Montag, 22. Mai 2017

Was ich vom #SympatexHackathon mitgenommen habe

Vor kurzem wurde ich vom Outdoor Blogger Network und Sympatex dazu eingeladen mittels Twitter live über den #SympatexHackathon zu berichten. Bei diesem Hackathon sollte zusammen mit ein paar anderen Outdoorbloggern, dem Extrembergsteiger & Greenpeace-Aktivisten David Bacci, dem Designer Joe Sticker und dem Team von Sympatex eine neue Outdoorjacke entworfen werden. Der Fokus stand dabei nicht auf einer Jacke die mit unnötigen Gimmicks überladen ist, sondern in einem möglichst zuverlässigen und nachhaltigen Produkt. Das Ergebnis dieses 2-tägigen Workshops wird dann auf der kommenden Outdoormesse in Friedrichshafen vorgestellt. Ich bin selber schon sehr gespannt drauf, wenn das fertige Produkt am Ende präsentiert wird.
Wie gesagt, über den Workshop habe ich bereits auf Twitter einige Eindrücke geteilt. Und es werden mit Sicherheit einige Berichte auf anderen Blogs veröffentlicht, die über dieses Treffen berichten werden. Die entsprechenden Artikel werde ich dann hier verlinken. Ich möchte an dieser Stelle nur kurz darauf eingehen, was ich von diesem Treffen mitgenommen habe. Und das meine ich wörtlich. Denn netterweise hat Sympatex uns Arbeitsmaterial für den Hackathon zur Verfügung gestellt. Unter anderem einen Notizblock und einen Kugelschreiber.

Die wenigsten von uns benutzen vermutlich noch den selben Stift mit dem sie in der Schule das Schreiben gelernt haben. Vielleicht hat man sich in der Zwischenzeit mal das ein oder andere edlere Modell gegönnt. Oder man greift auf die üblichen Werbegeschenke zurück die man irgendwann mal bekommen hat. So oder so zeichnet sich irgendwann meist ein Favourit heraus. In meinem Fall handelte es sich um ein schlichtes, graues Exemplar mit einem wie ich finde recht ästhethischen Design.



Ich habe ihn damals auf einem Kinoabend der European Outdoor Film Tour bekommen. Der Stift lag gut in der Hand und lieferte ein angenehmes Schriftbild. Er machte damit genau das was er sollte. Was mich zudem sehr begeisterte, war die lange Lebensdauer der Mine. Oft sind solche Stifte ja immer gerade dann leer, wenn man sie dringend braucht. Dieser aber zeichnete sich durch seine enorme Zuverlässigkeit aus. Und obwohl ich ihn eigentlich täglich benutzte war es vermutlich der Stift, der am längsten gehalten hat. Aber Wunder kann man auch hier nicht erwarten. Wir reden hier immerhin von einem normalen Kugelschreiber. Zu meinem Bedauern musste ich dann leider feststellen, dass das Gehäuse des Stiftes fest verbaut war und man die Mine nicht einfach tauschen konnte. Leider war er so jetzt ein Fall für die Tonne. Aber wo packt man den dann rein? In den Plastikmüll? Aber sind da nicht auch Metallteile drin? So einfach zerlegen lässt er sich ja nicht. Und die Einzelteile könnte ich so auch kaum wiederverwenden. Also bleibt mir nix anderes als in den Restmüll damit und die in dem Stift enthaltenen Wertstoffe einem möglichen Recyclingprozess entziehen. Schade.

Auf dem SympatexHackathon habe ich nun einen neuen Kugelschreiber bekommen. Von der Form her ähnelt er doch sehr meinem alten und er liegt auch ähnlich gut in der Hand. Auch das Schriftbild hat mich gleich überzeugt. Im Gegensatz zu meinem alten Stift ist dieser in einem hellen beige gehalten.


Bei genauerem Hinsehen erkennt man einen kleinen Schriftzug, "Biotic Pen". Schnell mal Google gefragt, was es damit auf sich hat:

"Prodir Schreibgeräte zeichnen sich durch hohe Akzeptanz und lange Lebensdauer aus. Entscheidende Faktoren für ihre gute Umweltbilanz. Wer darüber hinaus umweltfreundliche Materialien sucht, bekommt den DS3 jetzt als Biotic Pen. Gehäuse und Mechanismus werden aus nachwachsenden Rohstoffen (PLA) gefertigt. Der verwendete Werkstoff ist nach EN 13432 zu 100% biologisch abbaubar. Für die Gesamtbilanz des Kugelschreibers inklusive Mine und Feder bedeutet das eine Kompostierbarkeit von 80%."
(Quelle: www.prodir.com)

Also kein gewöhnliches Plastik! Das klingt doch recht sympatisch. Jetzt bin ich nur mal gespannt, wie lange die Mine hält, bevor ich den Stift entsorgen muss.  Aber moment mal. Ich kann bei diesem hier die Mine gegen eine Neue austauschen! Scheint also so, als ob dieser Stift mich noch eine ganze Weile länger begleiten wird.


Was hat jetzt ein Artikel über einen haushaltsüblichen Kugelschreiber auf einem Outdoorblog zu suchen? Das ist eine Frage die ich an dieser Stelle offen lassen möchte...

Disclaimer: Ich wurde vom Ooutdoorbloggernetwork und von Sympatex engagiert um auf Twitter live über Hackathon zu berichten. Die teilnahme an dem Event war für mich kostenfrei und ich habe dafür eine Aufwandtsentschädigung erhalten. Dieser Blogbericht ist unabhängig davon aus eigenem Interesse entstanden. Ich war zu keiner Zeit dazu verpflichtet eine irgend vorgefertigte Meinung zu veröffentlichen. Der Inhalt dieses Artikels spiegelt lediglich meine eigene Meinung wieder.



Freitag, 28. April 2017

Rucksackplanung #HimalaYak2017

Der erste Packlistenentwurf für unsere Tour nach Ladakh und Zanskar steht. Auch wenn es noch nicht mehr wie ein Entwurf ist liefert er uns schonmal eine gute Planungsgrundlage und zeigt uns ein paar Baustellen auf.



Etwas neue Ausrüstung hat sogar schon den Weg zu uns gefunden. Eine kleine, 33 Gramm schwere Ladeschale für unsere Kameraakkus, die über einen Mini-USB Anschluss betrieben wird. Mit insgesamt 3 Akkus und der Möglichkeit diese nun auch unabhängig von einem Stromnetz zu laden sollte unsere Panasonic GF2 zumindest in dieser Hinsicht gut versorgt sein.



Aber wir währen nicht die Beuteltiere, wenn nicht unsere Beutel, äh unsere Rucksäcke einen besonderen Stellenwert in unserem Tourenleben hätten. Damit steht auch die Überlegung an, welche Packs uns in den Himalaya begleiten werden.
Grundsätzlich sind wir ja der Meinung, dass ein Rucksack immer das letzte Ausrüstungsteil in der Liste ist und man sich zunächst um die übrige Ausrüstung  kümmern sollte. Dann kennt man auch zweifelsfrei das benötigte Volumen und eventuelle sonstige Anforderungen für die Rucksackwahl.

Anhand unseres Packlistenentwurfs für #HimalaYak2017 können wir aber schon jetzt ziemlich genau sagen, was wir für Anforderungen an unsere Rucksäcke stellen.
Wir werden eine ähnliche Strategie fahren wie bei unserer Tour auf dem GR20 in Korsika. Soll heißen, wir teilen die Ausrüstung nicht 50:50 auf, sondern orientieren uns vielmehr an der Funktion. Ich werde die großvolumige Ausrüstung für die Nachtlager (Zelt, Quilt, Isomaten, Kochsystem) und den Hauptteil der Verbrauchsgüter transportieren, während Rike in ihrem Rucksack die Sachen hat, die wir über Tag regelmäßig nutzen (warme Jacken, Regenkleidung, Kamera, Snacks, etc.). Das hat für uns bisher gut funktioniert. 
Vom Volumen her werde ich dabei bei 45-60 Liter landen und bei höchster Beladung (volle Verpflegung und Wasser) maximal 14-15 Kilo auf den Schultern haben. Das Baseweight liegt mit grob überschlagenen 6Kg aber deutlich darunter, so dass ich nicht die ganze Zeit als Schwerlasttransporter in der Gegend rumstapfe.
Aufgrund unserer Gepäckverteilung würde Rike mit einem deutlich kleineren Rucksack mit etwa 25-35 Liter zurechtkommen. Das Baseweight wird 3 Kilo vermutlich nicht überschreiten.

