Donnerstag, 6. April 2017

Wenn "leichter" nicht gleich "leichter" ist

Wer sich selber schonmal daran versucht hat einen Blog zu schreiben wird früher oder später feststellen, dass einige Artikel es nie zur Veröffentlichung schaffen. Gründe dafür gibt es zahlreiche. Manchmal weil man zu lange mit dem Schreiben gewartet hat und einem jeweilige Thema nicht mehr aktuell genug erscheint. Oder weil man merkt, das man zwar selber von einer Sache vollkommen begeistert ist, jemand anderes (also in dem Fall die möglichen Leser) diese konfusen Gedanken und offensichtlichen Enthusiasmus nicht nachvollziehen kann. So haben sich bei mir über die Jahre so einige Texte angesammelt, die aber irgendwie doch zu schade sind um sie digital verstauben zu lassen. Den folgenden Artikel hatte ich 2011 verfasst und wollte neben einer kurzen Vorstellung meiner Ausrüstung damit auch einen Einblick in die Gedankengänge eines Ultraleicht Wanderers liefern. Ich habe den Text bewusst so gelassen, wie ich ihn vor sechs Jahren geschrieben habe, auch wenn sich in der Zwischenzeit natürlich einiges verändert hat. Ich hoffe ihr könnt dennoch was für Euch aus dem Artikel mitnehmen.

Seit ich mit dem Wandern angefangen habe, habe ich bereits eine Unzahl an Isomatten verschlissen. Seit ich angefangen habe mich konsequent darauf zu konzentrieren, meine Ausrüstung zu erleichtern, ist das nicht besser geworden. Im Gegenteil!

Von den schweren selbstaufblasenden Isomatten ala "Therm-a-Rest" hatte ich mich schnell verabschiedet. Die leichtere Alternative waren für mich Isomatten aus Evazote. Vom Wärme-Gewichtsverhältnis einfach unschlagbar. Zudem kann man diese einfach auf die benötigte Größe mit der Schere zurecht stutzen. 
Das führte dazu, dass ich schon wenig später mit einer Torso-großen Matte als Bodenisolierung unterwegs war. Gleichzeitig nutzte ich die Matte als improvisiertes Tragegestell für meinen Rucksack! Dualuse in Reinform und wieder ein paar Gramm eingespart!

Um mehr Komfort in dieses doch recht spartanische Setup zu bringen experimentierte ich dann mit solchen Gewichtswundern wie der Neoair, einer "leistungsgesteigerten" Luftmatraze. Doch irgendwie wurde ich mit der rutschhemmenden (ich empfinde es eher als klebrig) Oberfläche nicht warm. Auch störte es mich, dass ich trotzdem eine zweite Matte mitnehmen musste um ein Tragegestell für meinen Rucksack zu erhalten.
Leichter wurde ich damit also auch nicht. Also wieder zurück zur EVA-Matte...

Wer schonmal auf so einer dünnen, zurechtgestutzten Matte geschlafen hat wird mir zustimmen, dass der Anwendungsbereich ähnlich groß ist wie die Abmessungen der Matte. Spätestens in der kühleren Jahreszeit ist dann "etwas" Isolierung unter den Füßen dann doch nicht so verkehrt. Das sorgt allerdings auch wieder für ein größeres Packmaß und damit für einen reduzierten nutzbaren Raum im Rucksack für die übrige Ausrüstung. 

Eine sogar noch leichtere, sprich dünnere Isomatte sollte dieses Problem lösen. Diese Evazotematte brachte mich wirklich "hautnah" an Mutter Erde ran. Besser gesagt: Polsterung war nur rudimentär vorhanden. Dafür waren aber meine Füße mit auf der Matte. Und bei etwas Mühe bei der Platzwahl konnte ich doch noch "bequem" liegen.

