Samstag, 22. April 2017

South Downs Way


Manchmal braucht man einfach eine Auszeit, auch wenn sie noch so kurz ist. Als sich für uns spontan ein Zeitfenster ergeben hat haben wir daher umgehend die Gelegenheit genutzt, einen Last-Minute-Flug gebucht und sind los. Normalerweise würden wir solche Ausreißer eher irgendwo in der Nähe machen. Aber manchmal packt es einen einfach und Reisende soll man ja bekanntlich nicht aufhalten.
Mit dem Flieger ging es zunächst nach London wo wir noch eine Ausstellung besuchten, bevor wir uns ausgiebiger die Beine in den South Downs vertreten wollten. Neben dem Hunger nach Frischluft sollte nämlich auch unser kultureller Appetit gestillt werden.
Den Tipp mit den South Downs haben wir einigen britischen Bekannten auf Twitter zu verdanken. Anregungen und Ideen wo man spontan eine kurze Tour unternehmen könnte gab es viele. Schlußendlich haben wir uns aber aus logistischen Gründen für die South Downs entschieden und nach dem Zwischenstop in London war es erfreulich einfach sich in den nächsten Bus zu setzen und raus aufs Land zu fahren.

Nach relativ kurzer Fahrt gelangten wir so zu dem beschaulichen Städtchen Winchester, das im 10./11. Jahrhundert noch England als Hauptstadt gedient hatte. Von dort ging es in südöstlicher Richtung entlang des South Downs durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend die uns stark an die Eifel erinnerte. Auch wenn hier deutlich mehr Fasane unterwegs waren wie daheim. Die South Downs sind geprägt durch unzählige Feuersteine, die nicht nur die Wanderwege und Felder bedecken, sondern auch die Mauern und Wände der Häuser.
Das Wetter meinte es gut mit uns und es dauerte nicht lange und die Hose wurde hochgekrempelt. Ab und an wurden wir von den obligatorischen Schafen angeblökt.

Und auch das ein oder andere Eichhörnchen ließ sich blicken. Insgesamt schien überall um uns herum geschäftiges Treiben und man merkte, dass der Frühling die Tiere zur Aktivität trieb. Am späten Nachmittag nutzten wir die Gelegenheit um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Und auch wenn natürliche Wasserquellen in den South Downs rar sind, finden sich doch regelmäßig ausgewiesene Wasserhähne für Wanderer und natürlich auch der ein oder andere Pub entlang des Weges. Aber auch so ein Tag geht mal zu Ende und so verbrachten wir die erste Nacht auf einem bewaldeten Hügel unweit des Weges. Im Schutz eines großen Baumes schlugen wir unser Tarp zum ersten mal auf und genossen es wieder mal im Freien zu schlafen.

An Morgen gab es erstmal ein kleines Frühstück im Bett. Unser Esbit-Kocher versorgte uns mit einer Portion Porridge zum warm werden bevor wir aus unserem Quilt krochen. Wenn wir draußen schlafen sind wir meistens schon recht früh auf, weil wir von den ersten Sonnenstrahlen und den Tieren geweckt werden. Der Pub, den wir in Hoffnung auf eine große Kanne Tee ansteuerten, hatte leider noch geschlossen. Dafür bescherte uns dann ein kleiner Laden im nächsten Dorf ein zweites Frühstück.

So gestärkt ging es für uns zunächst immer weiter Richtung Südosten. Auf dem South Downs Way waren gefühlt mehr Radler auf ihren Mountainbikes unterwegs wie Wanderer. Aber auch den ein oder anderen Tagesausflügler trafen wir unterwegs, gab es doch einige schöne Ziele entlang des Weges die aus der Umgebung gut zu erreichen waren.
Auf der Karte hatten wir bereits mögliche Orte für unser Nachtlager rausgesucht und am Abend hielten wir dann die Augen für einen geeigneten Platz auf. Rike sammelte derweil frischen Bärlauch um unser Abendessen etwas aufzupeppen. Wer konnte auch ahnen, dass wir bei unserer Suche nach einem Nachtlager schließlich in einem weit ausladenden Bärlauchfeld landen würden?

Der nächste Morgen begrüßte uns mit seinen warmen Sonnenstrahlen. Auch wenn wir die Wanderung auf dem South Downs Way bisher genossen haben rief uns aber irgendwie bereits das Meer und so beschlossen wir einen kleinen Umweg über Brighton zu machen. Der englische Badeort Brighton der mit seinem weit ins Meer herausragenden Pier und historischen Gebäuden wie aus einer anderen Zeit wirkt, ist ein wahrer Magnet für Besucher aus aller Welt. Mit seinen Touristen und den Attraktionen ein deutlicher Kontrast zu dem bisher eher ruhigen South Downs Way. Und so haben wir diesen kleinen Abstecher zwar genossen, waren dann aber auch froh, als wir hinter Brighton wieder auf den South Downs Way trafen. Die Landschaft hatte sich zwischenzeitlich komplett gewandelt. Weit gestreckte, baumlose Hügel lagen nun vor uns. Und rechter Hand konnte man die weißen Klippen und das Meer sehen.
Wir haben ihnen die Hälfte unseres Proviants  angeboten, aber sie wollten uns trotzdem nicht tragen.

