finde recht ästhethischen Design.



Ich habe ihn damals auf einem Kinoabend der European Outdoor Film Tour bekommen. Der Stift lag gut in der Hand und lieferte ein angenehmes Schriftbild. Er machte damit genau das was er sollte. Was mich zudem sehr begeisterte, war die lange Lebensdauer der Mine. Oft sind solche Stifte ja immer gerade dann leer, wenn man sie dringend braucht. Dieser aber zeichnete sich durch seine enorme Zuverlässigkeit aus. Und obwohl ich ihn eigentlich täglich benutzte war es vermutlich der Stift, der am längsten gehalten hat. Aber Wunder kann man auch hier nicht erwarten. Wir reden hier immerhin von einem normalen Kugelschreiber. Zu meinem Bedauern musste ich dann leider feststellen, dass das Gehäuse des Stiftes fest verbaut war und man die Mine nicht einfach tauschen konnte. Leider war er so jetzt ein Fall für die Tonne. Aber wo packt man den dann rein? In den Plastikmüll? Aber sind da nicht auch Metallteile drin? So einfach zerlegen lässt er sich ja nicht. Und die Einzelteile könnte ich so auch kaum wiederverwenden. Also bleibt mir nix anderes als in den Restmüll damit und die in dem Stift enthaltenen Wertstoffe einem möglichen Recyclingprozess entziehen. Schade.

Auf dem SympatexHackathon habe ich nun einen neuen Kugelschreiber bekommen. Von der Form her ähnelt er doch sehr meinem alten und er liegt auch ähnlich gut in der Hand. Auch das Schriftbild hat mich gleich überzeugt. Im Gegensatz zu meinem alten Stift ist dieser in einem hellen beige gehalten.


Bei genauerem Hinsehen erkennt man einen kleinen Schriftzug, "Biotic Pen". Schnell mal Google gefragt, was es damit auf sich hat:

"Prodir Schreibgeräte zeichnen sich durch hohe Akzeptanz und lange Lebensdauer aus. Entscheidende Faktoren für ihre gute Umweltbilanz. Wer darüber hinaus umweltfreundliche Materialien sucht, bekommt den DS3 jetzt als Biotic Pen. Gehäuse und Mechanismus werden aus nachwachsenden Rohstoffen (PLA) gefertigt. Der verwendete Werkstoff ist nach EN 13432 zu 100% biologisch abbaubar. Für die Gesamtbilanz des Kugelschreibers inklusive Mine und Feder bedeutet das eine Kompostierbarkeit von 80%."
(Quelle: www.prodir.com)

Also kein gewöhnliches Plastik! Das klingt doch recht sympatisch. Jetzt bin ich nur mal gespannt, wie lange die Mine hält, bevor ich den Stift entsorgen muss.  Aber moment mal. Ich kann bei diesem hier die Mine gegen eine Neue austauschen! Scheint also so, als ob dieser Stift mich noch eine ganze Weile länger begleiten wird.


Was hat jetzt ein Artikel über einen haushaltsüblichen Kugelschreiber auf einem Outdoorblog zu suchen? Das ist eine Frage die ich an dieser Stelle offen lassen möchte...

Disclaimer: Ich wurde vom Ooutdoorbloggernetwork und von Sympatex engagiert um auf Twitter live über Hackathon zu berichten. Die teilnahme an dem Event war für mich kostenfrei und ich habe dafür eine Aufwandtsentschädigung erhalten. Dieser Blogbericht ist unabhängig davon aus eigenem Interesse entstanden. Ich war zu keiner Zeit dazu verpflichtet eine irgend vorgefertigte Meinung zu veröffentlichen. Der Inhalt dieses Artikels spiegelt lediglich meine eigene Meinung wieder.



Freitag, 28. April 2017

Rucksackplanung #HimalaYak2017

Der erste Packlistenentwurf für unsere Tour nach Ladakh und Zanskar steht. Auch wenn es noch nicht mehr wie ein Entwurf ist liefert er uns schonmal eine gute Planungsgrundlage und zeigt uns ein paar Baustellen auf.