Lässt man mal die kürzeren Wanderungen außer acht, hat sich seit unserer letzten großen Tour allerdings einiges an unserer Ausrüstung und unseren Vorlieben verändert.
Ein kritischer Punkt war der Umstieg von selbstaufblasenden Isomatten zu isolierten Luftmatrazen. Auch wenn dadurch das Gewicht konstant geblieben ist, das Packvolumen abgenommen hat und nicht zuletzt der Schlafkomfort gestiegen ist, gibt es doch einen deutlichen Nachteil: Sie funktionieren nicht mehr als integraler Bestandteil unserer Tragesysteme im Rucksack. Da wir in den letzten Jahren ausschließlich auf gestelllose Rucksäcke gesetzt haben, haben wir nun ein Problem. Auf unserer Tour durch die South Downs haben wir das leider ziemlich deutlich gemerkt und dort hatten wir verglichen mit Ladak eine wesentlich leichtere Ausrüstung dabei. 
Mit dem Gepäck, das wir transportieren werden ist ein vernünftiges Tragesystem mit Hüftgurt für uns beide daher essentiell. Bei mir liegt die Toleranz, wieviel Gewicht ausschließlich auf den Schultern getragen werden kann höher, womit ein gutes Tragesystem um die Schultern zu entlasten für Rike wichtiger ist wie für mich. 
Mit dem Alter kommen aber auch die Wehwechen und man lernt auf seinen Körper zu hören. So bereitet mir ein allzu steifer Hüftgurt, insbesondere mit einem ausgeprägtem Lumbarpad auf Dauer Probleme. Das gleiche gilt für Schultergurte die nicht gut belüftet sind. Durch den Wärmestau darunter neige ich sonst leicht zu wunden Stellen. (Höre ich hier ein leises #mimimimi ?)


Unsere bisherige Recherche hat ein paar mögliche Kandidaten gefunden. Meiner Vorstellung eines geeigneten Modells würde zur Zeit ein Rucksack in der Art des MyTrail Backpack Light 70L am nächsten kommen. Die Modelle von ÜLA währen auch interessant, jedoch hab ich bisher keine Erfahrung mit den Hüftgurten und gefühlt haben die mir zuviel Firlefanz verbaut. Die gute Komprimierbarkeit des MyTrail währe ein großer Vorteil, da unsere Verpflegung einen wesentlichen Teil des Packvolumens ausmacht und dieses dadurch mit der Zeit stark schwankt. Und auch wenn der Nachfolger des ultraleicht Klassikers, GoLite Jam, technisch etwas veraltet wirkt, macht er zumindest auf dem Papier auf mich einen guten Eindruck. Es gibt wohl Rucksäcke mit effizienterem Tragesystem, aber durch den Umstieg von Rucksäcken ohne jegliches Tragegestell sollte dieses meinen Ansprüchen vermutlich genügen.

Für Rike hatte ich zunächst an ein Modell wie den OMM Classic Marathon 32 gedacht, der sowohl über die passende Rückenlänge wie auch einen meiner Meinung nach ausreichend guten Hüftgurt verfügt. Ob die integrierte OMM Duomat aber als Tragesystem für sie ausreichend währe, ist eine andere Frage.
Die von uns präferierte Ausstattung mit seitlichen Taschen und großem Frontnetz währen aber in jedem Fall vorhanden. Und der Rucksack würde später mit Sicherheit auch von mir auf ausgedehnteren Läufen genutzt werden können. Alternativ gäbe es den Mammut Lithium Light in der 35 Liter Version. auch wenn der Hüftgurt hier sogar noch flexibler ist, lastet er doch aufgrund des integrierten Tragegestells gut auf die Hüfte ab. Allerdings wiegt er dadurch auch mehr wie der OMM Classic. 

Die Entscheidung welche Packs den Weg auf unsere Rücken finden werden ist noch nicht endgültig abgeschlossen. Vielleicht wird uns ja doch eines unserer alten Schätzchen in irgend einer Form begleiten. Über die weitere Planung unserer Tour nach Ladak werden wir Euch auf dem Laufenden halten. Über Ideen und Vorschläge von Euch freuen wir uns natürlich auch.

Samstag, 22. April 2017

South Downs Way


Manchmal braucht man einfach eine Auszeit, auch wenn sie noch so kurz ist. Als sich für uns spontan ein Zeitfenster ergeben hat haben wir daher umgehend die Gelegenheit genutzt, einen Last-Minute-Flug gebucht und sind los. Normalerweise würden wir solche Ausreißer eher irgendwo in der Nähe machen. Aber manchmal packt es einen einfach und Reisende soll man ja bekanntlich nicht aufhalten.
Mit dem Flieger ging es zunächst nach London wo wir noch eine Ausstellung besuchten, bevor wir uns ausgiebiger die Beine in den South Downs vertreten wollten. Neben dem Hunger nach Frischluft sollte nämlich auch unser kultureller Appetit gestillt werden.
Den Tipp mit den South Downs haben wir einigen britischen Bekannten auf Twitter zu verdanken. Anregungen und Ideen wo man spontan eine kurze Tour unternehmen könnte gab es viele. Schlußendlich haben wir uns aber aus logistischen Gründen für die South Downs entschieden und nach dem Zwischenstop in London war es erfreulich einfach sich in den nächsten Bus zu setzen und raus aufs Land zu fahren.

Nach relativ kurzer Fahrt gelangten wir so zu dem beschaulichen Städtchen Winchester, das im 10./11. Jahrhundert noch England als Hauptstadt gedient hatte. Von dort ging es in südöstlicher Richtung entlang des South Downs durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend die uns stark an die Eifel erinnerte. Auch wenn hier deutlich mehr Fasane unterwegs waren wie daheim. Die South Downs sind geprägt durch unzählige Feuersteine, die nicht nur die Wanderwege und Felder bedecken, sondern auch die Mauern und Wände der Häuser.
Das Wetter meinte es gut mit uns und es dauerte nicht lange und die Hose wurde hochgekrempelt. Ab und an wurden wir von den obligatorischen Schafen angeblökt.

Und auch das ein oder andere Eichhörnchen ließ sich blicken. Insgesamt schien überall um uns herum geschäftiges Treiben und man merkte, dass der Frühling die Tiere zur Aktivität trieb. Am späten Nachmittag nutzten wir die Gelegenheit um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Und auch wenn natürliche Wasserquellen in den South Downs rar sind, finden sich doch regelmäßig ausgewiesene Wasserhähne für Wanderer und natürlich auch der ein oder andere Pub entlang des Weges. Aber auch so ein Tag geht mal zu Ende und so verbrachten wir die erste Nacht auf einem bewaldeten Hügel unweit des Weges. Im Schutz eines großen Baumes schlugen wir unser Tarp zum ersten mal auf und genossen es wieder mal im Freien zu schlafen.

An Morgen gab es erstmal ein kleines Frühstück im Bett. Unser Esbit-Kocher versorgte uns mit einer Portion Porridge zum warm werden bevor wir aus unserem Quilt krochen. Wenn wir draußen schlafen sind wir meistens schon recht früh auf, weil wir von den ersten Sonnenstrahlen und den Tieren geweckt werden. Der Pub, den wir in Hoffnung auf eine große Kanne Tee ansteuerten, hatte leider noch geschlossen. Dafür bescherte uns dann ein kleiner Laden im nächsten Dorf ein zweites Frühstück.

So gestärkt ging es für uns zunächst immer weiter Richtung Südosten. Auf dem South Downs Way waren gefühlt mehr Radler auf ihren Mountainbikes unterwegs wie Wanderer. Aber auch den ein oder anderen Tagesausflügler trafen wir unterwegs, gab es doch einige schöne Ziele entlang des Weges die aus der Umgebung gut zu erreichen waren.
Auf der Karte hatten wir bereits mögliche Orte für unser Nachtlager rausgesucht und am Abend hielten wir dann die Augen für einen geeigneten Platz auf. Rike sammelte derweil frischen Bärlauch um unser Abendessen etwas aufzupeppen. Wer konnte auch ahnen, dass wir bei unserer Suche nach einem Nachtlager schließlich in einem weit ausladenden Bärlauchfeld landen würden?

Der nächste Morgen begrüßte uns mit seinen warmen Sonnenstrahlen. Auch wenn wir die Wanderung auf dem South Downs Way bisher genossen haben rief uns aber irgendwie bereits das Meer und so beschlossen wir einen kleinen Umweg über Brighton zu machen. Der englische Badeort Brighton der mit seinem weit ins Meer herausragenden Pier und historischen Gebäuden wie aus einer anderen Zeit wirkt, ist ein wahrer Magnet für Besucher aus aller Welt. Mit seinen Touristen und den Attraktionen ein deutlicher Kontrast zu dem bisher eher ruhigen South Downs Way. Und so haben wir diesen kleinen Abstecher zwar genossen, waren dann aber auch froh, als wir hinter Brighton wieder auf den South Downs Way trafen. Die Landschaft hatte sich zwischenzeitlich komplett gewandelt. Weit gestreckte, baumlose Hügel lagen nun vor uns. Und rechter Hand konnte man die weißen Klippen und das Meer sehen.
Wir haben ihnen die Hälfte unseres Proviants  angeboten, aber sie wollten uns trotzdem nicht tragen.