In der Morgendämmerung begannen wir unseren letzten Tag auf dem South Downs Way. Während im nächsten Dorf noch alles schlief stapften wir bereits die ersten Hügel hoch. Mit dem Frühstück warteten wir bis wir aus einem Wald heraus auf eine hoch gelegene Wiese traten von der wir aus das Meer und den Beginn der Seven Sisters sehen konnten. Und so knabberten wir unseren Proviant in der Sonne bei perfekter Aussicht, während um uns herum noch ganz junge Kaninchen aus ihren Bauten rein- und rausflitzten.

Die Klippen der Seven Sisters waren einerseits der beeindruckendste Abschnitt des Weges, wie auch leider der vollste, woran wohl auch nicht zuletzt das gute Wetter Schuld war. Ich muss zugeben, dass ich doch auch recht neidisch war auf die vielen Läufer, die hier so tolle Strecken zum Spielen und Austoben haben.

Nach einem langen und sonnigen Tag ging dann unsere kurze “Flucht” nach England in Eastbourne zuende. Mit dem nächsten Zug ging es nach London und ein Flieger brachte uns von einer überraschend warmen und sonnigen Insel in ein verregnetes und viel zu kaltes Deutschland.


Für die Gearnerds unter Euch und für diejenigen, die eventuell mal etwas Ähnliches vor haben, kommen jetzt noch ein paar unserer Eindrücke und Anregungen.

Der South Downs Way war sehr gut ausgeschildert und ist insgesamt recht unkompliziert. Alle Nase lang kommt man durch eine kleine Siedlung. In regelmäßigen Abständen finden sich Pubs, Cafes, Restaurants oder kleine Läden. Und die Verkehrsanbindung ist zumindest an den Start-, bzw. Endpunkten auch sehr gut. Der Anschluss von bzw. nach London braucht je nach Verkehrsanbindung zwischen 1–2 Stunden. Fast der gesamte Weg ist auch mit dem Fahrrad möglich, bzw. die wenigen Stellen wo er nicht befahrbar ist gibt es entsprechende Alternativrouten. Wildzelten ist wie gesagt eigentlich nicht gestattet. Auf der Webseite des Weges gibt es aber eine recht umfassende Liste mit offiziellen Campingplätzen sowie Hostels und anderen Unterkünften. Man könnte den Weg also auch nur mit der Zahnbürste in der Hemdtasche als Gepäck laufen und auf feste Unterkünfte und Gaststätten setzen. Insgesamt also perfekt wenn man eine kurze entspannte Tour ohne viel Vorbereitung plant. Ob das Wetter dabei immer so mitspielt wie bei uns möchte ich aber nicht versprechen. ;-)

Eine solche Tour erfordert eigentlich nur minimales Gepäck und so verzichteten wir darauf Gepäck aufzugeben und sind mit Handgepäck los.
Grundsätzlich ja keine Herausforderung. Wenn man aber an eine Wanderung mit Übernachtung im Freien denkt, finden sich doch einige typische Ausrüstungsteile auf der Liste der verbotenen Dinge für Handgepäck wieder. Neben dem offensichtlichen Taschenmesser bereiten einem je nach Fluglinie und Laune des Sicherheitspersonals auch Heringe und Trekkingstöcke mit ihren Spitzen ein paar Probleme. Über die Thematik nur mit Handgepäck zu reisen hatte ich vor längerer Zeit schonmal einen Themenfaden im Ultraleicht-Forum gestartet. Einige der Ideen konnten wir nun auf dieser Tour gut nutzen.
Nur im Biwaksack übernachten wollten wir z.B. nicht unbedingt. Also packten wir für unser Tarp ein paar leichte, faltbare Tarpstangen ein und statt Heringen setzten wir auf Chinesische Essstäbchen aus Bambus. Klingt radikal, funktionierte aber erstaunlich gut.

Ein Schneidwerkzeug ließen wir gleich ganz zu hause. Pflaster und Reparaturklebeband war vorgeschnitten und um Porridge aus einem Ziplockbeutel zu futtern reicht ein Löffel. Beim Kochen setzten wir auf einen kleinen Esbitkocher der auch für Mengen von zwei Personen noch überraschend effizient funktionierte.

Wenn ihr weitere Fragen zu unserer Ausrüstung oder auch zu unserem Kurztrip habt, hinterlasst doch einfach einen Kommentar hier im Blog oder schreibt uns auf Twitter.

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