Etwas neue Ausrüstung hat sogar schon den Weg zu uns gefunden. Eine kleine, 33 Gramm schwere Ladeschale für unsere Kameraakkus, die über einen Mini-USB Anschluss betrieben wird. Mit insgesamt 3 Akkus und der Möglichkeit diese nun auch unabhängig von einem Stromnetz zu laden sollte unsere Panasonic GF2 zumindest in dieser Hinsicht gut versorgt sein.



Aber wir währen nicht die Beuteltiere, wenn nicht unsere Beutel, äh unsere Rucksäcke einen besonderen Stellenwert in unserem Tourenleben hätten. Damit steht auch die Überlegung an, welche Packs uns in den Himalaya begleiten werden.
Grundsätzlich sind wir ja der Meinung, dass ein Rucksack immer das letzte Ausrüstungsteil in der Liste ist und man sich zunächst um die übrige Ausrüstung  kümmern sollte. Dann kennt man auch zweifelsfrei das benötigte Volumen und eventuelle sonstige Anforderungen für die Rucksackwahl.

Anhand unseres Packlistenentwurfs für #HimalaYak2017 können wir aber schon jetzt ziemlich genau sagen, was wir für Anforderungen an unsere Rucksäcke stellen.
Wir werden eine ähnliche Strategie fahren wie bei unserer Tour auf dem GR20 in Korsika. Soll heißen, wir teilen die Ausrüstung nicht 50:50 auf, sondern orientieren uns vielmehr an der Funktion. Ich werde die großvolumige Ausrüstung für die Nachtlager (Zelt, Quilt, Isomaten, Kochsystem) und den Hauptteil der Verbrauchsgüter transportieren, während Rike in ihrem Rucksack die Sachen hat, die wir über Tag regelmäßig nutzen (warme Jacken, Regenkleidung, Kamera, Snacks, etc.). Das hat für uns bisher gut funktioniert. 
Vom Volumen her werde ich dabei bei 45-60 Liter landen und bei höchster Beladung (volle Verpflegung und Wasser) maximal 14-15 Kilo auf den Schultern haben. Das Baseweight liegt mit grob überschlagenen 6Kg aber deutlich darunter, so dass ich nicht die ganze Zeit als Schwerlasttransporter in der Gegend rumstapfe.
Aufgrund unserer Gepäckverteilung würde Rike mit einem deutlich kleineren Rucksack mit etwa 25-35 Liter zurechtkommen. Das Baseweight wird 3 Kilo vermutlich nicht überschreiten.

Lässt man mal die kürzeren Wanderungen außer acht, hat sich seit unserer letzten großen Tour allerdings einiges an unserer Ausrüstung und unseren Vorlieben verändert.
Ein kritischer Punkt war der Umstieg von selbstaufblasenden Isomatten zu isolierten Luftmatrazen. Auch wenn dadurch das Gewicht konstant geblieben ist, das Packvolumen abgenommen hat und nicht zuletzt der Schlafkomfort gestiegen ist, gibt es doch einen deutlichen Nachteil: Sie funktionieren nicht mehr als integraler Bestandteil unserer Tragesysteme im Rucksack. Da wir in den letzten Jahren ausschließlich auf gestelllose Rucksäcke gesetzt haben, haben wir nun ein Problem. Auf unserer Tour durch die South Downs haben wir das leider ziemlich deutlich gemerkt und dort hatten wir verglichen mit Ladak eine wesentlich leichtere Ausrüstung dabei. 
Mit dem Gepäck, das wir transportieren werden ist ein vernünftiges Tragesystem mit Hüftgurt für uns beide daher essentiell. Bei mir liegt die Toleranz, wieviel Gewicht ausschließlich auf den Schultern getragen werden kann höher, womit ein gutes Tragesystem um die Schultern zu entlasten für Rike wichtiger ist wie für mich. 
Mit dem Alter kommen aber auch die Wehwechen und man lernt auf seinen Körper zu hören. So bereitet mir ein allzu steifer Hüftgurt, insbesondere mit einem ausgeprägtem Lumbarpad auf Dauer Probleme. Das gleiche gilt für Schultergurte die nicht gut belüftet sind. Durch den Wärmestau darunter neige ich sonst leicht zu wunden Stellen. (Höre ich hier ein leises #mimimimi ?)