In der Morgendämmerung begannen wir unseren letzten Tag auf dem South Downs Way. Während im nächsten Dorf noch alles schlief stapften wir bereits die ersten Hügel hoch. Mit dem Frühstück warteten wir bis wir aus einem Wald heraus auf eine hoch gelegene Wiese traten von der wir aus das Meer und den Beginn der Seven Sisters sehen konnten. Und so knabberten wir unseren Proviant in der Sonne bei perfekter Aussicht, während um uns herum noch ganz junge Kaninchen aus ihren Bauten rein- und rausflitzten.

Die Klippen der Seven Sisters waren einerseits der beeindruckendste Abschnitt des Weges, wie auch leider der vollste, woran wohl auch nicht zuletzt das gute Wetter Schuld war. Ich muss zugeben, dass ich doch auch recht neidisch war auf die vielen Läufer, die hier so tolle Strecken zum Spielen und Austoben haben.

Nach einem langen und sonnigen Tag ging dann unsere kurze “Flucht” nach England in Eastbourne zuende. Mit dem nächsten Zug ging es nach London und ein Flieger brachte uns von einer überraschend warmen und sonnigen Insel in ein verregnetes und viel zu kaltes Deutschland.


Für die Gearnerds unter Euch und für diejenigen, die eventuell mal etwas Ähnliches vor haben, kommen jetzt noch ein paar unserer Eindrücke und Anregungen.

Der South Downs Way war sehr gut ausgeschildert und ist insgesamt recht unkompliziert. Alle Nase lang kommt man durch eine kleine Siedlung. In regelmäßigen Abständen finden sich Pubs, Cafes, Restaurants oder kleine Läden. Und die Verkehrsanbindung ist zumindest an den Start-, bzw. Endpunkten auch sehr gut. Der Anschluss von bzw. nach London braucht je nach Verkehrsanbindung zwischen 1–2 Stunden. Fast der gesamte Weg ist auch mit dem Fahrrad möglich, bzw. die wenigen Stellen wo er nicht befahrbar ist gibt es entsprechende Alternativrouten. Wildzelten ist wie gesagt eigentlich nicht gestattet. Auf der Webseite des Weges gibt es aber eine recht umfassende Liste mit offiziellen Campingplätzen sowie Hostels und anderen Unterkünften. Man könnte den Weg also auch nur mit der Zahnbürste in der Hemdtasche als Gepäck laufen und auf feste Unterkünfte und Gaststätten setzen. Insgesamt also perfekt wenn man eine kurze entspannte Tour ohne viel Vorbereitung plant. Ob das Wetter dabei immer so mitspielt wie bei uns möchte ich aber nicht versprechen. ;-)

Eine solche Tour erfordert eigentlich nur minimales Gepäck und so verzichteten wir darauf Gepäck aufzugeben und sind mit Handgepäck los.
Grundsätzlich ja keine Herausforderung. Wenn man aber an eine Wanderung mit Übernachtung im Freien denkt, finden sich doch einige typische Ausrüstungsteile auf der Liste der verbotenen Dinge für Handgepäck wieder. Neben dem offensichtlichen Taschenmesser bereiten einem je nach Fluglinie und Laune des Sicherheitspersonals auch Heringe und Trekkingstöcke mit ihren Spitzen ein paar Probleme. Über die Thematik nur mit Handgepäck zu reisen hatte ich vor längerer Zeit schonmal einen Themenfaden im Ultraleicht-Forum gestartet. Einige der Ideen konnten wir nun auf dieser Tour gut nutzen.
Nur im Biwaksack übernachten wollten wir z.B. nicht unbedingt. Also packten wir für unser Tarp ein paar leichte, faltbare Tarpstangen ein und statt Heringen setzten wir auf Chinesische Essstäbchen aus Bambus. Klingt radikal, funktionierte aber erstaunlich gut.

Ein Schneidwerkzeug ließen wir gleich ganz zu hause. Pflaster und Reparaturklebeband war vorgeschnitten und um Porridge aus einem Ziplockbeutel zu futtern reicht ein Löffel. Beim Kochen setzten wir auf einen kleinen Esbitkocher der auch für Mengen von zwei Personen noch überraschend effizient funktionierte.

Wenn ihr weitere Fragen zu unserer Ausrüstung oder auch zu unserem Kurztrip habt, hinterlasst doch einfach einen Kommentar hier im Blog oder schreibt uns auf Twitter.

Donnerstag, 6. April 2017

Wenn "leichter" nicht gleich "leichter" ist

Wer sich selber schonmal daran versucht hat einen Blog zu schreiben wird früher oder später feststellen, dass einige Artikel es nie zur Veröffentlichung schaffen. Gründe dafür gibt es zahlreiche. Manchmal weil man zu lange mit dem Schreiben gewartet hat und einem jeweilige Thema nicht mehr aktuell genug erscheint. Oder weil man merkt, das man zwar selber von einer Sache vollkommen begeistert ist, jemand anderes (also in dem Fall die möglichen Leser) diese konfusen Gedanken und offensichtlichen Enthusiasmus nicht nachvollziehen kann. So haben sich bei mir über die Jahre so einige Texte angesammelt, die aber irgendwie doch zu schade sind um sie digital verstauben zu lassen. Den folgenden Artikel hatte ich 2011 verfasst und wollte neben einer kurzen Vorstellung meiner Ausrüstung damit auch einen Einblick in die Gedankengänge eines Ultraleicht Wanderers liefern. Ich habe den Text bewusst so gelassen, wie ich ihn vor sechs Jahren geschrieben habe, auch wenn sich in der Zwischenzeit natürlich einiges verändert hat. Ich hoffe ihr könnt dennoch was für Euch aus dem Artikel mitnehmen.

Seit ich mit dem Wandern angefangen habe, habe ich bereits eine Unzahl an Isomatten verschlissen. Seit ich angefangen habe mich konsequent darauf zu konzentrieren, meine Ausrüstung zu erleichtern, ist das nicht besser geworden. Im Gegenteil!

Von den schweren selbstaufblasenden Isomatten ala "Therm-a-Rest" hatte ich mich schnell verabschiedet. Die leichtere Alternative waren für mich Isomatten aus Evazote. Vom Wärme-Gewichtsverhältnis einfach unschlagbar. Zudem kann man diese einfach auf die benötigte Größe mit der Schere zurecht stutzen. 
Das führte dazu, dass ich schon wenig später mit einer Torso-großen Matte als Bodenisolierung unterwegs war. Gleichzeitig nutzte ich die Matte als improvisiertes Tragegestell für meinen Rucksack! Dualuse in Reinform und wieder ein paar Gramm eingespart!

Um mehr Komfort in dieses doch recht spartanische Setup zu bringen experimentierte ich dann mit solchen Gewichtswundern wie der Neoair, einer "leistungsgesteigerten" Luftmatraze. Doch irgendwie wurde ich mit der rutschhemmenden (ich empfinde es eher als klebrig) Oberfläche nicht warm. Auch störte es mich, dass ich trotzdem eine zweite Matte mitnehmen musste um ein Tragegestell für meinen Rucksack zu erhalten.
Leichter wurde ich damit also auch nicht. Also wieder zurück zur EVA-Matte...

Wer schonmal auf so einer dünnen, zurechtgestutzten Matte geschlafen hat wird mir zustimmen, dass der Anwendungsbereich ähnlich groß ist wie die Abmessungen der Matte. Spätestens in der kühleren Jahreszeit ist dann "etwas" Isolierung unter den Füßen dann doch nicht so verkehrt. Das sorgt allerdings auch wieder für ein größeres Packmaß und damit für einen reduzierten nutzbaren Raum im Rucksack für die übrige Ausrüstung. 

Eine sogar noch leichtere, sprich dünnere Isomatte sollte dieses Problem lösen. Diese Evazotematte brachte mich wirklich "hautnah" an Mutter Erde ran. Besser gesagt: Polsterung war nur rudimentär vorhanden. Dafür waren aber meine Füße mit auf der Matte. Und bei etwas Mühe bei der Platzwahl konnte ich doch noch "bequem" liegen.

In Island merkte ich dann aber schnell noch einige andere Nachteile.
Da die Matte aufgrund der Dicke nicht so steif war, ging das Rucksackpacken nicht so problemlos wie sonst. Irgendwie "rutschte" die Matte immer dazwischen, wenn ich ein Teil aus meinem Pack rein oder rausbugsierte...
Und nachts war mir doch recht frisch!
Ich merkte deutlich, wie die Bodenkälte durch das dünne Stück Isolierung drang. Also auch keine wirklich zufriedenstellende Lösung.

Wieder zu hause wurde gleich nochmal die Ausrüstungskiste auf den Kopf gestellt. 
Einige Zeit und einige Überlegungen später hatte ich ein Resultat: 
Ein Hybrid aus einer dicken, warmen, faltbaren Matte für den Torso und einer dünneren Matte für Beine und Füße. Eine kurze Tour überzeugte mich vom gesteigerten Schlafkomfort! Und das Gewicht war auch akzeptabel. Allerdings gab es da noch so eine Kleinigkeit, die mich unzufrieden machte! Das Packmaß dieser Kombination war einfach zu groß. Statt auf einer Wochenendtour mein huckePÄCKCHEN nutzen zu können, musste ich doch glatt zu einem größeren Rucksack greifen! Also doch nicht die Eier legende Wollmilchsau gefunden.