In Island merkte ich dann aber schnell noch einige andere Nachteile.
Da die Matte aufgrund der Dicke nicht so steif war, ging das Rucksackpacken nicht so problemlos wie sonst. Irgendwie "rutschte" die Matte immer dazwischen, wenn ich ein Teil aus meinem Pack rein oder rausbugsierte...
Und nachts war mir doch recht frisch!
Ich merkte deutlich, wie die Bodenkälte durch das dünne Stück Isolierung drang. Also auch keine wirklich zufriedenstellende Lösung.

Wieder zu hause wurde gleich nochmal die Ausrüstungskiste auf den Kopf gestellt. 
Einige Zeit und einige Überlegungen später hatte ich ein Resultat: 
Ein Hybrid aus einer dicken, warmen, faltbaren Matte für den Torso und einer dünneren Matte für Beine und Füße. Eine kurze Tour überzeugte mich vom gesteigerten Schlafkomfort! Und das Gewicht war auch akzeptabel. Allerdings gab es da noch so eine Kleinigkeit, die mich unzufrieden machte! Das Packmaß dieser Kombination war einfach zu groß. Statt auf einer Wochenendtour mein huckePÄCKCHEN nutzen zu können, musste ich doch glatt zu einem größeren Rucksack greifen! Also doch nicht die Eier legende Wollmilchsau gefunden.

Bei einem zufälligen Blick auf einige Packlisten fielen mir dann plötzlich ein paar Zahlen ins Auge! Also schnell mal Stift und Papier geholt und die Vermutung überprüft. Erst war ich doch ungläubig überrascht! Konnte es denn sein...?
Ich suchte schnell mal eine rudimentäre Ausrüstung (Isomatte, Quilt, Shelter, Kleidung, Kocher) zusammen und versuchte diese in meinem huckePÄCKCHEN zu verstauen. Es ging PROBLEMLOS! Und obwohl das Meiste davon für zwei Personen ausgelegt war (Quilt, Shelter, Kocher) blieb sogar noch ausreichend Platz im Rucksack übrig um evtl. Verpflegung zu verstauen!

Was war passiert? 
Ich hatte die Packlisten meiner Frau mit meinen verglichen! 
Sie selber nutzt schon seit Jahren eine kurze, selbstaufblasende Isomatte von Therm-a-Rest, die ProLite 3 short. Also etwas vor dem ich mich immer gedrückt hatte! Zweifelsfrei liefert diese Isomatte einen hervorragenden Schlafkomfort (Isolation und Polsterung) und hat sich auch in den Jahren als "Tragegestell" im Rucksack behauptet. Doch ihr Gewicht hatte sie im Vergleich zu anderen Matten für mich immer unattraktiv erscheinen lassen! 
Diese großvolumigen EVA-Matten zwangen mich aber (zumindest auf längeren Touren) dazu auch größeren Rucksäcke, wie meinen huckePACK zu nutzen, da mir sonst der nötige Stauraum für meine Ausrüstung und Verpflegung fehlte!
Als ich mich beim Gewichtsvergleich aber nicht mehr nur auf die Isomatten beschränkte, sondern auch das Gewicht der übrigen Ausrüstung, insbesondere der Rucksäcke miteinander verglich hätte ich mich am liebsten Geohrfeigt, dass ich nicht schon früher darauf gekommen bin. 
Das Gesamtgewicht von großem Rucksack plus leichter EVA-Matte war tatsächlich größer wie das meines kleineren Rucksacks plus Therm-a-Rest!
Und trotzdem blieb mir aufgrund des deutlich geringeren Packmaßes der selbstaufblasenden Isomatte ausreichend nutzbares Volumen für die übrige Ausrüstung!

Eine Bestellung für eine eigene Prolite short hat dann auch nicht lange auf sich warten lassen...

So habe ich nicht nur einen gesteigerten Schlafkomfort, sondern durch reduziertes Gesamtvolumen und reduziertes Gewicht auch mehr Komfort "on trail"!

Das hat mir wiedermal gezeigt, dass man seine Ausrüstungsteile nicht einzeln betrachten sollte, sondern als großes, zusammenhängendes System! So werden dann auch manchmal scheinbar schwerere Optionen auf das Gesamtsystem betrachtet die leichteren Alternativen!

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