Unsere bisherige Recherche hat ein paar mögliche Kandidaten gefunden. Meiner Vorstellung eines geeigneten Modells würde zur Zeit ein Rucksack in der Art des MyTrail Backpack Light 70L am nächsten kommen. Die Modelle von ÜLA währen auch interessant, jedoch hab ich bisher keine Erfahrung mit den Hüftgurten und gefühlt haben die mir zuviel Firlefanz verbaut. Die gute Komprimierbarkeit des MyTrail währe ein großer Vorteil, da unsere Verpflegung einen wesentlichen Teil des Packvolumens ausmacht und dieses dadurch mit der Zeit stark schwankt. Und auch wenn der Nachfolger des ultraleicht Klassikers, GoLite Jam, technisch etwas veraltet wirkt, macht er zumindest auf dem Papier auf mich einen guten Eindruck. Es gibt wohl Rucksäcke mit effizienterem Tragesystem, aber durch den Umstieg von Rucksäcken ohne jegliches Tragegestell sollte dieses meinen Ansprüchen vermutlich genügen.

Für Rike hatte ich zunächst an ein Modell wie den OMM Classic Marathon 32 gedacht, der sowohl über die passende Rückenlänge wie auch einen meiner Meinung nach ausreichend guten Hüftgurt verfügt. Ob die integrierte OMM Duomat aber als Tragesystem für sie ausreichend währe, ist eine andere Frage.
Die von uns präferierte Ausstattung mit seitlichen Taschen und großem Frontnetz währen aber in jedem Fall vorhanden. Und der Rucksack würde später mit Sicherheit auch von mir auf ausgedehnteren Läufen genutzt werden können. Alternativ gäbe es den Mammut Lithium Light in der 35 Liter Version. auch wenn der Hüftgurt hier sogar noch flexibler ist, lastet er doch aufgrund des integrierten Tragegestells gut auf die Hüfte ab. Allerdings wiegt er dadurch auch mehr wie der OMM Classic. 

Die Entscheidung welche Packs den Weg auf unsere Rücken finden werden ist noch nicht endgültig abgeschlossen. Vielleicht wird uns ja doch eines unserer alten Schätzchen in irgend einer Form begleiten. Über die weitere Planung unserer Tour nach Ladak werden wir Euch auf dem Laufenden halten. Über Ideen und Vorschläge von Euch freuen wir uns natürlich auch.

Samstag, 22. April 2017

South Downs Way


Manchmal braucht man einfach eine Auszeit, auch wenn sie noch so kurz ist. Als sich für uns spontan ein Zeitfenster ergeben hat haben wir daher umgehend die Gelegenheit genutzt, einen Last-Minute-Flug gebucht und sind los. Normalerweise würden wir solche Ausreißer eher irgendwo in der Nähe machen. Aber manchmal packt es einen einfach und Reisende soll man ja bekanntlich nicht aufhalten.
Mit dem Flieger ging es zunächst nach London wo wir noch eine Ausstellung besuchten, bevor wir uns ausgiebiger die Beine in den South Downs vertreten wollten. Neben dem Hunger nach Frischluft sollte nämlich auch unser kultureller Appetit gestillt werden.
Den Tipp mit den South Downs haben wir einigen britischen Bekannten auf Twitter zu verdanken. Anregungen und Ideen wo man spontan eine kurze Tour unternehmen könnte gab es viele. Schlußendlich haben wir uns aber aus logistischen Gründen für die South Downs entschieden und nach dem Zwischenstop in London war es erfreulich einfach sich in den nächsten Bus zu setzen und raus aufs Land zu fahren.