Bei einem zufälligen Blick auf einige Packlisten fielen mir dann plötzlich ein paar Zahlen ins Auge! Also schnell mal Stift und Papier geholt und die Vermutung überprüft. Erst war ich doch ungläubig überrascht! Konnte es denn sein...?
Ich suchte schnell mal eine rudimentäre Ausrüstung (Isomatte, Quilt, Shelter, Kleidung, Kocher) zusammen und versuchte diese in meinem huckePÄCKCHEN zu verstauen. Es ging PROBLEMLOS! Und obwohl das Meiste davon für zwei Personen ausgelegt war (Quilt, Shelter, Kocher) blieb sogar noch ausreichend Platz im Rucksack übrig um evtl. Verpflegung zu verstauen!

Was war passiert? 
Ich hatte die Packlisten meiner Frau mit meinen verglichen! 
Sie selber nutzt schon seit Jahren eine kurze, selbstaufblasende Isomatte von Therm-a-Rest, die ProLite 3 short. Also etwas vor dem ich mich immer gedrückt hatte! Zweifelsfrei liefert diese Isomatte einen hervorragenden Schlafkomfort (Isolation und Polsterung) und hat sich auch in den Jahren als "Tragegestell" im Rucksack behauptet. Doch ihr Gewicht hatte sie im Vergleich zu anderen Matten für mich immer unattraktiv erscheinen lassen! 
Diese großvolumigen EVA-Matten zwangen mich aber (zumindest auf längeren Touren) dazu auch größeren Rucksäcke, wie meinen huckePACK zu nutzen, da mir sonst der nötige Stauraum für meine Ausrüstung und Verpflegung fehlte!
Als ich mich beim Gewichtsvergleich aber nicht mehr nur auf die Isomatten beschränkte, sondern auch das Gewicht der übrigen Ausrüstung, insbesondere der Rucksäcke miteinander verglich hätte ich mich am liebsten Geohrfeigt, dass ich nicht schon früher darauf gekommen bin. 
Das Gesamtgewicht von großem Rucksack plus leichter EVA-Matte war tatsächlich größer wie das meines kleineren Rucksacks plus Therm-a-Rest!
Und trotzdem blieb mir aufgrund des deutlich geringeren Packmaßes der selbstaufblasenden Isomatte ausreichend nutzbares Volumen für die übrige Ausrüstung!

Eine Bestellung für eine eigene Prolite short hat dann auch nicht lange auf sich warten lassen...

So habe ich nicht nur einen gesteigerten Schlafkomfort, sondern durch reduziertes Gesamtvolumen und reduziertes Gewicht auch mehr Komfort "on trail"!

Das hat mir wiedermal gezeigt, dass man seine Ausrüstungsteile nicht einzeln betrachten sollte, sondern als großes, zusammenhängendes System! So werden dann auch manchmal scheinbar schwerere Optionen auf das Gesamtsystem betrachtet die leichteren Alternativen!

Montag, 3. April 2017

Der Plan steht - Ladakh, Zanskar - #HimalaYak2017




Fernweh ist ein guter Ratgeber. Zumindest waren die Touren die uns über unseren bisherigen Horizont herausgeführt haben immer diejenigen gewesen, deren Erlebnisse uns am tiefesten im Gedächtnis geblieben sind.
Im Kopf haben wir schon lange diverse Traumziele. Und noch durch die Nachwehen des Gipfelfiebers aus unsrem Urlaub in den Alpen angeregt fiel die Wahl dann auch ziemlich schnell auf den Himalaya. Da unsere mögliche Reisezeit leider komplett mit dem Monsun kollidiert fiel Nepal leider raus. Dafür tauchte dann das ehemalige Königreich Ladak im äußersten Norden Indiens bei unserer Recherche auf. Mit seiner geschützten Lage im Transhimalaya bleibt es vom Monsum verschont, wodurch der August die ideale Reisezeit darstellt. Wir haben nicht lange gezögert und haben umgehend Flüge gebucht und dabei sogar noch ein paar Schnäppchen gemacht. Früh buchen lohnt sich scheinbar doch.

Und jetzt stecken wir sozusagen mitten in den Vorbereitungen. Die Flüge sind gebucht. Aber der Rest, wie die Ausarbeitung einer konkreten Route, die Vorbereitung der Ausrüstung, die Auffrischung der Impfungen und nicht zuletzt die Beantragung der Visa stehen alles noch aus. Bis zum eigentlichen Beginn unserer Tour steht noch einiges an Vorbereitung an. Hier auf unserem Blog und auf Twitter wollen wir Euch zwischendurch ein kleines Update zu unserer Planung liefern. Unter dem Hashtag #HimalaYak2017 solltet ihr dann alles verfolgen können. Den Beginn machen wir gleich heute:

Ladakh ist wie gesagt ein ehemaliges Königreich im Norden Indiens in der Provinz Kashmir, das erst 1974 für Touristen geöffnet wurde. Aufgrund der kulturellen Nähe wird es auch gerne als Klein-Tibet bezeichnet. Unsere Tour beginnt in Leh, der auf 3500m liegenden Hauptstadt Ladakhs. Die ersten Tage werden wir dort zur Aklimatisierung vor allem an die Höhe verbringen. Die Zeit wollen wir nutzen um uns vor Ort mit weiteren Informationen und nötiger Ausrüstung einzudecken und etwas in die Kultur reinzuschnuppern. Anschließend wollen wir unsere eigentliche Tour beginnen. Wie gesagt haben wir noch keine konkrete Route geplant, lediglich einige Ecken ausgeguckt, die wir gerne besuchen wollen. Dazu gehört unter anderem auch die Region Zanskar. Wer sich mal einen eigenen Eindruck davon verschaffen will, was da auf uns wartet, dem legen wir die Dokumentationen "Dolma, am Ende der Welt" sowie "Chadar, der Weg aus Eis" nahe. Wir werden natürlich im Sommer unterwegs sein und und uns (hoffentlich) nicht eine Route über einen gefrorenen Fluss suchen.


Für die Planung nutzen wir neben Quellen aus dem Internet vor allem den Reiseführer "Ladakh & Zanskar" von Jutta Mattausch aus dem Reise Know-How Verlag. Er liefert eine überraschend gute und umfangreiche Sammlung an Informationen, wenn man bedenkt, wie abgelegen diese Region eigentlich ist. Im Umkehrschluss zeigt es aber auch, wie etabliert der Trekking-Tourismus dort bereits ist. Zur groben Orientierung haben wir bisher die Karte "Ladakh - Zanskar" aus dem Nelles Verlag im Maßstab 1:350000. Die Karte ist erstaunlich detailliert, dabei kompakt und zudem wasserfest. Vor Ort sollen wohl auch Karten in günstigeren Maßstäben erhältlich sein, aber die Karte hilft uns zumindest bei der Planung und würde uns auch während unserer Tour eine gute Orientierungshilfe liefern.
Satelitennnavigation werden wir allenfalls zur Unterstützung heranziehen. Zur reinen Positionsbestimmung reicht damit auch das GPS in meiner Fenix 3.

Grundsätzlich wollen wir auch auf dieser Tour unsere Ausrüstung selber mitführen und nicht in einer der größeren, geführten Trekkinggruppen mit Pferden und Guides unterwegs sein. Auch wenn der Hashtag #HimalaYak2017 was anderes vermuten lässt, wollen wir nicht bepackt wie eine Herde Yaks durch die Gegend ziehen. Das heißt, wir werden versuchen das Gewicht unserer Ausrüstung wiedermal so minimal wie möglich halten, was nicht zuletzt auch wegen der dünnen Luft und der teils 5500m hohen Pässe mehr als Sinn macht. Auch den Großteil der Verpflegung werden wir wieder mitführen. Das soll uns natürlich nicht davon abhalten, auch mal die ein oder andere feste Unterkunft aufzusuchen, aber wir wollen uns auch nicht komplett davon abhängig machen. Die meiste Zeit aber wollen wir uns auf unser bewährtes GoLite ShangriLa 2 verlassen.
Zum Kochen wird Spiritus aufgrund der Höhe und der Länge der Tour wohl kaum effizient genug sein. Das heißt wir werden hier auf Gas wechseln müssen. Entsprechende Kartuschen sind wohl in Leh erhältlich. Grundsätzlich hätten wir auch noch Holz mit dem Bushbuddy als Option.

Eine Herausforderung wird das Klima sein. In Ladakh/ Zanskar ist zu diesem Zeitpunkt Sommer und die Temperaturen entsprechend hoch. Allerdings befinden wir uns auch im höchten Gebirge der Welt und nicht zuletzt nachts können die Temperaturen drastisch sinken. Das heißt wir erwarten alles von heißem, trocken Wetter bis zu überraschend einsetzendem Schneefall in den höheren Lagen. Auf dem Rückflug wollen wir die Gelegenheit nutzen um uns noch für ein paar Tage Delhi anzusehen. Mitten im Monsun wartet da eine interessante Abwechslung auf uns. Um nicht zu viele Klamotten schleppen zu müssen werden wir unser Bekleidungssystem gut überdenken müssen.

Bei Schuhwerk lauten die Empfehlungen in den einschlägigen Reiseführern und im Netz "Stiefel, Stiefel, Stiefel". Ehrlich gesagt, solange wir nicht kurzfristig eine Besteigung eines 6000ers einplanen wo wir auf Steigeisen angewiesen sind, werden wir auch auf dieser Tour wieder auf Trailrunner setzen. Wir sind sowohl im alpinen Gebiet und auf ausgesetzten Wegen ebensogut damit klar gekommen wie in kalten Klimazonen. Warum also nicht auch in Ladakh? Um ehrlich zu sein überlege ich die ganze Zeit sogar meine Luna-Sandalen als Hauptschuhwerk zu nutzen und ein paar leichte Trailrunner nur als Backup mitzuführen. Wir werden sehen.

Grundsätzlich bräuchte auch unsere Kamera-Austattung ein Update. Neben schönen Erinnerungen wollen wir schließlich auch ein paar Bilder mitbringen. Mal gucken ob wir es noch schaffen unserer Panasonic GF2 ein passendes Objektiv zu spendieren. Auch die Stromversorgung ist damit natürlich auch ein Thema. Dabei wollen wir aber alles möglichst einfach und zuverlässig belassen. Statt irgendwelche unnötigen Gadgets und Solarzellen-Spielereien mitzuschleppen wollen wir einfach unseren Bedarf auf ein Minimum beschränken (Stirnlampen, Kamera, Handy, Uhr). Dann sollten auch einige simple Akkus für die Dauer der Tour vollkommen reichen.

Nicht zuletzt wollen wir uns selber für die Tour fit machen. Eine gute körperliche Verfassung hilft einerseits bei der Höhenanpassung, andererseits kann sowas ja eh nie schaden. ;-)
Wir sind zwar beide recht fit aber zumindest wir laufen jetzt nicht jeden Tag mit einem schweren Rucksack irgendwelche Berge rauf und runter. Etwas gezielteres Training kann da also bestimmt nicht so verkehrt sein.

Es gibt da noch so einige weitere Baustellen auf unserer Liste, aber für's erste sollte dieser kleine Überblick genügen.
Über die weitere Planung werden wir euch zwischendurch auf dem Laufenden halten. Wenn ihr noch Fragen, Ideen oder Inspirationen für uns habt freuen wir uns wie immer über Kommentare hier im Blog, oder einen kurzen Tweet unter #HimalaYak2017.

 



Dienstag, 14. März 2017

Mahlzeit!

Outdoorküche
Wir wurden schon oft gefragt was wir unterwegs essen oder was wir an Verpflegung auf Tour mitnehmen. Die einfachste Antwort währe wohl “das was uns schmeckt”.
Das soll jetzt nicht heißen, dass wir uns unterwegs nur von Schokolade und Chips ernähren. Aber grundsätzlich ist guter Geschmack zumindest für uns mit das wichtigste Kriterium, das aber scheinbar häufig übersehen wird. Zumindest wenn man sich die ganzen Nährwerttabellen und Kalorienvergleiche bei Empfehlungen zu Tourenverpflegung anguckt.

Wenn das Wetter draußen ungemütlich ist, lassen sich Fertiggerichte auch schnell im Zelt zubereiten.

Eine allgemeine Antwort zu geben was wir auf Tour mitnehmen, insbesondere eine die andere als Planungsgrundlage heranziehen könnten, ist nicht ganz einfach. Aber das soll auch nicht Ziel dieses Artikels sein. Vielmehr möchte ich hier lediglich unsere Erfahrungen mit Euch teilen. Ob und was ihr davon für Euch übernehmt, bzw. wie weit ihr Euch davon inspirieren lasst ist dann Eure Sache.


Schmeckt besser wie es aussieht. Ehrlich!

Bei der Planung einer Tour gibt es immer viele Faktoren die berücksichtigt werden wollen. Wie lange sind wir unterwegs, wo gibt es Nachschubmöglichkeiten, wie ist das Klima, wie das Gelände, etc.
Nicht zuletzt ist es aber auch eine Frage des Charakters den wir unserer Tour geben wollen. Setzen wir auf größt mögliche Effizienz und planen mit einem gewissen Zeitfenster für eine Tour? Wollen wir mehr Müßiggang und evtl. der Kultur frönen und steuern daher auch mal gezielt lokale Märkte und Restaurants an? Ist die Strecke zwischen den Nachschubmöglichkeiten moderat und man kann mehr auf frische Lebensmittel setzen? Haben wir überhaupt eine fixe Route im Kopf oder stromern wir relativ spontan durchs Land?
Unseren Kalorienbedarf auszurechnen und anhand dessen unsere Tagesrationen zu bestimmen habe ich als Ultraleichtwanderer trotz aller Liebe zur Optimierung nie gemacht. Wir hatten auch nie die Muße verschiedene Lebensmittel, Gerichte und Hersteller miteinander zu vergleichen um bei gleichem Packungsgewicht noch das letzte bißchen Mehr an Nährwerten und Kalorien rauszukitzeln. Unserer Erfahrung nach ändert sich unterwegs der Appetit und der Bedarf eh. Erstaunlicherweise heißt das aber zumindest bei uns nicht, dass er immer weiter steigt. Wir haben auch durchaus Phasen wo wir mit einem Minimum an Verpflegung auskommen. Scheinbar weil der Körper sich entweder auf die Belastung eingestellt hat, oder weil er in eine Art "Notfallprogramm" springt und hofft dass die Schinderei bald vorbei ist. ;-)
Hinweis: Eiscreme lässt sich nur schwer im Rucksack verpacken. Lieber gleich futtern!
Wie auch immer, wir lassen uns da weitestgehend von unserem Appetit leiten, planen aber in der Vorbereitung etwa gleichgroße Mengen pro Tag ein die wir aber unterwegs nie als Dogma betrachten. (Das kann dann mal bei einem anstrengenden Tag die 1,5 fache Menge werden. An einem anderen Tag reicht es uns nur eine Kleinigkeit zu knabbern.) Als groben Anhalt planen wir pro Tag etwa 500 Gramm für die Hauptmahlzeiten (Frühstück und Abendessen) ein, plus diverse Snacks (Tüte Nüsse, oder 2-3 Riegel, etc.).
Keine Nussmischung, sondern ein leckeres Cashew-Reis-Gericht bevor Wasser dazugegeben wird.

Meist versuchen wir unsere Planung so flexibel wie möglich zu halten um auch spontanen Ideen Raum zu geben.
Morgens hat sich für uns auf den meisten Touren mittlerweile irgend eine Art von Porridge oder Müsli herauskristallisiert. Je nach Lust und Laune mal kalt oder warm gefuttert und in der Regel mit Wasser (ohne Milchpulver) angesetzt. Oft peppen wir das mit etwas Chia auf. (Wir beziehen unser Chia in größeren Packungsgrößen über Eichenhain) Auch getrocknete Früchte können das geschmacklich etwas aufpeppen. Wenn wir in kühleren Klimazonen unterwegs sind hilft auch mal ein Kakao für den Start in den Tag. (manchmal landet das Kakaopulver auch einfach so im Müsli) Häufig packt uns aber morgens die Ungeduld und wir verschieben das Frühstück auf später. D.h. das Porridge wird schon mit Wasser aufgesetzt und wenn wir dann die ersten Meter unter den Füßen haben und eine schöne Stelle erreichen (z.B. der erste Pass oder Berggipfel auf der Tagesetappe) ist das Porridge schon schön durchgezogen. Bei Sauwetter haben wir aber auch schon oft das Frühstück, Frühstück sein gelassen und sind gleich so los. Dann wurde gleich zum “Mittagessen” übergegangen.

Unsere Snacks für den Tag tragen wir leicht zugänglich in den Außentaschen der Rucksäcke

“Mittagessen” bedeutet bei uns allerdings meist “Snacks” und schließt nicht notwendigerweise auch eine Pause mit ein. D.h. hier setzen wir auf Riegel, Kekse, Nüsse, Trockenobst und wenn vorhanden frische Sachen. “Frische Sachen” sind dabei Leckereien, die wir irgendwo besorgen konnten, die aber in der Regel zu schwer oder zu empfindlich sind um sie mehrere Tage mitzuschleppen. Äpfel, Bananen, Möhren, etc. oder auch mal ein Brötchen (trocken oder lecker belegt) sorgen unterwegs immer wieder für Abwechslung und lassen sich auch beim Wandern auf der Hand gut Knabbern.