Nach relativ kurzer Fahrt gelangten wir so zu dem beschaulichen Städtchen Winchester, das im 10./11. Jahrhundert noch England als Hauptstadt gedient hatte. Von dort ging es in südöstlicher Richtung entlang des South Downs durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend die uns stark an die Eifel erinnerte. Auch wenn hier deutlich mehr Fasane unterwegs waren wie daheim. Die South Downs sind geprägt durch unzählige Feuersteine, die nicht nur die Wanderwege und Felder bedecken, sondern auch die Mauern und Wände der Häuser.
Das Wetter meinte es gut mit uns und es dauerte nicht lange und die Hose wurde hochgekrempelt. Ab und an wurden wir von den obligatorischen Schafen angeblökt.

Und auch das ein oder andere Eichhörnchen ließ sich blicken. Insgesamt schien überall um uns herum geschäftiges Treiben und man merkte, dass der Frühling die Tiere zur Aktivität trieb. Am späten Nachmittag nutzten wir die Gelegenheit um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Und auch wenn natürliche Wasserquellen in den South Downs rar sind, finden sich doch regelmäßig ausgewiesene Wasserhähne für Wanderer und natürlich auch der ein oder andere Pub entlang des Weges. Aber auch so ein Tag geht mal zu Ende und so verbrachten wir die erste Nacht auf einem bewaldeten Hügel unweit des Weges. Im Schutz eines großen Baumes schlugen wir unser Tarp zum ersten mal auf und genossen es wieder mal im Freien zu schlafen.

An Morgen gab es erstmal ein kleines Frühstück im Bett. Unser Esbit-Kocher versorgte uns mit einer Portion Porridge zum warm werden bevor wir aus unserem Quilt krochen. Wenn wir draußen schlafen sind wir meistens schon recht früh auf, weil wir von den ersten Sonnenstrahlen und den Tieren geweckt werden. Der Pub, den wir in Hoffnung auf eine große Kanne Tee ansteuerten, hatte leider noch geschlossen. Dafür bescherte uns dann ein kleiner Laden im nächsten Dorf ein zweites Frühstück.

So gestärkt ging es für uns zunächst immer weiter Richtung Südosten. Auf dem South Downs Way waren gefühlt mehr Radler auf ihren Mountainbikes unterwegs wie Wanderer. Aber auch den ein oder anderen Tagesausflügler trafen wir unterwegs, gab es doch einige schöne Ziele entlang des Weges die aus der Umgebung gut zu erreichen waren.
Auf der Karte hatten wir bereits mögliche Orte für unser Nachtlager rausgesucht und am Abend hielten wir dann die Augen für einen geeigneten Platz auf. Rike sammelte derweil frischen Bärlauch um unser Abendessen etwas aufzupeppen. Wer konnte auch ahnen, dass wir bei unserer Suche nach einem Nachtlager schließlich in einem weit ausladenden Bärlauchfeld landen würden?

Der nächste Morgen begrüßte uns mit seinen warmen Sonnenstrahlen. Auch wenn wir die Wanderung auf dem South Downs Way bisher genossen haben rief uns aber irgendwie bereits das Meer und so beschlossen wir einen kleinen Umweg über Brighton zu machen. Der englische Badeort Brighton der mit seinem weit ins Meer herausragenden Pier und historischen Gebäuden wie aus einer anderen Zeit wirkt, ist ein wahrer Magnet für Besucher aus aller Welt. Mit seinen Touristen und den Attraktionen ein deutlicher Kontrast zu dem bisher eher ruhigen South Downs Way. Und so haben wir diesen kleinen Abstecher zwar genossen, waren dann aber auch froh, als wir hinter Brighton wieder auf den South Downs Way trafen. Die Landschaft hatte sich zwischenzeitlich komplett gewandelt. Weit gestreckte, baumlose Hügel lagen nun vor uns. Und rechter Hand konnte man die weißen Klippen und das Meer sehen.
Wir haben ihnen die Hälfte unseres Proviants  angeboten, aber sie wollten uns trotzdem nicht tragen.

In der Morgendämmerung begannen wir unseren letzten Tag auf dem South Downs Way. Während im nächsten Dorf noch alles schlief stapften wir bereits die ersten Hügel hoch. Mit dem Frühstück warteten wir bis wir aus einem Wald heraus auf eine hoch gelegene Wiese traten von der wir aus das Meer und den Beginn der Seven Sisters sehen konnten. Und so knabberten wir unseren Proviant in der Sonne bei perfekter Aussicht, während um uns herum noch ganz junge Kaninchen aus ihren Bauten rein- und rausflitzten.