Wer hat noch nicht, wer will noch mal? - Eine bunte Mischung diverser Rohkostriegel 

Bei Riegeln haben sich mittlerweile Rohkostriegel als Favouriten herauskristallisiert. Also keine Schoko und Keks bzw. Müsli Variationen. Die Riegel bestehen in der Regel aus einer Basis von getrockneten Früchten (meist Datteln) die ohne irgendwelche Zusatzstoffe auskommen. Uns schmecken dabei die etwas exotischer klingenden Sorten meist am besten und machen auch erstaunlich satt. Und gerade in heißen Gegenden muss man nicht mit schmelzender Schokolade kämpfen. Empfehlen kann ich da z.B. Riegel von Roobar.
Für etwas Abwechslung haben wir aber meist auch noch andere Riegel im Programm. Z.B. Haferriegel von Clifbar oder vergleichbares. Nur auf diese zu setzen machen wir aber nicht. Irgendwie können wir die nur ein paar Tage hintereinander genießen bis wir sie nicht mehr sehen können. Das haben wir bei den fruchtigen Rohkostriegeln nicht. 
Als kleines Leckerli bieten sich auch mal Bonbons oder Pfefferminz an. Sorgt zumindest für einen frischen Geschmack im Mund. ;-)

Kakao mit Rum und Applepie - kleine Leckereien für kleine Festtage
Wenn wir uns dann so mit allerlei Leckereien über den Tag gerettet haben, haben wir uns abends was Warmes verdient. Bei kurzen Touren können das typische Gerichte aus frischen Zutaten sein, wie wir sie auch zu hause futtern würden.

Mjamm!

Auch wenn eine Nachschubmöglichkeit in der Nähe ist versuchen wir so frisch zu kochen wie möglich. Dank Bushbuddy Ultra ist die Versorgung mit Brennstoff auf den meisten Touren eher eine Frage von Lust und Ausdauer beim Holz sammeln als eine Gewichtsfrage. 



Je länger die Tour umso mehr schlägt allerdings auch das Gewicht der Verpflegung zu Buche. Daher greifen wir dann auf gefriergetrocknete Trekkingnahrung oder auch mal selbst Gedörrtes zurück. 

Bolognese Sauce- Selbst getrocknet

Mittlerweile ist der Markt für tourentaugliches Tütenfutter recht ansehnlich. Da findet sich eigentlich für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel was. Eine gute Auswahl mit der Möglichkeit auch nach speziellen Vorlieben oder Lebensmittelunverträglichkeiten zu filtern bietet der Outdoorfoodshop. Hier kann man sich die verschiedenen Produkte auch nach Vorlieben und Unverträglichkeiten filtern lassen, was uns als "Pflanzenfressern" entgegen kommt. 

Womit wird uns der Koch wohl heute überraschen?

Wir greifen für Touren übrigens gerne auf verschiedene Marken zurück. Gerade bei sehr langen Touren schmecken selbst unterschiedliche Gerichte des selben Herstellers irgendwann vertraut, will sagen eintönig. Ist in etwa so, als wenn man jeden Tag ins selbe Restaurant geht oder vom selben Koch versorgt würde. Ein anderer Hersteller kann da etwas mehr Schwung in die Speisenfolge bringen. So kann man sich auch einen guten Mix aus Preis-Leistung zusammenstellen. 1-2 besonders leckere Gerichte die zwar etwas teurer sind aber die Stimmung anheben können. Und ein paar einfachere und günstigere Gerichte, wenn der Tag mal so anstrengen war, dass man nur schnell in den Schlafsack möchte und vorher noch was beißen muss.

Wein auf Tour? Man gönnt sich ja sonst nichts. ;-)

Bei Getränken beschränken wir uns neben frischem Wasser auf Tee oder Kakao. Dann ist der Cappucino den wir uns irgendwo mal gönnen können ein umso größerer Genuß! Da stört es dann auch nicht, wenn er aus dem Automaten kommt.

KAFFEE!!!1

Da die Frage immer wieder aufkommt: Irgendwelche speziellen Pülverchen, Mineralien oder Vitamintabletten nutzen wir gar nicht. Unsere Verpflegung unterwegs ist in der Regel so abwechslungsreich, dass wir nicht gleich von einem Tag auf den anderen eine Mangelerscheinung erleiden. Und selbst Spitzenathleten wie Scott Jurek haben gezeigt, dass es keine spezielle Sportlernahrung braucht. Wir laufen ja keine Ultramarathons. Wir machen ja gemütliche Wandertouren.;-)

In diesem Sinne,

"Guten Appetit"


Samstag, 25. Februar 2017

Abenteuer Notkarspitze

Das Geheimnis einer erfolgreichen Tour ist eine Art Dreiklang, also drei einzelne Töne die ein harmonisches Ganzes erzeugen. Diese drei sind der Charakter der Tour, die Ausrüstung und die eigenen Fähigkeiten. Jeder dieser drei Punkte ist in gewissem Maße abhängig von den anderen. Und bis zu einem gewissen Grad lassen sich Unstimmigkeiten in einem Punkt durch die beiden anderen übertönen. Elegant ist das vielleicht nicht, aber es kann funktionieren. Größere Unstimmigkeiten zwischen diesen drei erzeugen aber eine klare Disharmonie die  zumindest den Erfolg einer Tour gefährdet.

 

Diesen Winter ging es für uns erneut nach Süddeutschland. Zweimal mussten wir dieses Jahr (zugegeben recht kurzfristig) geplante Touren in die Alpen aufgrund von massiven Wetterumschwüngen vorzeitig abblasen. Jetzt drängte es uns umso mehr endlich wieder Berge zu sehen. Gipfelfieber nennt man das wohl. Ursprünglich wollten wir uns diesmal wieder auf die Bretter stellen, die zumindest für so manchen Bergfex die Welt bedeuten. Mit einem der wärmsten Winter der letzten Jahre lag aber selbst hoch oben auf der Zugspitze so wenig Schnee, dass wir die Ski gleich von Anfang an zugunsten unserer Wanderschuhe ungenutzt ließen. Das sind die großen Dinge auf die man keinen Einfluss hat. Flexibel in seinen Freizeitvergnügungen zu sein und bei Plusgraden nicht auf perfekt präparierte Pisten zu beharren täte wohl auch dem Alpenraum und der gesamten Umwelt gut. Aber das ist ein anderes Thema...

Das stabile Hoch versorgte uns Fußgänger jedenfalls mit perfektem Bergwetter, strahlend blauem Himmel und großartiger Fernsicht. Selbst die Wege und Steige waren bis auf die Gipfel der höheren Berge trocken und eisfrei. Und so nutzten wir die ersten Tage ausgiebig dazu etliche Höhenmeter unter die Füße zu kriegen. Natürlich nicht ohne auch die ein oder andere Einkehrmöglichkeit zu vernachlässigen.

Eine unserer Touren sollte uns auf die Notkarspitze führen. Im Sommer stellt die Notkarspitze mit Blick auf das Ettal einen klassischen Wanderberg dar. Und die Aussicht über das Klostertal zur einen und zur Zugspitze zu anderen Seite lockt wohl auch zahlreiche Wanderer auf den Gipfel. Zwar kann sich der Aufstieg über den Rücken an der Ostseite bei weniger konditionsstarken Bergwanderern etwas ziehen, und auch die Abstiege sind nicht zu vergessen. Bei gutem Wetter und ausreichend Tageslicht aber keine wirkliche Schwierigkeit. Im Winter (soll heißen bei Schnee) sind die Wege dann aber in aller Regel nur noch eingeschränkt begehbar oder erfordern zusätzliches Gerät wie Schneeschuhe oder Tourenski.
Diesen Winter war der Berg aber fast vollständig schneefrei. Lediglich die Spitze sollte etwas gepudert sein.

Unseren Aufstieg begannen wir recht spät. Man hat ja schließlich Urlaub und möchte auch mal in aller Ruhe ausschlafen. Und das Frühstück möchte man ja auch nicht vernachlässigen. Unser Gepäck hielten wir an diesem Tag recht leicht. Die Steigeisen ließen wir gleich im Auto. Sollte oben wieder erwarten doch mehr Schnee liegen würden wir einfach wieder umdrehen.
Also ging es für uns los. Unsere warmen Schichten verschwanden schon zu Beginn im Rucksack, heizte uns doch sowohl der Aufstieg wie auch die Sonne an diesem Tag ordentlich ein. Über Wurzelpfade ginge es beständig bergauf. Ein Mountainbiker kam uns mit seinem Hund entgegen. Und als wir den ersten Gipfel des Bergkamms erreichten begegneten uns auch mehr und mehr Wanderer, die auch die Gunst des guten Wetters genutzt hatten.




Irgendwann erreichten wir die Schneefallgrenze. Im Schatten der Bäume und Felsen hatte sich tatsächlich noch einiges an Schnee halten können. Da der letzte Anstieg aber eher moderat war legten wir dann noch die letzten Meter zum Gipfel zurück. Nur noch über den abschließenden Grat. Die übrigen Wanderer befanden sich bereits auf dem Abstieg und kamen uns auf unserer Aufstiegsroute entgegen. Den Gipfel der Notkarspitze hatten wir dann auch ganz für uns allein.



Da sich langsam die Sonne dem Horizont näherte und es oben auch recht frisch wurde planten wir den Abstieg. Von den drei möglichen Routen entschlossen wir uns aufgrund der Zeit für die kürzeste, wenn auch die relativ gesehen steilste. Der untere Teil dieser Route sollte ein einfacher Steig sein, lag aber nach unserer Einschätzung unterhalb der Schneegrenze und sollte somit nicht anspruchsvoller sein wie im Sommer.
Der erste Teil des Abstiegs ging dann auch recht flott vor sich. Auf den letzten Metern haben wir uns dann noch schnell gegenseitig mit Schneebällen bedacht. Man will ja hinterher nicht von sich sagen, dass man so eine Gelegenheit bei einem so warmen Winter verstreichen ließe. Der weitere Weg verlief dann auch ohne großen technischen Anspruch auf einem schmalen Pfad um die Bergflanke herum. Die Stirnlampen hatten wir uns schon aufgesetzt, auch wenn das Restlicht des Tages noch ausreichte.
Als wir um eine Kurve bogen lag dann plötzlich ein Wasserfall vor uns. Das heißt, über eine Länge von knapp 4 Meter war unser Weg von einer dicken Eisschicht bedeckt.
Da standen wir nun und konnten nicht so ganz glauben was wir da sahen. Ich ärgerte mich, weil ich unsere Steigeisen im Auto gelassen hatte. Mit ihnen hätten wir einfach weiterspazieren können. Und ohne sie?
Schlagartig hatten sich die Bedingungen für unsere Tour geändert.

Sollten wir nun trotz der Dunkelheit wieder zurück auf den Berg steigen und eine andere Route wählen? Das währen noch mehrere Stunden Tour wobei die Bedingungen am Gipfel sich mit sinkenden Temperaturen nun auch geändert haben konnten. Ich sah eine Möglichkeit dieses Hindernis zu umsteigen und wir beschlossen weiter auf dieser Route abzusteigen, waren wir doch schließlich "schon fast unten". Den Wasserfall hatten wir dann auch nach einer Weile umstiegen. Also weiter. Die Stirnlampen waren mittlerweile das einzige Licht, das uns den Weg leuchtete. Zwar standen die Sterne hell am Himmel und lieferten uns eine einmalige Kulisse, aber nicht ausreichend um uns den Weg zu zeigen.
Noch mit unserem Erlebnis im Hinterkopf bogen wir um die nächste Ecke und erblickten einen weiteren überfrorenen Wasserfall vor uns. Das konnte nicht war sein. Als hätte sich grade alles gegen uns verschworen. Diesmal konnten wir diese Stelle nach einiger Zeit etwas oberhalb umsteigen. Kein leichter Akt, aber es gelang uns dann doch ganz gut. Wie gesagt, mit unseren Steigeisen wären diese Klettereinlagen vollkommen unnötig gewesen. Und hätten wir vor Beginn dieser Tour, oder zumindest vor dem Abstieg von diesen Hindernissen gewusst, hätten wir uns klar für eine andere Route entschieden. Kleine Entscheidungen die sich nicht mehr rückgängig machen ließen.

Was soll ich sagen im weiteren Abstieg warteten noch zwei weitere Eisfälle auf uns. Nicht wirklich einfacher wie die zwei zuvor. Aber wir blieben ruhig und konzentriert auch wenn die Gesamtsituation unsere Komfortgrenze doch spürbar strapazierte. Im Lichtkegel von 200 Lumen schafften wir es schlussendlich auch diese letzten Hindernisse zu überwinden. Die weiteren Details erzählen wir euch gerne mal bei einem passenden Getränk, abends am Lagerfeuer...

Mit dem letzten Wasserfall begann dann auch der eigentliche Steig. Durch die Kletterpassagen an den Wasserfällen sensibilisiert ließen wir uns im Folgendenden ausreichend Zeit. Keine Not uns auf den letzten Metern vom Abstieg noch die Haxen zu vertreten. Der ach so kurze Weg zog sich dann gefühlt eine Ewigkeit hin. Doch nach und nach drangen die Geräusche der nahen Straße zu uns. Und ein wenig später wurde der Weg schließlich flacher und durch den vor uns liegenden Waldrand konnten wir die Raureif bedeckten Wiesen vom Ettal sehen. Im Schein unserer Lampen glitzerte und funkelte alles wie in einem kitschigen Hollywoodstreifen. Erleichtert wieder unten zu sein genossen wir die letzten Meter durch diese Kulisse. Um Punkt 20:00Uhr erreichten wir dann doch deutlich früher wie gedacht wieder unser Auto. Wie das Zeitgefühl einen täuschen kann.

 

Diese Tour war anders verlaufen wie geplant. Und wir haben lange darüber nachgedacht, was wir hätten anders machen können oder was wir für Alternativen gehabt hätten. Natürlich gab es viele Faktoren und Entscheidungen, die uns schlussendlich in diese Situation geführt hatten. Und jede Entscheidung, wie etwa ein früherer Tourbeginn, das Mitführen unserer Steigeisen oder der Abstieg über eine bekannte Route hätten alles anders kommen lassen. Ein perfekter Dreiklang war diese Tour daher nicht gewesen. Und währe das ein Konzert hätten wohl auch einige Leute den Saal verlassen. Schlussendlich sind wir ein unfreiwilliges Abenteuer und einige Erfahrungen reicher wieder sicher unten angekommen.
Unnötig zu erwähnen, dass wir in den folgenden Tagen immer unsere Steigeisen mit im Gepäck hatten auch wenn sie nicht auf jeder Tour erforderlich waren. Manch ein gewichtsbewusster ULer mag jetzt vielleicht den Spruch "Don't pack your fears" auf der Zunge haben. Und zu einem gewissen Grad mag das auch stimmen. Aber wie heißt es andererseits so schön in einer Dienstvorschrift der Bundeswehr? "Im Winter ist mit Schnee zu rechnen." ;-)
Und welchen Einfluss selbst kleine Entscheidungen oder Veränderungen bei Touren im Gebirge haben können wurde uns nur zu gut bewusst. Nicht jeden
schiefen Ton kann man überspielen und genausowenig kann man auf alles vorbereitet sein und für jede Eventualität planen. Einen gewissen Toleranzbereich sollte man aber immer berücksichtigen und den entsprechenden Sicherheitspuffer parat haben.


Donnerstag, 23. Februar 2017

Langzeiterfahrung mit imprägnierter Daune - die Berghaus Women's Furnace Down Jacket

Über manche Ausrüstungsteile kann man sich relativ schnell ein Bild machen. Und dann gibt es Dinge, die erfordern Zeit um sich ein abschließendes Urteil bilden zu können.Um genau so ein Teil soll es im Folgenden gehen. Den Bericht dazu hatten wir schon vor einer ganzen Weile geschrieben. Da aber selbst einige Wochen Nutzungsdauer unserer Meinung nach nur ein unvollständiges Bild über dieses Produkt liefern könnten, hatten wir den Bericht erstmal wieder zur Seite gelegt. Nach nunmehr rund 2 Jahren wollen wir Euch aber nicht länger warten lassen und schildern Euch im Folgenden unsere Eindrücke über die Berghaus Furnace Down Jacket. Dafür haben wir unseren ursprünglichen Bericht noch am Ende um unsere Langzeiterfahrungen mit der Jacke erweitert. Aber jetzt erstmal viel Spaß beim Lesen...



Erste Eindrücke

Nachdem ich mich in den letzten Jahren durch die verschiedenen warmen Klamotten durchprobiert habe wurde es nun langsam mal Zeit, dass auch Rike warm eingepackt wird. Die Bergfreunde hatten daher vor einigen Monaten vorgeschlagen sie sollte doch mal in die Berghaus Women's Furnace Down Jacke reinschlüpfen. Da die Jacke mit einer neuen, wasserabweisend ausgestatteten Daune isoliert ist (Berghaus nennt sie Hydrodown) und wir dieser Entwicklung doch sehr neugierig gegenüberstanden, waren wir damit einverstanden die Jacke mal einem ordentlichen Praxistest zu unterziehen. An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön für die Möglichkeit die Jacke zu testen.
Ich übergeb' einfach mal die Tastatur an Rike. Immerhin hat sie ja die Jacke in der Praxis getestet und ich durfte das Teil dabei nur von außen bewundern.


Na gut. Dann will ich mal. Wenn ich ehrlich bin, war ich zuerst nicht so glücklich mit der Jacke. Ich hatte nur die Männerversion im Internet gesehen, mit ihrem schicken blau und den farblich abgesetzten Reißverschlüssen. Die wirkte so richtig sportlich-schick. Und was springt mich dann da aus dem Karton raus an? Lila! Mit pinken Reißverschlüssen! Ja, ich bin eine Frau. Und ja ich mag auch bunte und fröhliche Klamotten. Aber so eine klischeebehaftete Farbkombi wählt man doch nur, wenn sich schon im Kinderzimmer die Barbies bis unter die Decke stapelten. Liebe Outdoordesigner, ein weiblicher Touch ist schön und gut, aber da gibts doch mehr wie das ewige pink und rosa! (warum nicht mal was in türkis oder einem freundlichen Grasgrün?)
Hätte ich mich in einem Geschäft nach einer Jacke umgeguckt, hätte ich die hier gar nicht erst vom Bügel genommen.