Die Klippen der Seven Sisters waren einerseits der beeindruckendste Abschnitt des Weges, wie auch leider der vollste, woran wohl auch nicht zuletzt das gute Wetter Schuld war. Ich muss zugeben, dass ich doch auch recht neidisch war auf die vielen Läufer, die hier so tolle Strecken zum Spielen und Austoben haben.

Nach einem langen und sonnigen Tag ging dann unsere kurze “Flucht” nach England in Eastbourne zuende. Mit dem nächsten Zug ging es nach London und ein Flieger brachte uns von einer überraschend warmen und sonnigen Insel in ein verregnetes und viel zu kaltes Deutschland.


Für die Gearnerds unter Euch und für diejenigen, die eventuell mal etwas Ähnliches vor haben, kommen jetzt noch ein paar unserer Eindrücke und Anregungen.

Der South Downs Way war sehr gut ausgeschildert und ist insgesamt recht unkompliziert. Alle Nase lang kommt man durch eine kleine Siedlung. In regelmäßigen Abständen finden sich Pubs, Cafes, Restaurants oder kleine Läden. Und die Verkehrsanbindung ist zumindest an den Start-, bzw. Endpunkten auch sehr gut. Der Anschluss von bzw. nach London braucht je nach Verkehrsanbindung zwischen 1–2 Stunden. Fast der gesamte Weg ist auch mit dem Fahrrad möglich, bzw. die wenigen Stellen wo er nicht befahrbar ist gibt es entsprechende Alternativrouten. Wildzelten ist wie gesagt eigentlich nicht gestattet. Auf der Webseite des Weges gibt es aber eine recht umfassende Liste mit offiziellen Campingplätzen sowie Hostels und anderen Unterkünften. Man könnte den Weg also auch nur mit der Zahnbürste in der Hemdtasche als Gepäck laufen und auf feste Unterkünfte und Gaststätten setzen. Insgesamt also perfekt wenn man eine kurze entspannte Tour ohne viel Vorbereitung plant. Ob das Wetter dabei immer so mitspielt wie bei uns möchte ich aber nicht versprechen. ;-)

Eine solche Tour erfordert eigentlich nur minimales Gepäck und so verzichteten wir darauf Gepäck aufzugeben und sind mit Handgepäck los.
Grundsätzlich ja keine Herausforderung. Wenn man aber an eine Wanderung mit Übernachtung im Freien denkt, finden sich doch einige typische Ausrüstungsteile auf der Liste der verbotenen Dinge für Handgepäck wieder. Neben dem offensichtlichen Taschenmesser bereiten einem je nach Fluglinie und Laune des Sicherheitspersonals auch Heringe und Trekkingstöcke mit ihren Spitzen ein paar Probleme. Über die Thematik nur mit Handgepäck zu reisen hatte ich vor längerer Zeit schonmal einen Themenfaden im Ultraleicht-Forum gestartet. Einige der Ideen konnten wir nun auf dieser Tour gut nutzen.
Nur im Biwaksack übernachten wollten wir z.B. nicht unbedingt. Also packten wir für unser Tarp ein paar leichte, faltbare Tarpstangen ein und statt Heringen setzten wir auf Chinesische Essstäbchen aus Bambus. Klingt radikal, funktionierte aber erstaunlich gut.

Ein Schneidwerkzeug ließen wir gleich ganz zu hause. Pflaster und Reparaturklebeband war vorgeschnitten und um Porridge aus einem Ziplockbeutel zu futtern reicht ein Löffel. Beim Kochen setzten wir auf einen kleinen Esbitkocher der auch für Mengen von zwei Personen noch überraschend effizient funktionierte.

Wenn ihr weitere Fragen zu unserer Ausrüstung oder auch zu unserem Kurztrip habt, hinterlasst doch einfach einen Kommentar hier im Blog oder schreibt uns auf Twitter.