Na gut. Jetzt lag sie ja erstmal vor mir und da konnte ich sie zumindest auch mal anprobieren. Passt. Reißverschluss zu. Sitzt gut. Und warm ist sie auch. Richtig gemütlich. Und wie sieht sie aus? Ok. Sooo schlimm ist die Farbe dann doch nicht. Ist doch irgendwie ganz schick. Und schön leicht ist sie!
Angenehm ist vor allem, dass sie nicht so doll aufträgt, wie andere gefütterte Klamotten. Das hat mit der besonderen Art der Steppung zu tun. An Front und Rücken hat die Jacke nämlich normale, quer verlaufende Kammern. Unter den Armen sind die Kammern aber in Form vieler, kleinerer Rhomben abgesteppt. Das verhindert dann wohl einerseits ein seitliches Verrutschen der Füllung und sorgt damit gleichzeitig für eine gleichmäßigere und stabilere Verteilung der Isolation.
Was den Sitz und den Schnitt der Jacke angeht sind aber Bilder wohl aussagekräftiger. Macht euch also mal einen eigenen Eindruck davon.


Im Gegensatz zu Basti finde ich es übrigens von Vorteil, dass die Jacke keine Kapuze hat. Im Gegensatz zu ihm hab ich ja noch Haare auf dem Kopf die mich warm halten. ;-) Und wenn es dann doch mal kälter wird, zieh ich lieber eine schöne Mütze an, als mich in einer Kapuze zu verstecken. Und ohne Kapuze passt auch mal eine Regenjacke besser drüber.


 So, jetzt schreib ich aber noch mal kurz was zu meiner Praxiserfahrung mit dieser Jacke. Alles in allem hält sie zumindest immer schön warm und das ist für mich erstmal das Wichtigste. Mit Sicherheit nix um sich im tiefsten Winter im Zelt warm einzupacken. Ist auch eh nicht so meins. Aber für ausgedehnte Tagestouren oder wenn man sich im übrigen Jahr was Warmes für abends mitnehmen möchte perfekt. Wie weit das mit der imprägnierten Daune funktioniert kann ich nicht genau sagen. In starke Regenschauer bin ich bisher mit der Jacke noch nicht gekommen. Und wenn es mal soweit sein sollte, würde ich dennoch nicht auf eine Regenjacke verzichten. Als Regenjackenersatz ist sie ja natürlich auch gar nicht gedacht. Das man das nicht unbedingt immer verhindern kann und wie sich die Hydrodown dann tatsächlich verhält, hat Jon in seinem Bericht auf britische Art und Weise sehr schön beschrieben:


Also alles in allem scheint sie ja wirklich gut zu funktionieren.
Klar hab ich das noch nicht wie Jon selber probiert. Aber ich muss zugeben, dass ich mich mit der Jacke wohler fühle, da ich nicht immer drüber nachgrübel sie auf jeden Fall 100% trocken halten zu müssen.  Ein Gedanke weniger im Kopf. Grade bei unseren eher nasskalten Wintern lädt das dann mal dazu ein wild herumzustromern und sich in den nächstbesten Schneehaufen zu stürzen ohne sich gleich Sorgen um die Jacke zu machen.
Zumindest während einer flotten Wintertour hatte ich ein Aha-Erlebnis. Wir waren gerade hoch auf einen Berg gewetzt und wollten uns bei der obligatorischen Gipfelrast unsere warmen Jacken überziehen. Basti schien dennoch nach einer Weile auszukühlen. Wie wir feststellten, waren große Teile des Rückens seiner Jacke nass und die Isolierung komplett zusammengefallen. Da er am Gipfel seine Jacke sofort übergezogen hatte um nicht auszukühlen hat er diese nach der Anstrengung einfach vollgeschwitzt. Meine Jacke blieb dabei schön trocken und fluffig. Ob ich jetzt einfach weniger gedampft habe wie Basti, oder ob es an der Daune lag, kann ich nicht sagen. Ich war aber froh, dass ich nicht auch so frieren musste.



Was bei Daunensachen natürlich immer fragwürdig ist, egal ob es jetzt um normale Daune oder imprägnierte Daune geht, ist die Herkunft. Hab da mal auf der Seite von Berghaus rumgestöbert und da schreiben sie folgendes:
»Tierschutz ist ein wichtiges Thema, wenn es um unsere Jacken, Westen und Schlafsäcke mit Daunenfüllung geht. Bei den von uns verwendeten Daunen handelt es sich um ein Abfallprodukt aus der Lebensmittelindustrie. Sie sind nicht das Ergebnis von lebend gerupften Tieren und stammen nicht von Gänsen, die für die Produktion von Foie Gras gemästet wurden.«

Also alles in allem bin ich mit der Jacke recht zufrieden. Und bei der Qualität die ich von anderen Sachen von Berghaus kenne, gehe ich mal davon aus, dass die Jacke mich auch so schnell nicht im Stich lassen wird. Je länger so 'ne Jacke hält umso besser ist das ja nicht nur für's Portemonnaie sondern auch für die Umwelt. Und ich find's auch irgendwie schön, wenn man dann irgendwann überlegen kann wo man schon überall mit seiner Jacke war und was man erlebt hat. Fast wie ein Fotoalbum für den Kopf. Bin daher schon gespannt, wohin mich meine Berghaus Jacke noch überall begleiten wird und was wir gemeinsam erleben werden!

Langzeiterfahrung

Und in den vergangenen zwei Jahren hat die Berghaus Furnace Down Jacket meine Frau dann auch tatsächlich auf etlichen Touren und auch regelmäßig im Alltag begleitet. Dabei hat sie sich als treuer und überaus zuverlässiges Ausrüstungsteil bewiesen. Dabei ist natürlich vor allem die Langlebigkeit der Daunenimprägnierung interessant. Während dieser Nutzungsdauer wurde die Jacke nicht nur intensiv genutzt und dabei auch dem ein oder anderen Nieselregen ausgesetzt. Sie wurde vor allem mindestens einmal pro Saison gewaschen, was einerseits bei Daune immer ein Thema für sich ist, andererseits auch jede Imprägnierung stark beeinträchtigt.
Und hier hat uns die Jacke am meisten verblüfft. Bei den ersten Wäschen war das typische Daunenproblem mit verklumpter Füllung schlichtweg nicht vorhanden. Es war kein aufwendiges Trocknen mit irgendwelchen Hilfsmitteln nötig. Die Füllung plusterte sich zuverlässig wieder auf und die Jacke sah aus wie neu. Und auch auf den Touren zeigte sich die Füllung von Feuchtigkeit weiterhin unbeeindruckt, während die Imprägnierung des Außenmaterials längst abgenutzt war. Erst nach rund anderthalb Jahren fing die Jacke in besonders beanspruchten Stellen (Schulter und Rückenbereich) an, beim Waschen die typischen Daunensymptome zu zeigen. D.h. nach der Wäsche waren in den betroffenen Kammern die Daunen teilweise verklumpt. Mittels Trockner und dem üblichen Tennisballtrick ließen sich diese Verklumpungen wieder lösen und die Jacke war so gut wie neu. Gewaschen haben wir die Jacke immer mit entsprechenden Daunenwaschmitteln verschiedener Hersteller. Wir haben dabei Nachimprägnierung der Daune mittels Daunenimprägniermittel (z.B. von Nikwax) verzichtet. Gewaschen wurde die Jacke immer bei niedriger Temperatur in einem Woll-/ Schonwaschgang und kam anschließend für kurze Zeit bei niedriger Temperatur in den Trockner.

Nach nun rund 2 Jahren nimmt die Jacke immer noch deutlich langsamer und weniger Feuchtigkeit auf wie eine vergleichbare Daunenjacke ohne spezielle Imprägnierung und trocknet auch entsprechend schneller. Auch wenn die wasserabweisende Wirkung der Isolierung schon lange nicht mehr so gut ist wie im Neuzustand ist das dennoch eine beeindruckende Leistung. Abgesehen vom langsamen Nachlassen der Imprägnierung hat die Jacke keine Abnutzungspuren oder Beschädingungen. Das Pertex Außenmaterial ist wiedermal seinem Ruf als hochqualitatives Gewebe gerecht geworden. Es gab keinen nennenswerten Daunenaustritt. Und auch alle Reißverschlüsse laufen nach dieser Zeit immer noch leichtgängig.


Rikes Erfahrung mit der Berghaus Furnace Down Jacket waren durchweg positiv und die britische Firma Berghaus hat mit dieser Jacke ein hochqualitatives und zuverlässig Produkt geschaffen.
Die Hydrodown-Isolierung ist dabei aber der eigentliche Star. Nicht nur ist sie aus unserer Sicht sowohl klassischer Daune als auch den gängigsten Kunstfaserisolierungen in technischer Sicht überlegen. Die Imprägnierung ist vor allem so langlebig, dass man keine Angst davor haben muss, dass diese sich wie bei manchen Regenjacken schon nach kürzester Zeit abnutzt.